Welt & Politik Türkei und Frankreich: NATO-Partner im Dauerclinch

04:40  29 oktober  2020
04:40  29 oktober  2020 Quelle:   dw.com

Krieg im Weltraum: Nato will in Ramstein Space Center aufbauen

  Krieg im Weltraum: Nato will in Ramstein Space Center aufbauen Ein weiterer Nato-Standortwettbewerb mit deutscher Beteiligung läuft noch.So könnten in Ramstein künftig Informationen über mögliche Bedrohungen gegen Satelliten zusammenfließen. Denkbar ist auch, dass das Space Centre später zu einem Kommandozentrum für Abwehrmaßnahmen ausgebaut wird.

Die Türkei fordert von Frankreich jetzt eine offizielle Entschuldigung. " Frankreich hat hier weder der EU noch der Nato die Wahrheit gesagt", sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Donnerstag nach Gesprächen mit Bundesaußenminister Heiko Maas in Berlin.

Frankreich versteht sich seit jeher als Ordnungsmacht im Mittelmeer. Das Kräftemessen mit der Türkei hat Auswirkungen, die bis Berlin reichen: Deutschland nimmt seine Berlin schaute mit Besorgnis auf den sich zuspitzenden Konflikt zweier Nato - Partner . Zwei Präsidenten im Dauerclinch .

"Möchtegern-Napoleon" oder ein Fall für den Psychologen: Der türkische Staatspräsident Erdogan wütet gegen seinen französischen Amtskollegen Macron. Hinter dem Streit stecken handfeste Interessenskonflikte beider Länder.

Der türkische Präsident Erdogan (l.) und der französische Präsident Macron: Die Beziehungen sind schon länger angespannt © picture-alliance/AP Photo/L. Marin Der türkische Präsident Erdogan (l.) und der französische Präsident Macron: Die Beziehungen sind schon länger angespannt

Von Macrons politischem Vorbild Charles de Gaulle stammt das Zitat: Staaten haben keine Freunde, nur Interessen. Das aktuelle Zerwürfnis zwischen dem französischen Präsidenten und seinem türkischen Amtskollegen mag auch persönlich motiviert sein, doch es ist vor allem ein Beleg für gleich mehrere strategische Interessenskonflikte beider Länder.

NATO würde einen frühen Gipfel mit Biden anstreben, falls gewählt, sagen Gesandte

 NATO würde einen frühen Gipfel mit Biden anstreben, falls gewählt, sagen Gesandte Von Robin Emmott © Reuters / Michaela Rehle DATEIFOTO: US-Vizepräsident Biden trifft NATO-Generalsekretär Stoltenberg während der 51. Münchner Sicherheitskonferenz in München BRÜSSEL (Reuters ) - Das NATO-Militärbündnis erwägt einen Gipfel im März in Brüssel, um einen neuen US-Präsidenten zu begrüßen, falls der demokratische Kandidat Joe Biden gewinnt, sagten Diplomaten und Beamte, mit einem Treffen in der ersten Hälfte des nächsten Jahres, falls Donald Trump wiedergewählt wird.

Nato -Generalsekretär Jens Stoltenberg hatte daraufhin angekündigt, dass der Vorfall vom 10. Juni nun von den Nato -Militärbehörden untersucht werde - auch weil die französische Fregatte zum Zeitpunkt des Zwischenfalls im Rahmen des Nato -Seeüberwachungseinsatzes Sea Guardian unterwegs war.

Die Türkei fordert von Frankreich jetzt eine offizielle Entschuldigung.Der Streit uber eine Konfrontation von Nato - Partnern im Mittelmeer Als Hintergrund des Vorfalls gilt, dass die französische Fregatte ein Frachtschiff kontrollieren wollte, das unter dem Verdacht steht, für türkische Waffenlieferungen in

Ob Berg-Karabach, Libyen, Syrien oder der Gasstreit im Mittelmeer: In den wichtigsten aktuellen Konflikten der Region stehen sich beide Seiten feindlich gegenüber. Die expansive Politik der Türkei trifft in Frankreich auf besonderen Widerstand, da sich das Land als Ordnungsmacht der Mittelmeerregion versteht.

Gasstreit im Mittelmeer

Dass die Türkei seit Monaten in den Gewässern um Zypern und mehrerer griechischer Inseln nach Gasvorkommen sucht, weil es die Seegebiete für sich beansprucht, will Frankreich nicht akzeptieren. Paris hat sich demonstrativ an die Seite Griechenlands gestellt, das die türkischen Aktivitäten als illegal betrachtet. Ein militärischer Zwischenfall im Juni machte deutlich, wie angespannt die Beziehungen beider Staaten seit Monaten sind.

NATO würde einen frühen Gipfel mit Biden anstreben, falls gewählt, sagen Gesandte

 NATO würde einen frühen Gipfel mit Biden anstreben, falls gewählt, sagen Gesandte Das NATO-Militärbündnis erwägt einen Gipfel im März in Brüssel, um einen neuen US-Präsidenten zu begrüßen, falls der demokratische Kandidat Joe Biden gewinnt, sagten Diplomaten und Beamte mit einem Treffen in die erste Hälfte des nächsten Jahres, wenn Donald Trump wiedergewählt wird. © US-Präsident Donald Trump steht unter anderen Führern, wenn er an einer Plenarsitzung zur NATO-Summe teilnimmt ...

Nato - Partner : Türkei fordert Entschuldigung Frankreichs . 02.07.2020, 19:12 Uhr | dpa. Ein Hubschrauber der französischen Marine hebt von der " Frankreich hat hier weder der EU noch der Nato die Wahrheit gesagt", sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Donnerstag

Der Streit über eine Konfrontation von Nato - Partnern im Mittelmeer spitzt sich weiter zu. Die Türkei fordert von Frankreich jetzt eine offizielle Als Hintergrund des Vorfalls gilt, dass die französische Fregatte ein Frachtschiff kontrollieren wollte, das unter dem Verdacht steht, für türkische

Gaserkundung im Mittelmeer: Das türkische Forschungsschiff Oruc Reis © picture-alliance/AA/Ministry of National Defense Gaserkundung im Mittelmeer: Das türkische Forschungsschiff Oruc Reis

Nach Angaben der französischen Regierung hat ein Kriegsschiff des NATO-Partners Türkei im Mittelmeer mehrfach sein Feuerleitradar auf eine französische Fregatte gerichtet - diese Maßnahme kann als Vorstufe für einen Angriff gewertet werden. Die türkische Führung bestreitet die Vorwürfe und kritisierte ihrerseits die französische Seite.

Präsident Macron distanzierte sich deutlich von dem NATO-Partner, der für Frankreich zumindest im östlichen Mittelmeer nach den Worten Macrons kein Partner mehr ist. Neben strategischen Erwägungen spielen hier auch wirtschaftliche Gründe eine Rolle. Im September wurde bekannt, dass Griechenland 18 Exemplare des französischen Kampfflugzeugs Rafale kaufen wird. Ein wichtiger Deal für das Rüstungsunternehmen Dassault.

Oh, nur 16 der größten Gaststars von Black-ish im Laufe der Jahre

 Oh, nur 16 der größten Gaststars von Black-ish im Laufe der Jahre OTTAWA - Kanada ist seinem Versprechen an das NATO-Militärbündnis, dank einer unerwarteten Unterstützung einen größeren Teil seiner Wirtschaft für Verteidigung auszugeben, einen großen Schritt näher gekommen von COVID-19.

Nato -Generalsekretär Jens Stoltenberg hatte daraufhin angekündigt, dass der Vorfall vom 10. Juni nun von den Nato -Militärbehörden untersucht werde - auch weil die französische Fregatte zum Zeitpunkt des Zwischenfalls im Rahmen des Nato -Seeüberwachungseinsatzes Sea Guardian unterwegs war.

Seite 2 —Stoßen die Nato - Partner Türkei und USA direkt aufeinander? Doch die Milizen der YPG östlich des Euphrat werden alles daran setzen, das Gebiet zurückzuerobern oder der Türkei auf andere Weise Niederlagen beizubringen. Sie sind gut ausgebildet und hochgerüstet, nicht zuletzt mit Waffen

Berg-Karabach

Im Konflikt um Berg-Karabach sieht sich die französische Regierung auch innenpolitisch gefordert. Bis zu 600.000 Armenier leben in Frankreich - die mit Abstand größte Diaspora. Als eine der ersten westlichen Staaten stellte Paris das Leugnen des Völkermords an den Armeniern 2006 unter Strafe.

Auch wenn sich Paris mit direkter Unterstützung zurückhält und zu vermitteln versucht: Französische Politiker suchen immer wieder die Nähe zu Armenien, während Ankara den Kriegsgegner Aserbaidschan mit Waffen unterstützt. Staatspräsident Macron erhebt in diesem Konflikt auch direkte Vorwürfe gegen die türkische Regierung. Sie habe Hunderte Söldner und Dschihadisten ins Kriegsgebiet entsandt. Damit sei eine rote Linie überschritten.

Historische Verantwortung gegenüber Armenien: Frankreich versucht im Berg-Karabach-Konflikt zu vermitteln © Hayk Baghdasaryan/Photolure/Reuters Historische Verantwortung gegenüber Armenien: Frankreich versucht im Berg-Karabach-Konflikt zu vermitteln


Video: Zuspitzung in Belarus: Lukaschenko spricht von "Terrorkrieg" gegen ihn (Euronews)

Druck auf den französischen Präsidenten kommt auch aus seiner eigenen Partei. Mehrere Abgeordnete der Nationalversammlung fordern in einer Resolution die Regierung auf, die Unabhängigkeit der umstrittenen Region Berg-Karabach anzuerkennen.

Türkei bringt Raketen an der Tür der NATO am Vorabend des Haupttreffens

 Türkei bringt Raketen an der Tür der NATO am Vorabend des Haupttreffens (Bloomberg) - Die Türkei hält an ihren Forderungen fest, dass die USA Raketentechnologie transferieren und die Produktion für Ankara teilen, um die Verfolgung alarmierter russischer Luftverteidigungssysteme zu beenden NATO-Partner. © Getty Images über das Flugabwehr-Raketenabschusssystem Bloomberg S-400.

Frankreich berief umgehend seinen Botschafter aus Ankara ab. Der türkische Staatschef hatte zuvor Macron geraten, seinen Die beiden NATO -Mitglieder Frankreich und Türkei liegen seit längerem bei mehreren Themen über Kreuz Macron und Erdogan: Zwei Präsidenten im Dauerclinch , 24.09.2020.

Der Streit über eine Konfrontation von Nato - Partnern im Mittelmeer spitzt sich weiter zu. Die Türkei fordert von Frankreich jetzt eine offizielle Als Hintergrund des Vorfalls gilt, dass die französische Fregatte ein Frachtschiff kontrollieren wollte, das unter dem Verdacht steht, für türkische

Libyen

Im Bürgerkrieg in Libyen befinden sich Frankreich und die Türkei in unterschiedlichen Lagern. Während Macron Milizenführer Chalifa Haftar unterstützt, steht der türkische Staatspräsident auf der Seite der international anerkannten Regierung. Die Politik der französischen Regierung ist dabei auch unter den EU-Partnern nicht unumstritten. So blockierte Frankreich den Versuch in Brüssel, eine Haftar-kritische Resolution zu beschließen.

Im Libyen-Konflikt unterstützt die Türkei die Kämpfer (im Bild) der international anerkannten Regierung © Getty Images/AFP/M. Turkia Im Libyen-Konflikt unterstützt die Türkei die Kämpfer (im Bild) der international anerkannten Regierung

Für Paris stehen auch hier wirtschaftliche Interessen im Vordergrund. Französische Unternehmen beuten Ölvorkommen im Osten Libyens aus, der Hochburg General Haftars. Vor allem der Erdölproduzent Total ist seit Jahrzehnten in Libyen engagiert. Die Türkei wiederum strebt eine Führungsrolle unter den islamischen Staaten der Mittelmeerregion an und unterstützt die international anerkannte Regierung in Tripolis. Mit türkischer Hilfe gelang es ihr in diesem Jahr, eine entscheidende militärische Niederlage gegen Haftar im letzten Moment abzuwenden.

Macron und Erdogan

Das persönliche Verhältnis der beiden Staatenlenker ist zerrüttet. Schon im Konflikt um die Gasvorkommen im Mittelmeer setzte die türkische Führung auf eine aggressive Rhetorik und bezeichnete Macron als "Möchtegern-Napoleon". Der Streit um die Mohammed-Karikaturen hat diesen Streit noch einmal verschärft.

US-Wahl: Hoffen auf Biden

  US-Wahl: Hoffen auf Biden Gewinnt Trump, könnte er sein Zerstörungswerk in den internationalen Beziehungen vollenden. Doch auch mit Biden würde für Berlin und Brüssel wohl nicht alles gut werden. © JIM WATSON/AFP Auf Joe Biden liegen in Europa große Hoffnungen. (Symbolbild) Hoffen auf BidenNils Schmid wird in der Nacht vom 3. auf den 4. November versuchen zu schlafen. Mit aussagekräftigen Resultaten rechnet der außenpolitische Sprecher der SPD im Bundestag ohnehin frühestens im Berliner Morgengrauen, und dann will er möglichst fit sein. Für das, was dann kommt.

Nach der Ermordung des Geschichtslehrers Samuel Paty fordert Macron einen entschlossenen Kampf gegen den Islamismus © Francois Mori/Reuters Nach der Ermordung des Geschichtslehrers Samuel Paty fordert Macron einen entschlossenen Kampf gegen den Islamismus

Auf einer Gedenkfeier zu Ehren des bei Paris von einem Islamisten enthaupteten Lehrers Samuel Paty hatte Macron einen "Islam der Aufklärung" gefordert und gesagt, dass sein Land nicht auf Karikaturen und Zeichnungen verzichten werde, "auch wenn andere sich davon zurückziehen". Der türkische Staatspräsident schaltete sich in diese Debatte ein und warf Macron Islamfeindlichkeit vor und empfahl dem Präsidenten eine psychologische Behandlung. Frankreich zog daraufhin seinen Botschafter vorübergehend aus Ankara zurück.

Konflikt um "Charlie Hebdo"

Die Kritik Erdogans bezieht sich aber nicht nur auf Macron persönlich. Der türkische Präsident nutzt die Krise, um sein innenpolitisches Profil zu schärfen und seine Position in der muslimischen Welt zu festigen. Nachdem die französische Regierung angekündigt hatte, stärker gegen islamistische Gruppen vorzugehen, antwortete Erdogan mit einem Boykottaufruf für französische Waren. Eine Forderung, die zu diesem Zeitpunkt allerdings schon in anderen muslimisch geprägten Ländern zirkulierte.

Macron in der Kritik: Anti-französische Proteste in Ankara nach der Wiederveröffentlichung der Mohammed-Karikaturen © Adem Altan/AFP Macron in der Kritik: Anti-französische Proteste in Ankara nach der Wiederveröffentlichung der Mohammed-Karikaturen

Die neue Ausgabe der Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" dürfte diesen Konflikt nun noch weiter anheizen - zeigt sie doch auf der Titelseite einen leicht bekleideten türkischen Staatspräsidenten, wie er eine Dose Bier trinkt und den Rock einer verschleierten Frau hochhebt, um ihr nacktes Hinterteil zu enthüllen. "Ooh, der Prophet", sagt die Figur in einer Sprechblase.

Erdogan sieht die Verantwortung für diese Karikatur bei Macron: "Die antimuslimische Agenda des französischen Präsidenten Macron trägt Früchte", so ein Sprecher des Präsidenten, der auch einen "kulturellen Rassismus" anprangerte. Mit der Kritik am NATO-Partner Frankreich geht Erdogan innenpolitisch kein großes Risiko ein. Das Bild Frankreichs ist in der Türkei deutlich negativer als zum Beispiel das Deutschlands. In Frankreich wiederum lebt eine große kurdische Minderheit, was wiederum der französische Präsident im Hinterkopf hat.

Autor: Andreas Noll

-Analyse: Schlechtes Blut - warum die Zeichentrickserie Frankreich-Türkei bleibende Auswirkungen haben könnte .
Von Michel Rose und Orhan Coskun © Reuters / PHILIPPE WOJAZER DATEIFOTO: Gedenken an den Waffenstillstand zum 100. Jahrestag in Paris PARIS / ANKARA (Reuters) - Leichte und Widerhaken haben die Beziehungen zwischen dem Franzosen Emmanuel Macron und dem Türken Tayyip Erdogan jahrelang beeinträchtigt, aber der Streit um die Cartoons des Propheten Mohammad hat sie auf ein neues Tief gebracht, das nachhaltigere Konsequenzen haben könnte. © Reuters / PHILIPPE WOJAZER DATEI FOTO: Gedenken an den 100.

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