Welt & Politik Das sind die Spitzenkandidaten bei der Landtagswahl in Niedersachsen

12:40  28 september  2022
12:40  28 september  2022 Quelle:   rp-online.de

Weil und Althusmann liefern sich Fernsehduell im Zeichen der Energiepreiskrise

  Weil und Althusmann liefern sich Fernsehduell im Zeichen der Energiepreiskrise Gut eineinhalb Wochen vor der Landtagswahl in Niedersachsen haben sich Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Vizeministerpräsident Bernd Althusmann (CDU) am Dienstagabend ein Fernsehduell ganz im Zeichen der aktuellen Energie- und Inflationskrise geliefert. SPD und CDU regieren in Hannover seit 2017 gemeinsam in einer großen Koalition. In den Umfragen führt die SPD derzeit mit Werten zwischen 31 und 32 Prozent vor der CDU, die 28 Prozent erreicht.Die Grünen liegen laut Umfragen bei 17 bis 19 Prozent, die AfD erreicht sieben bis neun Prozent.

Hannover. Am 9. Oktober finden in Niedersachsen Landtagswahlen statt. Das sind die wichtigsten Spitzenkandidaten der Parteien für die Wahlen.

 Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU, l.) und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) vor ihrem TV-Duell. © Ole Spata Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU, l.) und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) vor ihrem TV-Duell.

Stephan Weil (SPD)

Der 63 Jahre alte SPD-Politiker regiert das Land bereits seit Anfang 2013 - erst mit den Grünen, zuletzt mit der CDU. Im Falle einer Wiederwahl könnte er den Rekord von Ernst Albrecht als Ministerpräsident mit der längsten Amtszeit in Niedersachsen brechen. Weils erklärtes Wahlziel ist eine Rückkehr zu Rot-Grün, aber auch für eine Ampel mit Grünen und FDP ist er offen.

SPD vor Landtagswahl in Niedersachsen in ZDF-Umfrage fünf Punkte vor CDU

  SPD vor Landtagswahl in Niedersachsen in ZDF-Umfrage fünf Punkte vor CDU Die SPD liegt gut eine Woche vor der Landtagswahl in Niedersachsen in den Umfragen stabil vor der CDU. In einer am Freitag vom ZDF veröffentlichten Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen erreichen die Sozialdemokraten von Ministerpräsident Stefan Weil 32 Prozent, während die CDU von Herausforderer und Vizeregierungschef Bernd Althusmann auf 27 Prozent kommt. Bei der Frage nach dem bevorzugten Ministerpräsidenten liegt Weil mit 51 Prozent Zustimmung laut Forschungsgruppe Wahlen deutlich vor Althusmann mit 24 Prozent.In Niedersachsen wird am Sonntag kommender Woche ein neuer Landtag gewählt.

Mehrfach wurde Weil auch als Kandidat für bundespolitische Ämter gehandelt, 2019 etwa stand eine mögliche Kandidatur als SPD-Bundesvorsitzender im Raum. Weil trat jedoch nicht an und begründete das auch mit seiner Verbundenheit zu Hannover. Das mag nur die offizielle Version gewesen sein, doch tatsächlich spielt die Landeshauptstadt eine große Rolle in seinem Leben. Zwar wurde Weil in Hamburg geboren, doch mit sechs Jahren kam er nach Hannover - und nach einem Jurastudium in Göttingen kehrte er als Anwalt und Richter auch dorthin zurück. Als Hannovers Kämmerer und Oberbürgermeister schlug er schließlich seine politische Karriere ein.

Auf viele Beobachter wirkt Weil dennoch bis heute eher wie ein Beamter - die einen beschreiben seinen Stil als ruhig und freundlich, andere als dröge und konfliktscheu. Vertraulichkeit und Konsens sind ihm wichtiger als markige Sprüche. Die politischen Konkurrenten werten das als Schwäche, doch bei vielen Wählern kommt es an: In der Frage, wer Ministerpräsident werden soll, liegt Weil regelmäßig vorn.

Erdogan stellt Strafanzeige gegen Kubicki

  Erdogan stellt Strafanzeige gegen Kubicki Köln/Berlin/Hildesheim. Klein, niedlich und verschlagen? FDP-Politiker Kubicki provoziert den türkischen Präsidenten mit einem Tiervergleich - Konsequenzen fürchtet er nicht. © dpa, Carsten Rehder Wolfgang Kubicki bildet inzwischen ein Duo mit seinem NRW-Pendant Christian Lindner - wechselweise haben die Spitzenkandidaten einander im Wahlkampf geholfen. Kubicki hat in Kiel mit über acht Prozent ein Spitzenergebnis für die totgesagte FDP geholt. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat den FDP-Politiker Wolfgang Kubicki wegen eines umstrittenen Tiervergleichs angezeigt.

Bernd Althusmann (CDU)

Der 55 Jahre alte Wirtschaftsminister versucht, sich als Erneuerer nach fast zehn Jahren Stephan Weil zu präsentieren, ist aber alles andere als ein neues Gesicht. Von 2010 bis 2013 war er Kultusminister, 2017 versuchte er zum ersten Mal, Weil abzulösen. Das misslang, obwohl die CDU in den Umfragen lange vorne lag. Seither ist Althusmann als Wirtschaftsminister Weils Stellvertreter. Menschlich kommen die beiden gut aus, heißt es. Auch im meist technokratischen Auftreten nehmen sich beide nicht viel.

Althusmann wurde in Oldenburg geboren und wuchs in der Nähe von Lüneburg auf, anschließend wurde er Offizier der Bundeswehr und studierte Pädagogik sowie Betriebswirtschaft. Aufregung gab es 2011 um seinen Doktortitel - der damalige Kultusminister räumte „mögliche handwerkliche Fehler“ ein, bestritt aber, bewusst getäuscht zu haben. Zu demselben Schluss kam schließlich die Uni Potsdam, Althusmann durfte den Titel behalten. Zwischen seinen Ministerposten leitete er zweieinhalb Jahre lang in Afrika die Vertretung der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung für Namibia und Angola.

FDP-Landeschef Birkner will rot-grüne Mehrheit verhindern

  FDP-Landeschef Birkner will rot-grüne Mehrheit verhindern Mit Angriffen gegen SPD, die Grünen und die CDU sind die Freien Demokraten in die letzte Wahlkampfwoche vor der Landtagswahl gegangen. «Es gilt für uns zu verhindern, dass es eine rot-grüne Mehrheit in Niedersachsen gibt», sagte FDP-Landesvorsitzender Stefan Birkner am Sonntag vor mehr als 100 Parteidelegierten bei der Sitzung des Landeshauptausschusses in Osnabrück. Am kommenden Sonntag ist in Niedersachsen Landtagswahl. Nach jüngsten Umfragen muss die FDP um den Einzug in den Landtag bangen. Die Liberalen kommen auf 5 Prozent Wählerzustimmung.

Mit Blick auf mögliche Koalitionen will sich Althusmann alle Optionen offen halten, auch ein erneutes Bündnis mit der SPD. Sollte er allerdings erneut nicht Ministerpräsident werden, dürfte auch sein CDU-Landesvorsitz nach sechs Jahren im Amt infrage gestellt werden.

Julia Willie Hamburg (Grüne)

Die 36-Jährige ist offiziell Teil eines Spitzenduos ihrer Partei, aber sie steht auf Listenplatz 1 und ist öffentlich deutlich präsenter als Co-Kandidat Christian Meyer. Anfang 2013 zog sie als damals jüngste Abgeordnete in den Landtag ein, musste ihr Mandat jedoch aus gesundheitlichen Gründen schon bald mehrere Monate lang ruhen lassen. Auch ihr Studium der Politikwissenschaft brach sie ab. Im Sommer 2014 kehrte sie in den Landtag zurück, 2020 übernahm sie den Fraktionsvorsitz. Hamburg formuliert punktgenau und wird über Parteigrenzen hinweg respektiert - beides könnte ihr in etwaigen Koalitionsverhandlungen zugutekommen.

Stefan Birkner (FDP)

Der 49 Jahre alte Jurist hat viel Erfahrung in der Landespolitik - von 2008 bis 2012 war er Staatssekretär im niedersächsischen Umweltministerium, anschließend übernahm er dort für rund ein Jahr den Ministerposten. Den Landesvorsitz der FDP hat der gebürtige Schweizer bereits seit 2011 inne, seit 2017 ist er auch Fraktionsvorsitzender im Landtag. Für den Koalitionsvertrag der Ampel im Bund hat Birkner den Bereich Umwelt- und Naturschutz federführend mitverhandelt. Auf Landesebene erteilte er einem Bündnis mit SPD und Grünen nach der Wahl 2017 jedoch eine Absage. Birkner ist zudem ein Schwippschwager des grünen Bundeswirtschaftsministers Robert Habeck.

Stefan Marzischewski-Drewes (AfD)

Der Gifhorner Facharzt für Radiologie und Allgemeinmedizin ist ein landespolitischer Neuling. Bislang ist er Fraktionsvorsitzender der AfD in Gifhorn. In der in den vergangenen Jahren oft zerstrittenen Partei ist er um Sachlichkeit bemüht und versucht, neben scharfer Kritik an der Regierung auch eigene Vorschläge einzubringen. Mit Blick auf die Wahl hat der 57-Jährige das Ziel ausgegeben, das AfD-Ergebnis von 2017 - 6,2 Prozent - verdoppeln zu wollen. Der erst vor wenigen Monaten gewählte AfD-Landeschef Frank Rinck verzichtete wegen seines Bundestagsmandats auf die Spitzenkandidatur.

CDU-Chef sorgt für Verwirrung: Will Merz teilweise abgerissenes AKW reaktivieren? .
Das AKW Lingen ist bereits seit 43 Jahren vom Netz und teilweise abgerissen.„Die Entscheidung der Wählerinnen und Wähler in Niedersachsen am Sonntag ist auch eine Volksabstimmung über einen Weiterbetrieb des Kernkraftwerks Lingen“, twitterte Merz kurz vor der für CDU und SPD entscheidenden Wahl am Sonntag. Der Weiterbetrieb sei einer von drei Bausteinen, damit zehn Millionen Haushalte weiter sicher mit Strom versorgt werden könnten.

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