Welt & PolitikAls Angela Merkel "Wir schaffen das" sagte

09:20  19 juli  2019
09:20  19 juli  2019 Quelle:   dw.com

Angela Merkel: Dritter Zitteranfall! Große Sorge um die Bundeskanzlerin

Angela Merkel: Dritter Zitteranfall! Große Sorge um die Bundeskanzlerin Schon wieder ein Zitteranfall, schon wieder bei der Nationalhymne. Als Angela Merkel (64) heute (10.7.) den finnischen Ministerpräsident Antti Rinne empfing, berichteten Augenzeugen erneut von einem Zitteranfall. Dieses Mal sei der Anfall allerdings nicht so stark gewesen wie die beiden Male zuvor. Trotzdem ist es der dritte Anfall innerhalb von drei Wochen. Beim Empfang des neuen ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj erlitt sie ihren ersten Anfall. Nur neun Tage später erfolgte der zweite, als Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Schloss Bellevue Justizministerin Christine Lambrecht zur neuen Justizministerin ernannte.

Die Bundeskanzlerin stellt sich an diesem Freitag in Berlin den Fragen der Hauptstadt-Korrespondenten aus aller Welt. Und führt damit eine lange Tradition fort, bei der so einige historische Sätze gesagt wurden.

Als Angela Merkel "Wir schaffen das" sagte © picture-alliance/dpa/W. Kumm Provided by Deutsche Welle

Normalerweise ist der große Saal im Gebäude der Bundespressekonferenz (BPK) in Berlin nur spärlich besucht. Dreimal in der Woche kommen die Sprecher der Kanzlerin und der Bundesministerien und unterrichten über das Regierungshandeln in Deutschland. Und oft verlieren sich dann in dem Saal mit gut 200 Sitzplätzen nur ein Dutzend Pressemenschen. Aber einmal im Jahr ist das garantiert anders, da muss der Medien-Mensch schon früh kommen, um überhaupt noch einen Sitzplatz zu kriegen.

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Als Angela Merkel "Wir schaffen das" sagte © picture-alliance/AA/M. Gambarini Kein Sitzplatz mehr frei: Pressekonferenz mit der Kanzlerin am 29. August 2017

Denn im Sommer, mal kurz vor ihrem Urlaub, mal kurz danach, kommt Angela Merkel die wenigen hundert Meter vom Kanzleramt herüber in das Pressehaus direkt an der Spree. Und plaudert zumeist locker über das zurückliegende Jahr, und über das, was kommt.

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2015: "Wir schaffen das!"

Mancher ihrer Sätze, die sie dort gesagt hat in all den Jahren, hallen dann lange nach. Bestes Beispiel: 2015, am 31. August sprach Merkel über die Herausforderungen der Flüchtlings-Wanderung nach Deutschland und fasste das zusammen mit den Worten: "Wir schaffen das." Sehr gut möglich, dass diese drei Worte einmal die große Überschrift sein werden, wenn über ihre Kanzlerschaft Bilanz gezogen wird.

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Angela Merkels beste Zitate: „Ich ahne, wovon ich spreche, meine Damen und Herren“ Die Bundeskanzlerin wird an diesem Mittwoch 65 Jahre alt.

Die Sommer-Pressekonferenz: Eine lange Tradition

Helmut Kohl, CDU-Bundeskanzler von 1982 bis 1998, hat die Tradition der Sommer-Treffen mit den Hauptstadt-Journalisten begründet. Erstaunlich eigentlich, war doch das Verhältnis Kohls zur Presse meist extrem angespannt. Gerhard Schröder, Kanzler von 1998 bis 2005, führte sie fort, Merkel dann auch.

Als Angela Merkel "Wir schaffen das" sagte © picture-alliance/dpa/U. Baumgarten Skeptischer Blick: Helmut Kohl in der Bundespressekonferenz, damals noch in Bonn, im Jahre 1997

900 deutsche Hauptstadtkorrespondenten sind im Verein der Bundespressekonferenz Mitglied, dazu kommen noch 440 Korrespondenten aus rund 60 Staaten, die im "Verein der ausländischen Presse in Deutschland" (VAP) organisiert sind. Nur diese beiden Gruppen haben Fragerecht bei Pressekonferenzen. Geleitet werden die Veranstaltungen von einem der Journalisten. Anders als etwa im Weißen Haus in Washington können sich die Politiker also nicht aussuchen, wessen Frage sie beantworten. Ein Stück journalistischer Freiheit, auf das die Bundespressekonferenz zu Recht stolz ist.

Schwarz-Grün weiter mit klarer Mehrheit

Schwarz-Grün weiter mit klarer Mehrheit Berlin. Welcher Partei würden die Deutschen ihre Stimme geben, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre. Das fragte das ZDF im Politbarometer. Und noch immer liegt eine Koalition von Union und Grünen vorne. Eine mögliche Koalition von Union und Grünen käme derzeit einer Umfrage zufolge weiterhin auf eine klare Mehrheit. In dem am Freitag veröffentlichten ZDF-Politbarometer legt die Union einen Prozentpunkt zu auf 28 Prozent. Dahinter liegen die Grünen mit 25 Prozent (minus 1). Leichte Verlust müssen auch die SPD (minus 1/13 Prozent) und die AfD (minus 1/12 Prozent) hinnehmen. Zulegen können hingegen die FDP und die Linken.

Eine kleine Reise durch Merkels Regierungszeit

Ein Blick in die Protokolle der Pressekonferenzen, die Angela Merkel in den letzten Jahren gab, ist eine kleine Reise durch ihre Regierungszeit und handelt von Erfolgen, aber ebenso von Irrungen und Wirrungen. Am 21. Juli 2010 etwa sagte Merkel: "Wir wollen schnellstmöglich das Zeitalter der regenerativen Energien erreichen und dazu auch eine Verlängerung der Laufzeiten der Kernkraftwerke ins Auge fassen!"

Als Angela Merkel "Wir schaffen das" sagte © picture-alliance/Bildagentur-o Seit 1999 Sitz der Bundespressekonferenz in Berlin: Das Gebäude am Schiffbauerdamm an der Spree

Acht Monate später, nach der Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima im März 2011, war das alles Geschichte. Deutschland stieg aus der Atomkraft aus. Und wohl auch nicht so gerne wird sich Merkel an ihren Satz vom 18. Juli 2014 erinnern: "Wir werden als zentrales Thema die Digitale Agenda für Deutschland fortentwickeln." Passiert ist in den fast genau fünf Jahren seitdem wenig.

Diesmal wohl ein Thema: Merkels Zittern

In diesem Jahr wird wohl erstmals auch die Gesundheit der ersten deutschen Kanzlerin ein Thema sein. Zuletzt hatte Merkel dreimal Zitterattacken in der Öffentlichkeit erlitten, immer dann, wenn sie etwa bei militärischen Ehren für einen Staatsgast stehen muss.

"Spiegel": Merkel und Kramp-Karrenbauer verhandelten zwei Wochen lang

Bundeskanzlerin Angela Merkel und CDU-Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer haben nach "Spiegel"-Informationen zwei Wochen lang über die Nachfolge für Ursula von der Leyen als Bundesverteidigungsministerin verhandelt. "Nach ihren Misserfolgen als CDU-Vorsitzende sieht der Griff Annegret Kramp-Karrenbauers zum Verteidigungsministerium aus wie eine verzweifelte Flucht nach vorne", sagte er dem Magazin. "In der kurzen Zeit bis zur nächsten Wahl wird sie sich dort aber kaum profilieren können.

Als Angela Merkel "Wir schaffen das" sagte © picture-alliance/dpa/S. Stache Die berühmte Treppe zum Saal der Bundespressekonferenz: Die Spitzen von CDU, CSU und SPD haben gerade ihren Koalitionsvertrag dort vorgestellt, März 2018.

Zweimal hat die Kanzlerin in den letzten Wochen deshalb einfach Stühle für sich und ihren Gast aufstellen lassen. Und verfolgt die Nationalhymnen so vorerst im Sitzen. Sitzen wird sie auch in der Bundespressekonferenz. Aber ihr Zittern wird ein Thema sein, soviel steht fest.

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Autor: Jens Thurau

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Merkel lädt Johnson zu Besuch in Berlin ein.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat am Freitag mit dem neuen britischen Premierminister Boris Johnson telefoniert. Wie Vizeregierungssprecherin Ulrike Demmer anschließend weiter mitteilte, gratulierte Merkel Johnson erneut zu seinem neuen Amt und wünschte ihm "eine glückliche Hand" bei der Erfüllung seiner "verantwortungsvollen Aufgabe". Inhaltlich ging es in dem Telefonat demnach um den Austritt Großbritanniens aus der EU sowie um gleichwohl eine Vertiefung der bilateralen Beziehungen. Außerdem habe Merkel Johnson zu einem Besuch nach Berlin eingeladen, erklärte Demmer. Der britische Premier habe diese Einladung auch angenommen.

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