Welt & Politik Frauen protestieren wieder gegen Lukaschenko

21:00  19 september  2020
21:00  19 september  2020 Quelle:   dw.com

Russland sagt, dass der belarussische Führer plant, die Verfassung zu ändern

 Russland sagt, dass der belarussische Führer plant, die Verfassung zu ändern © [Anadolu] Das Treffen fand statt, als Lukaschenko nach einer Präsidentschaftswahl am 9. August, bei der die Opposition behauptet, [Anadolu] Russland gegenübergestellt worden war, Massenprotesten ausgesetzt war. Russland sagte, der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko hat bestätigt, dass er plant, die Verfassung zu ändern, als die beiden Führer am Montag in Sotschi Gespräche führten. Das Treffen fand statt, als Lukaschenko nach einer Präsidentschaftswahl am 9.

Sie lassen sich nicht unterkriegen: Unerschrocken protestieren Frauen in Belarus gegen "Europas letzte Diktatur". Wie vor einer Woche gibt es rabiate Festnahmen, auch eine Symbolfigur ist betroffen.

Leider wiederholen sich die Bilder: Erneut werden Frauen in Minsk festgenommen, weil sie Demokratie fordern © Tut.By/AP Photo/picture-alliance Leider wiederholen sich die Bilder: Erneut werden Frauen in Minsk festgenommen, weil sie Demokratie fordern

Trotz Gewaltandrohung durch die Polizei in Belarus (Weißrussland) haben sich Frauen in Minsk zu einem neuen Protestmarsch gegen Staatschef Alexander Lukaschenko versammelt. "Wir vergessen nicht! Wir vergeben nicht!" und "Lukaschenko w Awtosak" - zu Deutsch: "Lukaschenko, in den Gefangenentransporter", skandierten die Demonstrantinnen am Samstag am zentralen Komarowski-Markt. An mehreren Stellen standen Gefangenentransporter bereit. Autofahrer hupten den Frauen solidarisch zu, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur dpa berichtete.

Belarus schottet sich vom Westen ab: Lukaschenko macht die Grenze zu Litauen und Polen dicht

  Belarus schottet sich vom Westen ab: Lukaschenko macht die Grenze zu Litauen und Polen dicht Der belarussische Staatschef hat angekündigt, die Westgrenze zur EU schließen zu wollen. In Richtung Ukraine soll der Grenzschutz verstärkt werden. © Foto: Andrei Stasevich/BelTA/AP/dpa Alexander Lukaschenko will seine sechste Amtszeit antreten. Mitten im Machtkampf in Belarus (Weißrussland) hat Staatschef Alexander Lukaschenko die Westgrenze zu den EU-Ländern Litauen und Polen geschlossen. Das sagte er am Donnerstagabend der Staatsagentur Belta zufolge in Minsk. Zudem sei der Grenzschutz in Richtung Ukraine verstärkt worden.

Trotz Unterstützung aus der Bevölkerung kam es zu zahlreichen Festnahmen. Die Nachrichtenagentur meldete, mehrere hundert Menschen seien in Gewahrsam genommen worden. Die Frauen schrien laut und riefen "Posor!" ("Schande!"). Auch die 73 Jahre alte Nina Baginskaja, eine Veteranin der Protestbewegung und eine seit ihrem Kampf gegen die Kommunisten zu Sowjetzeiten bekannte Dissidentin, wurde in einen Transporter gezwungen.

Maskiert und mit brutaler Gewalt

Vor einer Woche waren maskierte Uniformierte ohne Erkennungszeichendas erste Mal mit brutaler Gewalt gegen die Frauen vorgegangen. Es gab damals mehr als 100 Festnahmen. Seit der Präsidentenwahl am 9. August kommt es in Belarus täglich zu Protesten. Lukaschenko hatte sich mit 80,1 Prozent der Stimmen nach 26 Jahren im Amt zum Wahlsieger erklären lassen. Der 66-Jährige strebt eine sechste Amtszeit an. Die Opposition hält dagegen Swetlana Tichanowskaja für die wahre Siegerin.

Belarus: Putin unterstützt Lukaschenko mit Milliardenkredit

  Belarus: Putin unterstützt Lukaschenko mit Milliardenkredit Das Nachbarland solle "in diesem schwierigen Moment" die Hilfe aus Moskau bekommen, sagt der Kremlchef bei einem Treffen mit dem belarussischen Machthaber in Sotschi. Putin unterstützt Lukaschenko mit MilliardenkreditKremlchef Wladimir Putin hat dem belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko einen Kredit von 1,5 Milliarden US-Dollar zugesagt. Das Nachbarland solle "in diesem schwierigen Moment" die Hilfe aus Moskau bekommen, sagte Putin am Montag bei einem Treffen mit Lukaschenko in Sotschi.Lukaschenko steht seit der Präsidentenwahl und den wochenlangen Massenprotesten im August unter Druck.

Der "Marsch der weiblichen Solidarität" war zunächst ohne Polizeieinsatz durch mehrere Straßen gezogen. "Lang lebe Belarus!", riefen Frauen, während sie die historischen weiß-rot-weißen Fahnen trugen. Die Demonstrantinnen fordern Neuwahlen ohne Lukaschenko, die Freilassung aller politischen Gefangenen und die strafrechtliche Verfolgung der Polizeigewalt.

Tichanowskaja lobte aus ihrem Exil im benachbarten Litauen den Mut der Frauen. "Sie gehen, obwohl ihnen ständig Angst gemacht und Druck auf sie ausgeübt wird", teilte die 38-Jährige mit. Zugleich warf sie dem "Regime" Lukaschenkos einen neuen Tiefpunkt vor, in dem es nun auch Kinder instrumentalisiere. Die Behörden hatten den sechsjährigen Sohn der Minsker Aktivistin Jelena Lasartschik vorübergehend in ein Heim gesteckt, am Samstag wieder freigegeben.

Polens Regierungschef nennt es "Barbarei"

Der Fall war auch Thema bei dem neuen Frauen-Protest. Schockiert reagierte der polnische Regierungschef Mateusz Morawiecki. Wieder nutze die Führung in Belarus Kinder als "politische Geiseln".

Die Praxis ist bekannt aus kommunistischen Zeiten der Sowjetunion, als versucht wurde, den politischen Willen von Frauen auf diese Weise zu brechen. "Diese Barbarei muss aufhören", schrieb der polnische Politiker bei Twitter.

haz/kle (dpa, afp)

Tichanowskaja fordert EU-Sanktionen gegen Lukaschenko .
Die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja hat die EU aufgefordert, Präsident Alexander Lukaschenko mit Sanktionen zu belegen. Nach 44 Tagen Protesten sei klar, dass Lukaschenko nicht mehr Präsident bleiben könne, sagte Tichanowskaja in Brüssel, wo sie am Morgen auch die EU-Außenminister getroffen hatte. Die Menschen in ihrem Land würden "ihm seine Verbrechen nicht vergeben".Sie selbst wolle nach Belarus zurückkehren, sobald ein politischer Dialog mit der Opposition begonnen habe und die politischen Gefangenen freigelassen worden seien, sagte Tichanowskaja.

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