Welt & Politik US-Präsidentschaftswahl: Was ist diesmal anders?

17:20  09 oktober  2020
17:20  09 oktober  2020 Quelle:   zeit.de

„Racing Point klar schneller“ - McLaren kündigt weitere Upgrades an

  „Racing Point klar schneller“ - McLaren kündigt weitere Upgrades an McLaren blieb beim GP Russland erstmals diese Saison ohne Punkte. Der Vorsprung im Mittelfeldkampf schrumpfte extrem zusammen. Teamchef Andreas Seidl hofft, den Negativ-Trend mit Technik-Upgrades noch einmal umzukehren.Während Mercedes an der Spitze des Feldes für klare Verhältnisse sorgt, ist der Kampf der Verfolger aktuell so spannend wie nie. Nach zehn Rennen haben sich mittlerweile drei klare Favoriten auf den dritten Platz im Konstrukteurspokal herauskristallisiert. McLaren, Racing Point und Renault kämpfen intensiv um die Verfolger-Krone.

Donald Trump verliert an Zustimmung auch bei wichtigen Wählergruppen, die er 2016 noch für sich gewinnen konnte. Wie stehen seine Chancen, die Wahl erneut zu gewinnen?

  US-Präsidentschaftswahl: Was ist diesmal anders? © Mike Segar/​Reuters

In den frühen Morgenstunden des 9. November 2016 war klar: Donald Trump ist US-Präsident. Während die einen sich noch die Augen rieben, begannen andere schon die Suche nach den Ursachen. Hatte nicht Hillary Clinton in den Umfragen eindeutig vorn gelegen?

Experten erwarten leichten Rückgang bei US-Arbeitslosigkeit

  Experten erwarten leichten Rückgang bei US-Arbeitslosigkeit Kurz vor der Wahl in den USA beziehen dort weiter mehr als 25 Millionen Menschen eine Form der Arbeitslosenhilfe. Analysten erwarten, dass sich die Lage im September etwas gebessert hat. Überwunden ist die Corona-Krise aber noch nicht.Zum letzten Mal vor der Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten veröffentlicht die US-Regierung am Freitag (14.30 Uhr MESZ) die jüngste Arbeitslosenquote.

Hatte sie. In einer Studie, die die Angaben von über 84.000 Teilnehmenden auswertete, führte Clinton in den Tagen unmittelbar vor der Wahl noch mit einem Vorsprung von 4 Prozentpunkten. Der Umfragedurchschnitt ergab einen ähnlichen Wert. Unter denjenigen Befragten, die bereits im Rahmen des early voting ihre Stimme abgegeben hatten, lag die Demokratin sogar mit 13 Prozentpunkten vorn. Und doch zog am Ende Donald Trump ins Weiße Haus ein. Die Umfragen hatten offenbar einen maßgeblichen Anteil von Wählerinnen und Wählern nicht erfasst oder erfassen können. Viele entschieden sich erst spät für Trump, vor allem in den Schlüsselstaaten im Mittleren Westen.

Was ist in diesem Jahr anders? Was bewegt die Trump-Wähler von 2016 – und wie stehen seine Chancen, den Überraschungserfolg von damals zu wiederholen? ZEIT ONLINE hat eine exemplarische Auswahl aktueller Umfragen mit Exit Polls – Ergebnissen der Nachwahlbefragung – von 2016 verglichen. Wir haben uns dabei auf Wählerschichten konzentriert, die für Trumps Sieg von Bedeutung waren: Weiße ohne Hochschulabschluss, Wählerinnen und Wähler über 65, Wählerinnen und Wähler in Vororten sowie den sogenannten Battleground States und die sogenannten Independent Voters, also Wählerinnen und Wähler, die sich grundsätzlich keiner bestimmten Partei zugehörig fühlen.

Verfassungsvotum für "Neue Republik" spaltet Algerien

 Verfassungsvotum für Algerien bereitet sich auf ein Verfassungsreferendum vor, von dem das Establishment sagt, dass es eine "Neue Republik" einleiten und die Freiheiten stärken wird, aber die Opposition wird von einem repressiven Regime als Schaufensterdekoration abgetan. © - Die Algerier gingen zu Hunderttausenden auf die Straße, um den Rücktritt von Abdelaziz Bouteflika im vergangenen Jahr zu fordern.

Die Umfragen lassen darauf schließen, dass Donald Trump in allen diesen Gruppen an Rückhalt verloren hat. Sucht man nach möglichen Gründen, landet man schnell bei der Corona-Pandemie. Laut einer monatlichen Umfrage fanden im September nur 9 Prozent der US-Amerikanerinnen und -Amerikaner, dass die Wirtschaft das derzeit drängendste Problem der USA sei; ein historisches Tief. Dabei war die Konjunktur immer eins der wichtigsten Themen Trumps und ein wesentlicher Aspekt seiner "Make America Great Again"-Kampagne 2016. Die Bedrohung durch eine Pandemie aber sahen zuletzt mit 25 Prozent wesentlich mehr Menschen als größtes Problem der USA an. Auch nachdem er selbst erkrankt war, hat Trump das Virus immer wieder heruntergespielt. Inzwischen sind mehr als 210.000 Menschen in den Vereinigten Staaten nach einer Corona-Infektion gestorben. Und immer weniger finden, dass Trump als Präsident einen guten Job macht. Sogar das den Republikanern nahestehende Umfrageinstitut Rasmussen, das Trump kürzlich noch als "am akkuratesten" lobte, sieht die Zustimmungsrate für den Präsidenten nur mehr bei 45 Prozent.

Trump erklärt Verhandlungen über neues Corona-Hilfspaket für gescheitert

  Trump erklärt Verhandlungen über neues Corona-Hilfspaket für gescheitert US-Präsident Donald Trump hat die Verhandlungen mit den oppositionellen Demokraten für ein neues Corona-Hilfspaket für gescheitert erklärt. Trump schrieb am Dienstag im Kurzbotschaftendienst Twitter, er habe seine Unterhändler angewiesen, die Gespräche bis zur Präsidentschaftswahl am 3. November einzustellen. An der New Yorker Börse rutschten die Aktienkurse umgehend in die Tiefe. Die Demokraten, Trumps Republikaner und die Regierung hatten seit Monaten über ein neues Hilfspaket gerungen, um Bürger und Wirtschaft angesichts der verheerenden Auswirkungen der Corona-Pandemie zu unterstützen.

Trumps Umgang mit Corona ist ein möglicher Faktor von vielen, die erklären könnten, warum er in den Umfragen so absackt. Gewissheit, ob das auch für einen Wahlsieg Joe Bidens reicht, kann es erst nach dem 3. November geben. Umfragen spiegeln die gegenwärtige Stimmung unter den Befragten wider – und die kann sich bis zum Wahltag noch ändern, wie die Erfahrung aus 2016 lehrt.

1. Weiße ohne Hochschulabschluss

Eine der Gruppen, bei denen Donald Trump 2016 am stärksten punkten konnte, waren weiße Wählerinnen und Wähler ohne Hochschulabschluss. 66 Prozent von ihnen haben Trump gewählt. Nun scheint er bei dieser Gruppe an Rückhalt zu verlieren. In vier kürzlich durchgeführten Umfragen schwankt die Zahl der voraussichtlichen Trump-Wählerinnen unter den Weißen ohne Hochschulabschluss zwischen 52 und 60 Prozent – das ist zwar immer noch eine Mehrheit, aber deutlich weniger als die Zweidrittelmehrheit von 2016.

Woran könnte das liegen? "Menschen mit einem geringeren Bildungsgrad sind von den Auswirkungen der Corona-Pandemie stärker betroffen, weil sie häufig in systemrelevanten Berufen arbeiten, aber es auch am schwersten haben, nach dem Einbruch der Wirtschaft wieder auf die Füße zu kommen", sagt Ashley Koning, Umfragespezialistin an der Rutgers University. "Biden setzt deshalb auf Themen wie Jobs und sichere Arbeit, während Trump sich in letzter Zeit zu sehr auf das Thema innere Sicherheit fokussiert hat." Das aber habe für viele derzeit kaum Priorität.

Telegram: Apple verlangt Sperrung belarussischer Chat-Gruppen

  Telegram: Apple verlangt Sperrung belarussischer Chat-Gruppen In Belarus veröffentlichen Regierungsgegner persönliche Daten von Strafverfolgungsbeamten auf Telegram. Jetzt fordert Apple die Schließung dieser Chatgruppen. © Hairem / Shutterstock.com Massenproteste in Minsk nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl im August. Apple fordert den Messaging-Dienst Telegram zur Sperrung von drei Chatgruppen aus Belarus auf. Das berichtet Telegram-Gründer Pawel Durow. Die Gruppen werden von Regierungsgegnern dazu genutzt, um Adressen und andere persönliche Informationen von Polizeimitarbeitern des autoritär regierten Staates zu veröffentlichen.

Hinzu kommt, dass die Zahl dieser Wählerinnen und Wähler insgesamt kleiner wird. Lag der Anteil der Weißen ohne Hochschulabschluss an der gesamten Wählerschaft im Jahr 2016 noch bei 45 Prozent, sind es inzwischen nur noch 41 Prozent. Dagegen sind andere Wählergruppen, die eher den Demokraten zugeneigt sind, größer geworden, etwa Weiße mit Hochschulabschluss oder die Hispanics. 

Vor der vorigen Wahl, schreibt der Wahlanalyst Nate Silver, hätten die Wahlforscher zu wenig mit weißen Wählern ohne Hochschulabschluss gesprochen. In West Virginia etwa, wo der größte Anteil dieser Wählerinnen und Wähler lebt (65,7 Prozent der Wähler 2016 waren dort weiß und hatten lediglich einen Highschool-Abschluss), holte Trump 14,3 Prozent mehr Stimmen als in den Umfragen vorhergesagt. Das Pew Research Center stellte schon 2015 fest, dass mit dem Bildungsgrad auch die Bereitschaft steigt, an Wahlumfragen teilzunehmen. Das sei heute vermutlich nicht anders, sagt Ashley Koning, aber die Umfrageinstitute hätten nach dem Schock von 2016 dazugelernt: "Bildung wird als Faktor heute viel stärker in den Umfragen berücksichtigt als früher, sowohl bei den Fragen als auch bei der Auswahl der Teilnehmenden."

Trump und Biden kämpfen hart um diese Wählergruppe, in den vergangenen Wochen tourten beide durch Midwest-Staaten wie Wisconsin, um um die weiße Arbeiterschicht zu werben. Es geht dabei nicht nur um die Trump-Wählerinnen und -Wähler von 2016, sondern auch um die Mobilisierung von Nichtwählern: Nach Schätzungen des Analysten Dave Wasserman war die Hälfte aller Nichtwählerinnen und Nichtwähler 2016 weiß und hatte keinen Hochschulabschluss. 

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2. Wählerinnen und Wähler über 65

Die Senior Voters sind für die Republikaner eigentlich eine sichere Bank. Seit Al Gore im Jahr 2000 hat kein demokratischer Präsidentschaftskandidat die Wählerinnen und Wähler über 65 von sich überzeugt. In diesem Jahr könnte sich das ändern. In einer Anfang Oktober durchgeführten Umfrage führt Joe Biden bei den über 65-Jährigen mit über 20 Punkten Vorsprung, Donald Trump liegt bei 38 Prozent.


Video: US-Wahl: Darum ist der Kampf um den Senat genauso wichtig wie der Präsident (ProSieben)

Vor vier Jahren konnte der Präsident bei den Älteren stärker punkten: 52 Prozent der Wählerinnen und Wähler über 65 gaben ihm damals laut den CNN Exit Polls ihre Stimme, Hillary Clinton bekam dagegen nur 45 Prozent. In einer Studie, die knapp 65.000 Wählerinnen und Wähler befragt hatte, führte Trump in der Altersgruppe sogar mit einem Vorsprung von rund 13 Prozentpunkten: 55 Prozent gaben an, für ihn gestimmt zu haben, für Hillary Clinton waren hier nur 42 Prozent.

Menschen über 65 haben unter allen Altersgruppen die höchste Wahldisziplin, 2016 gingen 71 Prozent von ihnen zur Wahl. Dazu kommt die demografische Bedeutung: Der Anteil der über 65-Jährigen an der US-Bevölkerung steigt seit 1950 immer weiter an. Und schließlich spielen ältere Wählerinnen und Wähler gerade in den wichtigen Swing States eine entscheidende Rolle, zum Beispiel in Florida. Dort ist gut ein Fünftel der Bevölkerung über 65 Jahre alt. Eine Untersuchung der University of Florida Anfang Oktober mit über 3.000 Teilnehmenden ergab, dass nur 50 Prozent über 65 für Donald Trump stimmen wollen. 54 Prozent gaben an, auch 2016 für ihn gestimmt zu haben, laut CNN Exit Polls waren es 57 Prozent.

Anhörung von Amy Coney Barrett hat begonnen

  Anhörung von Amy Coney Barrett hat begonnen Die siebenfache Mutter ist das Gegenbild zur verstorbenen US-Richterin Ruth Bader Ginsburg, die sie am Supreme Court ersetzen soll. Eine Mehrheit der Amerikaner ist indes gegen die Besetzung des Amts vor den US-Wahlen. © Caroline Brehman/Pool CQ Roll Call/AP/picture-alliance Die konservative Juristin Amy Coney Barrett trifft zur Anhörung auf dem Kapitol ein Rund drei Wochen vor der US-Präsidentschaftswahl hat der Senat mit den Anhörungen der designierten Verfassungsrichterin Amy Coney Barrett begonnen. Die konservative Juristin erschien vor dem Justizausschuss der Kongresskammer.

Auch hier könnte die Corona-Pandemie eine Rolle spielen. Sowohl die Gesundheitsversorgung als auch der Kampf gegen Corona hat für die über 65-jährigen Wählerinnen und Wähler von allen Gruppen derzeit die höchste Priorität. Kein Wunder: Acht von zehn Corona-Toten in den USA sind über 65 Jahre alt. Donald Trump hat für die Opfer des Virus bislang kaum Empathie gezeigt und Corona immer wieder verharmlost; so sagte er noch im September, es betreffe "so gut wie niemanden", seine eigene Infektion bezeichnete er als einen "Segen Gottes". Aber der Druck auf den Präsidenten erhöht sich. So finden etwa 66 Prozent der über 65-Jährigen, dass er bei seiner eigenen Erkrankung sein Umfeld einem unnötigen Risiko ausgesetzt habe. Vor wenigen Tagen veröffentlichte Trump dann ein Video, in dem er sich speziell an Senioren als "meine liebsten Menschen auf der Welt" wandte und sagte, man mache "großartige Fortschritte" in der Corona-Forschung. 

Andererseits hat Joe Biden bei dieser Altersgruppe schon im vergangenen Jahr vorn gelegen. Womöglich hat Trump sich in seiner ersten Amtszeit für den Geschmack konservativer Wählerinnen und Wähler, die noch mit Präsidenten wie Ronald Reagan oder George Bush sozialisiert wurden, zu viel herausgenommen. Sie finden jedenfalls mit 96 Prozent weitaus häufiger als andere Altersgruppen, dass der Satz "Niemand steht über dem Gesetz" zutreffend sei. Der Charakter der Kandidaten ist auch in den Umfragen immer wieder Thema: 38 Prozent der über 65-Jährigen empfanden Trump 2016 noch als "gemäßigt", heute sind es nur noch 13 Prozent, während Biden bei 25 Prozent liegt. 

3. Wählerinnen und Wähler in Vororten

Sie sind in diesem Jahr wohl die am meisten umkämpfte Wählergruppe von allen: die Bewohnerinnen und Bewohner der Vororte. Umkämpft deshalb, weil sie die Hälfte der gesamten Wählerschaft ausmachen, die in diesem Jahr registriert ist. Und weil sie Donald Trump 2016 mit ins Amt halfen: Er gewann in den Vorstädten mit gut vier Prozentpunkten vor Hillary Clinton und 49 Prozent der Stimmen. Momentan sieht es allerdings nicht danach aus, als würde ihm das erneut gelingen. Vier exemplarisch ausgewählte Umfragen aus den vergangenen Wochen sehen Trump in den Vororten nur noch bei 35 bis 43 Prozent.

LeBron vs. Jordan: Magic mit eigenwilliger Sicht

  LeBron vs. Jordan: Magic mit eigenwilliger Sicht Magic Johnson tut sich in der ewigen Debatte, ob LeBron James nun auf einer Stufe mit Michael Jordan steht, mit einer etwas verwunderlichen Sicht hervor. © Bereitgestellt von sport1.de LeBron vs.

Trump weiß um die Bedeutung der Wählerinnen und Wähler in den Vororten. Seit in diesem Sommer die Proteste gegen rassistische Polizeigewalt das Land erschütterten und es am Rande auch zu Plünderungen kam, sendet er immer wieder Botschaften an die "Housewives of Suburbia". Würde Biden gewählt, schrieb er etwa auf Twitter, komme die Gewalt in die Vorstädte: "Dann könnt ihr euch von eurem American Dream verabschieden!"

Aber teilen dort alle denselben American Dream? Die Demografie in den Vorortsiedlungen verändert sich rasant. Längst sind es nicht mehr nur weiße Hausfrauen und ältere Menschen, die dort leben. Gerade junge Leute ziehen verstärkt aus den Innenstädten heraus, und in den Randbezirken der Großstädte stieg der Anteil der schwarzen Bevölkerung seit 1990 von 37 Prozent auf 51 Prozent. Wählerinnen und Wähler, die sich eher zu den Demokraten hingezogen fühlen oder erst gar nicht zur Wahl gehen. Gleichzeitig werden Vorortbewohner immer gebildeter, seit 2000 stieg der Anteil der Hochschulabsolventen von einem Viertel auf rund ein Drittel.

Trump scheint besonders um weiße Konservative in den Vororten zu werben; er verkündete die Rücknahme eines Konjunkturprogramms der Obama-Regierung, das sozialen Wohnungsbau förderte und für mehr Diversity in den Vororten sorgen sollte. Indem er aber Ressentiments zu schüren versuche und etwa auch die Black-Lives-Matter-Proteste pauschal als Plünderer darstellte, die die Vororte bedrohten, bediene er ein Feindbild, für das in den immer diverser werdenden Siedlungen am Stadtrand gar nicht mehr so viele Menschen empfänglich seien, sagt Ashley Koning. "Wer in den Vororten punkten will, muss das Gefühl von Sicherheit schaffen. Aber einfach nur Law and Order zieht nicht mehr. Trumps Botschaft ist schlicht veraltet." Gerade für Familien spiele auch hier die Pandemie eine wichtigere Rolle.

Wie sehr sich die Republikaner auch sonst von den Vorstädten entfremden, hat sich schon bei den Midterm-Wahlen 2018 gezeigt, bei denen Donald Trump selbst gar nicht zur Wahl stand. Die Republikaner verloren damals das Repräsentantenhaus an die Demokraten, der Sieg ist als Blue Wave in die Geschichte eingegangen. Das Nachrichtenportal Politico schrieb damals von einem "Blutbad" der Vororte. Und noch eine Entwicklung sollte Trumps Partei beunruhigen: Immer dann, wenn die Republikaner in der Vergangenheit die Vorortwähler verloren, gewannen im selben Jahr die Demokraten auch die Präsidentschaft

4. Battleground States

In den meisten Südstaaten – mit Ausnahme von Texas – geht es stramm republikanisch zu, Kalifornien dagegen ist tiefblau, also demokratisch. Spannend ist, was dazwischen liegt. Und das ist in diesem Jahr so einiges. Battleground States werden die Bundesstaaten genannt, die besonders hart umkämpft sind, weil sie die Wahl voraussichtlich knapp entscheiden werden. Dort zählt jede Stimme. Insbesondere in Staaten, die eine relativ hohe Zahl an Wahlleuten in das Electoral College entsenden, das den US-Präsidenten wählt.

Etwa Pennsylvania, das 20 Wahlleute stellt. Pittsburgh und Philadelphia sind die beiden großen Städte, in denen die Demokraten sicher im Sattel sitzen. Dann gibt es eine ganze Reihe eher konservativ geprägter Vororte und schließlich ländliche Gegenden, die tief republikanisch sind. Im Grunde also America in a nutshell. Dort gewann Donald Trump 2016 hauchdünn mit 44.000 Stimmen Vorsprung, nun liegt Joe Biden mit 7 Prozentpunkten Vorsprung vorn. 

Florida, einer der notorischsten Swing States, hat eine komplexe Demografie – weiße, zumeist konservative Rentner, die dort ihren Lebensabend verbringen, und Hispanics, die 2016 zu einem knappen Drittel Donald Trump wählten. Es ist deshalb einer der wichtigsten Staaten für Donald Trump – und doch schafft er es nicht, Joe Biden in den Umfragen einzuholen. Zwischendurch lag der Abstand zwischen beiden sogar bei sechs Prozentpunkten, dann holte Trump wieder auf, bleibt aber deutlich hinter Biden. Wer die 26 Wahlleute aus Florida holt, ist der Präsidentschaft einen großen Schritt näher.

Sowohl Pennsylvania als auch Florida sind Bundesstaaten, die bei der Wahl 2012 noch an den Demokraten Barack Obama gegangen waren, 2016 aber von Donald Trump gewonnen wurden. Schaut man sich die vier anderen Staaten an, in denen dies ebenfalls der Fall war – Ohio, Michigan, Wisconsin und Iowa –, zeigt sich, dass Trump dort gegenüber seinem Wahlergebnis von 2016 teils um fünf Prozentpunkte zurückgefallen ist. Einzig in Iowa, wo Biden derzeit gegenüber seinem Gegner einen hauchdünnen Vorsprung von 1,1 Prozentpunkten hat, ist das Rennen so knapp, dass Biden und Trump sich immer wieder in der Führung abwechseln. Umso spannender bleibt es hier: Im Mittleren Westen, wo der Anteil der weißen Wählerinnen und Wähler überdurchschnittlich hoch ist, hatte Trump 2016 die größten Überraschungserfolge eingefahren. "Umgekehrt zeigt sich Bidens Umfragevorsprung nun besonders deutlich in dieser Region", sagt der Umfragenexperte Kyle Kondik von der University of Virginia. "Sollte sich das am Wahltag tatsächlich in Stimmen übersetzen, wird er dort viel besser abschneiden als Hillary Clinton." Je nachdem, welchen dieser Staaten Biden dann "flippen" kann, reichen womöglich schon wenige für die nötige Mehrheit an Wahlleuten.

Die Battleground States – dazu zählt etwa auch das mit 38 Wahlleuten besonders wichtige Texas – sind für beide Kandidaten enorm wichtig, für Trump noch ein wenig mehr. Denn dort zeigen sich die Verluste, die er bei einzelnen Wählergruppen erleidet, umso deutlicher. Etwa in Florida, wo viele Ältere leben und das noch dazu von der Coronavirus-Pandemie zeitweise besonders hart getroffen wurde.

5. Unabhängige Wählerinnen und Wähler

In den USA herrscht ein Zweiparteiensystem, aber die Wählerinnen und Wähler sind keineswegs immer einem bestimmten Lager zugeordnet. Im Gegenteil: 40 Prozent der Wahlberechtigten fühlen sich keiner Partei zugehörig, sondern verstehen sich als Independents, als unabhängig, die mal so, mal so abstimmen. Als Republikaner bezeichnen sich nur 29 Prozent, als Demokraten 30 Prozent. Ein riesiges Reservoir an Wählerstimmen also, das Donald Trump 2016 knapp für sich gewinnen konnte: Damals bekam er von dieser Wählergruppe 46 Prozent der Stimmen. In diesem Jahr könnte das anders laufen. Im Vergleich zu 2016 hat Trump in unserer Umfragenauswahl bei dieser Wählergruppe bis zu 13 Prozentpunkten verloren. In einer allerdings blieben die Zahlen gleich, was die Unberechenbarkeit dieser Gruppe unterstreicht. 

Trumps Verluste haben möglicherweise damit zu tun, dass die Independents an seinem jüngsten Verhalten nur geringfügig weniger zu kritisieren haben als die Demokraten. 61 Prozent halten ihn laut einer Studie für nicht authentisch (bei den Demokraten sind es 88, bei den Republikanern nur 8 Prozent); 73 Prozent finden es unangemessen, dass er das Coronavirus wiederholt als "China-Virus" bezeichnete (ihnen pflichteten 94 Prozent der Demokraten bei, aber nur 39 Prozent der Republikaner), und 63 Prozent finden die Eindämmung der Pandemie wichtiger als die Öffnung der Wirtschaft (das sehen 89 Prozent der Demokraten so, aber nur 21 Prozent der Republikaner).

Hier liegt aber auch eine der größten Unwägbarkeiten dieser Wahl. Eine Studie des Instituts Cloud Research fand heraus, dass Independent-Wählerinnen und -Wähler – ebenso wie Republikaner – zweimal so häufig nicht wahrheitsgemäß antworten, wenn sie von Umfrageinstituten angerufen werden. Das könnte einerseits darauf hinweisen, dass es einen ähnlichen Effekt wie 2016 geben könnte: Die Umfragen suggerieren einen Misserfolg Donald Trumps, verfehlen aber diejenigen Wählerinnen und Wähler, die sich spontan entscheiden oder ihre Entscheidung nicht zugeben wollen. Es gibt andererseits Hinweise, dass in diesem Jahr schon mehr Würfel gefallen sind: Nur 3 Prozent der insgesamt befragten Wählerinnen und Wähler gaben etwa in der jüngsten CNN-Umfrage an, sie seien noch unentschlossen. 2016 waren es in den letzten Umfragen vor der Wahl noch 10 Prozent gewesen. "Demografisch gesehen sind Unentschlossene nicht zwangsläufig dem Trump-Lager zuzuordnen", sagt Kyle Kondik. "Ich rechne eher damit, dass sie diesmal im Zweifel gar nicht erst zur Wahl gehen."

Es lohnt sich, bei den Independent Voters nicht nur auf Donald Trump zu blicken, sondern auch auf seinen Gegner, den Demokraten Joe Biden. Eine Erhebung ergab, dass von den befragten Independent Voters 31 Prozent Joe Biden "überhaupt nicht leiden" können. Über Hillary Clinton hatten das vier Jahre zuvor 51 Prozent gesagt. Das zeigt: Ein zentraler Faktor der Wahl 2016 war nicht die Beliebtheit Trumps, sondern die Unbeliebtheit Hillary Clintons. Ein Problem, das Joe Biden nicht zu haben scheint. 

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