Welt & Politik Meinung am Mittag: Kritik an Trump: Habeck darf das

18:50  22 januar  2020
18:50  22 januar  2020 Quelle:   sueddeutsche.de

Verteidigungsminister Esper: Keine Belege für bevorstehenden Angriff auf vier US-Botschaften

  Verteidigungsminister Esper: Keine Belege für bevorstehenden Angriff auf vier US-Botschaften Der US-Präsident hatte den Militärschlag gegen Soleimani mit bevorstehenden Angriffen begründet und gesagt, die Iraner hätten wohl Angriffe auf vier US-Botschaften geplant. Keine Belege für bevorstehenden Angriff auf vier US-BotschaftenNach der gezielten Tötung des iranischen Top-Generals Ghassem Soleimani wachsen die Zweifel an der Begründung von US-Präsident Donald Trump für die umstrittene Operation.

Die Bundesvorsitzenden der Grünen, Annalena Baerbock und Robert Habeck, am 20. Januar in Berlin. © dpa Die Bundesvorsitzenden der Grünen, Annalena Baerbock und Robert Habeck, am 20. Januar in Berlin.

Trump hat eine Regel: Er darf beleidigen, aber nicht beleidigt werden. Wie damit umgehen? Grünen-Chef Robert Habeck darf seinen Grant ruhig zeigen.

Habeck darf das

Robert Habeck ist ein Kunststück gelungen. Der Grünen-Chef hat Donald Trump die Show gestohlen. Zumindest in Deutschland. Nicht die Rede des US-Präsidenten beim Weltwirtschaftsforum in Davos ruft heftige Kritik hervor, sondern Habecks Reaktion darauf. Das hat insofern seine Richtigkeit, als Trumps Rede in Form und Inhalt so zu erwarten gewesen ist, Habecks Antwort aber nicht. Habeck hat die Rede, die angeblich schlechteste die er je gehört hat, als "Desaster" bezeichnet und Trump als Gegner, mit dem der Kampf aufgenommen werden müsse. Seitdem wird nun über die Frage diskutiert, ob Habeck Kanzler kann. Der CDU-Politiker Norbert Röttgen attestierte dem Grünen "außenpolitische Einfältigkeit".

Deutliche Kluft zwischen Stadt und Land : Grüne laut Umfrage stärkste Kraft in Großstädten

  Deutliche Kluft zwischen Stadt und Land : Grüne laut Umfrage stärkste Kraft in Großstädten Laut einer Forsa-Umfrage liegen die Grünen in Metropolen vier Prozentpunkte vor CDU/CSU. In den ländlichen Regionen dominiert hingegen die Union. In der Wählergunst gibt es nach einer Analyse des Instituts Forsa eine deutliche Kluft zwischen Stadt und Land. So seien "die Grünen in den urbanen Metropolen mit mehr als 500.000 Einwohnern stärkste politische Kraft und liegen vier Prozentpunkte vor CDU bzw. CSU", sagte Forsa-Chef Manfred Güllner zum am Samstag veröffentlichten aktuellen RTL/n-tv-"Trendbarometer".

Der Vorwurf trifft zumindest insofern zu, als vom Aufritt Trumps nur überrascht gewesen sein kann, wer die vergangenen drei Jahre auf der dunklen Seite des Mondes zugebracht hat. Reden, triefend vor peinlichem Selbstlob, enervierender Egozentrik und beklemmender Wirklichkeitsferne, hat Trump auch schon vor den Vereinten Nationen gehalten. Für Trump ist jede Bühne eine Wahlkampfbühne, auch die in Davos. Keiner konnte erwarten, dass er sie nutzen würde, um sich geläutert dem Kampf gegen den Klimawandel anzuschließen.

Die Kritik an Habeck hat allerdings einen anderen, viel interessanteren Kern. Den nämlich, ob ein deutscher Spitzenpolitiker den gewählten Präsidenten der USA so angehen darf. Wer die vergangenen drei Jahre nicht auf der dunklen Seite des Mondes verbracht hat, weiß, dass es darauf keine einfache Antwort gibt. Trumps Welt ist eine, in welcher der Präsident lügen, pöbeln und bei Bedarf auch Verbündete beleidigen darf. Trumps Welt ist überdies eine, in der scharfe, pointierte Kritik alles darf - außer sich gegen ihn selbst und seine Politik richten. Trump hat also neue Regeln aufgestellt: Er darf beleidigen, aber nicht beleidigt werden.

Der Umgang damit ist Abwägungssache. Eine Möglichkeit zeigt sich im enigmatischen Minenspiel von Kanzlerin Angela Merkel während Presseauftritten mit dem US-Präsidenten. Trump kann vieles, aber er kann niemanden auf sein Niveau herunterzwingen. Die Grenze zur vertretbaren Zurückhaltung liegt erst dort, wo Trump sie als Zustimmung oder gar Anbiederung werten könnte. Sollte Habeck einmal in Regierungsverantwortung kommen und Trump dann noch Präsident sein, sollte auch ihm das die Richtschnur sein. Bis dahin steht es ihm frei, sich über Trump nicht nur aufzuregen. Er darf es auch zeigen.

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Regierungsbeteiligung: Die Grünen streben an die MachtRobert Habeck ist es gelungen, eine lange geplante Amerikareise in ein Medienspektakel zu verwandeln. Mit seiner beißenden Kritik an US-Präsident Donald Trump, als Handyvideo vom Weltwirtschaftsforum in Davos gesendet, hat der Grünen-Vorsitzende eine Kontroverse losgetreten, die ihn bis nach Washington begleitete.

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