Welt & Politik Die Deutschen wollen keinen Schlussstrich

11:00  24 januar  2020
11:00  24 januar  2020 Quelle:   dw.com

Deutschlands Handballer wollen sich nicht hängen lassen

  Deutschlands Handballer wollen sich nicht hängen lassen Deutschlands Handballer wollen sich im Prestigeduell mit Co-Gastgeber Österreich keine Blöße geben und bei der Europameisterschaft zumindest Kurs auf das Spiel um Platz fünf nehmen. © Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa Die deutschen Handballer wollen sich nach der Niederlage gegen Kroatien im Prestige-Duell mit Österreich keine Blöße geben. In der Partie am Montag (20.30 Uhr/ARD) in Wien erwartet Bundestrainer Christian Prokop von seinen Schützlingen eine ähnlich engagierte Vorstellung wie bei der bitteren 24:25-Niederlage gegen Kroatien, die die Chance auf das Halbfinale kostete.

Eine Umfrage im Auftrag der DW zeigt: Die Deutschen wollen die Erinnerung an die Gräuel des Nationalsozialismus wachhalten. Besonders signifikant ist dies bei der Schlussstrich -Debatte: Während mit 21 Prozent nur jeder Fünfte mit Abitur und Fachhochschulreife für einen Schlussstrich

Deshalb gingen in deutschen Städten gestern tausende Menschen unter dem Motto „ Kein Schlussstrich “ auf die Straße. Heute kann und will ich aber keinen Schlussstrich ziehen. Ich lebe in Dortmund, wo Mehmet Kubaşık in seinem Kiosk erschossen wurde.

Am 27. Januar jährt sich die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz zum 75. Mal. Eine Umfrage im Auftrag der DW zeigt: Die Deutschen wollen die Erinnerung an die Gräuel des Nationalsozialismus wachhalten.

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Vor 75 Jahren befreite die Rote Armee die wenigen Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz. Mehr als eine Million Menschen wurden dort ermordet, vor allem Juden gehörten zu den Opfern. 1996 wurde der 27. Januar auf Initiative des Bundespräsidenten Roman Herzog zum offiziellen deutschen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, 2005 zogen die Vereinten Nationen nach und erklärten den 27.1. zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts.

Staatsgäste aus fast 50 Ländern kommen nach Israel

  Staatsgäste aus fast 50 Ländern kommen nach Israel Jerusalem. Es ist das größte Staatsereignis seit der Gründung Israels 1948: Beim Internationalen Holocaust-Forum erinnern Vertreter aus fast 50 Ländern an die Befreiung von Auschwitz vor 75 Jahren. Steinmeier hält als erster deutscher Präsident eine Rede. © Kobi Gideon Staats- und Regierungschefs aus fast 50 Ländern reisten am am Donnerstag nach Yad Vashem in Israel. Staats- und Regierungschefs aus fast 50 Ländern erinnern am Donnerstag in Israel an die Befreiung des deutschen Vernichtungslagers Auschwitz vor 75 Jahren.

Steinmeier und Rivlin wollen am Montag auch am Gedenken in Auschwitz teilnehmen und am Mittwoch im Bundestag reden. Zugleich bekräftigte er, "dass dies eine Verantwortung ist, die keinen Schlussstrich kennt". Steinmeier machte deutlich, dass diese Verantwortung die Deutschen auch

"Unsere deutsche Verantwortung vergeht nicht", so Steinmeier. "Ihr wollen wir gerecht werden. An ihr sollt Ihr uns messen." " Kein Schlussstrich ". Er wünschte, sagen zu können: Wir Deutsche haben für immer aus der Geschichte gelernt. "Aber das kann ich nicht sagen, wenn Hass und Hetze sich

Der Antisemitismus ist in den vergangenen Jahren in Deutschland wiedererstarkt, antisemitische Gewalttaten nehmen zu und immer häufiger werden Deutsche jüdischen Glaubens sogar auf offener Straße attackiert. Trauriger Höhepunkt war der Anschlag in Halle am 9. Oktober 2019: der Versuch, am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur die Synagoge zu stürmen und die 51 dort betenden Menschen zu ermorden.

Meinungsforscher Roberto Heinrich von infratest dimap © Andreas Grzesiak Meinungsforscher Roberto Heinrich von infratest dimap

Wie wichtig ist den Deutschen in diesen Zeiten die Erinnerungskultur an den Holocaust? Die Deutsche Welle hat infratest dimap beauftragt, diese Frage zu untersuchen. Das Meinungsforschungsinstitut führte in einer repräsentativen Stichprobe 1018 Telefoninterviews durch. Die Ergebnisse sind, wie es Meinungsforscher Roberto Heinrich zusammenfasst, "im Großen und Ganzen beruhigend".

Letzte Körner rausschießen: Müde Handballer gegen Portugal

  Letzte Körner rausschießen: Müde Handballer gegen Portugal Es geht eigentlich um nichts - und doch um sehr viel. Mit einem Sieg gegen Portugal wollen die deutschen Handballer die EM zu einem versöhnlichen Abschluss bringen und ein gutes Gefühl für die Olympia-Qualifikation aufbauen. © imago images Strebt einen versöhnlichen Abschluss an: Christian Prokop. © imago images Strebt einen versöhnlichen Abschluss an: Christian Prokop. Wie ein Feldherr stand Christian Prokop mit verschränkten Armen in der riesigen Tele2-Arena von Stockholm und gab den deutschen Handballern letzte Anweisungen für das Spiel um EM-Platz fünf gegen Portugal.

"Es ist geschehen - folglich kann es wieder geschehen" so wird ein Überlebender des Holocaust zitiert, soll heissen das alle Menschen, insbesondere wir Deutschen alles dafür tun, dass es nie wieder geschehen wird. Das ist unsere besondere Verantwortung, die mit persönlicher Schuld nichts zu tun

Kein Schlussstrich - Son söz henüz söylenmedi - όχι τέλιkη ypaμμη - No closure! Für uns alle die beginnen die Vorbereitungen auf den Tag der Urteilsverkündung. Denn das Urteil in München darf zu keinem Schlussstrich unter dem NSU-Komplex werden.Deshalb wollen wir zusammen mit Euch

Mehrheit der Deutschen steht zur Verantwortung

Auf die Frage "Wenn Sie jetzt einmal an den Nationalsozialismus denken: Würden Sie sagen, an die Verbrechen des Nationalsozialismus wird zu viel erinnert, in angemessenem Umgang erinnert oder zu wenig erinnert?", gab mehr als die Hälfte der befragten Personen an, der Umfang der Erinnerungskultur sei genau richtig. Jedem vierten Deutschen sind diese Erinnerungen zu viel, jeder sechste Deutsche meint hingegen, es werde in Deutschland zu wenig an die Verbrechen des Nationalsozialismus erinnert.

"Kürzlich sagte jemand: 'Wir sollten uns fast 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr so viel mit der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigen, sondern endlich einen Schlussstrich ziehen.' Würden Sie sagen, der hat recht oder nicht recht?", so lautete die zweite Frage der Studie. Mit 60 Prozent antwortete eine deutliche Mehrheit, dass sie gegen einen solchen Schlussstrich sei. 37 Prozent der Befragten befürworten dagegen, die Zeit des Nationalsozialismus hinter sich zu lassen.

Letzte Körner rausschießen: Müde Handballer gegen Portugal

  Letzte Körner rausschießen: Müde Handballer gegen Portugal Großer Enthusiasmus in Tokio: Sechs Monate vor Beginn der Olympischen Sommerspiele hat die japanische Hauptstadt den Stichtag mit einem großen Feuerwerk gefeiert. Die Vorfreude auf die zweiten Olympischen Spiele nach 1964 wird jedoch überschattet.

Die Ansprache zum Tag der Deutschen Einheit im Mainzer Dom war Steinmeiers erste große Rede Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat am Tag der Deutschen Einheit vor neuen Mauern in Zudem sei eine Antwort auf die Frage nötig, „welche und wie viel Zuwanderung wir wollen , vielleicht

Und wenn diese Situation anfängt, unsere Stabilität und unseren inneren Frieden zu zerstören, dann haben wir keine anderes Mittel als uns zu verabschieden. Weil ich mich sicher darin fühle, was ich will und vor allem, was ich nicht will , deshalb ziehe ich einen Schlussstrich . So wie auch in anderen

Nach der Erinnerungskultur und der Schlussstrich-Debatte ging es in einem dritten Fragenkomplex um die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. Für drei von vier Befragten sollte der Besuch einer KZ-Gedenkstätte wie zum Beispiel Auschwitz oder Buchenwald in Zukunft Bestandteil des Schulunterrichts sein.

Immerhin 61 Prozent unterstützen eine Auseinandersetzung mit der Rolle der eigenen Familie in der Zeit des Nationalsozialismus. Eine knappe Mehrheit (55 Prozent) hält es dagegen nicht für notwendig, politisch Asylsuchenden verpflichtend Kenntnisse über die Verbrechen des Nationalsozialismus zu vermitteln.

Höhere Bildung fördert Erinnerungsbereitschaft

"'Bildung hilft', war die erste Reaktion eines Kollegen von mir, als er sich die Teilaspekte der Studie anschaute", sagt Meinungsforscher Roberto Heinrich. Besonders signifikant ist dies bei der Schlussstrich-Debatte: Während mit 21 Prozent nur jeder Fünfte mit Abitur und Fachhochschulreife für einen Schlussstrich unter die Zeit des Nationalsozialismus ist, fordern dies mit 56 Prozent mehr als die Hälfte derjenigen mit Haupt- oder Volksschulabschluss.

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  Letzte Körner rausschießen: Müde Handballer gegen Portugal Leipzig-Trainer Julian Nagelsmann hinterfragt die Einstellung der jungen Spieler.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hält als erster deutscher Bundespräsident eine Rede zum Gedenken in Yad Vashem. Staats- und Regierungschefs aus fast 50 Ländern erinnern am Donnerstag in Israel an die Befreiung des deutschen Vernichtungslagers Auschwitz vor 75 Jahren.

Gleichzeitig warnte der Bundespräsident die Deutschen vor einem Rückfall in antisemitisches, völkisches oder autoritäres Denken. Er wünsche sich, sagen zu können, die Deutschen hätten für immer aus der Geschichte gelernt. Das könne er aber nicht angesichts von Hass und Hetze, Angriffen

"Es gibt insgesamt eine klare Mehrheit, die sagt, dass wir uns weiter mit der Thematik des Nationalsozialismus beschäftigen müssen", so lautet für Heinrich das Fazit der Studie.

Dass sich das politische und gesellschaftliche Klima in Deutschland trotzdem verändert hat, zeigt der Vergleich mit den Ergebnissen der Umfragen "Memo Deutschland - Multidimensionaler Erinnerungsmotor" von 2018 und 2019. Waren vor zwei Jahren nur 26 Prozent für einen Schlussstrich unter die Nazizeit, stieg dieser Wert im Vorjahr auf 33 Prozent. Bei der aktuellen Befragung von infratest dimap im Auftrag der DW sind es weitere vier Prozentpunkte mehr.

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Autor: Oliver Pieper

"Judenhass nicht ausgerottet" .
Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses nimmt den Holocaust-Gedenktag zum Anlass für einen eindringlichen Appell: Deutschland müsse entschlossener gegen antisemitische Hetze kämpfen, fordert Ronald S. Lauder. Den größten Nachholbedarf sehe er bei der Bekämpfung von Judenhass und Rassismus im Internet, erklärte der Präsident des Jüdischen Weltkongresses (WJC), Ronald S. Lauder. Dies sei keine Frage mangelnder Technik. "Das ist eine Frage des Willens", sagte Lauder der "Bild"-Zeitung.

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