Welt & Politik Éric Zemmour: Die besten Sendezeiten gibt Herr Bolloré den Rechsextremen

21:30  02 dezember  2021
21:30  02 dezember  2021 Quelle:   zeit.de

Eric Clapton vs. Ratinger Angestellte: einstweilige Verfügung wegen 10-Euro-CD

  Eric Clapton vs. Ratinger Angestellte: einstweilige Verfügung wegen 10-Euro-CD Die städtische Angestellte Gabriele P. hatte die CD „Eric Clapton – Live USA“ auf Ebay angeboten – jetzt drohen ihr angeblich bis zu 250.000 Euro Ordnungsgeld. © Bereitgestellt von www.rollingstone.de Eric Clapton 2020 in London. Die städtische Angestellte Gabriele P. hatte die CD „Eric Clapton – Live USA“ auf Ebay angeboten – jetzt drohen ihr angeblich bis Sänger und Gitarrist Eric Clapton hat gegen eine deutsche, städtische Angestellte aus Ratingen eine einstweilige Verfügung erwirkt. Der Grund: Gabriele P.

Ein Industrieller hat sich in Frankreich ein Medienimperium zusammengekauft und verbreitet dort seine radikale Weltsicht. Dem Rechtsextremisten Éric Zemmour nützt das.

Eine Art graue Eminenz für Frankreichs Rechtsextreme: Vincent Bolloré, Industrieller und Besitzer zahlreicher Medien. © Eric Piermont/​AFP/​Getty Images Eine Art graue Eminenz für Frankreichs Rechtsextreme: Vincent Bolloré, Industrieller und Besitzer zahlreicher Medien.

Ein Gespräch, wie es dieser Tage ständig zu hören ist, in diesem Fall im Morgeninterview eines französischen Radiosenders: "Unsere größte Gefahr ist, dass alle Franzosen von Ausländern ersetzt werden", sagt dort Éric Zemmour. Keiner der beiden Moderatoren widersprach seiner verschwörungsideologischen Theorie des "großen Austauschs". Man hat sich daran gewöhnt, dass der Autor und Journalist durch alle Redaktionen tingelt und dort seinen Unfug verbreitet, und sich damit abgefunden, dass Zemmour bei den Präsidentschaftswahlen im April 2022 antreten wird, ein mehrfach verurteilter Rassist, der erst vor wenigen Tagen zu einer Geldstrafe verurteilt wurde, weil er minderjährige Flüchtlinge in einer Fernsehsendung als "Kriminelle, Mörder und Vergewaltiger" bezeichnet hatte.

FAR-RECHTS PANDIT ZEMMOUR, um französische Präsidentschaft anzukündigen. Wochen. X 7 Zemmour geht auf TF1-Fernsehen, sagte die Quelle.

 FAR-RECHTS PANDIT ZEMMOUR, um französische Präsidentschaft anzukündigen. Wochen. X 7 Zemmour geht auf TF1-Fernsehen, sagte die Quelle. Einige Mitglieder seines inneren Kreises begannen mit dem Hashtag #Zemmourcandidat (Zemmurkandidat) zu twittern. Intense-Kampagnen hatte über die Absicht von Zemmours wenig Zweifel hinterlassen, in den Wahlen von 2022 zu stehen, und einige Umfragen hatten vorgeschlagen, dass er es zu einer zweiten Runde gegen Präsident Emmanuel Macron schaffen könnte.

Zemmour ist das aktuell dominierende Politikphänomen in Frankreich. Der Rechtsextreme kommt – ohne ein Programm zu haben und auch ohne sich bislang offiziell als Kandidat erklärt zu haben – auf 15 bis 18 Prozent der Stimmen. Zusammen mit der altbekannten Marine Le Pen, die in Umfragen knapp vor ihm liegt, will inzwischen mehr als jeder dritte Franzose im kommenden Jahr bei den Rechtsextremen sein Kreuz machen, vor vier Jahren war es noch jeder vierte. Und eine entscheidende Rolle bei dieser Bewegung spielen die französischen Medien: Nach einer Zählung war Zemmour von September bis Mitte Oktober jeder sechste Beitrag gewidmet, 14.000 Beiträge liefen über ihn – obwohl er nicht einmal offiziell Kandidat ist.

Zemmours Aufstieg erinnert ein wenig an Donald Trump, dem eine Fernsehsendung half, am Ende bis ins Präsidentenamt zu gelangen. In Frankreich ist es eine Mediengruppe, die Zemmour nach vorne bringt: die von Vincent Bolloré. Der Industrielle stammt aus einer bretonischen Familie, die ihr Vermögen seit Jahrzehnten mit einem Sammelsurium aus Mineralöl, Logistikunternehmen, afrikanischen Häfen und Telekommunikation macht, er zählt zu den vermögendsten Männern Frankreichs, seine Kacht überragt im Hafen der Mittelmeerstadt Cannes alle anderen Schiffe. Seit einigen Jahren erwirbt Bolloré auch französische Medien: Der 69-Jährige besitzt die Fernsehsender CNews, C8, Canal+, den reichweitenstarken Radiosender Europe 1 und verschiedene Zeitschriften wie Capital und die Klatschmagazine Voici, Gala und Paris Match.

französischer FAR-RECHTS-PANDIT ZEMMOUT, um das Präsidentschaftsgebot zu starten Herausforderer, die sich um den Präsidenten Emmanuel Macron absondern sollen.

 französischer FAR-RECHTS-PANDIT ZEMMOUT, um das Präsidentschaftsgebot zu starten Herausforderer, die sich um den Präsidenten Emmanuel Macron absondern sollen. © Bertrand Guay Französisch FAR-RECHTE MEDIA PANDIT ERIC ZEMMOHR wird seine Kandidatur am Dienstag ankündigen, sein Entourage sagt, dass der 63-jährige manchmal als "Frankreichs Trump" beschrieben wird, als er im September einen dramatischen Eingang in die Politik hat Buchen Sie Tour, die als dünn getarnte Kampagne diente.

Marie Le Pen gilt bei Bollorés CNews als Linke

"Bolloré besitzt ein echtes Imperium – und drückt dort seine politische Meinung durch", sagt der Journalismusexperte und Historiker Alexis Lévrier. Rechtsextreme würden hofiert und erhielten die beste Sendezeit. "Auch in früheren Zeiten schon hat die französische Presse in den Händen weniger Industrieller gelegen, aber nie hat ihre politische Überzeugung so durchgeschlagen wie augenblicklich", sagt Lévrier. Kritische, linke Personen würden erst mitten in der Nacht in den Sendungen auftauchen, eine Reportage über Schwangerschaftsabbrüche sei ganz aus dem Programm gestrichen worden. "Das ist eine sehr beunruhigende Entwicklung."

So lief auf Bollorés Sender CNews jeden Abend eine Talkshow mit Zemmour, in der er etwa unwidersprochen sagen durfte, dass die Kollaborateure des Vichy-Regimes vor allem Juden gerettet hätten. Offenbar gefielen solche Tiraden den Zuschauern, mit knapp einer Million hatte sich ihre Zahl in den vergangenen Jahren mehr als vervierfacht. Inzwischen ist Zemmour dort nicht mehr zu sehen, weil die Medienaufsicht regelmäßige Auftritte des Quasikandidaten verbietet, doch die Moderatoren der Talkshow kolportieren Zemmours Hetze weiter. Sie diskutieren, ob nicht auf die Flüchtlinge an der belarussischen Grenze geschossen werden müsse, oder fragen den Vater eines Kindes, das beim Pariser Terroranschlag umgekommen ist, ob er zu Gewalt an Muslimen aufrufen wolle.

französischer FAR-RECHTS PANDIT ZEMMOUR STARTET PRESIDENTIAL BID

 französischer FAR-RECHTS PANDIT ZEMMOUR STARTET PRESIDENTIAL BID Französisches fernrechtliches Medienpundit Eric Zemmour kündigte am Dienstag an, dass er im nächsten Jahr für den Präsidenten rennen wird, um seine umstrittene und heftige Anti-Einwanderungsstimme dem Bereich der Herausforderer hinzuzufügen Entsägen Präsident Emmanuel Macron.

Zemmour selbst hat seit Jahren nur noch ein Programm: das des Hasses auf alle Menschen, die nicht in Frankreich mit urfranzösischen Eltern geboren wurden. Auch die Berichte über Corona seien nur deshalb so umfassend, weil Regierungen von der angeblichen "Flüchtlingsgefahr" ablenken wollten, behauptet er. Ein erster Vorschlag von ihm war, ausländische Vornamen zu verhindern. Franzosen sollten besser Jean oder François heißen, nicht Mamadou oder Seraf. Trotz dieses offensichtlichen Unfugs durfte er jeden Abend bei CNews diskutieren, oder besser gesagt: monologisieren. Die ihm gegenüber sitzenden Journalisten kamen kaum zu Wort. Elf Stunden Redezeit vereinte er beispielsweise nach einer Rechnung der Sendung Complément d'enquête der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalt France Télévisions in nur einem Monat auf sich – dreimal mehr als alle politischen Konkurrenten zusammen.

Die Sendungen auf CNews haben sich so weit radikalisiert, dass Marine Le Pen, seit Jahrzehnten die bekannteste Rechtsextreme im Land, dort als Linke tituliert wird. Sekundiert wird Bollorés Imperium von anderen rechten Medien wie dem Magazin Valeurs Actuelles, die Zemmour vielfach mehr Platz einräumen als Marine Le Pen, angeblich, weil ihre Anhänger keine Zeitschriften kauften. Vielleicht aber auch, weil die Politikerin sich eher an Fischer, Landwirtinnen und Verkäufer richtet, während sich Zemmour mit literarischen Zitaten schmückt und sich bürgerlicher und damit den Journalisten näher gibt. Auch seine Anhänger sind wohlhabender und besser ausgebildet als die von Le Pen und sie sind nahezu ausschließlich männlich und älter als 50 Jahre.

Frankreich: Zemmour will Präsident werden

  Frankreich: Zemmour will Präsident werden Der rechtsextreme Meinungsjournalist Éric Zemmour hat nun offiziell erklärt, bei der Präsidentschaftswahl 2022 in Frankreich anzutreten. Er greift mit seinem Timing bewusst die Konservativen an. © Thomas Samson/AFP Éric Zemmour erklärt seine Präsidentschaftskandidatur in einer Videobotschaft. Zemmour will Präsident werdenDie wochenlangen Spekulationen haben ein Ende: Éric Zemmour kandidiert bei der französischen Präsidentschaftswahl im April 2022. Zemmour verbreitete seine Kandidatur als Videobotschaft über Youtube.

Tatsächlich akzeptiere die französische Gesellschaft, so sagt es Forscher Lévrier, zunehmend rechtsextreme Theorien und Medien. Auch Präsident Emmanuel Macron spiele mit einst boykottierten Medien. Schließlich habe der Liberalkonservative der Valeurs Actuelles ein langes Interview gegeben, er habe den Journalisten alleine in seinem Flugzeug empfangen und die Zeitschrift dadurch geadelt. Bis heute aber habe die größte liberale Zeitung Frankreichs, die Le Monde, kein Interview mit ihm führen können. "Macron wertet die extreme Rechte auf, weil er glaubt, gegen sie im zweiten Wahlgang am besten gewinnen zu können", sagt Lévrier. Dies sei ein gefährliches Spiel mit ungewissem Ausgang.

Möglich ist dieser Durchmarsch einer Person, die bislang weder offiziell kandidiert noch ein Programm hat, durch den Verlust kritischer Stimmen in vielen Medien von Bolloré. Die verbliebenen Chefs werden intern, so schreibt es die Tageszeitung Le Monde, als "Yesmen" betitelt – sie sagten zu allem Ja, was der Chef verlange, auch zur Kündigung erfahrener Kollegen. In Bollorés Sendern sind inzwischen viele kritische Journalistinnen und Journalisten entlassen worden oder haben mit einer Abfindung "so schnell wie möglich das Schiff verlassen", sagt Alexandre Buisine.

Zemmour zieht mit Sturmgewehr und Stinkefinger in Wahlkampf

  Zemmour zieht mit Sturmgewehr und Stinkefinger in Wahlkampf Paris. Erwartungsgemäß hat der extrem rechte Publizist Éric Zemmour seine Kandidatur für die französische Präsidentschaftswahl im April erklärt. Der 63-Jährige, der in Wahlumfragen zeitweise sogar auf Platz zwei hinter Präsident Emmanuel Macron rangiert hatte, erklärte sich in einer Videobotschaft zum Kandidaten für die Wahl. © - Ein Screenshot aus der Videobotschaft von Eric Zemmour. Der Stinkefinger hätte ihn beinahe seine Kandidatur gekostet.

Zemmour will Öffentlich-Rechtliche abschaffen

Buisine ist Mitglied in der Direktion des SNJ, der größten Journalistengewerkschaft Frankreichs, und hat nachgezählt: Als Bolloré CNews kaufte, sei ein Drittel der Belegschaft gegangen, beim Erwerb des Radiosenders Europe 1 verließen 60 Personen, darunter die bekanntesten Moderatoren, das Unternehmen. "Natürlich bräuchten wir schnellstens ein Gesetz, um für unabhängige Berichterstattung zu sorgen." Dazu zähle, Pressemonopolisten zu verhindern. Darüber hinaus plädiert die SNJ etwa dafür, in den Redaktionen eine Instanz zu schaffen, die dem Geschäftsführer gleichgestellt ist und für die Belange der Redakteure eintritt.

"Große Investoren in französische Medien hat es schon immer gegeben – aber das Bolloré-Imperium übertrifft alle", sagt Buisine. Dem neuen Besitzer käme es nicht darauf an, Profite zu erwirtschaften, im Gegenteil: Am Ende des Monats stellt Bolloré für einige seiner Medien einfach einen Scheck aus. Es gehe darum, ihr Image zu verbessern und die Inhalte zu beeinflussen. Der Figaro beispielsweise gehört dem Militärunternehmen Dassault. "Auch da können wir beobachten, dass der konservative Figaro nicht über die Probleme der Kriegsflugzeuge 'Rafale' vom Unternehmen Dassault berichtet hat, weil Dassault sein Eigentümer ist." Das Problem habe in einer der größten Zeitungen Frankreichs nicht stattgefunden. "Leider sind es immer rechtskonservative und neuerdings auch rechtsextreme Industrielle, die Medien kaufen können", sagt Lévrier.

Zemmours große Präsenz in den Medien ist umso widersprüchlicher, als er sich selbst gegen sie ausspricht. "Wer als Präsident die Macht hat, muss sie auch vollständig ausüben können. Dazu ist es nötig, die Macht der Justiz und der Medien zu begrenzen", sagte er bei einer Veranstaltung. So will Zemmour etwa die Rundfunkbeiträge für öffentlich-rechtliche Sender abschaffen – die wenigen Medien, die ihm heute noch Paroli bieten. Sie seien eine "Propagandamaschine, die Frankreich verabscheut". Zunehmend richtet sich der politische Aufsteiger gegen Journalisten und Medien – zumindest gegen die, die nicht Bolloré gehören.

Erste Rallye für den französischen Kandidaten von weitem rechts .
© Assoction Press / Rafael Yaghobzadeh Erste Rallye für den fernen Right Französischer Kandidat Zemmour Premitts Proteste, Gewalt Der AP berichtete, dass Aktivisten in schwarze Kleidung gekleidet wurden, die mit der Botschaft "Nein zu Rassismus" von Menschen an der Rallye angenommen wurden aus dem Zimmer. Zemmours Anhänger wurden gesehen, sang in Frankreichs Nationalhymne und schreiend "Zemmour, Präsident!" und "wir werden gewinnen!" Bei der Fliegen der französischen Flagge, je nach AP.

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