Welt & Politik FOKUS 1-Empörung über Holocaust-Äußerung von Abbas

03:50  17 august  2022
03:50  17 august  2022 Quelle:   reuters.com

Union kritisiert Scholz nach Eklat bei Abbas-Besuch

  Union kritisiert Scholz nach Eklat bei Abbas-Besuch Bei einer Pressekonferenz mit Olaf Scholz wirft Palästinenserpräsident Abbas Israel vielfachen «Holocaust» vor. Der Kanzler reagiert empört, widerspricht seinem Gast aber nicht unmittelbar.«Ein unfassbarer Vorgang im Kanzleramt», schrieb CDU-Chef Friedrich Merz am Dienstagabend auf Twitter. Der Kanzler hätte dem Palästinenserpräsidenten «klar und deutlich widersprechen und ihn bitten müssen, das Haus zu verlassen!», argumentierte er.

* Palästinenserpräsident wirft Israel Holocaust und Apartheid vor

* Israels Ministerpräsident empört

* Scholz distanziert sich nachträglich von Abbas-Äußerung

* "Jegliche Relativierung des Holocaust ist unerträglich"

* Kanzler gegen volle Ankennung von Palästinenserstaat

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* Scholz: (Neu: Details, Hintergund)

Berlin, 17. Aug (Reuters) - Ein Holocaust- und Apartheid-Vergleich von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas im Kanzleramt hat für Empörung gesorgt. Abbas hatte nach einem Gespräch mit Kanzler Olaf Scholz Israel am Dienstag einen "Holocaust" an den Palästinensern vorgeworfen. "Seit 1947 bis zum heutigen Tag hat Israel 50 Massaker in 50 palästinischen Dörfern und Städten, 50 Massaker, 50 Holocausts begangen", erklärte Abbas. In einem Interview mit der Zeitung "Bild" wies Scholz später den Holocaust-Vorwurf mit deutlichen Worten zurück. "Gerade für uns Deutsche ist jegliche Relativierung des Holocaust unerträglich und inakzeptabel", sagte er. In der Pressekonferenz hatte er sich bereits von einem Apartheid-Vorwurf von Abbas gegen Israel distanziert.

Kanzleramt: Palästinenserpräsident Abbas wirft Israel "Holocaust" vor

  Kanzleramt: Palästinenserpräsident Abbas wirft Israel Die Aussagen fallen während einer Pressekonferenz im Berliner Kanzleramt. Scholz verurteilt sie - aber erst hinterher. CDU-Chef Merz spricht von einem "unfassbaren Vorgang".Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat mit Holocaust-Vorwürfen an die Adresse Israels während einer Pressekonferenz mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) im Kanzleramt Empörung ausgelöst und auch seinen Gastgeber in Erklärungsnot gebracht. "Ein unfassbarer Vorgang im Kanzleramt. Der Bundeskanzler hätte dem Palästinenserpräsidenten klar und deutlich widersprechen und ihn bitten müssen, das Haus zu verlassen!", twitterte CDU-Chef Friedrich Merz.

Nach Angaben der israelischen Botschaft verurteilte auch Israels Ministerpräsident Yair Lapud die Äußerung von Abbas scharf: Dass dieser von 50 Holocausts gesprochen habe, "während er auf deutschem Boden stand, ist nicht nur eine moralische Schande, sondern eine ungeheure Lüge", schrieb die Botschaft auf Twitter. Auch der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, kritisierte den Palästinenserpräsident. "Durch seine Holocaustrelativierung hat Präsident Abbas jegliche Sensibilität gegenüber uns deutschen Gastgebern vermissen lassen", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). "Das gilt gerade auch im Hinblick auf die gestellte Frage zum Olympia-Attentat, das von PLO-Terroristen verübt wurde." Abbas war zuvor gefragt worden, ob er sich für das Attentat auf israelische Sportler während der Olympischen Spiele in München 1972 entschuldige.

Abbas bemüht sich um Schadensbegrenzung

  Abbas bemüht sich um Schadensbegrenzung Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat durch Äußerungen zum Holocaust in Deutschland und Israel für Empörung gesorgt. Nach Angaben der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa korrigierte er sich jetzt. © Janine Schmitz/photothek/picture alliance Palästinenserpräsident Mahmud Abbas bemüht sich nach seinen Äußerungen in Berlin um Korrektur Laut einer Meldung der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa sagte Mahmud Abbas, bei der Pressekonferenz in Berlin habe er nicht die Einzigartigkeit des Holocaust infrage stellen wollen. Dieser sei "das abscheulichste Verbrechen der modernen menschlichen Geschichte".

Aus der Union kam Kritik an Scholz, dass dieser dem Holocaust-Vergleich am Ende der Pressekonferenz nicht sofort zurückgewiesen habe. "Ein unfassbarer Vorgang im Kanzleramt. Der Bundeskanzler hätte dem Palästinenserpräsident klar und deutlich widersprechen und ihn bitten müssen, das Haus zu verlassen", twitterte etwa CDU-Chef Friedrich Merz https://twitter.com/_FriedrichMerz/status/1559604160558948358?cxt=HHwWjICzxZHu6aQrAAAA.

SCHOLZ LEHNT VOLLE ANERKENNUNG PALÄSTINENSISCHEN STAATES AB

Abbas hatte die EU und die Vereinten Nationen (UN) in der Pressekonferenz aufgefordert, den palästinensischen Staat vollständig anzuerkennen. Derzeit haben die Palästinenser nur einen Beobachterstatus bei den UN. Scholz wies Abbas' Forderung jedoch zurück. Deutschland unterstütze weiterhin eine Zwei-Staaten-Lösung zwischen Israelis und Palästinensern, sagte er. "Es ist nicht die Zeit, diese Situation zu ändern", fügte er dann mit Hinweis auf den Beobachterstatus bei den UN hinzu. Weitergehende Schritte müssten auf einer Verhandlungslösung mit Israel aufbauen. Abbas warf Israel vor, genau dies seit langem zu verhindern. Seine Regierung werde einen neuen Vorstoß bei den UN auf Anerkennung unternehmen. Der Friedensprozess zwischen Israel und den Palästinensern liegt seit 2014 brach.

Umstrittener Palästinenserpräsident: Mit einem Hang zur Hetze: Mahmud Abbas

  Umstrittener Palästinenserpräsident: Mit einem Hang zur Hetze: Mahmud Abbas Die Holocaustverharmlosung des Palästinenserpräsidenten ruft heftige Kritik im In- und Ausland hervor. Wer ist Mahmud Abbas – und warum ist er so umstritten? © Foto: IMAGO/Metodi Popow Mahmud Abbas sorgte mit seinen Aussagen in der Bundespressekonferenz für einen Eklat. Die Holocaustverharmlosung im Bundeskanzleramt ist nicht das erste Mal, dass Palästinenserpräsident Mahmud Abbas mit Bemerkungen zum Holocaust auffällt.

Abbas äußerte sich enttäuscht, dass auch die USA nach dem Besuch von US-Präsident Joe Biden keine Schritte für eine neue Nahost-Initiative unternommen hätten. "Wir warten bis heute, dass praktische Schritte den Worten folgen", sagte er mit Blick auf Biden, der sich ebenfalls für eine Zwei-Staaten-Lösung ausgesprochen hatte. Abbas kritisiert zudem, dass Hunderte von Resolutionen der UN-Vollversammlung und Dutzende des UN-Sicherheitsrates zu dem Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern nicht umgesetzt worden seien. Scholz seinerseits kritisierte, dass in den Palästinensergebieten seit 2006 keine Wahlen mehr stattgefunden hätten. Abbas macht dafür unter anderem zur Bedingung, dass auch in Ostjerusalem gewählt werden darf. Sowohl Israelis als auch Palästinenser erheben Anspruch auf Ostjerusalem. (Bericht von Andreas Rinke; redigiert von Katharina Loesche. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

«Auch persönliche Aufgabe»: Botschafter Israels tritt Amt an .
Für ihn schließe sich ein Kreis, sagt der neue oberste Diplomat Israels in Deutschland. Der 63-jährige Prosor hat familiäre Wurzeln in Berlin. Er will die Beziehungen zwischen den beiden Völkern vertiefen.Der 63-jährige Prosor hat deutsche Wurzeln: Sein Vater Uri wurde 1927 in Berlin geboren, als Sechsjähriger ist er mit seinen Eltern vor dem Holocaust nach Palästina geflohen. In Berlin löst Prosor Jeremy Issacharoff ab, der seit August 2017 Botschafter des Staates Israel in Deutschland war.

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