Welt & Politik Corona-Experte Drosten: "Masken werden wir so schnell nicht los"

10:46  18 september  2020
10:46  18 september  2020 Quelle:   dw.com

Leonor von Spanien: Extremsport: Darauf fährt die Kronprinzessin richtig ab

  Leonor von Spanien: Extremsport: Darauf fährt die Kronprinzessin richtig ab Erst am Mittwoch (9. September) kehrte Leonor von Spanien (14) in ihre Schule Santa María de los Rosales unter strengen Auflagen zurück. Das größte Rätsel aber gab der Schulranzen der Kronprinzessin auf: An diesem baumelten einige ungewöhnliche Anhänger, über deren Bedeutung wir munkelten. Doch jetzt wurden sie enthüllt – und verblüffen! Die zukünftige Königin von Spanien scheint nämlich ein echtes Faible für Extremsportarten zu haben. Im Video oben seht ihr die Bilder von Leonors Start ins neue Schuljahr und ihre ungewöhnlichen Anhänger.

Auf ihn hören die Deutschen während der Pandemie: Christian Drosten. Der Virologe entwickelte den weltweit ersten Corona-Diagnostiktest. Im Interview mit der DW warnt er davor, dass ein schwieriger Winter bevorsteht.

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DW: Wie lange werden wir weltweit noch mit der Corona-Pandemie leben müssen?

Corona-Infektionszahlen steigen und steigen

  Corona-Infektionszahlen steigen und steigen Rasant zunehmende Corona-Neuinfektionen zwingen viele Länder in Europa, die Schutzmaßnahmen wieder zu verstärken. Frankreich muss gar einen traurigen Rekord melden. © Ludovic Marin/AFP/Getty Images Blick auf den Eiffelturm in Paris Schon im Frühjahr hatten die Franzosen - neben Italienern und Spaniern in Europa - unter dem Coronavirus besonders gelitten. Am Freitag meldeten die französischen Behörden nun 13.215 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden, der höchste Wert seit Beginn der Pandemie. Nach Marseille und Bordeaux verschärften deshalb auch Paris, Nizza und Toulouse ihre Corona-Schutzmaßnahmen.

Christian Drosten: Es ist sehr schwierig, globale Prognosen zu machen. Wir haben sehr viele verschiedene, schwierige Situationen in Europa. Der Winter wird nicht leicht. Im nächsten Jahr werden wir Impfstoffe haben. Ich denke, es wird bis Ende nächsten Jahres dauern, bis bestimmte Teile der Bevölkerung damit versorgt werden können.

Die Masken bekommen wir so schnell nicht los. Denn auch wenn wir mit den Impfungen beginnen, wird der größte Teil der Bevölkerung weiter Masken tragen müssen. In Ländern wie Deutschland, wo es nur wenige Infektionen gibt, wird es keine breite Immunität geben. Das werden wir wahrscheinlich auch in den anderen Ländern Europas nicht sehen.

Laut Christian Drosten könnten uns Atemschutzmasken im öffentlichen Leben noch länger begleiten © picture-alliance/dpa/W. Steinberg Laut Christian Drosten könnten uns Atemschutzmasken im öffentlichen Leben noch länger begleiten

Für andere Regionen ist es schwer zu sagen. In Afrika zum Beispiel scheinen die Krankheitsverläufe weniger schlimm zu sein. Das könnte an der jungen Altersstruktur liegen, allerdings schauen wir im Moment auch nur auf die urbanen Zentren, wo eben viele junge Menschen leben. Wir wissen nicht, wie sich das Virus verhält, wenn es sich auf dem Land ausbreitet. Wir wissen auch nicht, welchen Status die Epidemie dort gerade hat. Es gibt Daten, nach denen die Infektionen zurückgehen. Aber wir wissen nicht, ob wir das verallgemeinern können. In den Städten schwächt sich die Epidemie möglicherweise ab, aber es ist genauso gut möglich, dass sie erst noch richtig kommt.

Spahn besorgt wegen Zuwachs der Corona-Infektionen

  Spahn besorgt wegen Zuwachs der Corona-Infektionen In Deutschland hat die Zahl der Corona-Neuinfektionen mit fast 2300 an einem Tag den höchsten Wert seit April erreicht. Gesundheitsminister Spahn ist von Sorge erfüllt, sieht das Gesundheitssystem aber noch gut gerüstet. © picture-alliance/dpa/M. Becker Bundesgesundheitsminister Jens Spahn "Aktuell kann unser Gesundheitssystem gut mit der Situation umgehen, aber die Dynamik in ganz Europa besorgt", schreibt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auf Twitter.

Welche Regionen betrachten Sie mit besonderer Sorge?

Indien macht mir im Moment die größten Sorgen. Das Land hat eine große Bevölkerungsdichte. Das Virus breitet sich dort aus - ich würde nicht sagen unkontrolliert, aber es ist fast so. Dann natürlich auch Gebiete in Südamerika. Ich habe bereits über Afrika gesprochen, der afrikanische Kontinent ist im Moment ein kleines Rätsel. Und in der nördlichen Hemisphäre kommt der Winter und es gibt Regionen, darunter auch Europa, in denen es nur wenig Kontrolle über das Virus gibt. Einige Länder gehen schon mit vielen Corona-Fällen in die kalte Jahreszeit und das Vertrauen in die medizinischen Strukturen und die Gesundheitsversorgung ist gering. Es gibt Länder, auch in Europa, die, so meine ich, sehr bald strengere Maßnahmen ergreifen sollten.

Andere Länder sehen in Deutschland eine Art Vorbild im Umgang mit der Pandemie. Was machen die Deutschen richtig?

Da gibt es sicher eine Kombination mehrerer Ursachen. Ein Grund ist sicher das direkte entschiedene Vorgehen zu Beginn der ersten Welle, das die Kanzlerin damals vorgegeben hat. Inzwischen ist der Zusammenhalt der Bundesländer etwas verloren gegangen. Aber entscheidend war sicher, dass Deutschland sehr früh reagiert hat. Nicht in Bezug auf das Kalenderdatum, sondern in Bezug auf den relativen Zeitpunkt, zu dem Kontaktbeschränkungen - manchmal auch Lockdown genannt - verhängt wurden. Und zwar im Vergleich zur tatsächlichen Entwicklung der Epidemie. Wir wussten also von unserer Epidemie aufgrund von Labortests, und auch die Tests und die breite Verfügbarkeit der Tests unterscheiden Deutschland von anderen Staaten.

FinCEN Files: Der Fluss des schmutzigen Geldes

  FinCEN Files: Der Fluss des schmutzigen Geldes Die FinCEN Files sind das Ergebnis einer großen internationalen Recherche zum Thema Geldwäsche. Sie zeigen auf, wie schmutziges Geld weltweit hin- und hergeschoben wird. Banken spielen dabei eine entscheidende Rolle. © Provided by Deutsche Welle Provided by Deutsche Welle Ein Bruder stirbt auf einem brennenden Schiff. Ein Sohn kommt durch Drogen ums Leben. In den meisten Fällen wissen die Hinterbliebenen der Opfer gar nicht, dass ihr Schmerz auch etwas mit illegalen Geldströmen zu tun hat - Geld, das durch Korruption und kriminelle Geschäfte erbeutet wurde.

Hohe Testkapazitäten: Laut Drosten ein Faktor, weshalb Deutschland relativ gut durch die Krise gekommen ist © picture-alliance/dpa/B. Roessler Hohe Testkapazitäten: Laut Drosten ein Faktor, weshalb Deutschland relativ gut durch die Krise gekommen ist

Eine andere Erklärung ist, dass die Epidemie bei uns etwas später anfing. Die ersten importierten Corona-Fälle entwickelten sich nicht schon im Januar zur Epidemie, sondern erst Ende Februar. Die ersten importierten Fälle konnten unter Kontrolle gehalten werden statt sich weiter zu verbreiten. Das ist wahrscheinlich der Grund dafür, dass unser Vorgehen sehr effizient war. Nach dem Lockdown, sagen wir ab Mitte Mai, gab es in Deutschland nur noch wenige Fälle und so ist es auch geblieben. Bis jetzt, auch wenn wir nun wieder einen leichten Anstieg an Infektionen haben.

Jetzt haben wir den Herbst und den Winter vor uns. Was meinen Sie wird in Deutschland passieren?

Ich denke, es gibt, was die Bevölkerungsstruktur und andere Parameter angeht, nur wenige Unterschiede zwischen den europäischen Ländern. Wir müssen darum auf die anderen schauen, auf Frankreich, Großbritannien, Spanien. Was wir dort sehen, werden wir auch in Deutschland erleben, wenn wir nicht sehr früh und so reagieren, dass es für die Wirtschaft erträglich und trotzdem zielgerichtet ist. Das ist eine schwierige Aufgabe, den richtigen Punkt zu finden, an dem wir die Maßnahmen, die wir gerade haben und an denen nichts zu kritisieren ist, verändern müssen.

Friedrich Merz: Der Gestern-Kandidat

  Friedrich Merz: Der Gestern-Kandidat Wie so oft reicht bei Friedrich Merz eine Andeutung: Seine Aussage zur Homosexualität zeigt, wie weit er inzwischen im Abseits steht. Selbst seine Unterstützer schweigen. © Reichwein/​imago images Manche halten Friedrich Merz für einen Zombie aus einer vergangenen Zeit. Friedrich Merz zehrt von der Erinnerung an damals. Eine Zeit, als es noch so was wie eine transatlantische Freundschaft gab. Eine Zeit von Steuererklärungen und Bierdeckeln. Eine Zeit, bevor die gesellschaftlichen Frontverläufe und politischen Problemlagen eine Komplexität erreichten, die die Parteien oft genug sprachlos zurücklässt.

Wie Sie schon sagten, werden wir wohl noch eine ziemlich lange Zeit weiter mit der Maske leben müssen. Wann dürfen wir uns denn wieder umarmen?

Das wird eine sehr regionale Frage sein. Es würde mich also nicht wundern, wenn in Teilen der Welt im nächsten Jahr die Bevölkerung geschützt ist. Aber das bedeutet, dass sie eine Epidemie durchgemacht haben werden, die aufgrund ihrer Altersstruktur nicht als eine so schwere Epidemie erscheinen mag. In Afrika könnte das zum Beispiel so sein. Zumindest wünsche ich mir, dass das jüngere Altersprofil die afrikanischen Bevölkerungen schützt. In anderen Teilen der Welt, in denen das Konzept darin besteht, eine weit verbreitete Virusübertragung zu vermeiden und auf den Einsatz eines Impfstoffs zu warten, können wir damit rechnen, dass wir bis Ende 2021 Masken tragen werden. Es ist unmöglich, genaue Vorhersagen zu machen, aber das nächste Jahr wird ein Jahr sein, in dem wir Masken tragen.

Bundespräsident zeichnet 15 Bürger aus: Christian Drosten bekommt Bundesverdienstkreuz

  Bundespräsident zeichnet 15 Bürger aus: Christian Drosten bekommt Bundesverdienstkreuz Neben dem Virologen soll unter anderem der ehemalige Fußballer Thomas Hitzlsperger die Auszeichnung erhalten. Die Verleihung findet am 1. Oktober statt. © Foto: imago images/xim.gs Christian Drosten erhält für seine Arbeit das Bundesverdienstkreuz. Unter dem Motto "Vereint und füreinander da" zeichnet Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 1. Oktober 15 Bürgerinnen und Bürger mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland aus.

Das Interview führte Nina Haase.

Prof. Dr. Christian Drosten ist Direktor des Instituts für Virologie an der Charité Berlin. Er war 2003 einer der Mitentdecker des ersten SARS-Coronavirus, Anfang 2020 entwickelte er den weltweit ersten SARS-CoV-2-Diagnostiktest. Seit Beginn der COVID-19-Pandemie wurde er als Experte in Deutschland einem breiten Publikum bekannt.

Autor: Nina Haase


Video: Psychische Erkrankungen in Deutschland immer häufiger (glomex)

Burundi: Alles wie gehabt unter Präsident Évariste Ndayishimiye .
Ndayishimiye trat bisher kaum aus dem Schatten seines Vorgängers Nkurunziza heraus. Anders ist nur der Umgang des Präsidenten mit der Corona-Pandemie. Seine Hunderttagebilanz fällt enttäuschend aus, sagen Beobachter. © Reuters/E. Ngendakumana Evariste Ndayishimiye - in der Außenpolitik und beim Coronavirus setzt er andere Akzente "Der neue Präsident hat bisher kaum Veränderungen für Burundi gebracht. Aber große Veränderungen waren unter Évariste Ndayishimiye auch nicht zu erwarten", sagt Thierry Vircoulon, Burundi-Experte des Pariser Instituts für Internationale Beziehungen IFRI, im DW-Interview.

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