Sport Enttäuschter Wellbrock: "Schmerzt natürlich" - Noch zwei Gold-Chancen

22:15  29 juli  2021
22:15  29 juli  2021 Quelle:   kicker.de

Phelps als Inspiration: Wellbrock gefällt "Favoritenrolle"

  Phelps als Inspiration: Wellbrock gefällt Er ist der Mann, dem alle nach viel Olympia-Frust deutscher Schwimmer wieder goldene Momente zutrauen. 33 Jahre nach Michael Groß und 13 Jahre nach Britta Steffen fühlt sich Florian Wellbrock bereit für den großen Coup. Ausgerechnet seine Triumph-WM enthält auch eine Warnung.Die ergreifenden olympischen Momente von Rekordsieger Michael Phelps sind für Florian Wellbrock eine große Inspiration. Videos der sagenhaften Rennen des 23-maligen Olympiasiegers waren auch in der Vorbereitung des deutschen Schwimm-Weltmeisters auf seine eigenen besonderen Sommerspiel-Augenblicke fester Bestandteil. "Momentan sind die 200 Meter Kraul von Michael Phelps aus Peking mein Lieblingsrennen.

800 Meter Freistil

Medaillentraum geplatzt: Florian Wellbrock. © picture alliance/dpa Medaillentraum geplatzt: Florian Wellbrock.

Mit einem weißen Handtuch über der Schulter hatte es Florian Wellbrock nach seiner Olympia-Enttäuschung ganz eilig, zum Ausschwimmen zu kommen. Trotz knapp verfehlter Medaille als Vierter nahm der Doppel-Weltmeister sein erstes Tokio-Finale als Mutmacher für die Goldvorhaben. Bei der WM habe er schließlich "ein deutlich schlechteres 800-Meter-Rennen gemacht", sagte der 23-Jährige am Tag vor dem Vorlauf über seine Spezialstrecke 1500 Meter Freistil an diesem Freitag (13.23 Uhr).

Vor zwei Jahren krönte er sich nach seinem Vorlauf-Aus über die 800 Meter Freistil vier Tage später im 1500-Meter-Rennen zum historischen Doppel-Weltmeister. Nun schrammte Wellbrock bei einer packenden Olympia-Premiere über 800 Meter nur um 35 Hundertstelsekunden am erhofften Edelmetall vorbei.

Köhler beendet Olympia-Tristesse der Schwimmer: Steffen "stolz" wie eine Schwester

  Köhler beendet Olympia-Tristesse der Schwimmer: Steffen "Wir haben es geschafft!" Sarah Köhler beendet die lange Medaillen-Misere der deutschen Beckenschwimmer bei Olympischen Spielen. Britta Steffen fiebert in der deutschen Nacht zu Hause mit. Geht jetzt noch mehr für Köhler, Florian Wellbrock & Co.?Sarah Köhler zitterte am ganzen Körper und weinte vor Freude. Mit Bronze um den Hals fiel die riesige sportliche Last der vergangenen Jahre in inniger Umarmung mit dem Bundestrainer von ihr ab. "Wir haben es geschafft!" Mehr brauchte Köhler nicht zu sagen.

Bei den beiden anstehenden olympischen Aufgaben über 1500 Meter im Becken und zehn Kilometer im Freiwasser zählt der Langstreckenspezialist zu den Goldfavoriten. Das nächste große Ziel ist das Finale auf der längsten Becken-Distanz am Sonntag. "Da muss ich dann noch mal alles reinwerfen", sagte Wellbrock am Donnerstag.

Wenige Minuten zuvor hatte er fast regungslos im Wasser verharrt, während seine Konkurrenten neben ihm ihre Medaillen feierten. Wellbrock pustete ein paar Mal durch und haderte mit seinem vierten Rang. "An sich habe ich mich gut verkauft. Es ist halt nur der vierte Platz, der ärgerlich ist", sagte er. Bundestrainer Bernd Berkhahn stellte fest: "Da war mehr drin."

"Noch die zweitschnellste Zeit, die ein Deutscher jemals geschwommen ist"

Wellbrock verpasst Medaille

  Wellbrock verpasst Medaille Florian Wellbrock verpasst bei 800 m Freistil knapp eine Medaille. Der Deutsche landet auf dem bitteren vierten Platz. © Bereitgestellt von sport1.de Wellbrock verpasst Medaille Doppel-Weltmeister Florian Wellbrock hat bei den Olympischen Spielen in Tokio über 800 m Freistil eine Medaille knapp verpasst.In 7:42,68 Minuten schlug der 23-Jährige als Vierter an. Gold ging überraschend an den Amerikaner Robert Finke vor Weltmeister Gregorio Paltrinieri und dem Ukrainer Michailo Romantschuk.

Seine deutsche Rekordzeit von 7:41,77 Minuten aus dem Vorlauf hätte im Finale zu Gold und damit einen Tag nach Bronze für Wellbrocks Verlobte Sarah Köhler zur zweiten Medaille für die deutschen Beckenschwimmer gereicht. Doch Wellbrock schlug nach 7:42,68 Minuten an. "7:42 ist immer noch die zweitschnellste Zeit, die ein Deutscher jemals geschwommen ist", sagte Wellbrock. Für ihn wäre es "wahrscheinlich schöner", wenn er damit Fünfter geworden wäre. Rang vier "schmerzt natürlich".

Am Tag des letzten Rennens vor großer Weltöffentlichkeit von Lagenschwimmer Philip Heintz und eines Staffel-Weltrekords sicherte sich etwas überraschend der Amerikaner Robert Finke den Olympiasieg in Wellbrocks Rennen. Der 21-Jährige legte einen beeindruckenden Schlussspurt hin. Silber holte Gregorio Paltrinieri aus Italien, Bronze der Ukrainer Michailo Romantschuk.

Weltmeister Wellbrock gewinnt Olympia-Bronze

  Weltmeister Wellbrock gewinnt Olympia-Bronze Florian Wellbrock gewinnt bei den Olympischen Spielen Bronze, die erste Männer-Medaille seit 21 Jahren. Auf Gold muss der Deutsche Schwimm-Verband 13 Jahre nach Britta Steffen und 33 Jahre nach Michael Groß weiter warten. Wellbrock hat noch eine große Chance.Doppel-Weltmeister Florian Wellbrock hat bei den Olympischen Spielen in Tokio die Bronzemedaille gewonnen. Über 1500 Meter Freistil musste sich der Goldfavorit am Samstag in Tokio 800-Meter-Olympiasieger Robert Finke aus den USA und Vize-Weltmeister Michailo Romantschuk aus der Ukraine geschlagen geben.

Paltrinieri, der in der Vorbereitung an Pfeifferschem Drüsenfieber erkrankt war, ging das Rennen schnell an und lag lange vorne. Wellbrock überholte ihn jedoch und führte, als es auf die letzten 50 Meter ging. "Normalerweise müsste ich den Paltrinieri auf den letzten 50 im Griff haben. Das hatte ich heute nicht, was das Ganze noch ein bisschen ärgerlicher macht", sagte Wellbrock über seinen Konkurrenten, mit dem er sich regelmäßig austauscht.

Kritik vom Trainer: "Zu ruhig angegangen"

Mit dem analytischen Blick des Coaches, der Wellbrock in Magdeburg trainiert und zu einem Weltklasse-Schwimmer geformt hat, sagte Berkhahn: "Florian hat seine Grundschnelligkeit nicht genutzt und ist das Rennen in der ersten Hälfte zu ruhig angegangen." Der 50-Jährige ergänzte: "Jetzt gilt es, das Geschehen aufzuarbeiten und sich im Kopf auf das nächste Rennen auszurichten."

Anders als für Wellbrock endete für Heintz die olympische Karriere an diesem Morgen (Ortszeit) im Tokyo Aquatics Centre. Der 30-Jährige schaffte es als 13. der Halbfinals in 1:58,13 Minuten nicht in den Endlauf. "Das ist jetzt definitiv das letzte Rennen für mich auf der großen Bühne gewesen", sagte der Heidelberger und resümierte im Rückblick auf seine Karriere: "Es war sehr, sehr schön, ich würde es jederzeit wieder genauso machen." Die deutschen Freistil-Frauen belegten über 4 x 200 Meter den sechsten Platz. Dem chinesischen Sieger-Quartett gelang in 7:40,33 Minuten ein Weltrekord.

Das schaffte Caeleb Dressel bei seinem Sieg über 100 Meter Freistil nicht. Seine erste Einzel-Goldmedaille bei den Sommerspielen in olympischer Bestzeit von 1:47,02 Minuten feierte der 24-Jährige dennoch ausgelassen mit nach oben gereckten Fingern auf der Leine im Becken. Über 200 Meter Brust gewann der Australier Izaac Stubblety-Cook Gold, über 200 Meter Schmetterling bei den Frauen siegte die Chinesin Zhang Yufei.

Familienmensch vom "anderen Planeten": Wellbrock und sein Gold-Tag .
Florian Wellbrock hat es geschafft: Der Ausnahmeschwimmer erfüllt sich seinen großen Traum und wird Olympiasieger. Der 23-Jährige beendet eine lange Zeit ohne Goldmedaille für die deutschen Schwimmer. Den Titel trägt Wellbrock nun "wie den eigenen Namen".Triumphierend reckte Florian Wellbrock beide Arme nach oben und genoss vor der beeindruckenden Regenbogenbrücke von Tokio Gold nach einer Machtdemonstration.

usr: 7
Das ist interessant!