Welt & Politik Bundestagswahl: Rentner, Staatsgeldempfänger, Migranten: Wer hat welchen Einfluss auf die künftige Politik des Landes?

17:15  26 september  2021
17:15  26 september  2021 Quelle:   handelsblatt.com

Bundestagswahl 2021: Alle wichtigen Fragen und Antworten zur Bundestagswahl

  Bundestagswahl 2021: Alle wichtigen Fragen und Antworten zur Bundestagswahl Bundestagswahl 2021: Alle wichtigen Fragen und Antworten zur Bundestagswahl . Erklärt werden auch Begriffe wie Ausgleichs- und Überhangmandate sowie die Bedeutung von Erst- und Zweitstimmen.Alle wichtigen Fragen un 2021 im ÜberblickWann ist die Bundestagswahl 2021?Die 20. Bundestagswahl in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ist am Sonntag, den 26. September 2021.Wann sind die Wahllokale zur Bundestagswahl geöffnet?Am Wahlsonntag sind die Wahllokale von 8.00 Uhr morgens bis 18.00 Uhr am frühen Abend geöffnet.

Rentner haben andere Prioritäten als Erstwähler, Frauen andere als Männer. Welche Politik gemacht wird, hängt auch von der Zusammensetzung der Wahlbevölkerung ab. Einblicke in fünf Wählergruppen.

Am Sonntag sind Bundestagswahlen. © dpa Am Sonntag sind Bundestagswahlen.

Rund 60,4 Millionen Wahlberechtigte entscheiden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes am Sonntag über die Zusammensetzung des nächsten Bundestags – und damit indirekt über die Kanzlerin oder den Kanzler. Aber welche Wählergruppe hat welchen Einfluss? Und was bedeutet das für die Gestaltungsoptionen in bestimmten Politikfeldern? Ein paar Einblicke in die Wählergruppen.

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Gerontokratie – Die Herrschaft der Alten

Rund 38 Prozent der Wahlberechtigten sind 60 Jahre oder älter, etwa jeder fünfte ist mindestens 70 Jahre alt. Gegen diese Gerontokratie – die Herrschaft der Alten – lässt sich schwer Politik machen. Leistungskürzungen bei Rente, Gesundheit oder Pflege sind für jede Partei tabu, die die Senioren nicht verprellen will.

Und die Wählergruppe der Alten ist, dem demografischen Wandel folgend, immer stärker geworden. 1972, in der damaligen Bundesrepublik, waren nur 27 Prozent der Wahlberechtigten 60 Jahre oder älter. Bei der letzten Bundestagswahl 2017 betrug der Anteil dann schon rund 36 Prozent.

Hinzu kommt, dass die Wahlbeteiligung – mit Ausnahme der jüngsten und der ältesten Altersgruppe – mit steigendem Alter zunimmt. Die Senioren sind also nicht nur zahlenmäßig eine entscheidende Kraft, sie machen auch besonders eifrig von ihrem Wahlrecht Gebrauch.

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  Bei einer Ampelkoalition: Lindners Lohn als Kanzlermacher: Finanzminister Ohne die Trophäe Finanzministerium würde der FDP-Chef kaum in keine Ampel-Koalition eintreten können. Sein Chancen, dass er den Posten am Ende auch bekommt stehen gut. © dpa Der FDP-Chef will Bundesfinanzminister werden. Als Trainer-Legende Pep Guardiola 2013 als Coach des FC Bayern anfing und zur Transferpolitik des Sommers gefragt wurde, machte er eine Bemerkung, die es in die Geschichtsbücher der Bundesliga schaffen sollte: „Thiago oder nix.

Die Neulinge – Wie ticken die Erstwähler?

2,8 Millionen Jugendliche sind seit der letzten Bundestagswahl volljährig geworden und dürfen jetzt zum ersten Mal ihre Stimme abgeben. An allen Wahlberechtigten haben die Erstwähler damit einen Anteil von 4,6 Prozent. Sie sind zwar mit CDU-Kanzlerin Angela Merkel groß geworden, aber ihre Sympathie gehört mehrheitlich den Grünen.

So hatte das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Juni im Auftrag des Senders RTL ermittelt, dass 42 Prozent der 18- bis 20-Jährigen die Partei von Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock wählen würden. Auch in einer Insa-Umfrage für die „Bild am Sonntag“ von Ende August lagen die Grünen mit 30 Prozent vorn – in diesem Fall aber in der größeren Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen.

Einen Dämpfer für Baerbocks Hoffnungen, gerade bei den Jüngeren punkten zu können, brachte jedoch vor wenigen Tagen die Erhebung „Teengeist“. In deren Rahmen befragen die Agentur Fischerappelt und das Meinungsforschungsinstitut Appinio regelmäßig junge Menschen zwischen 16 und 24 Jahren zu ihrer persönlichen Lebenswelt und politischen Präferenzen.

Was Sie zur Bundestagswahl 2021 im Kreis Gütersloh wissen müssen

  Was Sie zur Bundestagswahl 2021 im Kreis Gütersloh wissen müssen Gütersloh. Am 26. September 2021 wird der neue Bundestag gewählt. Wer tritt im Kreis Gütersloh an? Wie schnitten die Parteien vor vier Jahren ab? Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um die Wahl. © Kay Nietfeld Abgeordnete des Deutschen Bundestags bei einer Sitzung im Plenarsaal. Zu welchem Wahlkreis gehört der Kreis Güterloh?Ein Großteil des Kreises Gütersloh gehört zum Wahlkreis 131 Gütersloh I. Dazu zählen Borgholzhausen, Gütersloh, Halle (Westfalen), Harsewinkel, Herzebrock-Clarholz, Langenberg, Rheda-Wiedenbrück, Rietberg, Steinhagen, Verl und Versmold.

Das überraschende Ergebnis: Bei der Sonntagsfrage lag die Union mit 26 Prozent der Stimmen vorn und sechs Prozentpunkte vor den Grünen. Die FDP käme bei den Jugendlichen auf 14 Prozent, die SPD auf elf Prozent, Linke und AfD erhielten jeweils sechs Prozent. Auch im direkten Vergleich der Spitzenkandidaten liegt CDU-Mann Armin Laschet mit 17 Prozent vor Baerbock (15 Prozent) und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz (neun Prozent).

Gut 60 Millionen Wahlberechtigte entscheiden über die Zusammensetzung des nächsten Bundestags. © dpa Gut 60 Millionen Wahlberechtigte entscheiden über die Zusammensetzung des nächsten Bundestags.

Die Frauen – Leichter Überhang

Von den 60,4 Millionen Wahlberechtigten sind 31,2 Millionen oder 51,7 Prozent Frauen und 29,2 Millionen Männer. Der leichte Überhang ergibt sich durch die längere Lebenserwartung der Frauen aber allein bei der Generation 60 plus.

In der letzten Legislaturperiode waren die Frauen – gemessen an ihrem Anteil an den Wahlberechtigten – im Parlament stark unterrepräsentiert. Sie stellten weniger als ein Drittel der Abgeordneten des Bundestags. Ob sich daran viel ändern wird, ist fraglich. Denn von den 6211 Kandidatinnen und Kandidaten, die sich um ein Mandat bewerben, sind wiederum nur knapp ein Drittel Frauen.

Was Sie zur Bundestagswahl 2021 in Hamm wissen müssen

  Was Sie zur Bundestagswahl 2021 in Hamm wissen müssen Hamm. Am 26. September 2021 wird der neue Bundestag gewählt. Wer tritt in Hamm an? Wie schnitten die Parteien vor vier Jahren ab? Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um die Wahl. © Kay Nietfeld Eine Sitzung des Deutschen Bundestags findet im Plenarsaal statt. Zu welchem Wahlkreis gehört Hamm? 1/3 BILDERN © Bereitgestellt von RP ONLINE 2/3 BILDERN © Bereitgestellt von RP ONLINE 3/3 BILDERN © Bereitgestellt von RP ONLINE Die westfälische Stadt Hamm ist Teil des Wahlkreises 145 Hamm – Unna II.

Staatsgeldempfänger – Jeder zweite Wahlberechtigte profitiert

Etwa jeder zweite Wahlberechtigte bei dieser Bundestagswahl erhalte „gutes Geld vom Staat“, sagte Michael Eilfort, Vorstand der Stiftung Marktwirtschaft, kürzlich vor Journalisten in Berlin. In einer groben Überschlagsrechnung hat sich die Stiftung dafür angeschaut, wie viele Rentner, Versorgungsempfänger, Staatsdiener und Transferbezieher es unter den Wahlberechtigten gibt, also beispielsweise Empfänger von Arbeitslosen-, Kurzarbeitergeld oder Grundsicherung.

Leistungen der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherungen oder das Kindergeld sind dabei noch gar nicht eingerechnet worden. Auch ist natürlich zu berücksichtigen, dass etwa für die Rente oder das Arbeitslosengeld auch Beiträge gezahlt worden sind. Dennoch zeigt die Überschlagsrechnung, wie schwer es einer künftigen Regierung fallen dürfte, Leistungskürzungen durchzusetzen – und wie wichtig eine solide Finanzierung der Sozialsysteme ist.

Menschen mit Migrationshintergrund – Zurückhaltung beim Wählen

Der Anteil der Wahlberechtigten mit Migrationshintergrund steigt seit Jahren und liegt aktuell bei etwa zwölf Prozent. Bei der Wahl vor vier Jahren waren es noch rund zwei Prozentpunkte weniger. Nach dem Mikrozensus lebten 2019 in Deutschland rund 7,4 Millionen volljährige Deutsche, die entweder selbst eingewandert sind oder aus einer Einwandererfamilie stammen.

SPD und Union liefern sich knappes Rennen

  SPD und Union liefern sich knappes Rennen Prognosen und Hochrechnungen zufolge liegen Union und SPD bei der Bundestagswahl eng beieinander. Die Union stürzte mit Armin Laschet auf ein Rekordtief, die SPD mit Olaf Scholz legte deutlich zu. Doch zunächst ist nicht klar, wer stärkste Kraft wird – und für wen sich aus dem Ergebnis ein Regierungsauftrag ableitet. © Sebastian Gollnow Die Bundestagswahl hat begonnen. Rund 60.000 Wahllokale haben am Sonntag um 8 Uhr geöffnet. Starke Zugewinne für die Sozialdemokraten, historisches Debakel für die Union - und beide beanspruchen das Kanzleramt für sich.

Nach einer Studie des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) lag die Wahlbeteiligung der Wahlberechtigten mit Migrationshintergrund bei der Bundestagswahl 2017 etwa 20 Prozentpunkte niedriger als bei den Bürgerinnen und Bürgern ohne Einwanderungsgeschichte.

Und sie engagieren sich auch außerhalb von Wahlen seltener politisch als der Durchschnitt der Bevölkerung. Im SVR-Integrationsbarometer 2018 gaben nur knapp 53 Prozent der Befragten mit Einwanderungsgeschichte an, sich „eher stark“ oder „sehr stark“ für Politik zu interessieren. Bei den Befragten ohne Migrationshintergrund lag der Anteil mit knapp 70 Prozent deutlich höher.

Die niedrige Wahlbeteiligung und das geringere politische Interesse könnten gravierende Folgen haben, schreiben die Studienautoren: „Denn mit der kontinuierlichen Zunahme des Bevölkerungsanteils mit ausländischen Wurzeln steigt die Zahl der Menschen, deren Interessen innerhalb des politischen Systems potenziell unberücksichtigt bleiben.“

Was das Wahlverhalten angeht, differenzieren weder die offizielle Wahlstatistik noch die Exit Polls nach dem Migrationshintergrund. Die Parteipräferenz lässt sich also nur über Befragungen herausfinden. Lange Zeit hatte die SPD bei Wählern mit Migrationshintergrund die Nase vorn, doch Studien deuten darauf hin, dass sich die Parteipräferenzen in den zurückliegenden Jahren verschoben haben.

Nach einer Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung nannten 2019 nur noch 13 Prozent der Türkischstämmigen die SPD als bevorzugte Partei, vier Jahre zuvor waren es noch 50 Prozent. Demgegenüber gewann die Union in der Wählergunst von 17 auf 53 Prozent.

Stimmung in den Parteizentralen: Jubel und Enttäuschung sind sich ganz nah – Eindrücke unserer Reporter von den Wahlpartys

  Stimmung in den Parteizentralen: Jubel und Enttäuschung sind sich ganz nah – Eindrücke unserer Reporter von den Wahlpartys Bedrückende Stille bei der Union, erst Jubel, dann Anspannung bei SPD und Grünen, Vorfreude bei der FDP: Kaum eine Partei kann ausgelassen feiern . Die Reaktionen der Partygäste sind vielsagend. © dpa Das Konrad-Adenauer-Haus am Wahlabend – inklusive Schatten von Spitzenkandidat Armin Laschet. Auch mehrere Stunden nachdem die Wahllokale geschlossen haben, ist die Bundestagswahl 2021 noch nicht entschieden. Die Stimmung in den Parteien hat fast mehr Aussagekraft als die nackten, vorläufigen Zahlen.

Bei den Spätaussiedlern hat die Union im Vier-Jahres-Vergleich ein wenig Ansehen eingebüßt, lag aber 2019 mit 47 Prozent weiter klar vorn. Stark zulegen konnte die AfD, die in der Wählergunst der Spätaussiedler von drei auf 16 Prozent kletterte.

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CDU und CSU verlieren Hundertausende Wähler an andere Parteien. Die AfD ist bei Männern deutlich beliebter als bei Frauen. Die spannendsten Zahlen zur Bundestagswahl. © dpa SPD und Union sind vor allem bei älteren Wählern beliebt. Das politische Stimmungsbild in Deutschland hat sich gedreht: Die SPD liegt laut vorläufigem Endergebnis mit 25,7 Prozent vor der Union, die mit 24,1 Prozent ein historisch schlechtestes Ergebnis einfährt. Verloren haben CDU und CSU Wähler laut Analyse vor allem an die Sozialdemokraten. Beliebt sind die beiden Volksparteien vor allem bei älteren Wählern.

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