Welt & Politik Covid-19: Chaostag an Trumps Krankenbett

10:40  04 oktober  2020
10:40  04 oktober  2020 Quelle:   sueddeutsche.de

Video-App: "Sonst machen wir den Deal eben nicht": Trumps großes Hickhack um Tiktok

  Video-App: Am Sonntag schien es, als sei der Deal um die Video-App Tiktok so gut wie in trockenen Tüchern. Doch offenbar sind deutlich weniger Details so klar, wie sie teilweise kommuniziert wurden. Und auch US-Präsident Donald Trump will den Deal unter den aktuellen Bedingungen plötzlich wieder ablehnen. Alles schien klar: Oracle und Walmart sollten die Kontrolle über Tiktok in den USA übernehmen, gemeinsam mit den bisherigen Investoren die Mehrheit des Betreibers Bytedance übernehmen, hieß es am Sonntag. Auch US-Präsident Donald Trump und China hatten sich positiv über den Deal geäußert. Doch nun steht alles wieder auf sehr wackeligen Beinen.

US-Präsident Donald Trump hat sich nach seiner Coronadiagnose auf Anraten seiner Ärzte zur stätionären Behandlung in ein Militärkrankenhaus begeben. Schadenfreude über Trumps Covid 19 -Erkrankung.

US-Präsident Trump befindet sich nach seiner Corona-Infektion im Krankenhaus. Doch auch in seinem Umfeld haben sich viele Menschen infiziert. Donald Trump ist an Covid - 19 erkrankt. Im Umgang mit dem Virus ist der US-Präsident in der Vergangenheit besonders durch umstrittene Aussagen

Geht es dem US-Präsidenten nun "gut" oder doch zumindest "viel besser"? Oder ist sein Zustand "besorgniserregend", wie dessen Stabschef Meadows zwischenzeitlich mitteilt? Trump versucht, mit einem Video Klarheit zu schaffen.

Das Weiße Haus ließ am Samstag dieses Foto von Trump veröffentlichen. Es soll unterstreichen, dass es dem US-Präsidenten gut geht - und er seinen Amtsgeschäften nachkommt. © Joyce N. Boghosian/The White House/AP/dpa Das Weiße Haus ließ am Samstag dieses Foto von Trump veröffentlichen. Es soll unterstreichen, dass es dem US-Präsidenten gut geht - und er seinen Amtsgeschäften nachkommt.

Chaostag an Trumps Krankenbett

US-Präsident Donald Trump in einem am Samstagabend veröffentlichten Video für all die guten Wünsche, die ihn erreicht haben. Seine Stimme klingt etwas wackelig, sein Haar ist nicht ganz so glatt gelegt wie sonst, er trägt keine Krawatte - und wirkt alles in allem wie jemand, der sich ganz schnell für dieses Video aus dem Krankenbett hinter einen Schreibtisch gezwängt hat. Die Botschaft ist klar: Trump will beruhigen. Er will zeigen, dass es ihm so weit gut geht. Und dass es seiner Frau Melania gut geht, die sich wie er mit dem Coronavirus infiziert hat.

Merkel besuchte Nawalny in der Charité

  Merkel besuchte Nawalny in der Charité Der Fall Nawalny zeigt immer mehr Elemente eines Polit-Thrillers. Nach SPIEGEL-Informationen besuchte Bundeskanzlerin Merkel den russischen Oppositionspolitiker heimlich an seinem Krankenbett in der Berliner Charité. © Christophe Gateau / dpa Mit einer ungewöhnlichen Geste hat Bundeskanzlerin Angela Merkel die Solidarität der Bundesregierung mit Alexey Nawalny unterstrichen.

Trumps Ansteckung werfe in einer heiklen Phase des Präsidentschaftswahlkampfs viele offene Fragen auf, gab Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets zu bedenken. Lange hat er die Gefahren durch COVID - 19 heruntergespielt, nun hat es Donald J. Trump selbst erwischt. Vorteil Biden?

Nach dem ersten Schock erwacht Amerika in eine neuen Realität: Der Präsident und die First Lady sind an Covid - 19 erkrankt, 32 Tage vor dem Wahltag steht in den Sternen, ob Donald Trump (74) den Wahlkampf fortführen kann – und ob garantiert ist, dass die Supermacht effektiv regiert werden kann.

Diese Botschaft schien ihm und dem Weißen Haus wichtig zu sein an einem Tag, an dem die Kommunikation des ärztlichen Teams und des Weißen Hauses sich als, gelinde gesagt, verbesserungsfähig erwiesen hat.

Das Weiße Haus irritierte jedenfalls am Samstag mit widersprüchlichen Botschaften über den akuten und den vergangenen Gesundheitszustand des Präsidenten, der jetzt seine zweite Nacht im Krankenhaus verbringen muss.

Gegen Mittag hatte sich Trumps Leibarzt Sean Conley mit neun weiteren Medizinern im Gefolge vor dem Walter-Reed-Militärkrankenhaus positioniert, um der Welt Neuigkeiten über Trumps Krankheitsverlauf mitzuteilen. Was er zu sagen hatte, klang durch die Bank so, als hätte der Präsident mit kaum mehr als ein paar Grippe-Symptomen zu kämpfen. "Wir sind sehr glücklich mit dem Fortschritt, den der Präsident macht", sagte er. Es geheTrump "sehr gut".

"Trump-Skandale sind keine große Sache mehr"

  In normalen Zeiten würde ein US-Präsident wohl über solche Enthüllungen stolpern. Doch Donald Trump könnte von seinen Steuertricks sogar profitieren, glauben Experten vor der ersten TV-Debatte. Aus Washington Ines Pohl. © Reuters/J. Ernst Provided by Deutsche Welle Das politische Washington schien am Sonntagabend für einige Minuten die Luft anzuhalten: In einem Exklusivbericht legte die "New York Times" offen, dass US-Präsident Donald Trump in zehn von 15 Jahren überhaupt keine Einkommensteuern auf Bundesebene bezahlt hatte, im Jahr 2016 sowie in seinem ersten Jahr als Präsident gerade mal 750 Dollar.

Covid - 19 : Ansteckungsrisiko und Inkubationszeit. Seit seinem Auftauchen im Dezember 2019 wird Sars-CoV-2 intensiv erforscht. Ein bisher unterschätztes Risiko sei womöglich, dass in Stuhlproben von Patienten in der Initialphase einer Covid - 19 -Erkrankung durchaus relevante Mengen von

An den Schulen hatte es positive COVID - 19 -Fälle im Lehrerkollegium gegeben, berichtet der WDR. Beide Schulen sind wieder geschlossen worden. Trumps Nationaler Sicherheitsberater O'Brien positiv auf Corona getestet. Der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump

Dann aber sprach Conley davon, dass Trumps Corona-Diagnose "72 Stunden zurückliege". Was für einige Aufregung sorgte. Demnach wäre Trump schon am Mittwoch erstmals positiv getestet worden. Und nicht erst am späten Donnerstagabend. Und dann wäre Trump in vollem Bewusstsein, infiziert zu sein, am Donnerstag zu einem Spendendinner in sein Golf-Ressort nach Bedminster in New Jersey gefahren.

Später berichtigte Conley sich in einer Mitteilung. Er habe "Tag drei" gemeint. Den Donnerstag als Tag der Diagnose mitgerechnet.

Trump: "Ich denke, ich bin bald zurück"

Das war aber noch harmlos, verglichen mit Wirbel, den wenig später ein Auftritt von Trumps Stabschef Mark Meadows auslöste. Als dieser das Krankenhaus verließ, sagte er anwesenden Reportern, Trumps Vitalfunktionen seien "besorgniserregend". Er warnte, dass die "kommenden 48 Stunden entscheidend" für den Verlauf der Krankheit sein würden. "Wir sind immer noch nicht auf einem klaren Weg zu einer vollständigen Genesung."

Donald Trump hat in der ersten Debatte einen großen Fehler bei seiner Steuerantwort gemacht.

 Donald Trump hat in der ersten Debatte einen großen Fehler bei seiner Steuerantwort gemacht. Wallace: ... Ich stelle Ihnen eine Frage. Können Sie uns mitteilen, wie viel Sie in den Jahren 2016 und 2017 an Bundeseinkommensteuern gezahlt haben? Trump: Millionen von Dollar. Wallace: Sie haben Millionen von Dollar bezahlt? Trump: Millionen von Dollar, ja. Wallace: Also nicht 750 Dollar? Trump: Millionen von Dollar und Sie werden es sehen - und Sie werden es sehen.

Laut Donald Trumps Leibarzt ist alles bestens. Nach anfänglichen Symptomen sei der US-Präsident wohlauf. Doch ist das die ganze Wahrheit? Trump hatte in der Nacht auf Freitag einen positiven Covid - 19 -Test bekanntgegeben. Am Freitagabend (Ortszeit) wurde der 74-Jährige dann per

Für Behandelnde: AMBOSS-Ressourcen zu COVID - 19 – freier Vollzugriff. Neben diesem Kapitel bietet die AMBOSS-Redaktion weitere Kapitel in der Bibliothek an, die bei schweren COVID - 19 -Verläufen relevant sind. Der Zugriff auf die folgenden Kapitel ist bis auf Weiteres auch ohne zahlungspflichtiges

Meadows hatte bei seiner Ankunft den Reportern ein Update versprochen, bat aber darum, nicht namentlich erwähnt zu werden. Darum wurden seine Aussagen in US-Medien zunächst nur einer Person zugeschrieben, die mit der Gesundheit des Präsidenten vertraut sei. Meadows Bitte wurde allerdings auf Video aufgenommen, das Video wurde im Internet veröffentlicht. Die Quelle für die vergleichsweise nüchterne Zusammenfassung von Trumps Zustand war damit klar.

Trump soll außer sich gewesen sein, schreiben US-Medien. Kurz nachdem Meadows Aussagen überall nachzulesen waren, twitterte Trump: "Mir geht es gut!" Am Abend dann veröffentlichte der US-Präsident sein vierminütiges Beruhigungs-Video. Er räumte darin ein, dass er sich "nicht so gut" gefühlt habe. Aber dass es ihm jetzt "viel besser" gehe. "Ich denke, ich bin bald zurück und freue mich darauf, den Wahlkampf so zu Ende zu führen, wie wir ihn begonnen haben", sagte er. Allerdings erklärte er auch, dass "der wahre Test" noch vor ihm liege. Was in etwa dem entspricht, was auch sein Stabschef gesagt hat. Mit anderen Worten: Trump ist noch nicht über den kritischen Punkt.

Samuel Koch: Kopfüber! Hier wird uns schon beim Zusehen schwindelig

  Samuel Koch: Kopfüber! Hier wird uns schon beim Zusehen schwindelig Samuel Koch (33) hat Adrenalin im Blut. Der Schauspieler war als Jugendlicher sogar als Geräteturner in der Regionalliga erfolgreich. Auch nach seinem folgenschweren Unfall bei "Wetten, dass..?!" vor zehn Jahren kann er nicht leugnen, dass er immer noch ein echter Draufgänger ist. Obwohl er seit dem Unglück querschnittsgelähmt ist, hat Samuel nie aufgegeben. Heute ist er als Schauspieler erfolgreich, veröffentlichte Bücher ("StehaufMensch!") undSamuel Koch (33) hat Adrenalin im Blut. Der Schauspieler war als Jugendlicher sogar als Geräteturner in der Regionalliga erfolgreich. Auch nach seinem folgenschweren Unfall bei "Wetten, dass..

Nach dem positiven Corona-Test von Donald Trump ist noch ungewiss, wie sich der Zustand des Präsidenten entwickeln wird. Laut einer Untersuchung mit 4100 Covid - 19 -Patienten in New York war das Risiko für einen schweren Verlauf ab einem Alter von 75 Jahren mehr als 66-fach erhöht.

Covid - 19 : Krankheitsanzeichen. Krankheitsbild. Die Symptome der neuen Lungenkrankheit sind eher unspezifisch. In der weit überwiegenden Zahl der Fälle –zeigen mehr als 80 Prozent der Menschen, die sich mit dem Covid - 19 -Erreger angesteckt haben, nur milde Symptome, bestätigt auch Chinas

Bei der Frage der Sauerstoffversorgung bleibt eine Lücke

Seine Ärzte haben zumindest angedeutet, dass es noch eine Woche bis zehn Tage dauern kann, bis Klarheit über den Krankheitsverlauf von Trump herrscht. Eine lange Zeit der Unsicherheit im Endspurt eines Wahlkampfes, der in ziemlich genau vier Wochen am 3. November beendet sein wird.

Dass es Trump zumindest am Freitag deutlich schlechter ging, als das Weiße Haus glauben machen wollte, darauf deutet ein Bericht der New York Times hin. Danach habe der Präsident am Freitag Schwierigkeiten gehabt zu atmen. Der Sauerstoffgehalt in seinem Blut sei derart gesunken, dass er zusätzlich Sauerstoff bekommen habe, als er noch im Weißen Haus war. Er sei dann ins Walter-Reed-Krankenhaus gebracht worden, damit er besser überwacht werden könne und Ärzte gegebenenfalls schneller eingreifen könnten.

Das Weiße Haus hatte am Freitag lediglich davon gesprochen, dass Trump "milde Symptome" habe. Der Aufenthalt im Krankenhaus sei nur eine Vorsichtsmaßnahme.

Auf die Frage nach der Sauerstoffversorgung Trumps wich sein Arzt am Samstag aus. Trump habe keine Sauerstoff-Unterstützung am Donnerstag gebraucht, keine am Samstag. Und in seiner Zeit im Krankenhaus am Freitag auch nicht. Trumps Stunden vor dem Abflug zum Krankenhaus ließ Conley damit allerdings außen vor.

US-Präsident Trump und Coronavirus: Vom Krankenbett auf den Balkon des Weißen Hauses

  US-Präsident Trump und Coronavirus: Vom Krankenbett auf den Balkon des Weißen Hauses Die Entlassung des US-Präsidenten aus dem Walter-Reed-Krankenhaus war eine einzige Show. Ob sich Trump zurück im Weißen Haus verantwortungsvoll verhalten wird, scheint fraglich. © AFP Triumphgeste auf dem Balkon des Weißen Hauses: US-Präsident Donald Trump. Vom Krankenbett auf den Balkon des Weißen HausesNatürlich konnte Donald Trump nicht einfach so ins Weiße Haus zurückkehren. Nicht er, nicht jetzt, wo es für ihn um alles geht.

Meadows: "Dem Präsidenten geht es sehr gut"

Trumps Stabschef Meadows scheint den Zorn des Präsidenten zu spüren bekommen haben. Er versuchte am Samstagabend alles, seinem düsteren Einblick in die Krankenakte Trump eine hellere Färbung zu geben. "Dem Präsidenten geht es sehr gut", sagte er gegenüber der Agentur Reuters. Er sei wohlauf und bitte um die Vorlage von Akten.

Meadows ließ sich zudem am Samstagabend noch in das laufende Programm von Trumps Lieblingssender Fox News zuschalten. Er erklärte dort, wie "unglaublich mutig" Trump sei. Und welche "unglaubliche Besserung" dessen Krankheitsverlauf genommen habe.

Kurz danach veröffentlichte das Weiße Haus ein neues ärztliches Bulletin seines Leibarztes Conley. Trump gehe es nach wie vor gut, stand darin. Er habe seine zweite Dosis Remdesivir bekommen, kein Fieber und atme ohne Sauerstoffunterstützung. Und wohl um neue Zweifel auszuräumen, gab Conley auch die Werte für die Sauerstoffsättigung in Trumps Blut an. Die hätten den Tag über bei 96 bis 98 Prozent gelegen. Trump sei zwar nicht über den Berg. Aber das "Team bleibt vorsichtig optimistisch". Wie glaubwürdig dieses Bulletin ist, wird sich wohl auch erst in den kommenden Tagen zeigen.

Trump-Wähler in Ohio: Sie hoffen auf ihn, trotz allem .
Vor vier Jahren versprach Donald Trump den Stahlarbeitern am Ohio River neue Jobs. Seither ist wenig geschehen. Warum wollen ihn viele Arbeiter dennoch wieder wählen? © Megan Jelinger/​Reuters Autokorso von Trump-Unterstützern in Ohio Während des US-Wahlkampfs 2016 war unsere US-Korrespondentin Rieke Havertz schon einmal in Belmont County, um die Arbeiter des dortigen Stahlwerks zu interviewen. Nun, vier Jahre später, ist sie zurückgekehrt. In den kommenden Wochen wird Havertz durch die USA reisen, um von verschiedenen Orten über den Wahlkampf zu berichten. Alle Texte zu den US-Wahlen finden Sie hier. Nero.

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