Welt & Politik Kommentar zu Yad Vashem polarisiert: Wie die Tagesschau im Shitstorm landete

20:25  24 januar  2020
20:25  24 januar  2020 Quelle:   tagesspiegel.de

Rallye Dakar: Walkner nur knapp am ersten Etappensieg vorbei

  Rallye Dakar: Walkner nur knapp am ersten Etappensieg vorbei Rallye Dakar: Walkner nur knapp am ersten Etappensieg vorbeiDer Salzburger Matthias Walkner hat am Donnerstag seinen ersten Etappensieg bei der heurigen Rallye Dakar knapp verpasst. Der Gewinner 2018 landete auf der 11. Etappe von Shubaytah nach Haradh bei den Motorrädern nur neun Sekunden hinter Pablo Quintanilla (CHI), verbesserte sich damit gesamt auf Rang vier. Sein Rückstand auf seinen drittplatzierten KTM-Kollegen Toby Price (AUS) beträgt 7:19 Min.

Ein Kommentar der Tagesschau trifft den falschen Ton und löst Empörung aus. Wo die Korrespondentin recht hat – und wo nicht.

Demütige Geste: Frank-Walter Steinmeier hielt eine bemerkenswerte Rede in Yad Vashem. © Foto: imago images/UPI Photo Demütige Geste: Frank-Walter Steinmeier hielt eine bemerkenswerte Rede in Yad Vashem.

Erleichtert ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf dem Rückflug nach Berlin, seine Mitarbeiter umarmen sich. Was für eine historische Geste, dass der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin Steinmeier sogar umarmt hat nach seiner nichts relativierenden, auch das neuerliche Erstarken des Antisemitismus in Deutschland nicht verschweigenden Rede in Yad Vashem. Leider gibt es kein Foto von dieser historischen Szene, 75 Jahre nach der Befreiung des deutschen Vernichtungslagers Auschwitz.

Steinmeier besucht Israel - Gedenken an Auschwitz-Befreiung

  Steinmeier besucht Israel - Gedenken an Auschwitz-Befreiung Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier fliegt an diesem Mittwoch nach Israel, um dort am internationalen Holocaust-Gedenken in Yad Vashem teilzunehmen. © Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa Auf dem Weg nach Israel: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender auf dem militärischen Teil des Flughafens Tegel. Dazu werden am Donnerstag Staatsgäste aus fast 50 Ländern in Jerusalem erwartet, unter ihnen die Präsidenten Frankreichs und Russlands, Emmanuel Macron und Wladimir Putin, US-Vizepräsident Mike Pence und der britische Thronfolger Prinz Charles.Anlass ist der 75.

Mit an Bord ist auch eine Hörfunk-Korrespondentin der ARD, die nach der Landung um Mitternacht in Berlin-Tegel mit einem veritablen Proteststurm im Netz konfrontiert ist. Sie hat einen Kommentar geschrieben, der misslungen ist – und einen falschen, missverständlichen und nicht angemessenen Ton trifft.

ARD-Kommentar trifft falsche Tonalität

Sie schreibt von einer „vertanen Chance“, die am stärksten kritisierte Passage lautet: „Unwürdig war dagegen, wie Israel und Russland diesen Gedenktag teilweise kaperten. Wie sie vor der offiziellen Veranstaltung sozusagen ihre eigene politische und erinnerungspolitische Privatparty feierten - mit neuen Verbalattacken gegen Polen und demonstrativ überlangen bilateralen Gesprächen zwischen Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und Präsident Wladimir Putin.“ Und weiter: „Wie sie die Einweihung eines Denkmals zur Erinnerung an die Belagerung Leningrads gnadenlos überzogen, wie sie 90-jährige, 100-jährige Holocaust-Überlebende eine Dreiviertelstunde lang in Yad Vashem warten ließen wie bestellt und nicht abgeholt - und dazu noch mehr als 40 Staats- und Regierungschefs.“

Studie offenbart massive Wissenslücken über Holocaust in Frankreich

  Studie offenbart massive Wissenslücken über Holocaust in Frankreich Studie offenbart massive Wissenslücken über Holocaust in FrankreichDer Untersuchung zufolge wissen 57 Prozent der Franzosen nicht, dass rund sechs Millionen Juden während des Holocaust getötet wurden. Bei Jüngeren mit Geburtsdatum ab 1980 sei diese Unwissenheit mit 69 Prozent noch deutlich stärker ausgeprägt. Von diesen sogenannten Millennials und der nachfolgenden "Generation Z" nehmen demnach 44 Prozent an, dass es nicht einmal zwei Millionen Tote gab.

Sogar in Israel wird der Kommentar am Freitag zum Thema. „Deutsche Reporterin wirft Israel Missbrauch von Holocaust-Gedenken vor“, schreibt die „Jerusalem Post“. An der falschen Tonalität des Kommentars gibt es nichts zu diskutieren – der Begriff „Privatparty“ ist an einem solchen Tag unangebracht. Die Juden wie Russland als Kernland der früheren Sowjetunion hatten die größten Opfer durch die Nationalsozialisten zu beklagen.

Die Juden sowie Russland haben die größten Opfer im 2. Weltkrieg zu beklagen

Es wird von rund sechs Millionen ermordeten Juden und 20 Millionen Toten aus der Sowjetunion ausgegangen. Aber der Kommentar wird unter anderem von der Bild-Zeitung teilweise aus dem Kontext gerissen. Denn die Kritik bezieht sich nicht auf die Gedenkveranstaltung in Yad Vashem, sondern auf das Drumherum. In der Tat war es vor allem Wladimir Putin, der mal wieder seine Macht demonstrierte, alle Zeitpläne durcheinanderbrachte und den Tag auch für seine Interessen kaperte. Nicht dagegen Israel – wenngleich dem israelischen Premier Benjamin Netanjahu noch etwas anderes an diesem Tag sehr wichtig war, was ihm im aktuellen Wahlkampf helfen soll.

Diese 21 Witze verstehen nur intelligente Menschen

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So trifft sich der russische Präsident zunächst mit der Mutter von Naama Issachar, einer jungen Israelin, die im vergangenen April in Moskau festgenommen und zu 7,5 Jahren Gefängnis verurteilt worden ist, weil in ihrem Gepäck auf einem Flug von Indien nach Israel bei einem Zwischenstopp 9,5 Gramm Cannabis gefunden wurden. Der Fall belastet seit Monaten die Beziehungen – israelische Medien vermuten eine Racheaktion für die Auslieferung eines russischen Bloggers von Israel an die USA. Auf dem Weg vom Flughafen sind in Tel Aviv Plakate mit der Aufschrift „Bringt Naama nach Hause“ zu sehen.

Israels Premier Netanjahu hat versprochen, sie zurückzuholen und setzt auf Putin. Dieser verspricht nach dem Treffen mit der Mutter, dass „alles gut“ werde. Netanjahu dankt „meinem Freund, dem Präsidenten“. Eine Freilassung kann Netanjahu für die erneute Parlamentswahl am 2. März helfen – im dritten Anlauf will er es mit einer neuen Regierungsmehrheit schaffen. Allein dies bringt schon am Donnerstag den Zeitplan ins Wanken – dann folgt die pompöse Festveranstaltung, mit der Putin und Netanjahu im Jerusalemer Sacher-Park ein 8,5 Meter hohes Denkmal für die hunderttausenden Opfer der Blockade von Leningrad einweihen, am Ende wird die russische Nationalhymne intoniert.

Staatsgäste aus fast 50 Ländern kommen nach Israel

  Staatsgäste aus fast 50 Ländern kommen nach Israel Jerusalem. Es ist das größte Staatsereignis seit der Gründung Israels 1948: Beim Internationalen Holocaust-Forum erinnern Vertreter aus fast 50 Ländern an die Befreiung von Auschwitz vor 75 Jahren. Steinmeier hält als erster deutscher Präsident eine Rede. © Kobi Gideon Staats- und Regierungschefs aus fast 50 Ländern reisten am am Donnerstag nach Yad Vashem in Israel. Staats- und Regierungschefs aus fast 50 Ländern erinnern am Donnerstag in Israel an die Befreiung des deutschen Vernichtungslagers Auschwitz vor 75 Jahren.

Putin inszeniert die Sowjetunion als Befreier – und kommt 30 Minuten zu spät

Die Staats- und Regierungschefs sowie viele hochbetagte Überlebende müssen beim World Holocaust Forum (WHF) daher auf dessen Beginn warten. Und als es mit einer Stunde Verspätung los geht, kommt Putin auch dort mit fast 30 Minuten Verspätung an – er soll nochmal im Hotel gewesen sein, während Netanjahu dort pünktlich zum (stark verspäteten Beginn) im Saal sitzt. Mitbegründer des WHF ist übrigens der russische Oligarch Wjatscheslaw Mosche Kantor.

Putin inszeniert stark die Rolle der Sowjetunion als Befreier. Und versucht zu kaschieren, dass im geheimen Zusatzprotokoll des Hitler-Stalin-Paktes die Aufteilung Polens durch Sowjets und Deutsche beschlossen wurde – mithin ein Umstand, der bei der Geschichte rund um den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs nicht vergessen werden sollte.

Wegen der Verspätungen sind unter anderem der französische Präsident Emmanuel Macron und US-Vizepräsident Mike Pence nicht bis zum Ende der Gendenkveranstaltung da – aber und das ist neben Misstönen - und Missdeutungen - vielleicht das wichtigste Ergebnis dieser bisher größten politischen Veranstaltung in der Geschichte Israels: Die Opfer des Holocaust, die Befreier und Siegermächte und der Bundespräsident des Tätervolkes haben würdig, mit den meist richtigen Worten und gemeinsam an das schlimmste Verbrechen der Menschheitsgeschichte erinnert – das kann eine Basis sein für den heutigen Kampf gegen eine Wiederkehr des Antisemitismus.

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