Welt & Politik "Peril": Trump-Dämmerung

11:55  24 september  2021
11:55  24 september  2021 Quelle:   zeit.de

Sen. Lindsey Graham entlässt Rudy Giulianis Wahl-Betrugs-Argumente von Rudy Giuliani als Arbeit eines dritten Klasse, Buch sagt

 Sen. Lindsey Graham entlässt Rudy Giulianis Wahl-Betrugs-Argumente von Rudy Giuliani als Arbeit eines dritten Klasse, Buch sagt © Alex Wong / Getty Images Sen. Lindsey Graham mit Präsidenten Donald Trump im Weißen Haus im Januar 2019. Alex Wong / Getty Images Lindsey Graham war angeblich mit Rudy Giulianis Wählerbetrug-Argumenten von Rudy Giuliani nicht beeindruckt. Er beschrieb sie als "dritte Klasse", laut einem neuen Buch, "peril", von Woodward und Costa. Graham stimmte letztlich zur Zertifizierung von Joe Bides-Sieg über Trump am 6. Januar. Siehe weitere Geschichten auf der Business-Seite des Insiders . Sen.

Der einstige Watergate-Enthüller Bob Woodward komplettiert mit dem neuen Buch "Peril" seine Trilogie der Trump-Jahre. Eine ernüchternde Lektüre, in vielerlei Hinsicht.

Vielleicht hat die Welt nur den ersten Teil der Präsidentschaft von Donald Trump erlebt (und all die Bücher darüber verschlungen). Denn der Ex-Präsident macht einfach weiter: Auf diesem Bild sieht man ihn bei einer Kundgebung am 3. Juli dieses Jahres in Sarasota, Florida. © Eva Marie Uzcategui/​Getty Images Vielleicht hat die Welt nur den ersten Teil der Präsidentschaft von Donald Trump erlebt (und all die Bücher darüber verschlungen). Denn der Ex-Präsident macht einfach weiter: Auf diesem Bild sieht man ihn bei einer Kundgebung am 3. Juli dieses Jahres in Sarasota, Florida.

Donald Trump mag nicht mehr Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika sein, doch auf den Neuerscheinungstischen der Buchhandlungen dominiert weiterhin sein grimmiges Konterfei. Denn auch nach dem unwürdigen Ende einer unwürdigen Präsidentschaft, nach der "großen Lüge" vom angeblichen Wahlbetrug, nach tödlichen Unruhen am 6. Januar lässt Trump die US-Publizistik nicht los. Eine ganze Reihe Bücher erzählt nun das letzte Jahr der ersten Präsidentschaft Donald Trumps nach (wer weiß, ob nicht doch noch eine zweite folgt). Und in Anbetracht der dreisten Geschichtsklitterung, die der Ex-Präsident und seine vielen Steigbügelhalter in der republikanischen Partei seit Januar betreiben, ist es sicherlich wichtig, das Jahr der Pandemie, der "großen Lüge" und des Putschversuchs noch einmal im kollektiven Gedächtnis der Öffentlichkeit zu verankern.

MILLEY zeigt, dass er mit Woodward, anderen Autoren für Bücher über Trump-Präsidentschaft sprach

 MILLEY zeigt, dass er mit Woodward, anderen Autoren für Bücher über Trump-Präsidentschaft sprach Joint Chiefs of Personal Chairman Gen. Mark MiSley Am Dienstag sagte der Gesetzgeber, sagte er mit mehreren Autoren für ihre jüngsten Bücher über die Trump Administration, einschließlich des Veteranenjournalisten Bob Woodward für Sein Buch "Peril", der in den letzten Wochen enorme Prüfung des Vier-Sterne-Generals ausgelöst hat. © AP / Pool Vorsitzender der Joint Chiefs of Personal Gen.

Viele der Bücher stammen von Journalisten, die Trump seit spätestens 2016 begleiten: Seine eigenen Berater mag Trump während seiner Präsidentschaft alle paar Monate gewechselt haben, die von ihm verhassten Medien aber sind ihm seltsam treu geblieben. Der einstige Watergate-Enthüller Bob Woodward allein hat den Trump-Kanon in den vergangenen drei Jahren mit den Büchern Fear (2018), Rage (2020) und jetzt mit dem in dieser Woche in englischer Sprache erschienenen Werk Peril bereichert; letzteres hat er zusammen mit seinem Washington-Post-Kollegen Robert Costa verfasst, die deutschsprachige Übersetzung ist für Januar 2022 angekündigt.

Michael Wolff schloss ebenfalls eine Trilogie von Trump-Wälzern nun mit Landslide ab; Woodwards und Costas Washington-Post-Kollegen Carol Leonnig und Philip Rucker haben mit I Alone Can Fix It gerade eine Fortsetzung zu A Very Stable Genius (2020) vorgelegt; Michael C. Bender vom Wall Street Journal steuerte kürzlich Frankly, We Did Win This Election bei; bereits im vergangenen Herbst erschien mit What Were We Thinking des Washington-Post-Sachbuchredakteurs Carlos Lozada ein Buch über alle bis dahin erschienenen Trump-Bücher. Aktuell sind die Erzähler dieser Präsidentschaft an dem Punkt angekommen, andem aus Trump, dem gefährlichen Volkstribun, nun Trump, die (auch tragische) Figur des eigenen Untergangs wird – Wotan im Walhall, einen Big Mac fest in Händen.

Trump drückte sich zurück, als Lindsey Graham ihn bat, nach dem 6. Januar den Schaden zu reparieren ", nach dem 6. Januar: Buch

 Trump drückte sich zurück, als Lindsey Graham ihn bat, nach dem 6. Januar den Schaden zu reparieren © Tasos Katopodis / Getty Images DANN-Vizepräsident Mike Pence und dann Präsident Donald Trump im Rosengarten am März 29, 2020. Tasos Katopodis / Getty Images Lindsey Graham sprach zum Trump, dass er "den Schaden mit Pence reparieren musste, sagt ein neues Buch. Der Senator artikulierte, um zu trumpfen, dass der ehemalige Angriffe des ehemaligen Präsidenten auf Pence "unfair" waren. Im Voraus von den 2022 MIDTERMS sagte Graham, Trump, er konnte einen Schub für GOP-etablierte etablierte.

Tatsächlich bemerkt man bei der Lektüre von Woodwards und Costas Buch Peril immer wieder, wie stark die vorsätzliche Reizüberflutung der Trump-Jahre durch den Mann selbst auch die genaue Erinnerung erschwert. Es ist objektiv viel passiert im (vorerst) letzten Jahr von Donald Trumps Präsidentschaft. Aber das Irrlichternde dieses Präsidenten und seine Kunst, die Medien zu Komplizen seiner eigenen Impulsivität zu machen, verunklaren noch jedenfalls das Ordnende und Klärende, das üblicherweise im Rückblick entsteht. Erstes Impeachment, "Chinavirus", Bleichetrinken, der gewaltsam erzwungene Fotoauftritt mit Bibel vor der Kirche St. John's, der Krankenhausaufenthalt des Corona-Patienten Trump im Militärkrankenhaus Walter Reed, Four Seasons Total Landscaping, Q Shaman, zweites Impeachment – aus diesen Bruchstücken ließe sich ein neues We Didn’t Start The Fire über die USA von Januar 2020 bis Januar 2021 texten.

Dubious von Trump geistiger Gesundheit, US-General heimlich rief China: wurde Anfang Januar, dass Präsident Donald Trump war außer Kontrolle Buch

 Dubious von Trump geistiger Gesundheit, US-General heimlich rief China: wurde Anfang Januar, dass Präsident Donald Trump war außer Kontrolle Buch Das Pentagons oberster General so besorgt, dass er von geheimer Aktion zu verhindern Trump nahm einen Krieg mit China Funken, nach Ein neues Buch. © SAUL LOEB US Army General Mark Milley, Vorsitzender des Joint Chiefs of Staff, suchte China über die potenzielle Gefahr von Präsident Donald Trump zu beruhigen, nach einem neuen Buch, "Peril" von Washington Post Journalisten Robert Woodward und Bob Costa.

In Peril lassen Woodward und Costa ungefähr anderthalb Jahre Revue passieren: nicht nur den Fall Trumps, sondern auch den Aufstieg Joe Bidens. Die Fakten, die Woodward und Costa präsentieren, dürften den meisten Leserinnen noch geläufig sein; besonders interpretierungsfreudig sind die beiden Autoren auch nicht. Das Bild, das sie zeichnen, enthält wenig Überraschendes.

"Real Housewives of Führerbunker"

Gewiss, wie immer bei Woodward, dem prominentesten Chronisten aller US-Präsidenten, die seit Richard Nixon das Amt innehatten, gibt es einige Details, die bisher unbekannt waren. Wie ernsthaft etwa Trump mit dem Gedanken spielte, den Iran anzugreifen; wie sehr er nach der verlorenen Präsidentschaftswahl offenbar den Bezug zur Realität verlor; wie nervös chinesische Offizielle auf die Entwicklungen in den USA reagierten. Dann gibt es Details, die hinreichend bekannt sind und nun nur weiter ausgemalt werden: zum Beispiel, wie wenig die Menschen in Trumps Umgebung einander ausstehen konnten. Wie immer fallen in Trumps Dunst ordentlich Kraftausdrücke, Trumps letzter US-Justizminister William Barr etwa nennt Trumps Anwalt Rudy Giuliani einen "beschissenen Spinner". Es wird bei Woodwards Trump-Dämmerung derart viel hinter den Kulissen geraunzt, dass man manchmal meint, einer Show namens Real Housewives of Führerbunker beizuwohnen, nur mit fast rein männlicher Besetzung.

Top General Massiley beruhigte China, andere in geheimen Anrufen als Trump gedrückte Wahllügen, sagt der Sprecher, sagt

 Top General Massiley beruhigte China, andere in geheimen Anrufen als Trump gedrückte Wahllügen, sagt der Sprecher, sagt -Vorsitzender der Joint Chief of Personal Gen. Mark MiSly hat in den Waning-Monaten von Donald Trumps Präsidentschaft zwei Anrufe an sein chinesisches Gegenstück aufgestellt, um sich heimlich beruhigen Peking, dass die Vereinigten Staaten nicht angreifen würden. Die Anrufe wurden erstmals in dem bevorstehenden Buch "Peril" von Washington Post Journalisten Bob Woodward und Robert Costa berichtet.

Peril ist aber eben auch ein Buch über Joe Biden und die Menschen in dessen Umfeld. Das muss man nur der Vollständigkeit halber erwähnen, weil Woodward und Costa es im Buch genauso halten. Die Kapitel über Bidens Infrastrukturgesetz sind sogar mit die interessantesten Teile des Buchs; aber die Scoops, die seit einigen Tagen durch die Medienlandschaft geistern, haben damit nichts zu tun, sondern sind allesamt Enthüllungen über die Entgleisungen von Bidens Amtsvorgänger. Trump zieht noch immer alle Aufmerksamkeit auf sich.

Warum das Buch nicht einfach mit dessen Rückzug nach Mar-a-Lago endet, bleibt das Geheimnis der Autoren – viele der Konkurrenztitel tun genau das. Dabei wäre ein wirklich interessantes Buch denkbar, das den Übergang zwischen diesen zwei Präsidentschaften genauer beleuchtet. Das Problem ist, dass Bücher wie das von Woodward und Costa dieses letzte Amtsjahr Trumps und überhaupt dessen Präsidentschaft als dezidierte Anomalie darstellen: Wie erwartet endete alles im Chaos, nur mochte sich vorher niemand vorstellen, wie genau; nun wirkt der Schluss folgerichtig, der Kreis des Schreckens schließt sich, die Anomalie wird erzählerisch abgekapselt. Doch sowohl das Gros der amerikanischen Historiker als auch viele Aktivistinnen etwa der Women's Marches und von Black Lives Matter betonen seit Jahren das genaue Gegenteil: die unheilvolle Kontinuität, die Trump mit sehr alten Strukturen der White Supremacy und des Patriarchats in den USA verbindet und die auch nach dem Ende seiner Amtszeit fortdauert. Gerade nicht nur in Gestalt Trumps, der weiter bei Kundgebungen auftritt und so mindestens simuliert, er sei entweder der eigentlich rechtmäßige US-Präsident oder im Wahlkampfmodus für die kommende Präsidentschaftswahl im Jahr 2024.

'Ich kann mir nichts einfallen lassen': Obama erzählte Trump, dass er seinen größten Fehler nicht erinnern konnte, das Buch sagt

 'Ich kann mir nichts einfallen lassen': Obama erzählte Trump, dass er seinen größten Fehler nicht erinnern konnte, das Buch sagt © J. Scott AppleWhite / Pool / AP / Anadolu-Agentur / Getty Images Präsident Barack Obama, rechts, Und Präsident Donald Trump, links, kam am 20. Januar 2017 auf der Letzterer an Im Januar 2017 ritten Trump und Obama auf dem Weg zur Präsidenteneinweihung zusammen in einem Auto. OBAMA machte angeblich an und sah Trump an, bevor er sagte, er konnte sich nicht einen solchen Fehler erinnern. Siehe weitere Geschichten auf der Business-Seite des Insiders .

Aber Woodward hat diesem Spiel in seinem Journalismus viel zu lange beigewohnt, es erklärend und eben auch entschuldigend begleitet, um jetzt wirklich fundamental kritisieren oder auch nur analysieren zu können. Die sogenannten Beltway-Insider haben die antidemokratischen Umtriebe der Rechten viel zu lange als Teil eines generellen Ausdrucks von Parteilichkeit und Dysfunktion relativiert. Sie haben viel zu lange Hufeisentheorien über ideologische Exzesse "auf beiden Seiten" als seriösen Journalismus verkauft. Und bei Woodwards Co-Autor Bob Costa konnte man sich in dessen Berichterstattung für die Washington Post und in seiner früheren Moderationstätigkeit bei der Sendung Washington Week häufig nicht sicher sein, was Costa an Trump so dysfunktional fand: dessen Agenda oder nur die Unfähigkeit, diese Agenda auch durchzusetzen.

Es ist kein Wunder, dass derart viele Menschen, die in den unwürdigen letzten Kapiteln der Trump-Saga kein besonders gutes Bild abgaben, nun bereitwillig mit Woodward und Costa für deren Buch sprachen. Erstaunlich aber ist, wie bereitwillig Woodward und Costa deren Behauptungen und Framing übernehmen. Access journalism dieser Art, der sich über persönliche Zugänge zu Mächtigen definiert, hat Woodward mittlerweile zu seinem Markenzeichen gemacht. In Peril treibt er die Methode auf die Spitze. Als der Präsidentensohn Hunter Biden kurzerhand bei den Woodwards zu Hause vorbeischaut, fragt man sich als Leser, ob das womöglich als Parodie gemeint ist. Und anders als Michael Wolff, der als altgedienter Klatschreporter zumindest ordentlich fies mit seinen Quellen umspringen kann, sind Woodward und Costa unglaublich treuherzig im Umgang mit den zutiefst kompromittierten Figuren, die sie für ihr Buch interviewt haben.

Trump Anrufe MILLEY STORY 'FAKE NEWS'

 Trump Anrufe MILLEY STORY 'FAKE NEWS' Ehemaliger Präsident Trump am Tuesday spritzte neue Berichterstattung über Joint Chiefs Vorsitzender Gen. Mark MiSly als "Fake News" nach der Veröffentlichung einer Bombshell-Passage aus einem bevorstehenden Buch von Veteran Journalisten Bob Woodward und Robert Costa. © The Hill Trump Anrufe MILLEY STORY 'FAKE NEWS' Trump sagte, dass das von Woodward und Costa in ihrem Buch geschriebene Konto in ihrem Buch "Peril", das am 21.

Access journalism ist selten guter Journalismus. Die Stellen über die Bidens in Peril etwa sind unbedarft. Im Fall von Trump ist dieser Stil hingegen aktiv verzerrend. Denn generell kommt bei solchen Büchern derjenige gut weg, der mit dem Autor oder Reporter gesprochen hat (und eine Einladung in Woodwards townhouse gilt in Washington weiter als Ehre). Das zeigt sich vor allem in der Figur Mark Milley, dem Generalstabschef des US-Militärs sowohl unter Trump als auch jetzt Biden. Bei Woodward und Costa steht Milley irgendwie immer im Zentrum: "Milley war selbstgerecht und betonte gerne, wie unabhängig er sei. Aber nichts konnte ihn auf Trump vorbereiten." Milley darf diese Rolle spielen, gleichsam den Marlow zu Trumps Kurtz aus Herz der Finsternis, obwohl er, wie er selbst bemerkt, nicht an den Schalthebeln der Macht saß. Alle Figuren aus Trumps Orbit verorten sich in Peril ungefähr so: Sie waren einerseits bei allem dabei und haben immer schon vor allem gewarnt; aber andererseits hatten sie keine Macht und keinen Handlungsspielraum – sie haben nur Befehle befolgt. An dem Punkt könnte eine Analyse einsetzen, bei Hannah Arendt etwa hätte sie das einst. Bei Woodward und Costa kommt stattdessen dann ein Kapitel über die presidential debates.

Was, wenn Trump einfach ein White Supremacist ist?

Es wird in Peril zwischen den Zeilen auch äußerst klar, mit wem Woodward und Costa alles nicht oder wenig gesprochen haben. Unter anderem mit Frauen. Nancy Pelosi, die Sprecherin des Repräsentantenhauses, kommt nur als eine Stimme auf einem Kassettenrekorder vor; Hillary Clinton nur als Gesprächsgegenstand, wegen der vermasselten Wahl 2016, die natürlich alle befragten Männer besser bestanden hätten. Dabei kommt von Pelosi der beste Satz im ganzen Buch, als Milley ihr nach dem Sturm auf das Kapitol erklärt, er werde nicht zulassen, dass Trump etwas "Illegales oder Wahnsinniges" tue. "Illegal nach wessen Dafürhalten?", fragt Pelosi und fügt hinzu: "Er hat das alles schon gemacht und keiner hat etwas dagegen unternommen."

China Dodges Mark Milley Kampf, warnt vor Konflikt Beide Länder

 China Dodges Mark Milley Kampf, warnt vor Konflikt Beide Länder A Chinese Regierungsbeamter Will Hurt sagte, er sei nicht über die Besonderheiten rund um Top-US-General Mark Milley das „Geheimnis“ Telefonate nach Peking, aber seien Sie gewarnt, dass beide Länder stand zu verlieren, von der Konfrontation. © Brendan Smialowski / AFP via Getty Images Datei: Vorsitzender der Joint Chiefs of Staff Armee Gen. Mark A.

Interessante Argumentationsstränge werden in Peril zwar angerissen, aber nicht weiterverfolgt. Zum Beispiel Trumps Reaktion auf den Neonaziaufmarsch in Charlottesville 2017 ("very fine people, on both sides"), der in gewisser Weise den Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 vorwegnahm; Woodward und Costa präsentieren Charlottesville nun auch als Initialzündung für Bidens erneute Bewerbung um die Präsidentschaft. Auch die Bedeutung des Congressional Black Caucus wird erwähnt, der Gruppe Schwarzer Abgeordneter also, und insbesondere von James Clyburn, einem eher konservativen Abgeordneten der Demokraten: Der Congressional Black Caucus schlug sich früh strategisch auf Bidens Seite, aus Gründen, die offenbar weniger mit Parteipolitik als mit einer genauen Analyse der Rolle von race und Klasse in der US-Politik zu tun hatten. Woodward und Costa bringen dieser Entwicklung jedoch wenig Interesse entgegen, obwohl sie mit Clyburn viel geredet zu haben scheinen.

Die Autoren stellen es letztlich so dar, als habe Trump nur so gewirkt, als hege er Sympathien für die Neonazis und White Supremacists. Dabei ist die Frage, die Clyburn und dessen Kollegen aufwarfen – die Frage, die sie zu ihrer Biden-Strategie bewogen zu haben scheint, der aber die Autoren nicht nachgehen –, eine im Grunde einfache: Was, wenn Donald Trump schlicht und einfach ein White Supremacist ist?

Ein Buch wie Peril sollte, davon kann man als Leser durchaus ausgehen, so etwas wie Vergangenheitsbewältigung leisten, nach vier traumatischen, verstörenden, aber auch klärenden Jahren US-Geschichte. Stattdessen aber scheinen Woodward und Costa vor allem (und selektiv) Persilscheine ausstellen zu wollen: Wer stand auf der richtigen oder zumindest nicht völlig falschen Seite der Geschichte? Peril ist somit keine schonungslose Aufarbeitung. Seine äußere Funktion ist vielmehr – ob das die Autoren bezweckten oder nur als unvermeidliche Folge ihrer Arbeit akzeptierten – Teil der gesellschaftlichen Wiedereingliederung mancher gerade noch glühender Trumpisten. Sie brauchen, so sie nicht altersmäßig am Ende ihrer Karriere angelangt sind, neue berufliche Verwendungen und ziehen gerade in Richtung von Thinktanks, Fernsehsendern oder Ivy-League-Universitäten weiter. Da hilft eine Beichte gegenüber Bob Woodward. Dessen wohl berühmtestes Buch ist bis heute das mit Carl Bernstein verfasste erste Watergate-Buch All the President’s Men – all die Männer des Ex-Präsidenten Trump kommen in Peril hingegen vergleichsweise gut weg.

Eine Vermutung: Woodward und Costa haben nicht etwa vergessen, wie man guten Journalismus macht, sie haben schlicht ihre eigene Aufgabe missverstanden. Sie benutzen Milley, Barr, Kellyanne Conway und viele andere auch, um den Mann zu verstehen, der ihre eigentliche Mission ist: der Mann, der das Titelbild von Fear und Rage zierte und der sich jetzt das Cover von Peril mit Joe Biden teilen muss. Woodward und Costa sind offenbar davon ausgegangen, dass die Leserinnen Trump wollen und sonst nichts, und also sind die anderen Figuren nur dazu da, Trump zu beleuchten und zu erklären.

Dabei wird schnell klar, dass der Trump, der in Peril beschrieben wird, nur allzu bekannt ist: unaufmerksam, narzisstisch, manipulierbar, allergisch gegen jeden Anschein von Schwäche; durchschaubar und von allen bereits durchschaut. Trump ist der größtmögliche Unfall, von dem niemand den Blick abwenden kann, obwohl aus dessen Person sich letztlich wenig erklärt, was über sie hinausweist; nicht einmal, dass es möglich war, dass dieser Mann US-Präsident werden konnte, ist im Rückblick überraschend. Trump ist wie ein schwarzes Loch, in das alle starren, ohne dass dabei eine wesentliche Beobachtung entstünde. Dieses schwarze Loch frisst nur alle Energie.

Die eigentlich interessanten Menschen sind jene, die Trump zuarbeiteten. Die Motive der Ermöglicher und ihr Tun müssten eigentlich Hauptgegenstand der Betrachtung sein, jedenfalls dann, wenn man Interesse an einer Analyse systemischer Zusammenhänge hätte. Warum etwa stieß ein Mann mit halbwegs intaktem Leumund wie William Barr noch zu einem so späten Zeitpunkt zum Team Trump im Jahr 2019, als selbst dem naivsten Beobachter hätte klar sein müssen, welche Gefahr von diesem Präsidenten ausging – auch für die eigene Reputation etwa von Barr. Von diesen Steigbügelhaltern haben sich Woodward und Costa anscheinend monatelang erklären lassen, wie der jeweilige Gesprächspartner in Wirklichkeit Trump in die Schranken gewiesen und die Republik gerettet habe. Sie zu ihrem Steigbügelhalten zu befragen, scheinen die Autoren nicht erwogen zu haben.

Stattdessen zeigen Woodward und Costa, wie Senator Lindsey Graham versuchte, Trump nach der verlorenen Wahl behutsam in die Wirklichkeit zurückzubringen, und es nach dem gescheiterten Putschversuch schaffte, Trump vor einer Verurteilung im zweiten Impeachment im Senat zu bewahren. Und Woodward und Costa berichten dann, wie Graham versucht, diesen in Grahams eigener Darstellung doch vollkommen der Realität entrückten Ex-Präsidenten auf eine mögliche zweite Amtszeit vorzubereiten. Spätestens da hätte man einmal nachhaken können. Aber dazu hätte einem auffallen müssen, dass zwischen den Zeilen die Männer und Frauen, die sich in Peril als Retter der Demokratie in dunkler Stunde präsentieren dürfen, vielmehr perfekte Fallstudien für Komplizenschaft sind. Diese seriösen Persönlichkeiten, diese "ehemaligen Princeton-Hockeyspieler, stämmig und gerade wie ein Ladestock mit 1,75 Meter" (Woodward/Costa über Mark Milley) sind am Schluss nicht mehr als Von-Papen-Kameraden.

Das heißt nicht, dass Woodwards und Costas Buch als Faktensammlung nicht beeindruckend wäre. Peril ist auch, ohne es offenbar zu wollen, als Diagnose interessant. Denn die blinden Flecken, Auslassungen und analytischen Schwachstellen in Peril zeigen symptomatisch, wieso die amerikanische Medienlandschaft auf den autoritären Vormarsch Trumps so schlecht vorbereitet war und wohl auch weiterhin ist. Peril ist ein Indiz dafür, wie Donald Trump zur titelgebenden Gefahr werden konnte. Und die Antwort hat weniger mit Donald Trump zu tun als mit den Zuarbeitern. Oder, wie Bob Woodward und Robert Costa sie nennen: den Quellen.

China Dodges Mark Milley Kampf, warnt vor Konflikt Beide Länder .
A Chinese Regierungsbeamter Will Hurt sagte, er sei nicht über die Besonderheiten rund um Top-US-General Mark Milley das „Geheimnis“ Telefonate nach Peking, aber seien Sie gewarnt, dass beide Länder stand zu verlieren, von der Konfrontation. © Brendan Smialowski / AFP via Getty Images Datei: Vorsitzender der Joint Chiefs of Staff Armee Gen. Mark A.

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