Welt & Politik Donald Trump: Ohne Bühne kann er nicht

19:06  26 mai  2020
19:06  26 mai  2020 Quelle:   zeit.de

Hustenanfall vorm TV-Bildschirm: US-Komiker Jim Carrey nimmt Trump aufs Korn

  Hustenanfall vorm TV-Bildschirm: US-Komiker Jim Carrey nimmt Trump aufs Korn Der Kommentar zu einer Rede von Donald Trump hat für Lacher im Netz gesorgt.Dann erscheint Carrey im Bild - scheinbar hustend und schnäuzend in Richtung des US-Präsidenten. Zum Schluss des Clips klebt er dann sein benutztes Taschentuch an den Fernsehbildschirm - und verdeckt damit Trumps Gesicht.

Damals in Ohio, September 2016 – und als Präsident machte Donald Trump dann einfach immer weiter mit dem Wahlkampf. © Mandel Ngan/​AFP/​Getty Images Damals in Ohio, September 2016 – und als Präsident machte Donald Trump dann einfach immer weiter mit dem Wahlkampf.

Mit Blick auf die Wahl ist der Lockdown für Donald Trump gefährlicher als das Virus. Bald will der US-Präsident deshalb wieder Arenen füllen – koste es, was es wolle.

Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung erreicht in den USA bald den traurigen Stand von 100.000. Das sind mehr als irgendwo sonst, und vielerorts steigen die Infektionen noch immer oder wieder, auch weil die Bundesstaaten beginnen, ihre Einschränkungen zu lockern – oder Menschen sich einfach darüber hinwegsetzen. Millionen haben ihre Jobs verloren, während die Corona-Pandemie alles andere als unter Kontrolle ist. Die Flaggen wehen auf Halbmast am Memorial Day an diesem Montag, nicht nur im Gedenken an die Gefallenen der Kriege. Einen Präsidenten, der sein Amt verdient hat, stellt man sich in solchen Zeiten als nachdenklich vor. Da würde spät noch Licht brennen im Weißen Haus, weil sich da einer die Frage stellt: Habe ich alles Nötige getan? Sind wir auf dem richtigen Weg? Doch das sind Zweifel, die Donald Trump nicht kennt.

Trump sagt, Pompeo habe ihn gebeten, den Wachhund des Außenministeriums

 Trump sagt, Pompeo habe ihn gebeten, den Wachhund des Außenministeriums (Bloomberg) zu entlassen - Präsident Donald Trump sagte, Außenminister Michael Pompeo habe ihn gebeten, den Generalinspektor des Außenministeriums, Steve Linick, zu entlassen. © Fotograf: Al Drago / Bloomberg Michael Pompeo und Donald Trump „Ich kenne den Gentleman nicht“, sagte Trump am Montag im Weißen Haus während eines Treffens mit Gastronomen im Weißen Haus. „Ich war glücklich, das zu tun Mike hat darum gebeten, dass ich es mache.

Empathie geht ihm völlig ab. Sätze wie am Montag – "wir trauern mit allen Familien, die einen geliebten Menschen verloren haben" – sind selten und klingen leer. Wer soll das auch glauben zwischen all den Tweets und Statements, in denen er sich zurechtlügt, die Corona-Zahlen gingen überall in Amerika zurück, er habe Hunderttausende Leben gerettet, und immer wieder: Der Gegner sei besiegt. Statt der Empfehlung zur Schutzmaske mit dem eigenen Vorbild den nötigen Nachdruck zu verleihen, zeigte Trump sein freies Gesicht am Wochenende auf dem Golfplatz. Statt das Land im Kampf gegen das Virus zu einen, greift er alle an, die seinen herbeifantasierten Optimismus nicht teilen, und adelt jene, die gegen angemessene Gebote aufbegehren. Statt selbst zu handeln, schiebt er die Verantwortung auf andere. Dieser US-Präsident wägt auch nicht leidend ab zwischen Gesundheitsschutz und der Notwendigkeit, die Wirtschaft so früh es geht wieder in Gang zu setzen. Er lenkt seine Energie nur auf eine Krise: die eigene.

Trump sagt, er nehme Hydroxychloroquin, um eine Coronavirus-Infektion zu verhindern.

 Trump sagt, er nehme Hydroxychloroquin, um eine Coronavirus-Infektion zu verhindern. © REUTERS / Leah Millis US-Präsident Donald Trump sagte am Montag, er nehme Hydroxychloroquin, ein Malariamedikament, das er trotz medizinischer Warnungen vor seiner Verwendung als vorbeugendes Medikament gegen das Medikament angepriesen hat Coronavirus. "Ich nehme es seit anderthalb Wochen. Jeden Tag eine Pille", sagte Trump gegenüber Reportern.

Und wenn es nur um ihn geht, dann stimmt ja auch die Diagnose, dass die ökonomischen und gesellschaftlichen Auswirkungen der Lockdown-Maßnahmen eine größere Gefahr sind als das Virus selbst. Mag das Infektionsgeschehen auch zwischenzeitlich das Weiße Haus erfasst haben, so ist der US-Präsident doch vor einer Ansteckung geschützt wie kein Zweiter. Der Stillstand hingegen bedroht seine Wiederwahl und damit in erster Linie sein Ego. Denn eines haben die vergangenen Jahre gezeigt: Die Inhalte sind ihm gleichgültig, wenn die Quoten stimmen. Es geht immer nur um den Anschein von Erfolg. Und dafür braucht Trump nichts so sehr wie eine Bühne.

Bis die Fragen lästig wurden

Die Twitter-Bretter, die ihm eine ganz eigene Welt bedeuten, reißt ihm niemand so schnell unter den Füßen weg. Aber die großen Arenen sind mit der Ausbreitung des Virus tabu geworden. Wenn es ein Sinnbild für diese Präsidentschaft gibt, dann sind es die johlenden Massen, die Trump – zugegeben meisterhaft – mit seinen Auftritten bespielt, das Meer blauer Schilder und roter Kappen: Make America Great Again. Diese Kultur gemeinsamen Erlebens und Vergewisserns ist für ihn systemrelevant. Und der Ausgleich, den er dafür finden konnte, war bislang nur ein schwacher Trost. Auf der Suche nach Publikum hatte Trump die fast täglichen Briefings der Corona-Taskforce für seine Zwecke gekapert: als eine Art Realityshow an der faktischen Realität vorbei. Bis er den Spaß daran verlor, weil der Applaus ausblieb und die Fragen der Journalisten lästig wurden. Die wenigen öffentlichen Termine dieser Tage – Besuche in Fabriken, das Gedenken am Feiertag – sind kein Ersatz für den permanenten Wahlkampf, den er so gern betreibt.

Trump zieht ATF-Kandidaten aus Sorge der Republikaner zurück

 Trump zieht ATF-Kandidaten aus Sorge der Republikaner zurück -Präsident Donald Trump zog seinen Kandidaten für die Leitung des Büros für Alkohol, Tabak und Schusswaffen am Dienstagnachmittag abrupt zurück und beendete damit offiziell die problematische Nominierung von Chuck Canterbury. © Ron Sach-Pool / Getty Images Präsident Donald Trump sitzt 2017 mit Chuck Canterbury zusammen.

Und so träumt Trump davon, dass es endlich wieder losgeht. Spätestens wenn der Parteitag der Republikaner ihn in North Carolina als Kandidaten bestätigen soll, will er wieder in der Menge baden, scheint es. Nur sind dort, trotz erster Lockerungen, größere Versammlungen jenseits von zehn Teilnehmern nach wie vor verboten. In welchem Rahmen die Nominierung erfolgen kann, ist noch völlig offen. Der demokratische Gouverneur Roy Cooper sei "immer noch in Shutdown-Stimmung", twitterte Trump deshalb nun, und forderte umgehend eine Garantie, "dass wir im August die Arena komplett füllen können". Sollte es nicht "sofort eine Antwort" geben, wäre man gezwungen, woanders hinzugehen, "mit all den damit verbundenen Arbeitsplätzen und der wirtschaftlichen Entwicklung".

Der Zirkus kommt in die Stadt, heißt ihn willkommen, so wirkt das. Für Trump sind solche Drohungen am Ende aber weit mehr als bloß Ausdruck seiner eigenen Sehnsucht nach der Manege. Gegen das Virus hat er versagt, die Wirtschaft ist seinem Zugriff weitgehend entzogen: Allein und gegen den Willen der jeweiligen Gouverneure kann er das Land nicht wieder komplett hochfahren. Die Arena und den Kampf darum braucht er vor diesem Hintergrund, um die Krise weiter zu politisieren.

Trump zeigt mit dem Finger auf Chinas Xi, eskalierender Kampf um Virus

 Trump zeigt mit dem Finger auf Chinas Xi, eskalierender Kampf um Virus © Getty Images Präsident Donald Trump eskalierte seine Rhetorik gegen China und schlug vor, dass Führer Xi Jinping hinter einem "Desinformations- und Propagandaangriff auf die USA und Europa" steckt. -Präsident Donald Trump eskalierte seine Rhetorik gegen China und schlug vor, dass Führer Xi Jinping hinter einem "Desinformations- und Propagandaangriff auf die Vereinigten Staaten und Europa" steckt. "Es kommt alles von oben", sagte Trump am Mittwochabend in einer Reihe von Tweets.

Denn das Land ist gespalten: Die meisten fürchten eine zu schnelle Aufhebung der Einschränkungen, halten Distanz, tragen Masken – andere drängen auf eine sofortige Öffnung, und größtenteils zählt diese Gruppe eben zu Trumps Basis. Er stellt sich auf ihre Seite, selbst wenn sie bewaffnet gegen Ausgangssperren protestieren. Es könnte bloß sein, dass er sich damit verrennt. Die militanten Demonstranten sind eine Minderheit, die im Fokus der Medien übergroß erscheint; selbst in tief republikanisch geprägten Staaten herrscht nicht bloß Ignoranz gegenüber den Gefahren der Pandemie, zumal das Virus dort erst langsam seine Wirkung entfaltet. Aber für den Präsidenten zählt nur eines: Die Show muss weitergehen. Auch wenn das bedeutet, Menschen in Gefahr zu bringen.

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Trump fordert die Regierung auf, mit dem Prozess der Aufhebung der Privilegien in Hongkong zu beginnen. .
WASHINGTON, 29. Mai (Reuters) - US-Präsident Donald Trump sagte am Freitag, er habe seine Regierung angewiesen, den Prozess der Aufhebung der Sonderbehandlung für Hongkong als Reaktion auf Chinas Pläne zu beginnen neue Sicherheitsgesetze auf dem Territorium verhängen. © Thomson Reuters US-Präsident Donald Trump macht eine Ankündigung über die US-Handelsbeziehungen mit China und Hongkong im Rosengarten des Weißen Hauses in Washington, USA, 29. Mai 2020.

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