Welt & Politik Der Tag, an dem die Berliner Mauer fiel

00:50  09 november  2019
00:50  09 november  2019 Quelle:   dw.com

Größte DDR-Demo: Abgesang am Alexanderplatz

  Größte DDR-Demo: Abgesang am Alexanderplatz Am 4. November 1989 kam es in Berlin zur größten Demonstration der DDR-Geschichte. Hunderttausende Oppositionelle forderten gemeinsam mit einigen Regimevertretern Reformen. Nur fünf Tage später fiel die Berliner Mauer. © picture-alliance/dpa Provided by Deutsche Welle Es rumorte schon lange in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Seit Monaten wagten sich immer mehr Menschen aus der Deckung und gingen auf die Straße. In Leipzig demonstrierten jeden Monat zigtausend Menschen für Meinungs- und Reisefreiheit.

Die Bilder jubelnder Menschen an geöffneten Berliner Grenzübergängen gingen um die Welt. Sie markierten auf anrührende Weise das faktische Ende der deutschen Teilung. Knapp ein Jahr später, am 3. Oktober 1990, feierte das seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs politisch geteilte Land seine

Die Berliner Mauer war während der Teilung Deutschlands ein Grenzbefestigungssystem der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), das mehr als 28 Jahre, vom 13. August 1961 bis zum 9. November 1989, bestand, und die DDR von West- Berlin hermetisch abriegeln sollte.

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Am 9. November 1989 endete der globale Kalte Krieg zwischen Diktaturen und Demokratien. Die neu gewonnene Freiheit führte zur Annäherung zwischen Ost und West – aber nicht zu gleichen Lebensverhältnissen.

Sie war das Symbol für die Teilung der Welt in Ost und West, für den Kampf zwischen Kommunismus und Kapitalismus: die 1961 von der diktatorisch regierten Deutschen Demokratischen Republik (DDR) errichtete Mauer in Berlin. Der westliche Teil war zwar von einer 155 Kilometer langen Sperranlage aus Beton und Stacheldraht umgeben, aber trotzdem konnten die Menschen ungehindert überall hinreisen. West-Berlin war also eine Insel der Freiheit mitten auf dem Gebiet der kommunistischen DDR.

Mehr als zehntausend Menschen demonstrieren gegen rechts

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Während die Berliner in der Nacht der Mauer zuleibe rückten, zieht sich die politische und militärische Führungsspitze der DDR zurück. Am Tag nach dem nächtlichen Mauerfall wird ein Bild zur Normalität, das jahrzehntelang niemand für möglich gehalten hat: Berliner aus beiden Hälften der

Hingegen blieb für die allermeisten Ostdeutschen der so nahe Westen über Jahrzehnte ein unerreichbarer Sehnsuchtsort. Das änderte sich schlagartig am Abend des 9. November 1989, nachdem auf einer live im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz in Ost-Berlin ein neues Reisegesetz verkündet wurde. Demnach sollten auch Reisen in den Westen erlaubt werden - ab sofort!

Die Bilder jubelnder Menschen an geöffneten Berliner Grenzübergängen gingen um die Welt. Sie markierten auf anrührende Weise das faktische Ende der deutschen Teilung. Knapp ein Jahr später, am 3. Oktober 1990, feierte das seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs politisch geteilte Land seine Wiedervereinigung. Möglich wurde dieses welthistorische Ereignis aber nur, weil die vier Siegermächte einverstanden waren: die demokratischen Westalliierten USA, Großbritannien und Frankreich sowie die kommunistische UdSSR (Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken).

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Die Berliner Mauer gehört zu den wichtigsten Kapiteln der deutschen Geschichte. Bearbeite die folgende Aufgabe, bevor du dir Viele junge Leute in Deutschland haben heute wenige oder gar keine Erinnerungen an den Mauerfall . Im Text beschreibt ein junger Deutscher, wie er den Tag erlebt hat.

Im Falle der Berliner Mauer waren es zwei beiläufige Halbsätze am Ende einer Pressekonferenz, an der das Politbüromitglied Günther Schabowski die Am Morgen des 9. November 1989 war ein neues Reisereglement für die DDR-Bürger beschlossen worden, doch sollte es erst einen Tag später, um 4

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Zauberworte "Glasnost" und "Perestroika"

Entscheidend waren die Zugeständnisse, die der 1985 an die Macht gekommene sowjetische Reform-Kommunist Michail Gorbatschow machte. So sieht es auch der Direktor der Gedenkstätte Berliner Mauer, Axel Klausmeier. Gorbatschows Politik der Offenheit (Glasnost) und des Umbaus (Perestroika) war ein Bruch mit der sogenannten Breschnew-Doktrin, die vorgeschrieben hatte, dass die im "Warschauer Pakt" vereinten europäischen Länder nicht von dem Kurs abweichen, den der Kreml in Moskau vorgab.

Klausmeier fasst das Ende des Dogmas in einem Satz zusammen: "Egal, was in den sozialistischen Bruderstaaten passiert, diese Staaten sind für sich selbst verantwortlich". Anders als in den Jahrzehnten davor, schritten die Sowjets nicht mehr ein, als in Polen, Ungarn oder der DDR der Ruf nach demokratischen Reformen immer lauter wurde. Vor der Ära Gorbatschow waren alle Freiheitsbestrebungen im sogenannten Ostblock von der UdSSR brutal niedergeschlagen worden: 1953 in der DDR, 1956 in Ungarn und 1968 in der Tschechoslowakei.

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Die Mauer lief mitten durch Berlin und trennte die Stadt. Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer wegen der friedlichen Revolution. Bereits am gleichen Tag sollen alle DDR-Bürger bei den Behörden Visa beantragen können. Das Papier geht direkt an das Zentralkomitee der SED.

+++ Mauer und Stacheldraht trennen nicht mehr +++ Zehntausende strömen in den Westen +++ Auf den Straßen im Westen fahren die Trabis Parade +++ Einfach mal losgehen und gucken, wie der Ku'damm wirklich aussieht (FAZ, 11. Der Tag , an dem die Berliner Mauer fiel 08.11.2019.

Polen bricht Machtmonopol

Bürgerrechtler in ganz Osteuropa fühlten sich ermuntert, auch in ihren Ländern auf Glasnost und Perestroika zu drängen. In Polen gab es schon seit Sommer 1988 Kontakte zwischen der kommunistischen Führung und der offiziell noch verbotenen Gewerkschaftsbewegung Solidarność. Eine wichtige Etappe auf diesem Weg waren die polnischen Parlamentswahlen im Juni 1989, an der erstmals oppositionelle Kandidaten teilnehmen durften. Allerdings ließen sich die seit Jahrzehnten herrschenden Machthaber vorab knapp zwei Drittel der Sitze zusichern.

Auch in anderen Ländern mehrten sich die Hinweise auf eine Zeitenwende. In Ungarn hatte die Regierung schon im Mai damit begonnen, die Überwachungsanlagen an der Grenze zu Österreich abzubauen. Dadurch wurde der Weg in die Freiheit an dieser Nahtstelle zwischen Ost- und Westeuropa weniger gefährlich. Hunderte DDR-Bürger kehrten deshalb auf diesem Umweg ihrer Heimat den Rücken.

Leipzig, 9. Oktober 1989: 70.000 Menschen demonstrieren friedlich für Reformen in der DDR © picture-alliance/Lehtikuva Oy/H. Saukkomaa Leipzig, 9. Oktober 1989: 70.000 Menschen demonstrieren friedlich für Reformen in der DDR

Gleichzeitig flüchteten im Sommer 1989 viele Tausende, indem sie sich Zugang zu westdeutschen Botschaftsgebäuden in osteuropäischen Ländern verschafften. Der Unmut wuchs täglich und damit der Druck auf das Regime in Ost-Berlin. Ab September gingen in der Messestadt Leipzig immer montags mehrere Zehntausend Menschen auf die Straße. Als Höhepunkt gilt der 9. Oktober, als 70.000 Menschen friedlich für Veränderungen in der DDR demonstrierten.

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Die Berliner Mauer " fiel " in der Nacht von Donnerstag, dem 9. November, auf Freitag, den 10. November 1989, nach über 28 Jahren ihrer Existenz.

Ein großer Tag für die Deutschen. Und wieder ein Beweis dafür, dass die Herrscher nachgeben müssen, wenn die Menschen sich geschlossen erheben und ihrem Willen Ausdruck verleihen. Berliner Mauer - 9.November 1989 - Die Nacht, in der die Mauer fiel .

"Wir haben gewonnen"

In Sprechchören skandierten sie "Wir sind das Volk!" und "Keine Gewalt!". Weil man nicht wusste, wie das Regime reagieren würde, sei die Angst "enorm groß" gewesen, weiß der Berliner Gedenkstätten-Leiter Klausmeier von vielen Zeitzeugen. Als aber bei dieser Demonstration nicht eingegriffen wurde, habe auch die Opposition das Gefühl gehabt: "Wir haben gewonnen."

Am 9. November war es dann soweit: Günter Schabowski, Ost-Berliner Chef der Staatspartei SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschland) verkündete ein neues Reisegesetz. Er löste damit, ob in dieser Form gewollt oder nicht, den Fall der Berliner Mauer aus. 30 Jahre danach sind noch nicht alle mentalen Mauern überwunden. Bei den Lebensverhältnissen zwischen Ost und West gibt es weiterhin große Unterschiede.

4. November 1989: Auf dem Berliner Alexanderplatz demonstrieren eine halbe Million Menschen gegen das DDR-Regime © picture-alliance/dpa 4. November 1989: Auf dem Berliner Alexanderplatz demonstrieren eine halbe Million Menschen gegen das DDR-Regime

So erreichen die Löhne in den neuen Bundesländern laut dem jüngsten Jahresbericht zum Stand der deutschen Einheit im Durchschnitt nur 82 Prozent des Westniveaus. Abwanderung und Geburtenrückgang haben in den neuen Bundesländern zu Fachkräftemangel und Überalterung der Bevölkerung geführt. Und noch immer ist kein einziges ostdeutsches Unternehmen ist im Börsenleitindex DAX-30 notiert.

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Die ehemalige Ost-Beauftragte der Bundesregierung Iris Gleicke erklärt, warum sich viele Ostdeutsche weiterhin als Bürger zweiter Klasse fühlen: "Alle diese Versprechungen von blühender Landschaften in kürzester Zeit haben dazu geführt, dass in Ostdeutschland der Eindruck entstanden ist: Das geht alles ganz schnell. Die Enttäuschung darüber, dass es länger dauert, wirkt bis heute fort."

Was bleibt, ist die Erinnerung an eine friedliche Revolution und eine historische Zeitenwende. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich dafür persönlich bei Michail Gorbatschow bedankt. In einem Brief an den ehemaligen Staatspräsidenten der Sowjetunion und Friedensnobelpreisträger schreibt er: "Das Wunder der friedlichen Wiedervereinigung wäre ohne die mutigen und menschlichen Entscheidungen, die Sie damals getroffen haben, nicht möglich gewesen.“

Autor: Marcel Fürstenau

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