Welt & Politik Bischöfe fordern Aufarbeitung des Afghanistan-Einsatzes: „Das kann und sollte ungemütlich werden“

20:55  21 september  2021
20:55  21 september  2021 Quelle:   tagesspiegel.de

Kabul Flagge Shop seit Sowjetzeit retools läuft noch einmal

 Kabul Flagge Shop seit Sowjetzeit retools läuft noch einmal KABUL, Afghanistan (AP) - ein kleines Fähnchen-Shop, versteckt im Innenhof eines Marktes Kabul hat Afghanistan die turbulente Geschichte im Laufe der Jahrzehnte mit seinen ständig wechselnden Waren dokumentiert. © Bereitgestellt von Associated Press Ein Arbeiter sammelt neu Hand gedruckt Taliban Fahnen in einem Workshop in Kabul Jawid Markt, Afghanistan, Sonntag, 12. September 2021.

Am Rande ihrer Vollversammlung kritisieren die katholischen Bischöfe das jähe Ende des Afghanistan-Einsatzes - und werfen der Regierung "bad governance" vor.

Ludwig Schick, Erzbischof von Bamberg, spricht während eines Pressegesprächs zum Ende des Afghanistaneinsatzes der Bundeswehr. © Foto: dpa/Sebastian Gollnow Ludwig Schick, Erzbischof von Bamberg, spricht während eines Pressegesprächs zum Ende des Afghanistaneinsatzes der Bundeswehr.

Afghanistan ist nicht vorbei und es darf nicht vorbei sein“, sagte Bambergs Erzbischof Ludwig Schick. „Es ist um der Menschen wichtig, dass wir Afghanistan im Blick behalten, um der Menschen willen, die dort leben.“ Der Bamberger Erzbischof ist Vorsitzender der „Kommission Weltkirche“ der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, die sich vor allem um die Arbeit der katholischen Hilfswerke kümmert. Gemeinsam mit dem für Friedensarbeit zuständigen Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer und dem katholischen Militärbischof Franz-Josef Overbeck aus Essen zog er am Mittwoch am Rande der Vollversammlung der katholischen Bischöfe in Fulda ein kritisches Resümee des Bundeswehreinsatzes am Hindukusch.

BIDEN-Beamte beschweren sich, dass die Trump-Administration einen Plan beim Abziehen von Afghanistan fehlte und sie beschuldigte, einen "nackten" Schrank hinterlassen: Bericht

 BIDEN-Beamte beschweren sich, dass die Trump-Administration einen Plan beim Abziehen von Afghanistan fehlte und sie beschuldigte, einen © Anna Moneymaker / Getty Images Präsident Joe Bide Waves, während er auf der Ellipse geht Marine One am 17. Mai, 2021 in Washington, DC. Anna Moneymaker / Getty Images Bidgen-Beamte erzählten Axios, dass die Trump-Administration einen "nackten Schrank" für den Afghanistan-Ausgang hinterließ. Die Bedingungen des unordentlichen Afghanistan-Entzugs der USA wurden unter Trump ausgehandelt.

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Dabei mahnten die Bischöfe ein kultursensibleres Vorgehen bei künftigen Bundeswehreinsätzen an. „Wirksame Unterstützung von außen muss sich mit den Menschen und ihrer Kultur verbinden“, sagte Wilmer. „Dazu braucht es Verbindlichkeit, Respekt, Geduld und die Fähigkeit, sich auf die Kultur der anderen einzulassen.“ Der Bundesregierung warf Wilmer gar „bad governance“, also schlechtes Regieren, vor: „Es macht viele, auch mich, ratlos und wütend, wie unvorbereitet und wenig geordnet die westlichen Kräfte auf die Entwicklungen im Land reagierten“. Nötig sei nun eine Auseinandersetzung mit dem Verlauf des Einsatzes. „Das kann und sollte ungemütlich werden.“

Künftig soll es im Einsatzland immer auch um politische Bildung gehen

Schick plädierte dafür, Militäreinsätze so zu konzipieren, dass sie „von vornherein als Friedensdienst geplant und durchgeführt werde“. Neben medizinischer und humanitärer Hilfe im Einsatzland müsse es immer auch um politische Bildung gehen. In Afghanistan müsse man aus Sicht des Bamberger Erzbischofs indes nun auch mit den Taliban verhandeln. „Man darf die Taliban nicht bestärken und durch Verhandlungen aufwerten“, sagte Schick. „Aber man muss mit ihnen sprechen, um die humanitäre Hilfe fortzusetzen.“

„Es gibt viele Gerüchte“: Bischöfe uneinig über Reformen – Woelki-Zukunft ungewiss .
Der Missbrauchsskandal überschattet einmal mehr das Treffen in Fulda.Auch die Zukunft von Kardinal Rainer Maria Woelki ist nach Worten Bätzings weiter unklar. Er habe keine Ahnung, ob Papst Franziskus den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki im Amt belassen wird oder nicht. „Köln war in der Tat kein Thema in der Bischofskonferenz aus dem schlichten Grund heraus, weil es keine neue Nachricht gibt“, sagte Bätzing. „Ich kann Ihnen nichts dazu sagen“, versicherte er. „Es gibt viele Gerüchte, das höre ich auch, aber ich kann nichts belegen, nichts verifizieren. Ich hab nichts zu sagen. (...) Wir warten auf eine Entscheidung, die in Rom getroffen wird.

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