Welt & Politik: Umfragehoch der Grünen: Warum der Hype diesmal bis zur nächsten Wahl dauern könnte - PressFrom - Deutschland

Welt & PolitikUmfragehoch der Grünen: Warum der Hype diesmal bis zur nächsten Wahl dauern könnte

23:00  09 august  2019
23:00  09 august  2019 Quelle:   tagesspiegel.de

AfD laut Umfrage im Osten stärkste Kraft

AfD laut Umfrage im Osten stärkste Kraft Vor den Landtagswahlen in drei ostdeutschen Bundesländern im Herbst ist die AfD in Ostdeutschland einer Umfrage zufolge stärkste Kraft. In einer Erhebung des Unternehmens Emnid für die "Bild am Sonntag" kommt die AfD auf 23 Prozent. Knapp dahinter liegt die CDU mit 22 Prozent. Die anderen Parteien folgen erst mit großem Abstand. Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, würden sich demnach 14 Prozent der ostdeutschen Wähler für die Linke entscheiden, 13 Prozent für die Grünen und elf Prozent für die SPD. Die FDP kommt auf sieben Prozent, die sonstigen Parteien liegen zusammen bei zehn Prozent.

Umfragehoch der Grünen: Warum der Hype diesmal bis zur nächsten Wahl dauern könnte © Foto: picture alliance/dpa Auf geht's - und zwar nicht nur in Umfragen? Die Grünen liegen in Wählerbefragungen konstant vor der SPD und sind der Union dicht auf den Fersen.

Meinung:

Anmerkung der Redaktion: Bei den in diesem Artikel dargestellten Meinungen handelt es sich um die Ansichten des Autors, wie sie von unserem Partner publiziert wurden. Sie widerspiegeln nicht die Meinung von Microsoft News oder Microsoft.

Vom One Hit Wonder zum Evergreen: Die Umfrageergebnisse der Grünen lassen sich in Stimmen umsetzen. Und das liegt nicht nur an Robert Habeck. Ein Gastbeitrag.

Im Bundestag stellen sie immer noch die kleinste Fraktion. Seit Wochen aber schneiden die Grünen in Wahlumfragen bundesweit sehr gut ab. In einigen Umfragen sogar ähnlich gut wie die Union. Das liegt auch an der Bedeutung des Klimathemas – der nächste Jahrhundertsommer innerhalb von zwei Jahren und Fridays for Future lassen grüßen – sowie der Stellung der Grünen im Parteiensystem als Anti-AfD.

Parteichefin: Baerbock will erneut für Grünen-Vorsitz kandidieren

Parteichefin: Baerbock will erneut für Grünen-Vorsitz kandidieren Parteichefin: Baerbock will erneut für Grünen-Vorsitz kandidieren

Das interessiert andere MSN-Leser:

Umfrage vor Wahlen im Osten: Mehrheit der Deutschen gegen Zusammenarbeit mit der AfD

Galerie: Die reichsten Staatsführer aller Zeiten

Wladimir Putin: Ein Mann, der die Welt veränderte

Außerdem gibt es, wie in der Wirtschaft, auch in der öffentlichen Wahrnehmung von Parteien Konjunkturzyklen. Oppositionsparteien punkten normalerweise dann, wenn es nichts zu gewinnen gibt; also besonders wie derzeit eben, zur Mitte der Legislaturperiode.

Insbesondere die Grünen konnten sich schon oft als Halbzeit-Umfrageköniginnen feiern lassen, nur um dann bis zum nächsten Wahltag keine Stimmen daraus schlagen zu können. Stimmungen gewinnen eben keine Wahlen, vor allem wenn keine Wahlen anstehen. Und wie sieht es dieses Mal mit den Grünen aus? Plus ça change, also?

USA drohen Deutschland mit Truppenabzug

USA drohen Deutschland mit Truppenabzug Kurz vor den geplanten Europa-Reisen von US-Präsident Donald Trump verschärfen die USA ihre Drohungen mit einem Teilabzug ihrer Truppen aus Deutschland. «Es ist wirklich beleidigend zu erwarten, dass der US-Steuerzahler weiter mehr als 50.000 Amerikaner in Deutschland bezahlt, aber die Deutschen ihren Handelsüberschuss für heimische Zwecke verwenden», sagte der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte die US-Botschafterin in Polen, Georgette Mosbacher, getwittert: «Polen erfüllt seine Zahlungsverpflichtung von zwei Prozent des BIP gegenüber der Nato.

Sie haben „Sisterhood Potential“

Wir glauben, dass es sich lohnt, den Blick auf einige unbeachtete Aspekte zu lenken, warum der derzeitige Hype der Grünen sich bei der nächsten Wahl auch tatsächlich in Stimmen auf hohem Niveau umsetzen lassen könnte. Da ist zum einen das „Sisterhood Potential“ der Grünen. Die Partei vereint glaubhaft Personen und Inhalte und kann so von der Frauenschwäche der Konkurrenz profitieren. Angela Merkels Frauen-Bonus, auf den sie sich in den vergangenen Wahlen verlassen konnte, verblasst bereits deutlich. Bei der letzten Bundestagswahl hatte die CDU in absoluten Stimmen etwa 35 Prozent mehr Wählerinnen als Wähler.

[Die Autoren sind Politikwissenschaftler an der Universität Mannheim.]

Aktuelle Umfragen zeigen, dass sich das Geschlechterverhältnis der CDU von Unterstützerinnen einerseits und Unterstützern andererseits wieder deutlich in Richtung der Männer verschoben hat. Das überrascht nicht. Warum sollten moderne Frauen weiterhin die CDU unterstützen? Es ist schon richtig, keine andere Partei kann derzeit so viel weibliche Macht demonstrieren wie die CDU mit dem Trio Angela Merkel, Ursula von der Leyen und Annegret Kramp-Karrenbauer.

Als ob Franz Müntefering einen Yogakurs am Ballermann leitet

Als ob Franz Müntefering einen Yogakurs am Ballermann leitet Der SPD müsste klar sein, dass aus Rot-Rot-Grün auf lange Zeit nichts wird. Trotzdem fängt sie eine Debatte darüber an - eine Art Verzweiflungstat. Zwei Repräsentanten der SPD bringen ein "rot-rot-grünes" Bündnis ins Spiel; das ist nötig, rührend und etwas albern zugleich. Malu Dreyer, die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin und derzeitige ⅓-Vorsitzende der Partei, sagt, sollte es nach einer Wahl eine Mehrheit links von der Union geben, "müssen wir das Gemeinsame suchen und das Trennende analysieren".

Den ehemaligen Unterstützerinnen von Merkel bleibt aber folgendes nicht verborgen: Angela Merkel tritt nicht wieder an, Ursula von der Leyen ist in Brüssel und der Feminismus von Annegret Kramp-Karrenbauer lädt sie nicht gerade zum Verweilen ein. Profitieren können davon vor allem die Grünen.

Die SPD ist abgehängt

Diese neuen Unterstützerinnen untermauern auch den zweiten Faktor für einen möglicherweise anhaltenden Erfolg der Grünen: die neu gewonnene Führungsposition der Grünen im links-liberalen Lager. Zum ersten Mal in der Geschichte der Meinungsforschung in der Bundesrepublik haben sich die Grünen in Umfragen – konsistent und bei allen relevanten Instituten – vor der SPD festgesetzt. Das haben die Grünen bei ihrem letzten Höhenflug 2011 nicht geschafft.

Bemerkenswert ist auch, wie lange dieser Führungswechsel nun schon anhält: seit mehr als 40 Wochen. In den Musikcharts wären die Grünen damit schon lange kein One Hit Wonder mehr. Als stärkste politische Kraft im links-liberalen Lager werden die Grünen für Wählerinnen und Wähler attraktiv, die normalerweise eher die politische Konkurrenz unterstützen und insbesondere die SPD gewählt haben. Denn mit einer Stimme für die Grünen wählt man nicht nur eine Partei aus diesem Lager, sondern unterstützt damit auch die Partei der möglichen nächsten Kanzlerin oder des nächsten Kanzlers.

Arbeitsminister Heil - Deutschland gut gerüstet für Wirtschaftskrise

Arbeitsminister Heil - Deutschland gut gerüstet für Wirtschaftskrise Arbeitsminister Heil - Deutschland gut gerüstet für Wirtschaftskrise

Aus der Forschung wissen wir, dass Parteien, die glaubhafte Kandidierende für die Regierungsspitze stellen, attraktiver sind als Parteien, die keine entsprechenden Kandidierenden haben (weil sie keine aufstellen oder weil sie nicht glaubhaft sind). So bekommen die Führungsparteien der konkurrierenden politischen Lager noch einen zusätzlichen Stimmenbonus von Wählerinnen und Wählern, die neben einer Partei auch strategisch für oder gegen eine mögliche Regierungskoalition samt Kanzlerschaft stimmen.

Beispiel Baden-Württemberg

Zum Beispiel von FDP- oder SPD-nahen Wählerinnen und Wählern, die beispielsweise nicht Annegret Kramp-Karrenbauer als Kanzlerin in einer Deutschlandkoalition wollen. Diese müssten dann schon für die Grünen stimmen. Die Kombination, dass eine Stimme für die stärkste Partei im präferierten Lager gleichzeitig Auswirkungen auf eine mögliche Regierungskoalition samt Kanzlerschaft hat, führt selbst bei Parlamentswahlen mit Verhältniswahlsystem zu Konzentrationseffekten, von denen die stärksten Parteien der politischen Lager regelmäßig profitieren.

In Deutschland sieht man diesen Effekt etwa am Aufstieg der Grünen in Baden-Württemberg. Vor der Wahl 2011 war die Führungsposition im links-liberalen Lager umkämpft zwischen SPD und den Grünen mit jeweils eigenen Spitzenkandidaten. Die Grünen waren bei der Wahl 2011 aber etwas erfolgreicher als die SPD.

Italien wartet auf «Showdown» in der Regierungskrise

Italien wartet auf «Showdown» in der Regierungskrise Nach turbulenten Tagen der Regierungskrise heißt es in Italien Warten auf den «Showdown». © Foto: Stefano Cavicchi Matteo Salvini, Innenminister und Chef der rechten Lega, gilt als der eigentliche starke Mann in Rom. Foto. Stefano Cavicchi/LaPresse/ZUMA Press Am Montag und Dienstag stehen im Senat und in der Abgeordnetenkammer Treffen der Fraktionsvorsitzenden an, die für die weiteren Schritte auf dem Weg zu einer immer wahrscheinlicher werdenden Neuwahl entscheidend sind.

Nach der Wahl änderte sich nur die Tatsache, dass von nun an der bisher einzige grüne Ministerpräsident regiert. In Kombination von zweifelsfrei populärem Kandidaten und dem Amt wurde die Führungsposition der Grünen glaubhaft ausgebaut und die Partei hängte seither die SPD in den Umfragen klar ab. Diesen Bonus als Führungspartei des links-liberalen Lagers, den die Grünen momentan einstreichen, können sie natürlich wieder leicht verspielen, etwa wenn sie die damit einhergehenden neuen Herausforderungen nicht ernsthaft annehmen.

Gerade eine ernsthafte Auseinandersetzung mit ihrer zugewachsenen neuen Rolle als Führungskraft im links-liberalen Lager muss dazu führen, dass die Grünen die K-Frage klären und diese nicht leichtfertig als ritualisierte Politik abtun. Wenn die Grünen ihre neue Rolle allerdings glaubhaft annehmen, dann spricht aus unserer Sicht viel dafür, dass sich der derzeitige Hype der Grünen bei der nächsten Wahl wirklich auf hohem Niveau in Stimmen umsetzen lassen kann.

Mehr auf MSN

Die Grünen in Brandenburg: Ursula wer?.
Annalena Baerbock ist der Star der Grünen in Brandenburg, Ursula Nonnemacher kennt kaum einer. Das könnte sich bald ändern, sollte sie Ministerpräsidentin werden. © Christoph Soeder/​dpa Die brandenburgischen Spitzenkandidaten Ursula Nonnemacher (Mitte) und Benjamin Raschke (dahinter) mit Grünen-Chefin Annalena Baerbock auf einem kleinen Parteitag am vergangenen Wochenende Annalena Baerbock kennt auch andere Zeiten. Als sie 2009 Vorsitzende der Grünen in Brandenburg wurde, reichte für einen Wahlkampftermin oft ein Hinterzimmer.

—   Teilen Sie Neuigkeiten in der SOC. Netzwerke
usr: 1
Das ist interessant!