Welt & Politik Kritik an Spahns Vorstoß zur Auffrischung

20:41  31 oktober  2021
20:41  31 oktober  2021 Quelle:   rp-online.de

Jens Spahn und der CDU-Vorsitz: Ein Mann sondiert

  Jens Spahn und der CDU-Vorsitz: Ein Mann sondiert Nach dem Wahldesaster schielt Jens Spahn auf den Chefposten der CDU. Doch das Vorhaben droht zu scheitern. Wieder einmal geht es um den Charakter des Ministers. © Xander Heinl / photothek / imago images Jens Spahn befindet sich dieser Tage in einer Art Zwischenwelt. Viele Dinge müssen noch erledigt werden, aber eigentlich stellen sich in seinem Ministerium viele Beamte längst darauf ein, dass bald jemand anders an seinem Schreibtisch sitzt. An diese komische Übergangsphase müssten sich alle in der Union erst noch gewöhnen, sagte Spahn kürzlich in kleinem Kreis – auch er selbst.

Berlin. Eine Booster-Immunisierung für alle gegen Corona ist aus Sicht der Ärzteschaft nicht gerechtfertigt. Führende Politiker aber wollen so die vierte Welle der Pandemie brechen.

 Eine Auffrischungs-Impfung gegen Corona wird vor allem Älteren empfohlen. © Daniel Karmann Eine Auffrischungs-Impfung gegen Corona wird vor allem Älteren empfohlen.

Angesichts stark steigender Corona-Infektionen fordert Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Länder auf, ihre Impfzentren für Nachimpfungen (sogenannte Booster-Impfungen) wieder zu öffnen. Spahn sagte unserer Redaktion: „Um möglichst vielen möglichst schnell eine Auffrischungsimpfung zu ermöglichen, sollten die Länder die Impfzentren, die sie seit Ende September in Stand-By bereit halten, wieder startbereit machen.“ Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach unterstützt den Plan: Man habe nicht viele Mittel, um die steigenden Zahlen einzudämmen, twitterte er.

Maskenaffäre: Wer bat wen um einen Gefallen?

  Maskenaffäre: Wer bat wen um einen Gefallen? Der Ex-CSU-Politiker Georg Nüßlein will von Minister Jens Spahn um Vermittlerdienste gebeten worden sein. Der weist das weit von sich. © Odd Andersen/AFP Wer bat wen um einen Gefallen?Erst gab es zu wenig Schutzmasken gegen das Coronavirus. Als die Pandemie begann, kauften Regierungen, Kliniken und Pflegeeinrichtungen alles, was der überteuerte Markt hergab. Wenige Monate später gab es Maskenberge. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) saß, bildlich gesprochen, wie viele andere auf einem solchen Berg und musste schauen, wo und wie sich bereits bestellte Ware unterbringen ließ.

Inzwischen liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei fast 150. Der Wert gibt an, wie viele Menschen je 100.000 Einwohner sich in den vergangenen sieben Tagen mit dem Coronavirus angesteckt haben. Vor einer Woche betrug betrug er noch 106. Düsseldorf meldete am Sonntag einen Wert von 138,4, Köln einen von 153,5, in Leverkusen lag er bei fast 190. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) wurden seit Beginn der Impfkampagne fast 118.000 Impfdurchbrüche registriert – also Infektionen trotz vollständiger Impfung. Jeder Dritte, der in den zurückliegenden vier Wochen über Covid-19-Symptome klagte, war vollständig geimpft. Dennoch handelt es sich – gemessen an der Gesamtzahl der Geimpften  – bislang  um einen geringen Anteil: 0,2 Prozent. Ungeimpfte erkranken hingegen achtmal so häufig und deutlich schwerer.

Scharfe Kritik der Ärzte: Spahn ruft erstmals alle Bürger zu Booster-Impfungen auf

  Scharfe Kritik der Ärzte: Spahn ruft erstmals alle Bürger zu Booster-Impfungen auf Angesichts steigender Infektionszahlen hat Spahn einen Strategiewechsel vollzogen.Mit Auffrischimpfungen lassen sich die vierte Welle brechen, weil die Immunisierten dann auch weniger ansteckend seien. Das hätten Erfahrungen aus Israel gezeigt. Dort werden bereits seit Juli Auffrischimpfungen vorgenommen, die schrittweise auf alle Personen über zwölf Jahren ausgeweitet wurden. „Wir haben genug Impfstoff für alle“, versicherte Spahn im RBB-Inforadio.

Angesichts der Entwicklung spricht sich Spahn zusammen mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) jetzt für eine Nachimpfung in allen Altersgruppen aus. Zudem riet riet der Minister dazu, in einem ersten Schritt alle Über-60-Jährigen schriftlich zur Impfung einzuladen. „Das hat bei den Erstimpfungen auch gut geklappt“, betonte Spahn.

Kritik an dem Vorhaben kommt aus der Ärzteschaft:  „Für die Notwendigkeit von Auffrischimpfungen für Menschen jeglichen Alters gibt es bisher keine ausreichende wissenschaftliche Evidenz“, sagte Ärztepräsident Klaus Reinhardt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) empfiehlt das Boostern grundsätzlich ab 60, die Ständige Impfkommission (Stiko) hingegen erst ab 70 Jahren. Rein rechtlich können unabhängig von diesen Empfehlungen alle Erwachsenen eine Auffrischimpfung in Anspruch nehmen. Die Ärzte können einem Impfwunsch folgen, müssen es aber nicht.

Gute Karten, schlechte Karten

  Gute Karten, schlechte Karten Berlin. Jetzt müssen die CDU-Mitglieder ran: Sie werden bestimmen, wer Armin Laschet im Parteivorsitz folgen soll. Das Votum für eine Mitgliederbefragung setzt die Union aber unter Druck. Und nicht jedem potentiellen Kandidaten wird das Vorgehen gefallen. © Annette Riedl CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak nach der Konferenz der Kreisvorsitzenden. Er muss die Mitgliederbefragung umsetzen. Nicht jeder freute sich offenbar über das Ergebnis. Zum Beispiel Ralph Brinkhaus. „Das kommentiere ich nicht.


Video: Booster-Impfung für alle: Spahn erntet heftige Kritik für Aufruf (spot-on-News)

Verärgert zeigte sich auch der Verband der Hausärzte: Spahn schüre die Erwartung, Booster-Impfungen seien für alle möglich, erklärte Bundesvorstandsmitglied Armin Beck. Die Hausärzte folgten aber der Stiko-Empfehlung. Nach Ansicht von Spahn hingegen zeigen jüngste Daten aus Israel, dass es entscheidend aufs Boostern ankomme, um die vierte Corona-Welle zu brechen. „Aktuell reicht das Tempo in Deutschlands Praxen nicht“, erklärte der Minister in „Bild am Sonntag“.

Bundeskanzlerin Angela Merkel rief die Deutschen zu mehr Entschlossenheit im Kampf gegen das Coronavirus auf. Es stimme sie sehr traurig, dass noch zwei bis drei Millionen Deutsche im Alter von über 60 Jahren nicht geimpft seien, sagte sie der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

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