Welt & Politik Vermisstenbeauftragter hält Gräberfund im ukrainischen Isjum nicht für Massengrab

00:00  17 september  2022
00:00  17 september  2022 Quelle:   rp-online.de

Ukraine erobert strategisch wichtige Stadt zurück

  Ukraine erobert strategisch wichtige Stadt zurück Die Ukraine setzt ihre Gegenoffensive im Osten und Südes des Landes fort. Im Gebiet Charkiw haben die Einheiten nun die strategisch wichtige Stadt Kupjansk aus russischer Kontrolle zurückerobert.Die Kleinstadt Kupjansk ist wegen ihres direkten Bahnanschlusses an Russland als Verkehrsknotenpunkt wichtig für die Versorgung des gesamten russischen Truppenverbands um das südwestlich gelegene Isjum. Durch den Vorstoß der Ukrainer droht dort nun mehr als 10.000 russischen Soldaten die Einkesselung. Informationen in sozialen Netzwerken, die Russen seien bereits aus Isjum geflohen, konnten zunächst nicht überprüft werden.

Kiew. Nummern statt Namen - die ukrainischen Behörden finden zahlreiche Gräber in befreiten Gebieten der Ostukraine. Um ein Massengrab handelt es sich wohl nicht, die UN nennt die Funde aber schockierend.

Säcke mit Leichen sind während der Exhumierung im kürzlich zurückeroberten Gebiet von Isjum, zu sehen. © Evgeniy Maloletka Säcke mit Leichen sind während der Exhumierung im kürzlich zurückeroberten Gebiet von Isjum, zu sehen.

In der befreiten ostukrainischen Kleinstadt Isjum sind mehr als 400 Leichen gefunden worden - um ein Massengrab handelt es sich nach ersten ukrainischen Untersuchungen aber nicht. Die Menschen seien den Erkenntnissen zufolge gestorben, als Russland die Stadt Ende März heftig beschossen habe, sagte der ukrainische Vermisstenbeauftragte Oleh Kotenko dem TV-Sender Nastojaschtschee Wremja in der Nacht zu Freitag. Die Bestattungsdienste hätten zum Teil nicht gewusst, wer die vielen toten Menschen seien. Deshalb stünden auf einigen Kreuzen nur Nummern. Derzeit bemühten sich die Behörden, ein Register mit den Fundorten der Leichen zu finden.

Ukrainischer Präsident meldet Rückeroberung von östlicher Stadt Isjum

  Ukrainischer Präsident meldet Rückeroberung von östlicher Stadt Isjum Die ukrainische Armee hat nach den Worten von Präsident Wolodymyr Selenskyj die strategisch wichtige Stadt Isjum im Osten des Landes von den russischen Truppen zurückerobert. Demnach gelang es den ukrainischen Streitkräften unter anderem, die für den Nachschub der russischen Truppen wichtige und schon zu Beginn des russischen Angriffskriegs besetzte ostukrainische Stadt Kupjansk zurückzuerobern. Auf vom ukrainischen Militär veröffentlichten Bildern waren Kisten mit von russischen Truppen zurückgelassener Munition sowie verlassene Militärfahrzeuge zu sehen.

Der Kreml und die EU streiten sich unterdessen um den Export von russischem Dünger. Der russische Präsident Wladimir Putin warf der EU am Freitag auf dem Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) Einschränkungen des russischen Düngemittelexports in Entwicklungsländer vor. Die EU bezeichnete solche Vorwürfe als „Fake News“. Gegen russische Propaganda will sich auch Bundeskanzler Olaf Scholz wehren - und dafür seine Rede bei der UN-Vollversammlung in New York kommende Woche nutzen.

Selenskyj besucht die Front - "Da ist auch Angst"

  Selenskyj besucht die Front - Selenskyj besucht die Front - "Da ist auch Angst"- von Tom Balmforth

Grabfunde wohl kein zweites Butscha

Bei den in Ijsum gefundenen Gräbern handelt es sich nicht, wie zunächst angenommen, um ein Massengrab, sondern um viele Einzelgräber: „Ich möchte das nicht Butscha nennen - hier wurden die Menschen, sagen wir mal, zivilisierter beigesetzt“, sagte Kotenko.

Eine Sprecherin des UN-Menschenrechtsbüros in Genf nannte die Leichenfunde schockierend. Die Todesursache jedes einzelnen Verstorbenen müsse untersucht werden. Die Suche nach weiteren Toten in den zurückeroberten Gebieten wird ukrainischen Angaben zufolge derweil durch Minen erschwert. Kotenko sagte, man mache aber weiter, um die Körper Gefallener an ihre Familien zu übergeben.

Ende März waren in dem Kiewer Vorort Butscha nach dem Abzug russischer Truppen Hunderte getötete Zivilisten teils mit Folterspuren gefunden worden. Butscha gilt seitdem als Symbol für schwerste Kriegsverbrechen im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, der am 24. Februar begann. Isjum im Gebiet Charkiw war Ende März von den russischen Truppen erobert worden - in der vergangenen Woche befreite die ukrainische Armee die Stadt.

Ukraine aktuell: Massengrab in zurückeroberter Stadt Isjum

  Ukraine aktuell: Massengrab in zurückeroberter Stadt Isjum In der durch die ukrainische Armee zurückeroberten Stadt Isjum ist ein Massengrab gefunden worden. "Wir wollen, dass die Welt weiß, was die russische Besatzung verursacht hat", sagte Präsident Selenskyj. Der Überblick. © Evgeniy Maloletka/AP/picture alliance Noch ist unklar, wie viele Leichen in dem Massengrab in der Stadt Izium zu finden sind Das Wichtigste in Kürze: Massengrab in zurückeroberter Stadt gefunden EU mahnt: Russische Verbrechen müssen geahndet werden Papst sieht Recht zur Selbstverteidigung Nach dem Abzug russischer Truppen ist nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in de

Scholz will vor UN russischer Propaganda entgegentreten

Kanzler Scholz (SPD) werde in New York das Vorgehen des russischen Präsidenten Putin klar als Völkerrechtsbruch benennen, hieß es aus Regierungskreisen in Berlin. Der von Moskau geführte Meinungskrieg dürfe nicht unterschätzt werden. Mit Blick auf die ablehnende Haltung des Kanzlers zur Lieferung von Kampfpanzern hieß es, hier stehe keine Veränderung an.

Auf einer Tagung der Bundeswehr in Berlin sagte Scholz, dass er im Rückblick härter auf die russische Annexion der Krim 2014 reagiert hätte. Die internationale Gemeinschaft hatte nach der Annexion der Schwarzmeer-Insel Sanktionen gegen Russland verhängt.

Putin beklagt EU-Einschränkungen für Dünger - Michel: „Fake News“

Putin sagte, die Europäische Union lasse zwar für sich selbst die Einfuhr russischer Dünger zu, aber nicht in andere Staaten. Er forderte die bei dem Treffen im usbekischen Samarkand vertretenen Vereinten Nationen auf, Druck auf die EU auszuüben, die im Zuge des Ukraine-Kriegs verhängten Einschränkungen aufzuheben. Russland sei bereit, 300 000 Tonnen Dünger „kostenlos“ an Entwicklungsländer abzugeben, sagte Putin.

Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

  Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage Die Ukraine wirft Russland neue Kriegsverbrechen vor. Mehr als 440 Leichen sollen in einem «Massengrab» in der ostukrainischen Stadt Isjum gefunden worden sein. Die aktuellen Entwicklungen.Die Russen hatten das Gebiet am Samstag laut Angaben aus Kiew nach einer Gegenoffensive der ukrainischen Kräfte fluchtartig verlassen. Das Verteidigungsministerium in Moskau hatte von einer «Umgruppierung» seiner Truppen gesprochen, während selbst kremlnahe Quellen von einer verheerenden Niederlage sprachen.

Die EU widersprach dieser Ansicht entschieden. „Das sind Fake News“, sagte EU-Ratschef Charles Michel der Deutschen Presse-Agentur und anderen europäischen Medien. „Russland hat beschlossen, die Ausfuhr landwirtschaftlicher Erzeugnisse zu verbieten.“ Moskau versuche, die Schuld auf die EU und die G7-Staaten zu schieben und behaupte, die Sanktionen seien der Grund für Probleme bei der Lebensmittelsicherheit in afrikanischen Ländern. „Das ist nicht korrekt.“ Deshalb sei er in engem Kontakt mit afrikanischen Ländern.

Russische Besatzer melden ukrainischen Raketenangriff auf Cherson

Die Ukraine setzt derweil ihre Angriffe auf besetzte Gebiete fort. In der südukrainischen Großstadt Cherson schlugen am Freitag nach russischen Angaben fünf ukrainische Raketen in ein Gebäude der Besatzungsverwaltung ein. Dabei sei mindestens ein Mensch getötet und einer verletzt worden, hieß es. Unabhängig überprüft werden konnte das zunächst nicht.

London: Russland mangelt es in Ukraine an Infanterie und Offizieren

Den russischen Truppen mangelt es nach britischer Einschätzung im Angriffskrieg gegen die Ukraine an Infanterie und Offiziersnachwuchs. Der Krieg habe erhebliche Auswirkungen auf die russische Personalstärke, teilte das Verteidigungsministerium in London am Freitag unter Berufung auf Geheimdiensterkenntnisse mit. Unter anderem würden die russischen Militärakademien die Ausbildungskurse für die Kadetten kürzen und Abschlusstermine vorziehen. „Dies geschieht mit ziemlicher Sicherheit, damit Kadetten eingesetzt werden können, um die Operation in der Ukraine zu unterstützen“, hieß es.

Hochrangiger Separatist und Vize in ostukrainischem Luhansk getötet

Im von Russland besetzten ostukrainischen Gebiet Luhansk sind örtlichen Angaben zufolge hochrangige Mitglieder der von Moskau gelenkten Separatisten bei einem Anschlag getötet worden. Der Chef der Luhansker Separatisten, Leonid Passetschnik, machte die Regierung in Kiew für den Anschlag verantwortlich. Die Ukraine wies hingegen eine Beteiligung zurück.

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Die Ukraine hält Verhandlungen für zwecklos und ist überzeugt, die russischen Besatzer militärisch aus dem Land vertreiben zu können. In Moskau mehrt sich derweil Kritik am Krieg. Die News im Überblick.In Moskau übte derweil eine der bekanntesten Schlagersängerinnen des Landes überraschend harte Kritik am russischen Angriffskrieg. Die Pop-Diva Alla Pugatschowa, die erst kürzlich aus Israel nach Russland zurückgekehrt war, forderte das Justizministerium auf, sie zum «Auslandsagenten» zu stempeln, weil sie für den Frieden sei. Heute ist der 208. Tag des Kriegs in der Ukraine.

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