Sport Nach neuem Reverse-Grid-Vorstoß: So reagieren die Formel-1-Fahrer

21:20  24 september  2020
21:20  24 september  2020 Quelle:   motorsport-total.com

„Kein Freund von Reverse Grid“ - Gespräch mit FIA-Präsident Jean Todt

  „Kein Freund von Reverse Grid“ - Gespräch mit FIA-Präsident Jean Todt FIA-Präsident Jean Todt besucht im Corona-Jahr so viele Rennen wie schon lange nicht mehr. Wir haben uns mit ihm in Mugello über Quali-Rennen mit umgedrehter Startaufstellung und die Liebeserklärung von VW-Chef Herbert Diess an die Formel 1 unterhalten.Er war bei den meisten Grand Prix zu Gast, besuchte die 500 Meilen von Indianapolis, und er wird am kommenden Wochenende auch bei den 24 Stunden von Le Mans vor Ort sein. Auch als Hommage an einen Sport, der von sich sagen kann: Schaut her, was wir trotz schwierigster Umstände auf die Beine gestellt haben.

Formel-1-Start in Mugello: Wie würde sich Reverse Grid auf die Formel 1 auswirken? © Motorsport Images Formel-1-Start in Mugello: Wie würde sich Reverse Grid auf die Formel 1 auswirken?

Ross Brawn will nochmals darüber nachdenken. Denn der Formel-1-Sportchef glaubt, der Grand Prix in Monza könnte als Vorbild für Rennen nach Reverse-Grid-Format dienen. Wenn die Formel 1 die Startaufstellung stürze und die Schnellsten nach hinten stelle, dann könnten weitere Grands Prix dieser Art dabei herauskommen - so die Theorie dazu.

Frauen in Le Mans: Schreibt Flörsch Geschichte?

  Frauen in Le Mans: Schreibt Flörsch Geschichte? Sophia Flörsch startet mit einem Damenteam bei den 24 Stunden von Le Mans. Die Deutsche kann einen Rekord aufstellen - doch die Voraussetzungen sind schwierig. © Bereitgestellt von sport1.de Frauen in Le Mans: Schreibt Flörsch Geschichte? An diesem Wochenende steht für Sophia Flörsch der bisherige Karrierehöhepunkt an: die 24 Stunden von Le Mans (Highlights am Dienstag, ab 23 Uhr auf SPORT1). "Es ist eine Ehre, dort starten zu können", sagt sie zu SPORT1. "Vor allem in einem so starken Team und ohne, dass ich Geld dafür mitbringen muss.

Die Begeisterung im Formel-1-Fahrerlager aber hält sich in Grenzen. Mercedes-Sportchef Toto Wolff etwa tat die Reverse-Grid-Idee gleich als reines Show-Spektakel ab und verglich es mit Wrestling-Events.

"Da stimme ich zu", sagte nun Sergio Perez. "Die Formel 1 braucht nichts derart Künstliches, um die Rennen aufzumischen. Ich halte es für keinen guten Ansatz und ich glaube auch nicht, dass sich ein Reverse-Grid-Sieg anfühlt wie ein echter Grand-Prix-Sieg. Außerdem würde man den Formel-1-Samstag ziemlich entwerten."

Was hat Vorfahrt: die Show oder die Leistung?

Laut Romain Grosjean liegt die Lösung für die aktuellen Probleme der Formel 1 ohnehin "woanders", so meint er. "Die Autos müssen bei der Leistung enger zusammengeführt werden. Reverse Grid und solche Dinge, das fühlt sich einfach nicht so an wie die Formel 1, mit der ich aufgewachsen bin."

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  Video: Ist Sebastian Vettels besonderer Fahrstil mit den modernen Formel-1-Autos noch zeitgemäß? Eine Frage, der wir mit Experte Marc Surer auf den Grund gehen "Das Auto fährt sich so, wie das ein Michael Schumacher gerne gefahren ist. Es ist 'pointy'", erklärt Surer auf dem YouTube-Channel von 'Motorsport-Total.com' und 'Formel1.de' (Jetzt abonnieren, Glocke aktivieren und kein neues Video mehr verpassen!). "Das heißt, das Auto klebt mit der Vorderachse, hat dann aber ein loses Heck. Das ist genau das, was Vettel nicht gerne hat.

Auch Kevin Magnussen hat Zweifel, ob sich eine gestürzte Startaufstellung mit der "DNA der Formel 1" vereinbaren ließe. Er sagt: "Der beste Mann soll gewinnen. Man sollte nicht künstlich den schlechtesten Fahrer nach vorne holen."

Daniil Kwjat denkt ähnlich und glaubt ebenfalls, eine solche Maßnahme würde "das wahre Problem" der Formel 1 nur kaschieren. Außerdem: "Selbst wenn Mercedes von P8 und P10 losfahren würde, sie wären binnen zehn Runden auf P1 und P2. So viel würde sich damit also gar nicht ändern", meint Kwjat. "Es gäbe höchstens mehr Durcheinander."

Ausnahmen müssen Ausnahmen bleiben

Letzteres könne nicht im Sinne der Verantwortlichen sein, erklärt Max Verstappen. Seine These: "Das ist nichts, wofür die Formel 1 steht." Und Reverse Grid sei "einfach nicht sein Ding", so der Red-Bull-Fahrer. "Das schnellste Auto sollte vorne stehen. Darauf arbeitet jeder hin. Warum also sollte man an der Show herumdoktern?"

Herausforderungen ausgegangen: Darum kommt Fernando Alonso zurück

  Herausforderungen ausgegangen: Darum kommt Fernando Alonso zurück Fernando Alonso erklärt seine Motivation hinter der Formel-1-Rückkehr und warum er die Königsklasse anderen Meisterschaften vorgezogen hat"Als ich alles auf den Tisch gelegt habe, was ich nächstes Jahr tun kann, fand ich die Formel 1 am attraktivsten", erklärt Alonso gegenüber der spanischen Zeitung 'AS'. Die Königsklasse hatte er am Ende der Saison 2018 verlassen. Endgültig "adios" sagen, wollte er damals aber nicht. "Ich habe die Tür nur zu 95 Prozent geschlossen, bei den offenen fünf Prozent wollte ich sehen, wie ich mich fühle.

Zumal, und das betont Alexander Albon, doch gerade außergewöhnliche Rennen wie Monza die Ausnahme seien, und das auch bleiben sollten.

"Solche Grands Prix passieren nicht allzu oft. Es braucht schon spezielle Umstände. Und die wären nicht mehr gegeben, wenn [dann immer] ein Auto gewinnt, das eigentlich nicht gewinnen sollte. Das mindert den Reiz", sagt Albon.

Vielleicht mal als Qualifying-Rennen ausprobieren ...

Williams-Fahrer George Russell dagegen gibt vor, total angefixt zu sein von der gestürzten Startaufstellung. Er witzelt: "Ich spreche wohl besser mal mit dem Team, dass sie das Auto so breit bauen, dass mich niemand überholen kann. Und dann nehmen wir den ganzen Abtrieb runter und fliegen regelrecht über die Geraden. Könnte klappen!"

Tatsächlich könne er sich mit dem Gedanken anfreunden, solange es sich dabei nicht um das Hauptrennen, sondern um ein mögliches Qualifying-Rennen handle. Einem Reverse Grid stünde er in diesem Fall nicht komplett ablehnend, sondern "50:50" gegenüber.

Er würde dem Konzept jedenfalls eine Chance geben: "Ich probiere gerne Dinge aus. Könnte spannend sein, könnte witzlos sein. Vielleicht testen wir es einmal. Jedes Wochenende aber würde ich das nicht haben wollen, vielleicht nur bei ein paar Rennen."

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Vorbehalte überwiegen bei den Formel-1-Fahrern

Auch der künftige Ferrari-Fahrer Carlos Sainz gibt sich "interessiert" und fragt sich, "was dabei herauskommen würde". Seine Hoffnung ruht aber auf dem neuen Formel-1-Reglement für 2022, auf dem "aktuellen Format mit Autos, die enger beisammen liegen", wie er sagt. "Denn das wäre perfekt."

So oder so: Vorbehalte bleiben, auch bei Daniel Ricciardo. Er meint: "Wenn wir künstlich dafür sorgen, dass jeder Fahrer einen Sieg kriegt, wie ist es dann um den Wert eines solchen Siegs bestellt? Das ist ein schmaler Grat, auch wenn wir spannende Rennen sehen wollen."

"Der große Pokal aber, der sollte für jeden und auch für die Formel 1 einen gewissen Wert haben. Mit einer gestürzten Startaufstellung wäre dieser Wert etwas gemindert."


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