Welt & Politik Omikron-Variante versetzt die Welt in Alarmzustand

21:10  29 november  2021
21:10  29 november  2021 Quelle:   afp.com

Verdacht bei Reiserückkehrer: Omikron-Variante „mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit“ in Deutschland angekommen

  Verdacht bei Reiserückkehrer: Omikron-Variante „mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit“ in Deutschland angekommen Hessen prüft den möglichen ersten Omikron-Fall in Deutschland. Der saarländische Regierungschef Hans sieht eine „Stunde Null“ im Kampf gegen Corona. © Foto: dpa/Boris Roessler Passagiere am Flughafen Frankfurt/Main (Symbolbild) Die neue Omikron-Variante des Coronavirus ist nach Angaben des hessischen Sozialministers Kai Klose „mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit“ in Deutschland angekommen. Das teilte der Grünen-Politiker am Samstagmorgen auf Twitter mit. Bei einem Reiserückkehrer aus Südafrika seien mehrere für Omikron typische Mutationen gefunden worden.

Die neu entdeckte Omikron-Variante des Coronavirus versetzt die Welt in Alarmzustand. Immer mehr Länder meldeten am Montag Infektionsfälle mit dem neuen Erreger, die G7-Staaten forderten "dringende Maßnahmen" gegen die Verbreitung der Virusvariante. Die Vereinten Nationen kritisierten allerdings die Reisebeschränkungen vieler Länder für das südliche Afrika, wo Omikron als erstes identifiziert worden war. US-Präsident Joe Biden warnte davor, in Panik zu verfallen.

Omikron sei © MANDEL NGAN Omikron sei "ein Grund zur Besorgnis, aber kein Grund zur Panik", sagte US-Präsident Biden. "Wir haben heute mehr Mittel zur Bekämpfung der Variante als jemals zuvor."

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte das weltweite Risiko durch Omikron am Montag nach oben - von "besorgniserregend" auf "sehr hoch". Ein starker Anstieg der Infektionsfälle könnte schwerwiegende Folgen haben, warnte die UN-Organisation. In Südafrika rechneten Experten bereits mit explodierenden Fallzahlen. Dort war die Entdeckung der neuen Coronavirus-Variante mit der wissenschaftlichen Bezeichnung B.1.1.529 am Donnerstag bekanntgegeben worden.

Omikron-Variante: Rufe nach schnelleren und härteren Maßnahmen werden immer lauter

  Omikron-Variante: Rufe nach schnelleren und härteren Maßnahmen werden immer lauter Bayerns Ministerpräsident Söder fordert, das ganze Land stärker herunterzufahren. Bei dem am Samstag bekannt gewordenen Fall eines hessischen Reiserückkehrer aus Südafrika bestätigte sich der Verdacht einer Infizierung mit der neuen Omikron-Variante am Sonntag, wie das hessische Sozialministerium nach der vollständigen Sequenzierung mitteilte. Die am 21. November über den Flughafen Frankfurt aus Südafrika kommende Person sei vollständig geimpft.

Nach Angaben südafrikanischer Wissenschaftler könnte die Variante wegen der ungewöhnlich vielen Mutationen noch ansteckender als die weltweit grassierende Delta-Variante sein - und die Impfstoffe weniger wirksam machen. Die WHO wies auf die vielen noch bestehenden Unsicherheiten zur Übertragbarkeit und Gefährlichkeit der neuen Virusvariante hin. "Bisher wurden keine Todesfälle im Zusammenhang mit der Omikron-Variante gemeldet", betonte die Organisation.

Pretoria bedauerte die Reisestopps am Montag erneut. Insbesondere, dass auch afrikanische Länder derartige Maßnahmen ergriffen hätten, sei © Phill Magakoe Pretoria bedauerte die Reisestopps am Montag erneut. Insbesondere, dass auch afrikanische Länder derartige Maßnahmen ergriffen hätten, sei "traurig", sagte eine Sprecherin des Außenministeriums.

Die Gesundheitsminister der G7-Staaten Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, die USA, Kanada und Japan lobten in einer gemeinsamen Erklärung "die vorbildliche Arbeit Südafrikas bei der Entdeckung der Variante und der Warnung anderer vor ihr". Allerdings hatten die G7 und viele weitere Länder kurzfristig den Flugverkehr mit Südafrika und anderen Ländern der Region eingestellt, was unter anderem die Regierung Südafrikas scharf kritisierte.

London beruft G7-Treffen zu Omikron ein

  London beruft G7-Treffen zu Omikron ein Immer mehr Länder melden inzwischen Fälle der neuen Corona-Variante - und erlassen Reisebeschränkungen. Israel schließt seine Grenzen komplett für Ausländer. © Hollie Adams/WPA Pool/Getty Images Trommelt die G7-Gesundheitsminister zusammen: der britische Premier Boris Johnson (Archivbild) Angesichts der sich ausbreitenden Omikron-Variante des Coronavirus hat Großbritannien ein außerplanmäßiges Treffen der G7-Gesundheitsminister einberufen. Wie die Regierung in London mitteilte, wollen die Fachminister der führenden westlichen Wirtschaftsnationen an diesem Montag über die Lage beraten.

Pretoria bedauerte die Reisestopps am Montag erneut. Insbesondere, dass auch afrikanische Länder derartige Maßnahmen ergriffen hätten, sei "traurig", sagte eine Sprecherin des Außenministeriums. Auch die WHO plädierte dafür, die Grenzen weiterhin offen zu halten. Japan und Australien führten dennoch weitere Reisebeschränkungen ein.

UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich "sehr besorgt über die Isolation der Länder des südlichen Afrikas". Die Menschen dort dürften nicht für das "unmoralisch niedrige Niveau der in Afrika verfügbaren Impfstoffe verantwortlich gemacht und bestraft werden", kritisierte er. Experten hatten seit längerem gewarnt, dass der Impfstoffmangel in Afrika das Entstehen neuer Virus-Varianten begünstigen könnte. China versprach den Ländern in Afrika am Montag eine Milliarde Impfdosen.

Die neu entdeckte Omikron-Variante des Coronavirus sorgt weltweit für Aufregung. Immer mehr Länder meldeten am Montag Infektionsfälle mit dem neuen Erreger, die G7-Staaten forderten © Ted ALJIBE Die neu entdeckte Omikron-Variante des Coronavirus sorgt weltweit für Aufregung. Immer mehr Länder meldeten am Montag Infektionsfälle mit dem neuen Erreger, die G7-Staaten forderten "dringende Maßnahmen" gegen die Verbreitung der Variante.

Trotz der Reisebeschränkungen tritt Omikron insbesondere in Europa immer häufiger auf. In Schottland wurden am Montag sechs Fälle registriert. Da bei einigen von ihnen keine direkte Verbindung zu Reisen ins südliche Afrika bestehe, sei von ersten Übertragungen innerhalb Schottlands auszugehen, sagte der stellvertretende Regierungschef John Swinney. In Österreich bestätigte sich im Fall eines Südafrika-Rückkehrers der Omikron-Verdacht, ebenso in Spanien.

Meldungen zum Coronavirus: Merkel und Scholz wollen am Dienstag mit Länderchefs beraten

  Meldungen zum Coronavirus: Merkel und Scholz wollen am Dienstag mit Länderchefs beraten Nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Bundesnotbremse wollen die Spitzenpolitiker über die Corona-Lage sprechen. Der Ministerpräsident von NRW pocht auf schnelle Entscheidungen. Biontech arbeitet an einer Impfstoff-Anpassung.• Biontech arbeitet an einer Impfstoff-Anpassung gegen die Virus-Variante Omikron.

Auch in Deutschland wurden weitere Verdachtsfälle bekannt. Nordrhein-Westfalen meldete einen dritten Verdachtsfall im Kreis Kleve. Zuvor hatten Düsseldorf und Essen bereits erste Omikron-Verdachtsfälle gemeldet. In Hessen wurde ein Fall bestätigt, in Bayern gibt es drei hochgradige Verdachtsfälle.

In vielen Ländern werden Verdachtsfälle unter strenge Beobachtung gestellt. Dennoch schaffte es in den Niederlanden am Sonntag ein Paar, aus einem Quarantänehotel zu fliehen. Es wurde in einem Flugzeug, das gerade nach Spanien starten sollte, festgenommen und erneut unter Quarantäne gestellt.

Großbritannien öffnete vor dem Hintergrund der Ausbreitung der Omikron-Variante die Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus für alle Erwachsenen. Bislang konnten sich lediglich über 40-Jährige sechs Monate nach ihrer vollständigen Impfung einen "Booster" holen.

Omikron sei "ein Grund zur Besorgnis, aber kein Grund zur Panik", sagte US-Präsident Biden. "Wir haben heute mehr Mittel zur Bekämpfung der Variante als jemals zuvor."

Der US-Pharmakonzern Pfizer erklärte, bereits an einer speziellen Auffrischungsimpfung gegen die neue Variante zu arbeiten. Erste Tests würden durchgeführt, sagt Pfizer-Chef Albert Bourla. "Ich denke nicht, dass das Ergebnis sein wird, dass das (derzeitige) Vakzin nicht schützt." Aber sollte es tatsächlich weniger schützen, werde ein neues Mittel entwickelt. Ähnlich äußerten sich auch die Entwickler des russischen Corona-Impfstoffs Sputnik V.

pe/jes

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Der COVID-19-Impfstoff von BioNTech/Pfizer bietet Studien zufolge offenbar lediglich einen teilweisen Schutz gegen die neue Omikron-Variante. © Bereitgestellt von Finanzen.net Ralph Orlowski/Getty Images Sie deuten darauf hin, dass Booster-Impfungen dringend nötig sind. Die Neutralisierung der Omikron-Variante habe im Vergleich zu einem früheren COVID-Stamm "sehr stark abgenommen", erklärte Alex Sigal, Professor am Africa Health Research Institut in Südafrika, auf Basis vorläufiger Ergebnisse.

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