Welt & Politik Österreich: Wenn einen nichts mehr wundert

21:45  11 oktober  2021
21:45  11 oktober  2021 Quelle:   zeit.de

Hamann übt Kritik an Flick-Aufgebot

  Hamann übt Kritik an Flick-Aufgebot Ridle Baku steht nicht im DFB-Aufgebot von Hansi Flick für die anstehenden Spiele in der WM-Quali. Dietmar Hamann kann diese Entscheidung nicht nachvollziehen. © Bereitgestellt von sport1.de Hamann übt Kritik an Flick-Aufgebot Neben Mats Hummels fehlt auch Ridle Baku im Aufgebot von Hansi Flick - doch warum eigentlich?Der 23-Jährige war bei der ersten Länderspielphase des neuen Bundestrainers noch ein Bestandteil des neu formierten Teams. Vor dem dritten und letzten Spiel auf Island war Baku da allerdings zurückgeschickt wurden.

Österreich ist unter Sebastian Kurz zu einer Soap Opera mutiert. Da ist man als österreichischer Romanautor echt aufgeschmissen: Was soll man noch schreiben? Ein Versuch

Jetzt ist schon wieder was passiert: Sebastian Kurz am 7. Oktober, zwei Tage vor seinem Rücktritt als Bundeskanzler, noch mehr als üblich umringt von Mikrofonen und Kameras. © Getty Images Jetzt ist schon wieder was passiert: Sebastian Kurz am 7. Oktober, zwei Tage vor seinem Rücktritt als Bundeskanzler, noch mehr als üblich umringt von Mikrofonen und Kameras.

Im August 2021 ist der aktuelle Roman "Salonfähig" von Elias Hirschl erschienen. Er erzählt von einem Politikertypus, dem möglicherweise auch der neuerdings ehemalige österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz angehört. Die Realität, sieht man, überholt die Fiktion manchmal auf gar seltsamen Wegen.

Steve Clarke auf seinen schottischen geheimen Waffen, als er die Spieler warnt, um den Sieg über Österreich nicht zu verschwenden

 Steve Clarke auf seinen schottischen geheimen Waffen, als er die Spieler warnt, um den Sieg über Österreich nicht zu verschwenden Steve Clarke hat das Schottland nicht riskiert, um den Sieg des letzten Monats über Österreich zu riskieren, da seine Seite ihren zweiten Platz in der Gruppe F. © Scotland Manager Steve Clarke Uhrenüberwachung über das Training vor dem Showdown mit Israel bei Hampden (pH ...

Der österreichische Autor Wolf Haas beginnt jeden seiner Brenner-Krimis mit dem Satz "Jetzt ist schon wieder was passiert", und zurzeit überlege ich mir ernsthaft, ob ich mir die Phrase nicht doch endlich tätowieren lassen soll.

Wenn man als Österreicher*in am Samstagvormittag von einem deutschen Medium die Frage gestellt bekommt, ob man bis Mittwoch einen Text über den Bundeskanzler schreiben könne, dann lohnt es sich eigentlich nicht, vor Dienstag mit dem Schreiben anzufangen. Oder man beeilt sich und schickt den Text schon am Montag. Weil man nicht wissen kann, wer bis Mittwoch überhaupt noch im Amt ist. Österreich hatte in den vergangenen vier Jahren sechs Kanzler*innen, von denen nur zwei Sebastian Kurz waren (in chronologischer Reihenfolge): Christian Kern, Sebastian Kurz, Hartwig Löger, Brigitte Bierlein, Sebastian Kurz und nun Alexander Schallenberg. Da braucht man gar nicht versuchen, literarisch irgendwas vorherzusagen, sondern kann eigentlich gleich die Tarotkarten auspacken.

Kurz vor Misstrauensvotum: Österreichs Grüne scheitern mit Vorstoß für Etat-Beschluss

  Kurz vor Misstrauensvotum: Österreichs Grüne scheitern mit Vorstoß für Etat-Beschluss Gemeinsam mit der ÖVP hatten die Grünen ein Etat-Budget bereits ausgehandelt. Doch nun steht einem Beschluss etwas im Wege: das Misstrauensvotum gegen Kurz. © Foto: Georg Hochmuth/APA/dpa Sigrid Maurer und Werner Kogler von den Grünen in Österreich. Die Grünen in Österreich sind mit ihrem Vorstoß gescheitert, unmittelbar vor dem geplanten Misstrauensvotum gegen Kanzler Sebastian Kurz das bereits ausverhandelte Budget gemeinsam mit der ÖVP noch offiziell zu beschließen. Der Ministerratsbeschluss und das Votum im Nationalrat seien seit langem für den 18.

Inzwischen ist man es hier gewohnt, dass die politischen Verhältnisse dauernd umgeschmissen werden. Dass die Kommunisten in Graz über 30 Prozent holen, während eine Impfgegner-Partei namens MFG mit über sechs Prozent aus dem Stand in den Landtag Oberösterreichs einzieht. Das ist normal. Man wundert sich nicht mehr darüber. Man wundert sich über gar nichts mehr, bis schließlich der Bundespräsident Alexander Van der Bellen höchstpersönlich ans Pult tritt und seine Pressekonferenz mit den Worten "Sie fragen sich in Stunden wie diesen vielleicht: 'Was ist denn jetzt schon wieder passiert?'" einleitet.

Man schüttelt nicht einmal mehr resigniert den Kopf

Dieser Satz ist das Was bisher geschah dieses zur Soap Opera mutierten Landes. Die österreichischen Nachrichtensendungen sind inzwischen zur Sitcom des deutschen Fernsehpublikums verkommen, das sich entspannt aus sicherer Distanz fremdschämen kann. Aber als Österreicher*in schämt man sich nicht mehr, als Österreicher*in schüttelt man nicht einmal mehr resigniert den Kopf. Man nimmt das alles nicht mehr als besondere Vorfälle wahr.

Österreich: Reaktionen auf Rücktritt von Kanzler Sebastian Kurz

  Österreich: Reaktionen auf Rücktritt von Kanzler Sebastian Kurz Die Opposition wertet den Rückzug von Österreichs Kanzler als politischen Schachzug. Für sie steht fest: Kurz wird die Fäden von nun an aus dem Hintergrund ziehen. Die Reaktionen im Überblick. © Helmut Fohringer/ AFP Untreue, Korruption, gekaufte Presse: Bundeskanzler Sebastian Kurz hat Österreich in eine tiefe Krise gestürzt. Jetzt hat er seinen Rücktritt erklärt und den bisherigen Außenminister Alexander Schallenberg als seinen Nachfolger vorgeschlagen. Kurz kündigte jedoch keinen völligen Rückzug aus der Politik an. Er will ÖVP-Chef bleiben und zudem die Fraktion im Parlament anführen.

"Sie werden sich noch wundern, was alles möglich ist", formulierte es das Ehrenmitglied der völkischen und demokratieskeptischen Burschenschaft Marko-Germania zu Pinkafeld, Norbert Hofer, mit bedrohlichem Unterton, als er einmal fast Bundespräsident geworden wäre, obwohl die Vereinigung, von der er immer noch nicht ausgetreten ist, die Nation Österreich als "geschichtswidrige Fiktion" ablehnt. Aber mich wundert gar nichts mehr.

Mich wundert nicht mehr, dass ein Finanzminister vor wenigen Monaten Tausende Seiten Mails auf Papier ausgedruckt und in 30 Umzugskartons mit 204 Ordnern ans Parlament geliefert hat – mutmaßlich, damit sie nicht digital durchsucht werden können. Mich wundert nicht, dass die Frau des Finanzministers mit dem Laptop ihres Mannes spazieren gegangen ist, während zu Hause eine Hausdurchsuchung anstand. Mich wundert nicht, dass zu einer Pressekonferenz eingeladen wurde, wo man Parteifreunde vor einer anstehenden Hausdurchsuchung gewarnt hat; oder dass der Bundeskanzler fragt, ob er ein Bundesland aufhetzen könne; oder dass Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka die mögliche Abschaffung der Wahrheitspflicht im Ibiza-Untersuchungsausschuss in den Raum stellte. Derselbe Nationalratspräsident übrigens, der eine Aufstockung der Videoüberwachung im öffentlichen Raum damit rechtfertigte, dass ihm ein Fremder regelmäßig vor die Haustür geschissen hatte – ein Fremder der, mit Verlaub, ein patriotischer Held ist.

Vereidigung Schallenberg: Österreich bekommt neuen Kanzler – Bundespräsident mahnt

  Vereidigung Schallenberg: Österreich bekommt neuen Kanzler – Bundespräsident mahnt Der 52-jährige Schallenberg tritt die Nachfolge von Sebastian Kurz an. Schallenberg und Vize-Kanzler Werner Kogler wollen die seit Januar 2020 regierende Koalition aus konservativer ÖVP und Grünen fortsetzen. Es gebe trotz der jüngsten Regierungskrise ein tragfähiges Fundament dafür, versicherten sie. Der Bundespräsident nahm beide persönlich in die Pflicht, für eine sachliche und konstruktive Zusammenarbeit des Bündnisses zum Wohl der Österreicher zu sorgen.Der 52-jährige Schallenberg war bislang Außenminister, er ist ebenso wie Kurz Mitglied der konservativen ÖVP.

Mich wundert nicht, dass Sebastian Kurz im August mit 99,4 Prozent der Stimmen als ÖVP-Chef bestätigt wurde, und eben so wenig, dass die Neue Volkspartei im Februar 2021 versucht hat, das Zitieren aus Akten zu verbieten, womit dieser Text hier illegal wäre.

Da ist man als Autor irgendwann echt aufgeschmissen, wenn man sich anstrengt, seine politischen Romanfiguren nicht zu polemisch zu überzeichnen, nicht zu klischeehaft darzustellen. Und dann redet der mittlerweile ehemalige Chef der Staatsholding Öbag, Thomas Schmid, in den Chatprotokollen des bloß aktuellsten Skandals ernsthaft davon, dass er "wie der Pöbel" reisen müsse, und fantasiert darüber, ein Gesetz zu ändern, nur damit er weiterhin mit Diplomatenpass reisen darf, wie so eine drittklassige Nebenfigur in Sturm der Liebe. Diese Leute sind ihre eigenen Parodien. Ihr eigenes wandelndes Klischee.

Wenn Schmid im Zuge des "Projekt Ballhausplatz", das Sebastian Kurz als neuen ÖVP-Chef in Stellung brachte, über den alten ÖVP-Bundeskanzler Reinhold Mitterlehner schreibt, "Mitterlehner ist ein Linksdilettant und ein riesen oasch!! Ich hasse ihn Bussi Thomas" [sic], dann weiß man nicht, wie man sich als Autor und Satiriker dazu verhalten soll. Das kauft mir doch niemand ab, dass diese Leute wirklich so reden, sich wirklich so verhalten.

Österreichs neuer Bundeskanzler: Alexander Schallenberg

  Österreichs neuer Bundeskanzler: Alexander Schallenberg Bisher war Alexander Schallenberg österreichische Außenminister, zwei Tage nach dem Rücktritt von Kanzler Kurz folgt er nun diesem ins Amt. Schallenberg trage große Verantwortung, mahnte Bundespräsident Van der Bellen. © Lisa Leutner/AP/picture alliance Österreichs neuer Bundeskanzler Alexander Schallenberg Nach einer tagelangen politischen Krise ist der ÖVP-Politiker Alexander Schallenberg als neuer österreichischer Regierungschef vereidigt worden. Zum neuen Außenminister wurde der Diplomat Michael Linhart berufen, der bisher Botschafter seines Landes in Frankreich war.

Kurz und seine Entourage, das sind keine PR-Experten, das sind keine politischen Talente, das sind fünfzehnjährige Jungs in ihrem geheimen Baumhaus, wo keine Mädchen erlaubt sind. Der Mitterlehner will den Sebastian nicht an seinen Gameboy lassen, deshalb hassen wir den jetzt ganz, ganz doll, richtig doll hassen wir den :-((. Das sind Menschen, die nie dem Hierarchiesystem der Schulsprecherwahl entwachsen sind. Rich Kids, die mit zwölf Jahren schon Spielgeld von ihrem Papa zum Investieren bekommen haben. "So weit wie wir bin ich echt noch nie gegangen", schreibt Thomas Schmid, völlig unbekümmert, dass er gerade eine Spur hinterlässt. "Geniales Investment. Und Fellner ist ein Kapitalist. Wer zahlt, schafft an. Ich liebe das."

Man stelle sich vor, ich könnte dem Verleger Wolfgang Fellner genauso 116.000 Euro Steuergeld vom Wirtschaftsministerium dafür zahlen, dass er eine volle Doppelseite positive Berichterstattung über meinen neuen Roman in einer der reichweitenstärksten Boulevardzeitungen des Landes druckt. Und wenn er nicht spurt, schreib ich ihm, ich bin "echt sauer!!!!! mega sauer" [sic], und der mächtigste Medienmogul des Landes entschuldigt sich daraufhin bei mir und sagt zu, dass er mein Buch nächsten Mittwoch besprechen lässt, es tut ihm so leid, er versteht das voll, er meldet sich in 30 Minuten und macht dann eine volle Doppelseite und hofft, dass ich nicht mehr sauer bin auf ihn.

Und diese reichen, verwöhnten kleinen Jungs, die in der Schülerunion aufgewachsen sind, wo man bekanntlich schon Punkte fürs Schmusen und Pempan mit Funktionären sammeln konnte; genau diese unqualifizierten Dilettanten, die mal Finanzminister, dann wieder Kulturminister oder Außenminister sind, als würden sie Praktikumsstellen durchprobieren, als hätte das, was sie tun, keine realen Konsequenzen; die mit fremdem Geld um sich werfen, als wären es Sektkorken im Motto am Fluss – genau diese Menschen also haben die Unverfrorenheit, zu sagen, dass "Solidarität keine Einbahnstraße" sein darf, dass "Hilfe nach Möglichkeit stets 'Hilfe zur Selbsthilfe'" sein soll, dass man "Hilfe vor Ort" leisten müsse, dass sich "2015 nicht wiederholen" dürfe. 2015, der einzige Moment, in dem Europa einmal für einen Wimpernschlag so etwas wie kollektive Mitmenschlichkeit gezeigt hat: Das darf sich auf keinen Fall wiederholen!

fehlerloser Dänemark-Stand auf Rand der Weltcup-Qualifikation - und kann Scotland einen Gefallen tun, der

 fehlerloser Dänemark-Stand auf Rand der Weltcup-Qualifikation - und kann Scotland einen Gefallen tun, der Dänemark in der Gruppe F sichern kann und die Qualifikation der 2022-Weltmeisterschaft mit einem Sieg über Österreich in Kopenhagen in Kopenhagen nach Österreich in Kopenhagen schließt. © Dänemarks Head Coach Kasper Hjulmand spricht mit der Presse vor dem Zusammenstoß von Dienstag mit Österreich. Das Park-Stadion wird voraussichtlich in der Lage sein, dass Kasper Hjulmands Männer die Österreicher in die dänische Hauptstadt begrüßen.

Sebastian Kurz hat die Dreistigkeit, zu sagen, dass jeder, der "gesund ist und arbeiten kann, auch arbeiten gehen muss". Sebastian Kurz, der von Steuergeldern lebt, der dem Staat seit seiner Jugend auf der Tasche liegt, der nicht einmal sich selbst aus der sozialen Hängematte holen kann, der im Bezug auf ertrinkende Flüchtlinge gesagt hat "es wird nicht ohne hässliche Bilder gehen" – dieser Mensch, der nicht nur seine Haare in Schwankungsbreite frisiert, wagt es, zu behaupten, sein Land sei ihm wichtiger als seine Person.

Da wundert es mich nicht einmal mehr, dass jetzt mit Alexander Schallenberg übergangsweise ein Mann als Bundeskanzler einspringt, der gefordert hat, man solle erst einmal abwarten und die Taliban nach ihrer Machtübernahme "an ihren Taten messen".

Kurz ist zurückgetreten, aber weder er selbst noch der Kurz'sche Geist sind weg. Und auch in den nächsten Wochen und Monaten werden wir wieder sehen, was alles möglich ist. Wundern darf sich keiner mehr.

"Untypisch für ihn": Ex-Teamkollege wundert sich über Vettel-Fehler .
Mark Webber wundert sich, dass Sebastian Vettel das "Versuchskaninchen" in Istanbul spielte - Der Aston-Martin-Pilot habe die Situation völlig falsch eingeschätzt"Es war untypisch für ihn", sagt er im Podcast 'F1 Nation' und erklärt, dass Vettel früher bei solchen Bedingungen "nie der erste Fahrer" gewesen sei, der die Reifen wechselte. "Normalerweise hat er sich bei der Box rückversichert und jemand anderen das Versuchskaninchen spielen lassen", erklärt Webber.

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