Welt & Politik Plauderei über Pandemie und Merkel: Wie sich Ramelow bei Clubhouse Ärger einhandelte

15:45  24 januar  2021
15:45  24 januar  2021 Quelle:   ksta.de

Alle Gespräche werden aufgenommen: Clubhouse und der Datenschutz: Vier Gründe, warum die App umstritten ist

  Alle Gespräche werden aufgenommen: Clubhouse und der Datenschutz: Vier Gründe, warum die App umstritten ist Clubhouse ist der derzeit angesagteste App. Um dabei sein zu können, geben viele Nutzer ihre Kontaktdaten preis - was das Unternehmen damit anfängt, ist nicht klar ersichtlich. Auch sonst wird Datenschutz nicht besonders großgeschrieben. © Getty Images Clubhouse ist die derzeit populärste iPhone-App Clubhouse ist die App der Stunde. Es ist ein Netzwerk ohne Bilder, ohne Text, ohne Likes - dort wird nur geredet. Klingt langweilig, doch genau das macht den Charme aus. Es ist quasi ein Podcast zum Mitmachen.

Ramelow nannte die Bundeskanzlerin „das Merkelchen“. Wenngleich die Worte in lockerer Atmosphäre fielen, war offensichtlich, dass Ramelow sie ernst meinte. Clubhouse ist ein neues soziales Netzwerk, in dem die Nutzer miteinander sprechen, statt zu schreiben. Für die App kann sich jeder

Es ist offensichtlich: Merkel spricht weniger zu den Pressevertretern, sie spricht zu den Menschen. Etwa wenn sie an die täglichen Todeszahlen erinnert, an die sie sich nicht gewöhnen möchte: "Das ist furchtbar. Allein heute wieder über 1000 Menschen.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) steht seit drei Jahrzehnten in der Öffentlichkeit, er ist ein Profi in den sozialen Netzwerken mit 71.000 Followern bei Twitter. In zwei nächtlichen Diskussionsrunden am Wochenende aber wirkte der 64-Jährige wie ein Anfänger im Umgang mit den Medien – und verhielt sich wenig souverän.

Bodo Ramelow sorgte für Wirbel bei Clubhouse. © dpa Bodo Ramelow sorgte für Wirbel bei Clubhouse.

Am Freitagabend probierte Ramelow die neue App Clubhouse aus. In diesem sozialen Netzwerk, bisher nur für Apple-Geräte verfügbar, schreiben die Nutzer nicht miteinander, sie reden. Jeder kann sich in bestehende Runden einschalten und zuhören. Wer etwas sagen will, meldet sich beim Moderator.

Werbung, Abomodelle, Datenschutz: Was die Clubhouse-AGBs über das Geschäftsmodell des gehypten Startups verraten

  Werbung, Abomodelle, Datenschutz: Was die Clubhouse-AGBs über das Geschäftsmodell des gehypten Startups verraten Die Audio-App Clubhouse ist kostenlos und werbefrei. Die Geschäftsbedingungen geben Hinweise darauf, wie das sich das ändern könnte.Wer es in den exklusiven Kreis geschafft hat, kann dort an virtuellen Gesprächsrunden teilnehmen oder selbst Gesprächsräume gründen. Es ist auch möglich, anderen Nutzern zu folgen und Push-Mitteilungen einzustellen. Ein in bisschen wie Twitter, nur mit Ton statt Text.

Die Corona- Pandemie betrifft alle Bereiche unseres persönlichen Lebens. Doch auch unser Gemeinwesen insgesamt – das politische und wirtschaftliche System, der Rechtsstaat Auf dieser Seite finden Sie Beiträge und Debatten zu den gesellschaftspolitischen Folgen der Corona- Pandemie .

Wie der Kampf gegen die Pandemie jetzt ablaufe, sei er finanziell verkraftbar. Merkel soll außerdem gesagt haben, wenn Deutschland es nicht schaffe, sich vor der britischen Virus-Mutation zu schützen, "dann haben wir bis Ostern eine zehnfache Inzidenz."

Ramelow wurde in eine Runde geholt, in der es um “Trash und Feuilleton” gehen sollte, moderiert von der 19-jährigen SPD-Wahlkämpferin Lilly Blaudzun. Auch Blaudzuns Chefin Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Meckenburg-Vorpommern, kam hinzu. Das wiederum zog eine ganze Reihe von Journalistinnen, Journalisten und anderen Politikerinnen und Politikern an.

Ramelow nennt Kanzlerin „Merkelchen“

In rascher Folge ging es um Schwesigs Familienpizza, Heidi Klum und Tom Kaulitz, Schwesigs Rolle in einem Defa-Spielfilm als 15-Jährige, Ramelows Lieblingsfilm “Die Legende von Paul und Paula”, den Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium – und um die Ministerpräsidentenkonferenz.

Ramelows Zunge hatte sich gelockert. Er erzählte, wie er während der stundenlangen Sitzungen mit Computer-Spielen entspannt (“Bis zu zehn Level Candy Crush schaffe ich”) und wie sehr es ihn störe, dass die “Bild”-Zeitung quasi live aus der vertraulichen Sitzung berichtet. Dann fiel der Satz: “Da können wir die MPK auch gleich auf Clubhouse machen und holen das Merkelchen dazu.”

Debatte um Ramelow-Auftritt bei „Clubhouse“ : In Merkels Corona-Runde „Candy Crush“ gezockt

  Debatte um Ramelow-Auftritt bei „Clubhouse“ : In Merkels Corona-Runde „Candy Crush“ gezockt Etliche Politiker nutzen die Social-Media-App „Clubhouse“. Thüringens Ministerpräsident macht mit einem Auftritt unfreiwillig Schlagzeilen – und entschuldigt sich. © Foto: Imago Images/Ipon Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke). Ein Auftritt des Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow in der neuen Social-Media-App „Clubhouse“ sorgt für Debatten. Der Linken-Politiker hatte in der Nacht zu Samstag vor einer vermeintlich geschlossenen Runde mehrere lockere Aussagen zu Corona-Krisenrunden mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gemacht.

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Johannes Boie, Chefredakteur der “Welt am Sonntag”, war unter den mehr als 1000 Zuhörern – allerdings ohne sich einzuschalten. Am nächsten Tag berichtete er aus der lockeren Runde und schrieb: “Über Ramelows politische Äußerungen, sein von ihm selbst beschriebenes Verhalten in der Pandemie zu schreiben, ist journalistische Pflicht.”

Direktes Zitieren ohne vorherige Zustimmung widerspricht aber den Clubhouse-Geschäftsbedingungen. Was in der App besprochen wird, soll in der App bleiben. Die Frage ist: Ist das realistisch, wenn ein Spitzenpolitiker salopp über eine Sitzung spricht, von der der Alltag aller Bundesbürger abhängt? Oder naiv?

„Bild“-Reporter wird von Clubhouse gesperrt

Ramelow jedenfalls fühlte sich hintergangen. Am späten Samstagabend trafen der Linken-Politiker und Boie erneut auf Clubhouse zusammen, es ging hoch her. Bis zu 3500 Leute hörten zu. Es war der zweite Abend, an dem Clubhouse in Deutschland seine Unschuld verlor. Allen war klar, dass die Debatte nun öffentlich war.

Clubhouse-Macher kündigen App für Android-Smartphones an

  Clubhouse-Macher kündigen App für Android-Smartphones an Die Audio-Anwendung Clubhouse hat zwar bereits über 2 Millionen aktive Anwender, ist allerdings bisher nur für Apple-Nutzer zugänglich. Das soll sich nun ändern. © shutterstock Das Clubhouse-Logo auf einem iPhone. Die neue Social-Media-App Clubhouse soll künftig auch auf Smartphones mit dem Google-Betriebssystem Android laufen können. Das kündigten die beiden Firmengründer Paul Davison und Rohan Seth am Sonntag in einem Blogeintrag an. Bislang ist die Audio-Anwendung nur für das iPhone verfügbar. Wann Clubhouse auch im Google Play Store verfügbar sein wird, teilen die Clubhouse-Macher nicht mit.

September könne jedem Bürger in Deutschland ein Impfangebot gemacht werden, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel . Sie verwenden eine veraltete Browserversion.

Was sich jedoch zeigt, ist, dass strikte Maßnahmen offenbar nicht geeignet sind, die Fallzahlen deutlich zu reduzieren, sondern möglicherweise sogar das Gegenteil bewirken – jedenfalls nach aktuellem statistischen Kenntnisstand.

Man duzte sich nicht mehr wie in den vorigen Nächten. Alle siezten sich und fielen einander ins Wort. “Bild”-Reporter Paul Ronzheimer ärgerte den CDU-Politiker Philipp Amthor mehrfach mit angedeuteten Fragen nach dessen Korruptionsaffäre – am nächsten Tag wurde Ronzheimer von Clubhouse gesperrt. Am Freitag sangen am Ende der Session alle gemeinsam das Partisanenlied “Bella Ciao”. Am Samstag wollte niemand mehr gemeinsam singen.

Ramelow: „Das Neue macht mich neugierig“

Am Sonntag sagte Ramelow dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): “Man hat auf seinem Handy 3500 Menschen in einem Gesprächsraum. Das ist eine neue Qualität, mit der digitalen Welt umzugehen. Das Neue macht mich neugierig. Ich habe es ausprobiert. Und es war toll.” Er wolle “einfach so sein, wie ich bin”, fügte der Linken-Politiker hinzu. “Damit kommen Lernprozesse. Ich bereue den Abend überhaupt nicht. Aber ich habe sofort auch die Grenzen aufgezeigt gekriegt.”

Zudem fühle er sich teilweise falsch wieder gegeben, so Ramelow; manches sei aus dem Kontext gerissen. Auf jeden Fall müsse sich so ein Format künftig an der Datenschutzgrundverordnung ausrichten. “Die Betreiber müssen erstmal begreifen, welchen Hype sie da in Deutschland ausgelöst haben und ihre Konsequenzen daraus ziehen”, sagte er. “Wenn ich da meinen Regierungssprecher mitbringen muss, dann ist Clubhouse für Politiker tabu.”

Auch ohne Einladung: Clubhouse-Alternativen für iOS und Android .
Clubhouse ist derzeit überall. Dabei gibt es andere, weniger exklusive Apps, die schon länger auf dem Markt sind und ähnliche Funktionen bieten. Wir haben sie für euch zusammengefasst. © Shutterstock Clubhouse-Alternativen: zurücklehnen und entspannen oder aktiv mitdiskutieren? Bei all dem Hype um Clubhouse bleiben aktuell vor allem Android-User außen vor, auch wenn mittlerweile wohl an einer entsprechenden Variante des Drop-in-Audio-Chats gearbeitet wird. Es gibt aber auch für iOS-Nutzer Gründe, sich nach einer passenden Alternative umzusetzen.

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