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Welt & Politik Neuer Parteisprecher Chrupalla: Die AfD nach dem Parteitag: Das Braune scheint durch

22:40  02 dezember  2019
22:40  02 dezember  2019 Quelle:   stern.de

Gauland verzichtet angeblich auf erneute Kandidatur als Partei-Chef

  Gauland verzichtet angeblich auf erneute Kandidatur als Partei-Chef Gauland verzichtet angeblich auf erneute Kandidatur als Partei-ChefDas berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am Mittwoch auf ihrer Internetseite. Der sächsische AfD-Politiker Chrupalla hatte seine Kandidatur am Mittwoch dem "Spiegel" bestätigt.

Jörg Meuthen wurde als Parteisprecher bestätigt, Tino Chrupalla ist zum Nachfolger von Alexander Gauland als zweiter Parteisprecher gewählt worden. © Getty Images/Jens Schlueter Jörg Meuthen wurde als Parteisprecher bestätigt, Tino Chrupalla ist zum Nachfolger von Alexander Gauland als zweiter Parteisprecher gewählt worden.

Björn Höcke ist nicht Parteichef der AfD, aber der Einfluss seines völkischen Flügels ist gewaltig gestiegen. Es ist nicht zu übersehen: Die AfD ist nochmal weiter nach rechts gerückt.

Björn Höcke ist dann doch nicht Parteichef der Alternative für Deutschland geworden. Das soll an dieser Stelle kurz betont werden. Man konnte in den zurückliegenden Monaten bisweilen den Eindruck gewinnen, der thüringische Landeschef der Rechtspopulisten werde sich auf dem Braunschweiger Parteitag gewissermaßen zum nationalen Führer ausrufen lassen – vorerst nur der AfD, doch mit viel Willen zur Apokalypse ließ sich gar ein Hauch von "Machtergreifung" wittern.

Neuer AfD-Chef: Tino Chrupalla entlarvt sich im Interview mit einem ZDF-Journalisten selbst

  Neuer AfD-Chef: Tino Chrupalla entlarvt sich im Interview mit einem ZDF-Journalisten selbst Tino Chrupalla wurde auf dem AfD-Parteitag zum neuen Vorsitzenden gewählt – auch vom radikalen "Flügel" um Björn Höcke. Dass er dem extremen Gedankengut nicht abgeneigt ist, entlarvte er unfreiwillig in einem Interview mit ZDF-Journalist Theo Koll.Der Jubel im sächsischen Block auf dem AfD-Bundesparteitag ist groß: Unternehmer Tino Chrupalla aus Sachsen wird zusammen mit Jörg Meuthen die Führung der AfD übernehmen. Unterstützung erhielt Chrupalla auch vom radikalen "Flügel" um Björn Höcke. Ein Problem sieht der neue AfD-Chef darin jedoch nicht.

War natürlich Quatsch. Und darum ist es am zurückliegenden Wochenende auch nicht ganz so schlimm gekommen, wie manch einer befürchtet hatte. Nur vielleicht ist das, was tatsächlich geschah am Ende sogar schlimmer.

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Es hat sich ein wahrer Rechtsruck vollzogen

Denn wer nun glaubt, mit der Wahl des Görlitzer Malermeisters Tino Chrupalla als Nachfolger für den scheidenden Parteichef Gauland hätten sich die gemäßigten, also weniger rechtsextremen Kräfte innerhalb der Partei durchgesetzt – der dürfte sich erneut gewaltig irren.

Sicher, Höcke sitzt noch immer nicht mal im Vorstand der Partei. Und ja, dieser Tino Chrupalla, der fortan neben Jörg Meuthen die AfD anführt, ist auf den ersten Blick kein Radikaler. Der 44-Jährige, der bei der letzten Bundestagswahl aus dem Stand das Direktmandat in seinem Wahlkreis holte (und damit den heutigen sächsischen MP Kretschmar aus dem Parlament kegelte), soll als Identifikationsfigur aufgebaut werden - für Ostdeutsche, für kleine Handwerker und Unternehmer. Chrupalla ist nicht Mitglied des Flügels, er ist kein Höcke-Mann – und doch war er dessen Wunschkandidat.

Wachstumsschmerzen bei der AfD

  Wachstumsschmerzen bei der AfD Die AfD will regieren und erwachsen werden. Doch das ist ganz schön kompliziert. Beobachtungen vom Parteitag in Braunschweig. Wie sehr Alexander Gauland dem gewöhnlichen Geschehen entrückt ist, war bislang allenfalls zu erahnen. Gauland, 78, tritt am Samstagmorgen ans Rednerpult. Er hat einen Frosch im Hals, aber er muss nicht lange reden. Seine Aufgabe ist es bloß, die knapp 600 Delegierten zu begrüßen. Gauland sagt: „Ich eröffne den sechsten Bundesparteitag der Alternative für Deutschland.

Doch im Windschatten dieser scheinbar gemäßigten Spitze hat sich ein wahrer Rechtsruck vollzogen. Die einstige Professoren-Partei ist dabei, sich immer weiter zu radikalisieren. So ist Höcke-Freund Stephan Brandner nun allen Ernstes zum Parteivize gewählt worden. Eben erst wegen erwiesener Nicht-Eignung als Vorsitzender des Bundestags-Rechtsausschusses abgesetzt, habe er nun wieder Kapazitäten, um "wie von der Kette gelassen" seine zumeist äußerst rechte Meinung kund zu tun. Parteivize ist fortan neben der ultrakonservativen Beatrix von Storch auch Alice Weidel. Die Fraktionschefin hatte zuletzt immer radikalere Züge entwickelt und ihre neue Flügel-Nähe durch einen Besuch bei der neurechten Sommerakademie von Götz Kubitschek unter Beweis gestellt.

Skandale sind kein Hindernis für die Parteikarriere

Auch Skandale sind selbstredend kein Hindernis auf dem Weg in den Bundesvorstand dieser Partei. Der eine gab in seiner Zeit als rechter Burschenschaftler Liederbücher mit verdächtigem Nazi-Liedgut heraus – egal, gewählt. Der andere finanzierte in Polen einen Gedenkstein mit, dem Historiker eine "Verherrlichung nationalsozialistischer Verbände" vorwerfen – was soll’s? Und selbstverständlich wurde auch Brandenburgs AfD-Chef Andreas Kalbitz, der eigentliche Stratege des völkischen Flügels wieder in den Vorstand gewählt trotz seiner inzwischen bekannten klar rechtsextremen Vita.

Generationswechsel an der AfD-Spitze: Wohin steuert die Partei nach Gaulands Rückzug?

  Generationswechsel an der AfD-Spitze: Wohin steuert die Partei nach Gaulands Rückzug? Auf Alexander Gauland folgt sein Wunschkandidat Tino Chrupalla an der AfD-Spitze. Was bedeutet das für den Kurs der Partei? Es ist auch eine Abschiedsrede, die Alexander Gauland zu Beginn des AfD-Parteitages in Braunschweig hält. „Wenn ich heute Platz mache für einen Jüngeren, dann geschieht das in Freundschaft“, sagt der 78-Jährige. Der scheidende AfD-Chef hofft, dass die Partei zumindest noch einmal seiner Empfehlung folgt. Eine geordnete Nachfolge an der AfD-Spitze wäre die Krönung seiner politischen Karriere. In seiner Rede wirbt Gauland für einen „solidarischen Generationenwechsel“.

Gemäßigteren Kräften, die es sogar gewagt hatten, vor dem Radikalismus des völkischen Flügels zu warnen, fielen bei den Vorstandswahlen dagegen reihenweise durch. Im Zweifel wählt die AfD also lieber rechts, weit rechts – auch wenn der Verfassungsschutz zuschaut und womöglich bald auch offiziell beobachtet.

Was also taugt da ein Vorsitzenden-Duo, das als gemäßigt gilt?

Chrupalla duldet Rechtsextremisten

In seiner Rede auf dem Parteitag wandte sich der Neue ausdrücklich gegen "drastische Sprache" – dabei benutzt er sie bisweilen selbst. Und wenn bei einem Wählertreff ein Mann von der drohenden "Umvolkung" schwadroniert, von "unseren Jungs", die damals in Nürnberg gehängt worden seien – dann gibt dieser Chrupalla dem Mann "in Teilen Recht“. So geschehen und im Video festgehalten.

Nein, wahrscheinlich ist Chrupalla kein Rechtsextremist. Aber er ist einer, der Rechtsextremisten in den eigenen Reihen duldet, der ihnen "in Teilen“ Recht gibt, statt ihnen zu widersprechen. Als Parteichef wird der Malermeister künftig wohl etwas dicker Farbe auftragen müssen. Sonst scheint das Braune so stark durch.

Geeint gegen die Welt da draußen

  Geeint gegen die Welt da draußen Geeint gegen die Welt da draußenEs geht ungewöhnlich schnell an diesem Samstagnachmittag, geschmeidig läuft dieser Parteitag im Sinne des Bundesvorstands der AfD. Die sonst oft so unberechenbare Basis der rechtsnationalen Partei folgt ganz dem Plan ihrer Granden, als es in der Volkswagenhalle in Braunschweig um die Wahl ihres neuen Führungsduos Jörg Meuthen und Tino Chrupalla geht. Die vorab getroffenen Absprachen gehen auf. Es gibt kein Durcheinander, kein Chaos. In der Partei mögen sie darüber erleichtert sein. Es hat einige schlimme Parteitage und Wahlen bei der AfD gegeben.

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