Welt & Politik Chaos bei Aufnahme afghanischer Ortskräfte in Deutschland

08:50  21 oktober  2021
08:50  21 oktober  2021 Quelle:   dw.com

Evakuierung aus Afghanistan: Rund 6100 Menschen nach Deutschland gebracht

  Evakuierung aus Afghanistan: Rund 6100 Menschen nach Deutschland gebracht Das Auswärtige Amt ist nach Angaben eines Sprechers bemüht, weitere Afghanen, Ortskräfte und Deutsche aus Afghanistan zu holen. Viele warten auf Hilfe. © Foto: Kay Nietfeld/dpa Flüchtlinge aus Afghanistan. Durch die Evakuierungsaktion aus Afghanistan sind bisher rund 6100 Menschen nach Deutschland gebracht worden. 5208 von ihnen seien Afghanen und 543 deutsche Staatsbürger, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums am Montag in Berlin. Unter den Eingereisten befinden sich demnach auch 349 Ortskräfte, die früher für die Bundeswehr oder deutsche Behörden in Afghanistan gearbeitet haben.

Die andauernde Ungewissheit belastet die afghanischen Ortskräfte in Deutschland . So geht es auch Abdul, dem jungen Mann mit dem fast perfekten Deutsch . "Ich kann nicht mehr schlafen, weil ich mir Sorgen mache", erzählt er der Deutschen Welle. Zwei Monate nach seiner Ankunft in Deutschland hat Abdul immer noch keinen Aufenthaltstitel nach Paragraf 22. Er hat lediglich die Zusage, dass er nach Ablauf der 90 Tage weiter in Deutschland bleiben darf, bis sein Status geklärt ist. "Damit muss ich leben", antwortet er auf die Frage, wie es ihm in dieser Situation geht.

Der Bundestag hat am Mittwoch, 23. Juni 2021, nach halbstündiger Aussprache einen Antrag von Bündnis 90/Die Grünen abgelehnt, in dem die Fraktion gefordert hatte, ein Gruppenverfahren zur „großzügigen Aufnahme afghanischer Ortskräfte einzuführen, die für deutsche Behörden und Organisationen arbei Ferner soll die Bundesregierung der Vorlage zufolge die aktuellen und ehemaligen Ortskräfte „aktiv auf die Aufnahmemöglichkeit in Deutschland “ hinweisen und sie über die rechtlichen Voraussetzungen aufklären. Auch wird die Bundesregierung in dem Antrag aufgefordert

Nach ihrer dramatischen Flucht aus Afghanistan verzweifeln viele Ortskräfte an der deutschen Bürokratie. Ihr rechtlicher Status ist unsicher.

Kein Ende der Unsicherheit: Afghanische Ortskräfte bei ihrer Ankunft in einer Erstaufnahmeeinrichtung in Brandenburg © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa/picture alliance Kein Ende der Unsicherheit: Afghanische Ortskräfte bei ihrer Ankunft in einer Erstaufnahmeeinrichtung in Brandenburg

"Es war wirklich katastrophal", erzählt Abdul über seine erste Anhörung in einer deutschen Behörde. Jahrelang hat der junge Afghane in Kabul für deutsche Institutionen gearbeitet, sein Deutsch ist exzellent. Als er Mitte August vor den Taliban flüchten musste, baute er darauf, in Deutschland willkommen zu sein. Er hoffte, als sogenannte Ortskraft unkompliziert Aufnahme zu finden.

Ein afghanischer Dolmetscher, der dazu beigetragen hat, Joe Biden während eines Notfalls im Jahr 2008 zu retten, hat dem Land entkommen: Bericht

 Ein afghanischer Dolmetscher, der dazu beigetragen hat, Joe Biden während eines Notfalls im Jahr 2008 zu retten, hat dem Land entkommen: Bericht © Bereitgestellt von Business Insider US Demokratischer Senator von Massachusetts John Kerry (R) spricht mit der Presse, die von seinem Delaware-Gegenstück Joe hört BIDEN in der US-amerikanischen Capitol in Washington, DC am 26. Februar 2008. Nicholas Kamm / AFP Via Getty Images Ein afghanischer Interpreter, der 2008 in Afghanistan rescue Joe Biden in Afghanistan geholfen hat, hat jetzt geflüchtet.

Angesichts des Chaos bei der Rettung Deutscher sowie einheimischer Ortskräfte aus Afghanistan hat Grünen-Chef Robert Habeck eine lückenlose Aufklärung gemachter Fehler verlangt. "Die Aussagen der Bundesregierung, niemand habe vor der Situation gewarnt, wecken ernsthafte Zweifel", sagte Habeck der "Rheinischen Post" vom Mittwoch. Die Bundesregierung hatte mit einer Rettungsaktion für noch in Kabul befindliche Deutsche und für afghanische Ortskräfte der Bundeswehr sowie andere durch die Machtübernahme der Taliban gefährdete Afghaninnen und Afghanen lange gezögert.

Afghanische Mitarbeiter der Bundeswehr haben nun Angst um ihr Leben, denn für die Taliban sind sie Verräter Verräter, -/Verräterin, -nen hier: jemand, der mit dem Feind zusammenarbeitet . Diese Gefahr war seit Monaten bekannt. Trotzdem lehnte der deutsche Bundestag im Juni einen Antrag der Für eine sofortige Evakuierung der übrigen afghanischen Staatsangehörigen ist eine Entscheidung des Bundestages nötig, heißt es. Doch in dem Gesetz steht, dass in dringenden Fällen Ausnahmen möglich sind: „Einsätze Einsatz, Einsätze (m.) hier: eine Aktion des Militärs bei Gefahr im Verzug Gefahr im

Stattdessen stieß er auf Desinteresse und Ablehnung. "Ich habe mich gefragt: Bin ich hier wirklich in der Bundesrepublik Deutschland?", sagt Abdul, seine Stimme klingt enttäuscht.

Ein Erlebnis hat ihn besonders schockiert: Gut vier Wochen, nachdem ihn die Bundeswehr aus Afghanistan ausgeflogen hatte, musste Abdul erstmals beim Amt für Migration vorsprechen. Das war in Hamburg, wo er damals in einer Flüchtlingsunterkunft lebte.

Ortskräfte wie er, das hatte die Bundesregierung zugesagt, bekämen in Deutschland für vorerst bis zu drei Jahre eine Aufenthaltserlaubnis "aus dringenden humanitären Gründen". Sie dürften sofort arbeiten und Sozialleistungen beziehen. So sieht es der Paragraf 22 des deutschen Aufenthaltsgesetzes vor.

Ex-Taliban Commander plädiert nicht schuldig, uns Truppen zu töten. Die Vereinigten Staaten begannen.

 Ex-Taliban Commander plädiert nicht schuldig, uns Truppen zu töten. Die Vereinigten Staaten begannen. © von Al Jazeera Ehemaliger Taliban Commander Haji Najibullah tauchte am Freitag in einem US-Bundesgericht in Manhattan auf, der an Gebühren nicht schuldig angeboten wurden, die sich auf die Tötung von drei US-Truppen in Afghanistan im Jahr 2008 beziehen [Jane Rosenberg / Reuters] Haji Najibullah, 45 , bittete am Freitag nicht an einem Bundesgericht in Manhattan an den Gebühren an, wodurch der Richter teilzunehmen, dass die "Anschuldigungen falsch sind".

Hören sie hier die Audio Aufnahme des Artikels: 248 afghanische Ortskräfte in Deutschland angekommen. Den Angaben nach kamen diese Ortskräfte in Begleitung von 916 Familienmitgliedern, deren Zahl sich im Vergleich zum Stand vergangener Woche ebenfalls nahezu verdoppelte. Insgesamt kamen seit Beginn der Luftbrücke am 16. August damit 4.921 Menschen aus Afghanistan nach Deutschland : 4.129 Afghanen, 469 Deutsche und 323 Bürger anderer Staaten.

Viele afghanische Ortskräfte wollen deshalb nach Deutschland . Doch hunderte Anträge wurden nicht genehmigt. Weniger als ein Drittel der Ortskräfte , die nach Deutschland kommen wollen, hat bisher eine entsprechende Zusage der Bundesregierung erhalten. Insgesamt hätten 976 afghanische Helfer bei den Behörden um Aufnahme in Deutschland gebeten. In 471 Fällen sei dies abgelehnt worden, mehr als 200 Anträge würden zur Zeit noch bearbeitet, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums in Berlin.

Dokumente, die keiner sehen wollte

Abdul ging fest davon aus, diesen Aufenthaltstitel zu bekommen. Schließlich hatte er bis kurz vor der Machtübernahme der Taliban am 15. August für eine deutsche Einrichtung gearbeitet. Er möchte sie öffentlich nicht nennen, solange sein Fall nicht abschließend bearbeitet ist. Auch seinen echten Namen hält er lieber geheim.

Seine Arbeitsverträge und weitere Dokumente nahm er mit zum Termin in der Ausländerbehörde. Doch für seine Unterlagen, erzählt der höfliche junge Mann der Deutschen Welle, hätten sich die Mitarbeiter überhaupt nicht interessiert.

Stattdessen hätten sie ihn zu seiner Überraschung aufgefordert, einen Asylantrag zu stellen. Ein Verfahren, das für Ortskräfte wie ihn gar nicht vorgesehen ist. Und das den Antragstellern deutlich weniger Rechte einräumt.

Luftbrücke aus Kabul: Mit Maschinen der Bundeswehr wurden ehemalige Ortskräfte wie Abdul ausgeflogen © Marc Tessensohn/Bundeswehr/dpa/picture alliance Luftbrücke aus Kabul: Mit Maschinen der Bundeswehr wurden ehemalige Ortskräfte wie Abdul ausgeflogen

Afghanische Migranten in Bosnien hoffen noch, EU trotz gewalttätiger Pushbacks zu erreichen

 Afghanische Migranten in Bosnien hoffen noch, EU trotz gewalttätiger Pushbacks zu erreichen von Daria Sito-suberic Hundert afghanische Migranten, darunter Frauen, Kinder und ein sieben Tage altes Baby, die sich in einem professionellen Zeltlager in der Nähe der Grenze zu Kroatien niedergelassen, entschlossen, ihre Reise in die Europäische Union trotz Vorkehrungen und Deportationen fortzusetzen.

Afghanische Ortskräfte , die beispielsweise für die Bundeswehr gearbeitet haben, müssen weiterhin hohe Hürden für eine Aufnahme in Deutschland überwinden. Kenner der Verhältnisse fordern einen Kurswechsel. Ein Dolmetscher der Bundeswehr (2.v.r.) an einem Checkpoint in Kundus. Zudem sei die Aufnahme der Ortskräfte auch ein Gebot politischer Klugheit. "Auch an ihr wird Deutschlands Verlässlichkeit gemessen. Und die ist ein zentraler Faktor inter- und multinationaler Politik. Wird Deutschland ihr nicht gerecht, wird das Land in anderen Situationen kaum auf Unterstützer rechnen

Die Anzahl eingereister Ortskräfte aus Afghanistan wurde leicht nach unten korrigiert. Derweil kritisieren die Grünen mangelnde Transparenz in der Evakuierungspolitik. Hören sie hier die Audio Aufnahme des Artikels: Bundesregierung gibt neue Zahl geretteter Ortskräfte bekannt.

Ein Asylverfahren kann viele Monate oder sogar Jahre dauern. Bis zur Entscheidung dürfen die Antragsteller nicht arbeiten und ihre Familie nicht nach Deutschland holen. Mehr noch: Über Asylanträge von Afghaninnen und Afghanen wird derzeit gar nicht entschieden. Sie liegen wegen der Lage im Land auf Eis. Tausende Entscheidungen stehen noch aus.

"Keiner hat mir zugehört"

Als Abdul auf seinen Status als Ortskraft hinwies, sei er unter Druck gesetzt worden: Er werde seine Unterkunft im Flüchtlingsheim verlieren, wenn er darauf bestehe, einen Aufenthaltstitel aus humanitären Gründen zu beantragen, erklärte ihm ein Mitarbeiter. "In so einer Situation jemandem die Unterkunft wegzunehmen, bedeutet wirklich einen Weltuntergang", kritisiert Abdul.

Jahrelang Seite an Seite: Ein afghanischer Übersetzer (vorne rechts) dolmetscht für einen deutschen Soldaten © picture-alliance/dpa Jahrelang Seite an Seite: Ein afghanischer Übersetzer (vorne rechts) dolmetscht für einen deutschen Soldaten

Verzweifelt habe er versucht, seine Lage zu erklären – auf Deutsch und mithilfe der mitgebrachten Arbeitsverträge: "Aber keiner hat mir zugehört." Auf einem Blatt, das ihm in die Hand gedrückt wurde, bekam er es dann schwarz auf weiß: Er sei nicht als Ortskraft anerkannt. Das Dokument zeigt er der Deutschen Welle. "Das war ein ganz schwieriger Moment für mich."

Afghanische Frau Aktivist dankbart uk mp zum sparen ihr life

 Afghanische Frau Aktivist dankbart uk mp zum sparen ihr life Ein prominenter afghanischer Politiker dankte am Dienstag an einen britischen Abgeordneten. © Shah Marai Afghanischer Aktivist Shukria Barakzai 2010 Shukria Barakzai, der ein Gesetzgeber in Afghanistan und der EX-Botschafter der Regierung der Regierung in Norwegen war, sprach in einem britischen Parlamentarischen Anhörnung in der Blitzübernahme der islamistischen Bewegung.

In seiner Not rief Abdul bei seinem ehemaligen deutschen Arbeitgeber an. Der intervenierte bei der Ausländerbehörde. "Am Folgetag wurde der Bescheid korrigiert", erzählt Abdul. Dass er nur dank seiner guten Beziehungen und exzellenten Sprachkenntnisse verhindern konnte, in ein Asylverfahren gedrängt zu werden, hat ihn getroffen. Sein einst positives Bild von Deutschland hat Risse bekommen.

Bundesregierung: 477 Ortskräfte

Seit der Machtübernahme der Taliban Mitte August sind etwa 5440 Afghaninnen und Afghanen nach Deutschland gekommen - so die Zählung der Bundesregierung vom 18. Oktober. Darunter seien 477 Ortskräfte mit ihren Familien. Darüber hinaus nimmt Deutschland Menschenrechtsaktivisten, Frauenrechtlerinnen und Medienschaffende aus humanitären Gründen auf.

Ehemalige Ortskräfte dürfen ihre Ehepartner und Kinder mit nach Deutschland bringen © localpic/imago Ehemalige Ortskräfte dürfen ihre Ehepartner und Kinder mit nach Deutschland bringen

Mehrere deutsche Ministerien haben eigene Listen mit örtlichen Mitarbeitern und Schutzbedürftigen erstellt. Dadurch kommt es immer wieder zu Abstimmungsschwierigkeiten. Auch werden weitere Namen noch nachträglich auf die Listen gesetzt. Tausende Ortskräfte und ihre Familien warten in Afghanistan noch auf ihre Ausreise.

Streit innerhalb der Regierung

Bis wenige Wochen vor der Machtübernahme der Taliban waren sich das Verteidigungs-, das Innen- und das Entwicklungsministerium sowie das Auswärtige Amt uneins, wer überhaupt als Ortskraft anerkannt werden sollte. Zunächst zählten nur diejenigen, die in den letzten beiden Jahren als Ortskräfte tätig waren.

Jailed Russischer Oppositionsführer Navalny gewinnt Top EU-Preiser

 Jailed Russischer Oppositionsführer Navalny gewinnt Top EU-Preiser Brüssel (AP) - Inhaftierter russischer Oppositionsführer Alexei Navalny, Präsident Vladimir Putin's Main Critic, erhielt am Mittwoch den besten Menschenrechtspreis der Europäischen Union. © von der assoziierten Presse -Datei bereitgestellt - in diesem Samstag, 2021 File Foto, russische Oppositionsführer Alexei Navalny Gesten, wie er in einem Käfig im Bezirksgericht Babuskinsky in Moskau, Russland, steht.

Erst ab Mitte Juni weiteten das Verteidigungsministerium und das Innenministerium den Personenkreis auch auf Ortskräfte aus, die seit dem Jahr 2013 für sie gearbeitet hatten. Die anderen beiden Ressorts akzeptierten dies zunächst nicht, weil sie ihre Ortskräfte für die Zukunft in Afghanistan halten wollten. Die Bundesregierung unterschätzte die Gefahr, die durch die Taliban drohte. So wurde vielen gefährdeten Menschen zu spät geholfen.

Alle werden überprüft

Doch auch vor denjenigen, die es nach Deutschland geschafft haben, liegen noch weitere Hürden. Es sei notwendig, alle afghanischen Staatsbürger und Staatsbürgerinnen in Deutschland noch einmal auf den Status als Ortskraft zu überprüfen, erklärte das zuständige Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gegenüber der DW. Wer nicht als Ortskraft anerkannt werde, müsse einen Asylantrag stellen, um nach Ablauf der ersten 90 Tage - so lange gilt in der Regel das Einreisevisum - in Deutschland bleiben zu dürfen. Dieses erste Visum wurde den Afghaninnen und Afghanen bei ihrer Ankunft an deutschen Flughäfen oder von der deutschen Botschaft in Afghanistans Nachbarland Pakistan ausgestellt.

Nach ihrer Ankunft am Flughafen Frankfurt erhielten Afghaninnen und Afghanen ein Visum für 90 Tage © Kai Pfafenbach/REUTERS Nach ihrer Ankunft am Flughafen Frankfurt erhielten Afghaninnen und Afghanen ein Visum für 90 Tage

Nach Auskunft des BAMF handelt es sich dabei um "Ausnahmevisa", die allein zu dem Zweck vergeben werden, den Status der Eingereisten in Deutschland zu überprüfen. Das hat bei einigen der Flüchtlinge, mit denen die DW gesprochen hat, zu einem Missverständnis geführt. Sie nahmen an, dass ihr Visum automatisch in einen mehrjährigen Aufenthaltstitel nach Paragraf 22 umgewandelt würde. Später erfuhren sie dann, dass entweder ihr Status als Ortskraft geklärt werden muss oder sie einen Asylantrag stellen müssen.

in den Vereinten Nationen, afghanische Frauen-Anziehungskraft: Lassen Sie Taliban nicht in

 in den Vereinten Nationen, afghanische Frauen-Anziehungskraft: Lassen Sie Taliban nicht in von Michelle Nichols © Reuters / Michelle Nichols Ehemaliger afghanischer Diplomat Asila Wardak, ehemaliger afghanischer Politiker und Friedensunterhändler Fawzia Koofi, Afghaner Journalist Anisa Shaheed und ehemaliger afghanischer Politiker , Naheed Fareed spricht mit Reportern außerhalb des UN-Sicherheitsrats Vereinterne Nationen an den New Yorker Hauptsitz der Organisation am Donnerstag.

Post vom BAMF

Der DW liegen diverse Berichte vor, nach denen Afghanen bereits aufgefordert wurden, einen Asylantrag zu stellen, bevor ihr Status als Ortskraft abschließend überprüft worden war. Auch Mohammad erging es so. Gemeinsam mit seiner Familie sei er im August von der Bundeswehr aus Kabul ausgeflogen worden, berichtet er am Telefon und über WhatsApp.

Derzeit lebt Mohammad, der in Wirklichkeit anders heißt, in einer Flüchtlingsunterkunft in Norddeutschland. Anfang September bekam er eine Mail vom BAMF, in der er aufgefordert wurde, einen Asylantrag zu stellen. Darin heißt es: "Bei Ihrer Kurzbefragung am Flughafen haben Sie keine Angaben darüber gemacht, dass Sie für eine deutsche Organisation in Afghanistan tätig waren." Daher könne er nicht den Aufenthaltstitel bekommen, der für Ortskräfte vorgesehen ist.

Wer gilt als Ortskraft?

Für Mohammad war das ein Schock. Er ging fest davon aus: Ich war Ortskraft. Von 2019 bis 2021 habe er für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) gearbeitet, erzählt er. Der DW schickt er ein Schreiben: Eine Bescheinigung, ausgestellt von seinem Projektmanager. Darin steht, dass er als Berater für die GIZ tätig war.

Ein Schreiben des BAMF löste bei den Neuankömmlingen Ängste aus © Christoph Hardt/Geisler-Fotopress/picture alliance Ein Schreiben des BAMF löste bei den Neuankömmlingen Ängste aus

Doch die Sache hat einen entscheidenden Haken: Direkt angestellt war er bei einem afghanischen Unternehmen. Deshalb ist unklar, ob er nach der Definition der Bundesregierung in die Gruppe der Ortskräfte fällt.

Als Ortskraft gilt, wer seit 2013 direkt für ein deutsches Ministerium oder eine Institution gearbeitet hat. Viele Afghanen waren aber über afghanische Subunternehmen für deutsche Einrichtungen tätig - und fallen jetzt womöglich durch den Rost so wie vielleicht Mohammad.

Alle seine Versuche, darüber eine klare Auskunft zu bekommen, sind bisher gescheitert. Es herrsche ein totales Durcheinander, beklagt Mohammad. Gleichzeitig tickt die Uhr: Sein 90-Tage-Visum läuft ab. Er fragt sich: Soll er einen Asylantrag stellen?

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"Das Visum erlischt"

Asylrechts-Experten warnen allerdings: Wer einen einmal gestellten Asylantrag später zurückzieht, weil er doch als Ortskraft anerkannt werden möchte, könnte in Schwierigkeiten geraten. "Wenn diese Personen einen Asylantrag stellen, dann erlischt ihr Visum", erklärt Peter von Auer von der Menschenrechtsorganisation Pro Asyl. "Wenn sie ihren Asylantrag wieder zurückziehen wollen, dann sind sie für die Dauer dieses Verfahrens unrechtmäßig in Deutschland. Sie sind ausreisepflichtig."

BAMF: "Asylantrag ist freiwillig"

Das BAMF bestreitet, Ortskräfte vorschnell oder unnötigerweise in Asylverfahren zu drängen. Es stimme zwar, dass die Behörde Schreiben mit der Aufforderung versandt habe, einen Asylantrag zu stellen. Allerdings nur, um die Empfänger über die Rechtslage aufzuklären.

Aufenthaltstitel oder Asylverfahren? Das ist in vielen Fällen unklar © Kai Pfafenbach/REUTERS Aufenthaltstitel oder Asylverfahren? Das ist in vielen Fällen unklar

"Das Bundesamt hat lediglich auf die Möglichkeit eines Asylverfahrens hingewiesen", heißt es in einer Stellungnahme gegenüber der DW. Das sei eine freiwillige Option für die Betroffenen.

Doch die Recherchen der DW zeigen ein anderes Bild: So wurden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer parteinahen deutschen Stiftung in Afghanistan vom BAMF schriftlich aufgefordert, einen Asylantrag zu stellen - und das, obwohl sie per Definition Ortskräfte waren. Auch andere Afghanen sind nach Informationen der DW von Behördenmitarbeitern angehalten worden, einen Asylantrag zu stellen, bevor ihr Status als Ortskraft abschließend geklärt war.

"Wir werden Sie auf die Straße setzen"

Das belegt auch ein am 22. September gefilmtes Video, das der Deutschen Welle vorliegt und inzwischen in sozialen Netzwerken kursiert. Es zeigt eine Behördenmitarbeiterin in Eisenhüttenstadt, einer Kleinstadt im Bundesland Brandenburg, im Gespräch mit Afghaninnen und Afghanen. "Sie sind nicht 100-prozentig als Ortskräfte anerkannt. Das Bundesamt wird es erst prüfen", erläutert die Mitarbeiterin. Und fügt hinzu: "Wenn Sie sagen, ich eröffne heute kein Asylverfahren, wird folgendes passieren (…): Wir werden Sie, auf Deutsch gesagt, auf die Straße setzen."

Das BAMF wies die Vorwürfe zurück. Niemand würde "zur Stellung eines Asylantrags gedrängt, genötigt oder gar gezwungen".

Geduldsprobe für die Ortskräfte

Die andauernde Ungewissheit belastet die afghanischen Ortskräfte in Deutschland. So geht es auch Abdul, dem jungen Mann mit dem fast perfekten Deutsch. "Ich kann nicht mehr schlafen, weil ich mir Sorgen mache", erzählt er der Deutschen Welle.

Zwei Monate nach seiner Ankunft in Deutschland hat Abdul immer noch keinen Aufenthaltstitel nach Paragraf 22. Er hat lediglich die Zusage, dass er nach Ablauf der 90 Tage weiter in Deutschland bleiben darf, bis sein Status geklärt ist.

"Damit muss ich leben", antwortet er auf die Frage, wie es ihm in dieser Situation geht. Aber eines stimmt ihn froh: Seit kurzem weiß er, dass seine Familie auch nach Deutschland kommen kann. Das sei das Wichtigste für ihn.

Autor: Nina Werkhäuser, Naomi Conrad, Esther Felden

Daines fordert Antworten auf afghanische Parolee, die von Montana Raps angeklagt haben, nennt die DHS-Anweisung 'Tief nicht ausreichend' .
zuerst auf Fox : Sen. Steve Daines, R-Mont., am Freitag schrieb an die Biege-Verwaltung, die Antworten auf die Biege-Verwaltung aufgerufen hat Die Neuansiedlung eines Afghan National , der in Montana umgesiedelt wurde und seitdem mit Vergewaltigung angeklagt wurde - mit DAINES, die die erste Antwort der Abteilung für Heimatschutz kritisiert.

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