Sport Formel-1-Teams einig: Triple-Header "dürfen nicht neuer Standard werden"!

15:25  17 september  2020
15:25  17 september  2020 Quelle:   motorsport-total.com

Front gegen Show-Pläne wächst - Fahrer lehnen Quali-Rennen ab

  Front gegen Show-Pläne wächst - Fahrer lehnen Quali-Rennen ab Die Front gegen die Pläne von Liberty, die F1-Show mit einem Quali-Rennen mit umgekehrter Startreihenfolge zu würzen, wird immer größer. Praktisch alle Fahrer lehnen dieses Format ab. Mit McLaren stellt sich auch ein zweites Team gegen den Vorschlag.Ein Mini-Rennen am Samstag soll auf bestimmten Rennstrecken das klassische Qualifikationsformat ersetzen. Der 30-minütige Sprint würde in umgekehrter Reihenfolge zum WM-Stand gestartet. Nach der aktuellen Gesamtwertung stünde Romain Grosjean ganz vorne und Lewis Hamilton ganz hinten.

Der dritte Triple-Header in Folge zehrt an den Kräften aller Beteiligter © Motorsport Images Der dritte Triple-Header in Folge zehrt an den Kräften aller Beteiligter

Nach dem ersten Triple-Header in der Formel 1 2018 war die Meinung klar: nie wieder Triple-Header! Zwei Jahre später sieht die Situation völlig anders aus. In Mugello hat die Königsklasse bereits ihren dritten Triple-Header in Folge abgeleistet. Das bedeutet neun Rennen in elf Wochen. Die Formel 1 zeigt, dass es durchaus machbar ist, die Meinung darüber hat sich jedoch nicht geändert.

Bis zu 20.000 Fans in der Eifel - Nürburgring F1-Rennen mit Zuschauern

  Bis zu 20.000 Fans in der Eifel - Nürburgring F1-Rennen mit Zuschauern Wenn die Formel 1 Mitte Oktober an den Nürburgring zurückkehrt, sind bis zu 20.000 Zuschauer auf den Tribünen live dabei. Am Dienstag (22.9.) beginnt der Karten-Vorverkauf. Die günstigsten Wochenend-Tickets gibt es bereits für 199 Euro.Ein Grund für den Zuschlag lag auch in der Aussicht auf Zuschauer an der Strecke. Deutschland spielte dieses Jahr für viele Sportarten den Vorreiter, was die Aufnahme von Fans in den Stadien anging. Dank im Vergleich zu anderen Ländern moderaten Infektionszahlen zeigten sich die Behörden bei vielen Veranstaltungen kompromissbereit.

"Eine Sache ist glasklar, und das haben wir auch der Formel 1 klar mitgeteilt: Triple-Header sind in der Formel 1 definitiv kein nachhaltiger Schritt, um voranzukommen", sagt McLaren-Teamchef Andreas Seidl. "Für unsere Mitarbeiter ist das hart. Wir sind einfach viel zu lange von zuhause und unseren Familien weg. Darum ist das definitiv etwas, gegen das wir uns aussprechen."

2020 war die Situation jedoch eine besondere. Aufgrund der Corona-Pandemie musste die erste Saisonhälfte komplett ins Wasser fallen. Die Formel 1 stand daher unter besonderem Termindruck: Einerseits wusste man nicht, in welcher Form und wie lange man überhaupt fahren kann, andererseits wollte man unbedingt 15 Rennen hinbekommen, um die vollen TV-Gelder zu bekommen und so das Überleben der Teams zu sichern.

Perez rast auf Mittelfeld-Pole - Renault unter Wert geschlagen

  Perez rast auf Mittelfeld-Pole - Renault unter Wert geschlagen Lange hinterließ Daniel Ricciardo im Mittelfeld-Kampf von Sotschi den stärksten Eindruck. Doch am Start des Rennens parkt überraschend der Racing Point von Sergio Perez in der zweiten Reihe. Im Renault-Lager hatte man eine Erklärung dafür parat.Die ersten Runden des Qualifyings schienen den guten Eindruck zu bestätigen. Im chaotischen Q2 konnte Daniel Ricciardo sogar die Zeitenliste anführen, weil die beiden Mercedes und der Verstappen-Red-Bull mit den Medium-Reifen pokerten. "Das war wirklich ein schönes Gefühl, mal wieder eine Quali-Session anzuführen", grinste der Australier.

Daher mussten die Teams nun drei Triple-Header in Folge über sich ergehen lassen. Ein weiterer in Bahrain (zweimal) und Abu Dhabi folgt zum Finale bis Mitte Dezember. "Wir haben die Saison überlebt, weil jeder versteht, dass es eine besondere Saison ist", sagt Seidl. "Und jeder versteht, dass wir alle Kompromisse eingehen müssen, weil wir diese Rennen fahren und unser Einkommen sichern müssen."

Übersättigung tritt ein

Geholfen habe laut Haas-Teamchef Günther Steiner auch der Fakt, dass in den ersten Monaten überhaupt nichts stattfinden konnte. "Alle sind froh, dass sie hier sein können", sagt der Südtiroler. Allerdings gibt es Befürchtungen, dass Liberty Media sehen könnte, dass es möglich ist, 16 Rennen in fünfeinhalb Monaten unterzubringen. Der Schritt zu 25 Rennen in einer kompletten Saison erscheint nicht weit.

Das ist wohl auch das mittelfristige Ziel der Amerikaner, doch Steiner warnt. Die aktuelle Situation als Standard für die Zukunft zu sehen, sei keine gute Idee - und das nicht nur für die Mitarbeiter, sondern auch für die Zuschauer. "Es gibt einen Sättigungsfaktor, und wenn man jedes Wochenende hintereinander fährt, dann verlieren die Leute das Interesse", sagt er.

Wegen Crash mit Mini - Formel-4-Sieg von Dürksen wird untersucht

  Wegen Crash mit Mini - Formel-4-Sieg von Dürksen wird untersucht Joshua Dürksen feiert beim Formel-4-Rennen am Hockenheimring einen Start-Ziel-Sieg. Der Erfolg des Youngsters steht jedoch aufgrund einer Untersuchung auf der Kippe. © Bereitgestellt von sport1.de Wegen Crash mit Mini - Formel-4-Sieg von Dürksen wird untersucht Vorläufige Freude bei Joshua Dürksen. Der Pilot des Teams ADAC Berlin-Brandenburg e.V. hat das erste Formel-4-Rennen am Hockenheimring gewonnen. Ganz sicher ist der Sieg des Nachwuchsstars jedoch noch nicht.

Das lässt sich alleine im deutschsprachigen Raum auch mit Zahlen unterlegen. Sky Deutschland und der ORF in Österreich hatten beim Grand Prix der Toskana die niedrigste Zuschauerzahl der bisherigen Saison, bei RTL liefen nur Barcelona (ganz knapp) und das Steiermark-Rennen schlechter. Und das obwohl eine noch nie in der Formel 1 gewesene Strecke eigentlich Interesse wecken sollte.

Ricciardo: Einfach nur noch hinlegen ...

"Alle sind ein bisschen müde, aber das ist normal. Es ist gut, dass jetzt eine kleine Pause kommt", sagt Renaults Esteban Ocon. Für die Fahrer sind die Triple-Header noch die geringste Belastung im Paddock, doch selbst die haben nach neun Rennen in elf Wochen erst einmal genug. "Ich mag die Triple-Header eigentlich, aber am Ende spürt man das schon", sagt Daniel Ricciardo.

"Es ist in Ordnung, solange es läuft, aber wenn man es geschafft hat, dann möchte ich erst einmal nur noch horizontal liegen. Das ist alles, was ich tun möchte. Und ich glaube, da spreche ich für jeden", so der Australier. "Das ist das Limit."

Und das gilt im Grunde für den gesamten Paddock, egal ob Fahrer, Mechaniker, Ingenieure, Teamchef, und auch für die Mitarbeiter in den Fabriken. Denn auch dort bedeutet der straffe Kalender zusätzliche Arbeit, weil alle Komponenten nach einem Grand-Prix-Wochenende gecheckt und gewartet werden müssen.

Vettel für Ferrari nur noch Bremsklotz

  Vettel für Ferrari nur noch Bremsklotz Sebastian Vettel hat beim Sotschi-GP kurz nach dem Start Pech. Danach wird er von Ferrari als Leclerc-Helfer benutzt. Der Deutsche spricht über die Rolle. © Bereitgestellt von sport1.de Vettel für Ferrari nur noch Bremsklotz Die Laune von Sebastian Vettel war auch schon einmal besser.Nach Platz 13 beim Großen Preis von Russland musste der Ferrari-Pilot erklären, warum es bei ihm nicht lief und sein Teamkollege Charles Leclerc als Sechster zumindest ein achtbares Ergebnis für die Scuderia erzielen konnte. 1/30 BILDERN © Getty Images Frust pur bei Sebastian Vettel.

Szafnauer: Dann suchen sich alle etwas anderes

"Das geschieht kontinuierlich Tag und Nacht, um sicherzustellen, dass wir ein schnelles und zuverlässiges Rennauto haben", sagt Mercedes-Chefstratege James Vowles, der die bisherige Saison als ziemlich hart beschreibt. Hinzu kommen dauerhafte Entwicklungen, die man für die Rennwagen benötigt, um der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein.

Werden dann Erfolge eingefahren, dann gibt das zumindest ein bisschen Motivation. Ein Ergebnis wie in Monza sei etwa für das gesamte McLaren-Team ein echter Schub gewesen, betont Teamchef Andreas Seidl. Nach der Enttäuschung von Mugello dürfte sich das Team hingegen auf die Pause vor Russland gefreut haben.

Für Seidl steht jedoch eines fest: "Wir müssen klarstellen, dass das nicht der neue Standard in der Formel 1 sein kann." Racing-Point-Teamchef Otmar Szafnauer stimmt ihm zu: "Wenn ich den Mechanikern sagen würde, dass das der Weg in Zukunft sein wird, dann glaube ich, würden sie sich etwas anderes suchen."


Galerie: Italien-Grand-Prix in Monza: Zahlen, Fakten, Statistik, Rekorde (Motorsport-Total.com)

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