Welt & Politik Nawalny macht Putin für Giftanschlag verantwortlich

19:45  01 oktober  2020
19:45  01 oktober  2020 Quelle:   dw.com

Sprecherin: Nawalnys Vermögen in Russland eingefroren

  Sprecherin: Nawalnys Vermögen in Russland eingefroren Ein russisches Gericht hat offenbar das Vermögen des russischen Oppositionspolitiker Alexej Nawalny eingefroren, während dieser wegen einer Vergiftung in der Berliner Charité behandelt wurde. Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch sagte am Donnerstag in einer Videobotschaft, betroffen von der Maßnahme seien ein Teil von Nawalnys Wohnung in Moskau und seine Bankkonten. Nach Jarmyschs Angaben erfolgte die richterliche Anordnung am 27. August. Zu diesem Zeitpunkt lag Nawalny in der Berliner Charité im Koma. Der bekannte Kreml-Kritiker war am 22.

Der russische Regierungskritiker Alexej Nawalny erholt sich mehr und mehr von seiner Vergiftung. Der 44-Jährige will wieder zurück nach Russland, obwohl er Präsident Putin als Drahtzieher des Attentats sieht.

Alexej Nawalny auf einer Parkbank in Berlin © Navalny/Instagram/dpa/picture-alliance Alexej Nawalny auf einer Parkbank in Berlin

Der Kremlgegner Alexej Nawalny sagte in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel", nur die unter direktem Befehl von Wladimir Putin stehenden Chefs der Geheimdienste - Inlandsgemeindienst FSB, Militärgeheimdienst GRU und Auslandsgeheimdienst SWR - hätten Zugriff auf das tödliche Nervengift Nowitschok.

Rechtsextremismus und Rassismus: Weitere 16 Verdachtsfälle bei der NRW-Polizei aufgetaucht

  Rechtsextremismus und Rassismus: Weitere 16 Verdachtsfälle bei der NRW-Polizei aufgetaucht Nach der Aufforderung von NRW-Innenminister Herbert Reul, rechtsextreme und rassistische Umtriebe in der Polizei zu melden, sind weitere Hinweise eingegangen. © Foto: dpa/Roland Weihrauch Ein Polizeischild steht vor dem Polizeipräsidium Essen. Die nordrhein-westfälische Polizei geht weiteren 16 Hinweisen auf rechtsradikale oder rassistische Äußerungen in den eigenen Reihen nach. Das hat NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Donnerstag dem Innenausschuss des Landtags berichtet. So seien fünf NRW-Polizisten mit rechtsgerichteten Äußerungen in dem Internetforum „net4cops“ aufgefallen.

Wie der "Spiegel" weiter berichtet, kündigte der 44-Jährige auch an, nach Russland zurückzukehren. Er werde Putin nicht das Geschenk machen, sich aus dem Kampf in Russland zu verabschieden, sagte Nawalny. Er habe die Parlamentswahl im kommenden Jahr fest im Blick. Dann wolle er das Machtmonopol der Kremlpartei Geeintes Russland brechen.

Moskau bestreitet Vergiftung

Russlands Führung bestreitet, dass es eine Vergiftung gegeben habe und spricht von einer Provokation. Der prominenteste Gegner von Kremlchef Putin wurde mit dem Nervengift der Gruppe Nowitschok vergiftet, wie mehrere internationale Laboruntersuchungen ergaben. Der Kampfstoff ist nach dem internationalen Verbot von Chemiewaffen geächtet. Russische Geheimdienstler und Regierungsmitglieder betonten mehrfach, dass alle Vorräte des zu Sowjetzeiten entwickelten Gifts vernichtet worden seien.

Merkel besuchte Nawalny in der Charité

  Merkel besuchte Nawalny in der Charité Der Fall Nawalny zeigt immer mehr Elemente eines Polit-Thrillers. Nach SPIEGEL-Informationen besuchte Bundeskanzlerin Merkel den russischen Oppositionspolitiker heimlich an seinem Krankenbett in der Berliner Charité. © Christophe Gateau / dpa Mit einer ungewöhnlichen Geste hat Bundeskanzlerin Angela Merkel die Solidarität der Bundesregierung mit Alexey Nawalny unterstrichen.

Zu Forderungen Russlands, endlich Beweise oder Biomaterial Nawalnys für eigene Untersuchungen vorzulegen, sagte der Kremlgegner, dass in der Klinik in Omsk ausreichend Blut von ihm sein müsse, um die Vergiftung nachzuweisen. In dem Krankenhaus war er nach einer Zwischenlandung notärztlich versorgt worden.

Nawalny, der nach "Spiegel"-Darstellung rund um die Uhr von Personenschützern begleitet wird, hatte sich in den vergangenen Tagen auch immer wieder in den sozialen Netzwerken zu Wort gemeldet. Er sagte, dass es ihm schon viel besser gehe - und sein Überleben auch für die Wissenschaft interessant sein könne.

Deutsch-russische Spannungen

Der Fall hat die Spannungen in den deutsch-russischen Beziehungen noch einmal deutlich verschärft. Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Nawalny in der Klinik besucht hatte, forderte Russland zur Aufklärung des Verbrechens auf. Moskau aber verlangt Beweise für eine Vergiftung und lehnt bis dahin Ermittlungen in dem Kriminalfall ab.

Nawalny bestätigt Besuch von Kanzlerin Merkel im Krankenhaus

  Nawalny bestätigt Besuch von Kanzlerin Merkel im Krankenhaus Der vergiftete Kremlkritiker Alexej Nawalny hat während seiner Behandlung in der Berliner Universitätsklinik Charité Besuch von der Bundeskanzlerin erhalten. Per Twitter bedankte er sich bei Angela Merkel. © picture-alliance/dpa/AP/Instagram/Navalny Alexej Nawalny kurz vor seiner Entlassung aus der Charité (Archivfoto) Es sei kein geheimes, sondern eher ein privates Treffen gewesen, erklärte der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny. Angela Merkel habe sich auch mit seiner Familie unterhalten.

Nawalny betonte in dem Interview, dass er bisher keine Verbindung zu Deutschland gehabt habe, aber dem Land, den Menschen, den Ärzten und Merkel dankbar sei. Die Experten der Charité hätten es geschafft, seine Persönlichkeit wieder herzustellen.

Zur Frage von Sanktionen wegen des Verbrechens sagte er, jede Russland-Strategie müsse das Stadium des Wahnsinns in den Blick nehmen, das Putin erreicht habe. In der Debatte um einen Baustopp für die Ostseepipeline Nord Stream 2 überlasse er die Entscheidung aber der deutschen Politik.

Nawalny war am 20. August während eines Inlandsflugs in Russland zusammengebrochen und später zur Behandlung nach Deutschland gebracht worden. Wochenlang lag er dort im künstlichen Koma.

Nach dem Befund eines Bundeswehr-Speziallabors wurde er mit einem Kampfstoff der Nowitschok-Gruppe vergiftet. Das sollen auch Labors in Frankreich und Schweden bestätigt haben. Mit Spannung werden aktuell die Untersuchungsergebnisse der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) erwartet. Danach drohen Russland neue Sanktionen.

hf/kle (dpa, afp, rtr)

Alexej Nawalny: Russland weist Vorwurf an Wladimir Putin zurück .
Der russische Oppositionelle Alexej Nawalny hat im SPIEGEL den Vorwurf erhoben, dass Wladimir Putin hinter dem Giftanschlag auf ihn stecke. Der Kreml bezeichnet dies als "unbegründet und inakzeptabel".Kremlkritiker Alexej Nawalny macht den russischen Präsidenten Wladimir Putin für seine Vergiftung verantwortlich. Die Regierung in Moskau weist nun die Anschuldigung, die Nawalny im Interview mit dem SPIEGEL geäußert hatte, scharf zurück.

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