Welt & Politik: Immer wieder rechte Gewalt in Deutschland - PressFrom - Deutschland

Welt & Politik Immer wieder rechte Gewalt in Deutschland

11:15  10 oktober  2019
11:15  10 oktober  2019 Quelle:   sueddeutsche.de

"Der wahre Feind ist der Hass"

  Marco Reus, Serge Gnabry und Kai Havertz waren Teilnehmer einer ganz besonderen - und stimmungsvollen - DFB-PK: Das Star-Trio stand in Dortmund Kindern Rede und Antwort.

Bis zum Jahr 2001 wurde rechte Gewalt eng definiert. 2001 wurde die Zählweise verändert, seither sprechen Behörden von „ rechts motivierter Gewalt “. Unter diesem Begriff werden alle Delikte gefasst, bei denen „die Umstände der Tat oder die Einstellung des Täters darauf schließen lassen

"Opfer rechter Gewalt seit 1990 in Deutschlan d" www.opfer- rechter - gewalt .de/mit Genehmigung Opferperspektive e.v./Repros Peter Hirth. Die Zahl der Todesopfer rechtsextremer Gewalt in Deutschland ist weit größer, als Polizei und Justiz bisher einräumen.

Ein Demonstrant übermalt während einer Demonstration gegen den Verfassungsschutz die Fahndungsbilder der NSU-Mitglieder Zschäpe (l-r), Böhnhardt und Mundlos. © picture alliance / dpa Ein Demonstrant übermalt während einer Demonstration gegen den Verfassungsschutz die Fahndungsbilder der NSU-Mitglieder Zschäpe (l-r), Böhnhardt und Mundlos.

Rechtsextreme Anschläge geschehen in trauriger Regelmäßigkeit - der Angriff von Halle ist nur der neueste Fall. Ein Überblick.

Rechte verüben in Deutschland mit trauriger Regelmäßigkeit Gewalt. Die Bundesregierung spricht seit 1990 von mindestens 84 Toten durch Rechtsextreme - und ihre Zählung wird von Kritikern als viel zu streng und dadurch verharmlosend gewertet. Die Amadeo-Antonio-Stiftung, selbst benannt nach einem Todesopfer rechter Gewalt, kommt in ihrer Zählung auf 169 Tote seit der Wiedervereinigung. Und in dieser Statistik sind Gewaltverbrechen ohne Tote noch nicht einmal erfasst.

"Der wahre Feind ist der Hass"

  Noch spielt Thomas Müller beim FC Bayern. Eine Zukunft ohne den 30-Jährigen will sich aktuell keiner in München vorstellen. Sein Vereinskollege Serge Gnabry fordert mehr Respekt.

Wenn es in Deutschland stark regnet, treten die Flüsse über die Ufer. Da es zu wenige Auen gibt, wo das Wasser versickern kann, kommt es oft zu Überschwemmungen. Immer wieder Merkel. Jetzt im Bundestag: die AfD. Wenn der Kühlschrank zur Gefahr wird. Zivilcourage gegen rechte Parolen.

Bautzen: Was hinter der Gewalt zwischen Flüchtlingen und Rechten steckt. Rechte Gewalt in Sachsen Immer wieder Bautzen. Der Bautzener Kornmarkt ist seit Wochen Schauplatz von Gewalt - am Mittwochabend ist sie eskaliert. Die Konsequenz: Ausgangssperre für Flüchtlinge.

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Nur wenige rechtsextreme Gewalttaten erregen so große Aufmerksamkeit wie der Angriff auf eine Synagoge in Halle oder die Mordserie des NSU - eine der tödlichsten Terrorgruppen in der Geschichte der Bundesrepublik. Aber immer wieder gelangen einzelne Fälle zu trauriger Berühmtheit. Einige Beispiele von vielen:

 
  • Der bereits erwähnte Amadeu António Kiowa gilt als eines der ersten Todesopfer rechter Gewalt nach dem Mauerfall. Am 24. November 1990 gerät er in Eberswalde an eine Gruppe junger Neonazis, die "irgendwelche Ausländer zusammenkloppen" wollen. Sie schlagen ihn brutal zusammen und springen mehrfach auf seinen Kopf, als er am Boden liegt. Zwei Wochen später stirbt Kiowa an den Folgen des Angriffs.
  • 1992 kommt es an einem Wohnheim für Asylbewerber und vietnamesische Arbeiter in Rostock-Lichtenhagen zu Pogromen. Unter dem Applaus Tausender Schaulustiger werfen Rechtsextreme Steine und Brandsätze. Die Polizei zieht sich zeitweise zurück. Wie durch ein Wunder kommt niemand ums Leben.
  • Im selben Jahr verüben Rechtsextreme auch in anderen Städten Brandanschläge auf die Wohnhäuser von als ausländisch wahrgenommenen Menschen. In Mölln in Schleswig-Holstein sterben drei Menschen, darunter zwei Kinder. Und im nordrhein-westfälischen Solingen sterben fünf türkischstämmige Frauen und Mädchen, als Rechte ihr Wohnhaus anzünden.
  • Im Jahr 2000 beginnt dann die tödliche Mordserie der Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU). Über einen Zeitraum von mindestens sieben Jahren ermordet das Trio aus Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe zehn Menschen in ganz Deutschland, neun davon mit Migrationshintergrund, und verübt Mordversuche und Sprengstoffanschläge. Auch Synagogen kundschafteten die Terroristen aus, schritten aber nicht zur Tat.
  • 2015 bildet sich in Freital in Sachsen die rechtsterroristische Vereinigung "Gruppe Freital", die im Herbst 2015 mehrere Anschläge auf Asylbewerberunterkünfte verübt. Auch hier ist es reines Glück, dass es keine Toten oder Schwerverletzten gibt. 2018 werden acht Mitglieder der Gruppe zu Gefängnisstrafen zwischen vier und acht Jahren verurteilt.
  • Der CDU-Politiker Andreas Hollstein wird 2017 zum Opfer eines rechts motivierten Angreifers. Der Mann attackiert Hollstein in einem Döner-Imbiss und rammt ihm ein Messer in den Hals. Dabei schreit der alkoholisierte Täter ausländerfeindliche Parolen. Das beherzte Eingreifen des Ladenbesitzers und seines Sohnes, die den Angreifer überwältigten, rettet Hollstein vermutlich das Leben.
  • Im August 2018 stirbt im sächsischen Chemnitz ein Deutscher durch Messerstiche - mutmaßlich in einer Auseinandersetzung mit Flüchtlingen. In den Tagen danach kommt es in der Stadt zu fremdenfeindlichen Protesten und Übergriffen. Auch ein koscheres Restaurant wird angegriffen. Ein rechtsextremistisches Motiv liegt nach Angaben der Polizei nahe.
  • Eines der aktuellsten prominenten Opfer ist der Politiker Walter Lübcke, ebenfalls von der CDU. Mit seinem Eintreten für die Rechte von Geflüchteten erzürnte er die rechte Szene in ganz Deutschland - und mutmaßlich den Rechtsextremen Stephan E. so sehr, dass er zur Waffe greift und Lübcke am 2. Juni 2019 aus nächster Nähe erschießt. Nach seiner Verhaftung legt er zunächst ein Geständnis ab, das er später widerruft. Der Prozess gegen ihn läuft noch.

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"Der wahre Feind ist der Hass"

  Nach dem Terror von Halle gibt es Gebete und Wachen vor den Synagogen - und den Ruf nach Konsequenzen. Jüdische Einrichtungen besser zu schützen ist nur eine davon.• Vielerorts versammeln sich zahlreiche Menschen zu Gebeten und Mahnwachen.

„Eine bedrohliche Entwicklung“. Mehr rechte Gewalttaten gab es seit 15 Jahren nicht mehr. Der Innenminister ist besorgt, die Justiz greift durch. Wachschützer konnten das Feuer löschen, es blieben nur Rußspuren. Dennoch: Die Gewalt war wieder da.

Rechte Gewalt : Innenminister fordern Verbot der rechtsextremen Gruppe Combat 18. Immer wieder fallen Rechtsrockfestivals kleiner aus als geplant – wie an diesem Wochenende in Kloster Veßra. Deutschland : Regierung und Justiz in Hessen wollen Kampf gegen Rechtsextremismus verstärken.

Griechenland: Wo Europa noch immer scheitert .
Die Flüchtlingszahlen in Griechenland steigen wieder. Symbol der schwierigen Lage ist das völlig überfüllte Lager Moria auf Lesbos. Fünf Zahlen erklären die Situation © Kay Nietfeld/​dpa Flüchtlinge bei der Ankunft auf Lesbos 2016: Damals kamen mehr als 173.000 Menschen in Griechenland an. Moria ist zu einem Symbol der europäischen Überforderung mit der Fluchtbewegung in die EU geworden. Das Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos ist systematisch überbelegt, es kommt immer wieder zu Unfällen und Gewalt, immer wieder sterben Menschen.

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