Welt & PolitikKommentar: Empörung über Bolsonaro - und dann?

20:15  23 august  2019
20:15  23 august  2019 Quelle:   dw.com

Brasiliens Bolsonaro: Umweltschützer legen Feuer im Amazonas

Brasiliens Bolsonaro: Umweltschützer legen Feuer im Amazonas Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro gibt Umweltschützern die Schuld an den schweren Waldbränden, die derzeit im Amazonas-Regenwald wüten. **Bolsonaro: Umweltschützer führen "Krieg" - aus Geldmangel ** Seine Regierung habe Zahlungen an Hilfsorganisationen eingestellt, diese würden nun wegen Geldmangels Feuer legen und so "einen Krieg" gegen ihn führen, erklärte der Präsident des größten südamerikanischen Landes. "Was die Brände im Amazonas angeht, habe ich den Eindruck, dass sie von Hilfsorganisationen gelegt sein könnten. Sie wollten Geld. Was war ihre Absicht? Probleme in Brasilien zu schüren", sagte er.

Der Amazonas brennt. Kommentar : Empörung über Bolsonaro - und dann ? Bolsonaro sei schuld, empört sich die Welt. Aber das ist zu kurz gegriffen. Wir werden - weltweit - alle zahlen müssen, soll der Regenwald noch gerettet werden, meint Vanessa Fischer.

Rechtsruck in Brasilien. Kommentar : Bolsonaro kann nur Wahlkampf. Bolsonaro ist der erste Präsident seit Brasiliens Rückkehr zur Demokratie Mitte der 80er-Jahre, der politisch Dann fügte er noch einen seltsamen Nachsatz an, über dessen genaue Bedeutung die politischen Beobachter in

Kommentar von Vanessa Fischer

Im Amazonas brennt es lichterloh. Bolsonaro ist schuld! empört sich die Welt. Aber das ist zu kurz gegriffen. Wir werden - weltweit - alle zahlen müssen, soll dieser Wald noch gerettet werden, meint Vanessa Fischer.

Kommentar: Empörung über Bolsonaro - und dann? © picture-alliance/dpa/ICMBio/Christian Niel Berlinck Provided by Deutsche Welle

Der Amazonas ist die Lunge der Welt, die ein Fünftel des globalen Sauerstoffs produziert. Diese Lunge brennt in Dimensionen, wie man sie seit Jahren nicht kannte. Und Brasiliens Präsident steht im Fokus der internationalen Kritik, weil er mit seiner aggressiven Rhetorik die Menschen mobilisiert, zu Waffen zu greifen oder Feuer zu legen, weil er als Präsident Verschwörungstheorien schürt, renommierte Wissenschaftler absetzt, wenn ihm ihre Publikationen nicht passen, und sich jede Einmischung in nationale Angelegenheiten verbittet.

Verheerende Waldbrände am Amazonas: Bolsonaro gelobt „Null-Toleranz-Politik“ für Umweltverbrecher

Verheerende Waldbrände am Amazonas: Bolsonaro gelobt „Null-Toleranz-Politik“ für Umweltverbrecher Angesichts der Feuer am Amazonas steigt der internationale Druck auf den brasilianischen Staatschef. Unterstützung kommt von US-Präsident Trump. Angesichts der zu Tausenden lodernden Feuer im Amazonasgebiet hat Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro ein hartes Durchgreifen gegen Brandstifter angekündigt. „Wir sind eine Regierung der Null-Toleranz-Politik gegenüber der Kriminalität, und im Bereich der Umwelt ist das nicht anders“, sagte der Staatschef am Freitagabend (Ortszeit) in einer Fernsehansprache. „Wir werden entschlossen handeln, um die Feuer unter Kontrolle zu bringen.

Aktuell Amerika. Empörung über NSA-Überwachung. Frankreich, Mexiko, Brasilien: Der US-Geheimdienst NSA späht offenbar mehr Länder aus als bisher bekannt. Auch Franzosen sollen massiv belauscht worden sein.

Präsident Bolsonaro entsetzt Brasilianer mit obszönem Video. Karneval soll heiter und fröhlich sein: Brasiliens Präsident Bolsonaro entdeckt in diesem Zusammenhang einen Missstand und machte mit einem obszönen Video darauf aufmerksam. Das sorgt für Empörung .

Sicher, die Kritik ist berechtigt. Aber ist Bolsonaros Rhetorik wirklich überraschend? Was war von einem Rechtspopulisten wie ihm anderes zu erwarten? Je aufgeheizter die Stimmung, je mehr Empörung, desto weniger gesprächsbereit wird diese Regierung sein. Das kann nicht im Interesse der Weltgemeinschaft sein.

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Kommentar: Empörung über Bolsonaro - und dann? © Provided by Deutsche Welle Vanessa Fischer leitet die DW-Umweltredaktion

Jetzt gerade brennt es vielerorts lichterloh, doch die Zerstörung des Amazonas schreitet seit jeher unaufhörlich voran, mal langsamer, jetzt wieder schneller, aber stetig. Und dabei geht es nicht nur um Landgewinnung für Agrarflächen für Rinderhaltung und Sojaanbau. Seit Jahren nimmt die Zahl illegaler Goldminen wieder zu. Riesige Staudämme sind in den letzten zehn Jahren allein im Amazonasgebiet Brasiliens entstanden. Mehr als 20 sollen es bis 2023 werden - Projekte, die noch unter der Regierung des linken Präsidenten Luiz Ignacio Lula da Silva bewilligt wurden, Staudämme, die bei fragwürdiger Energieeffizienz massive Eingriffe in das Ökosystem zu Folge haben, für deren Bau ganze Landstriche unter Wasser gesetzt werden, und deren Staubecken im tropischen Klima zu wahren Methanschleudern werden beim Zersetzen der reichhaltigen Biomasse. Und Methan ist bekanntlich noch viel klimaschädlicher als CO2.

Truppeneinsatz gegen „Umweltdelikte“: Bolsonaro will Waldbrände am Amazonas mithilfe der Armee eindämmen

Truppeneinsatz gegen „Umweltdelikte“: Bolsonaro will Waldbrände am Amazonas mithilfe der Armee eindämmen Der internationale Druck zeigt offenbar Wirkung: Brasiliens Präsident entsendet Löschflugzeuge und mehr als 40.000 Soldaten, um die Waldbrände zu bekämpfen. © Foto: Brazil Ministry Of Defense/AP/dpa Ein vom brasilianischen Verteidigungsministerium zur Verfügung gestelltes Foto zeigt ein C-130 Flugzeug, das bei den Bränden im Amazonasgebiet im Einsatz ist Unter internationalem Druck hat der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro den Einsatz der Armee gegen die verheerenden Waldbrände im Amazonasgebiet angeordnet.

Der hätte dann mit den Geschworenen die Beweislage geprüft. Doch McCulloch lehnte dies ab. Vielleicht aus Eitelkeit, vielleicht aus einem falsch verstandenem Pflichtgefühl heraus. Schlagabtausch zwischen Lula und Bolsonaro .

Der zuvor im Umfragen abgeschlagene rechtsextreme Präsidentschaftskandidat Jair Bolsonaro konnte daraufhin die Wahl für sich entscheiden. Tags: Brasilien, Jair Bolsonaro , Justiz, Korruption, Lateinamerika, Luiz Inácio Lula da Silva, Wahlen, International.

Die Folgen sind längst sichtbar

2012 konnte ich in Porto Velho, der Hauptstadt des Bundestaates Rondonia und ein Herzstück der brasilianischen Agrarlobby, die ersten Folgen des gerade in Betrieb genommen Staudamms am Fluss Madeira besichtigen. Der Madeira ist einer der nähstoffreichsten Ströme im Amazonas, da er viele Sedimente aus Anden mit sich trägt. Als der Fluss aufgestaut wurde, hatte er zunächst die ganze Stadt unter Wasser gesetzt - und das war noch das geringere Übel. Dieser Tage konnten in eben diesem Porto Velho keine Flugzeuge mehr landen, weil die Piloten vor lauter Qualm nichts mehr sahen.

Die Zerstörung des Amazonas schreitet seit langem unaufhörlich voran. Sanktionen werden nichts bringen - im Gegenteil: Gelder für Klima- und Walschutzprojekte einzufrieren oder gar zu streichen, wie zuletzt von Deutschland und Norwegen angekündigt, spielt der Regierung Bolsonaros und den Interessen der Agrarindustrie Brasiliens in die Hände. Und es schwächt die vielen engagierten Menschen und Projekte, die den Waldschutz vorantreiben. Von ihrer Regierung haben sie nichts zu erwarten. Die öffentlichen Gelder für Klima- und Umweltschutzmaßnahmen sind bereits 2018 stark zurückgegangen.

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Diese Demokraten wollen Trump besiegen Das Feld der demokratischen Bewerber ist auf 25 angewachsen. Eric Salwell ist zwar raus. Dafür kommen zwei neue dazu. Darunter ein bekannter Milliardär. Die US-Demokraten haben für 2020 nur ein Ziel: Donald Trump muss abgewählt werden. Dafür braucht es einen Kandidaten, der die Massen überzeugt. Es muss jemand sein, der nicht nur mehr Wähler an die Urnen bringt als Hillary Clinton 2016, sondern auch in Trump-Staaten wie Arizona und Georgia den amtierenden Präsidenten schlagen kann. Das Feld der Bewerber ist außerordentlich groß.

Und den Erfolg von Jair Bolsonaro möglich gemacht haben, meint Hildegard Stausberg. Brasilien hat einen neuen Präsidenten, er ist mit einer satten Mehrheit von 55 Prozent im zweiten Wahlgang bestätigt worden. Und dann erst die brasilianische Wirtschaft - und gar die internationalen Märkte: Da hat

Brasiliens Staatschef Jair Bolsonaro erwägt den Einsatz der Armee zur Bekämpfung der Waldbrände im Amazonas-Gebiet. Die schweren Waldbrände im Amazonas-Regenwald lösten weltweit Sorgen und wachsende Empörung über die Haltung der brasilianischen Regierung aus.

Die internationale Gemeinschaft muss noch viel mehr Geld in die Hand nehmen, soll der Amazonas auf lange Sicht gerettet werden: für einen globaler Fond, Kompensationszahlungen, und die globale Verpflichtung, ökonomische Interessen in Amazonien zurückzustellen. Die UN-Konferenz in New York im September, bei der Klimaschutz ganz oben auf der Agenda steht, wäre der richtige Rahmen dafür. Hier könnte die Welt zeigen, ob sie auch handeln kann - oder sich nur empören.

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Autor: Vanessa Fischer

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Die EU muss dem brasilianischen Präsidenten mit wirtschaftlichen Folgen drohen, sonst werden die Brände andauern. Die Industrieländer tragen aber auch eine Mitschuld an dem, was gerade im Amazonas passiert. Oft wird Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro mit Donald Trump verglichen, was ungerecht ist, denn im Vergleich zu dem Brasilianer wirkt der US-Präsident wie ein Gentleman. Das musste diese Woche Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erfahren.

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