Welt & Politik Bundeswehr: Schnelle Corona-Hilfe für Portugal

19:08  01 februar  2021
19:08  01 februar  2021 Quelle:   dw.com

Corona-Schnelltest-Pflicht in Altenheimen: »Wir versuchen, uns selbst Hilfe zu holen«

  Corona-Schnelltest-Pflicht in Altenheimen: »Wir versuchen, uns selbst Hilfe zu holen« Mit einer Schnelltest-Pflicht wollen Bund und Länder die Alten- und Pflegeheime besser vor Corona schützen. Tausende Freiwillige sollen dabei helfen – doch die lassen auf sich warten. © Hauke-Christian Dittrich / dpa »Für Alten- und Pflegeheime sind besondere Schutzmaßnahmen zu treffen.« Dieser Satz gehört längst zu den Standardformulierungen, die sich in jedem Beschlusspapier der Konferenzen von Ministerpräsidenten und Kanzlerin wiederfinden. Halten konnten Bund und Länder das Versprechen bisher nicht. Noch immer sterben gerade in den Heimen viele Menschen an den Folgen einer Corona-Infektion.

In Deutschland sinken die Corona-Infektionszahlen, in Portugal schießen sie in die Höhe. Die Bundesregierung schickt jetzt Ärzte, Pfleger und Ausrüstung.

Corona bringt das portugiesische Gesundheitswesen an den Rand des Zusammenbruchs. Die Bundeswehr soll helfen © Hugo Amaral/ZUMAPRESS/picture alliance Corona bringt das portugiesische Gesundheitswesen an den Rand des Zusammenbruchs. Die Bundeswehr soll helfen

Lange Zeit galt Portugal als ein Land, das wie Deutschland relativ gut durch die Pandemie gekommen war. Das hat sich seit Herbst dramatisch geändert. Fast alle der landesweit rund 900 Intensivbetten für Covid19-Patienten sind schon belegt, das Land ist weitgehend abgeriegelt. Schon in der vergangenen Woche sandte die Regierung in Lissabon deshalb einen Hilferuf an Deutschland und bat Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) um Hilfe. Daraufhin hatte das Verteidigungsministerium zunächst ein Erkundungsteam geschickt, um zu prüfen, welche Hilfe genau benötigt werden. Dem Team soll dann von schrecklichen Zuständen vor allem in den Kliniken in Portugal berichtet worden sein.

Coronavirus in Deutschland: Ost-Beauftragter: Hohe Infektionszahlen in AfD-Hochburgen kein Zufall

  Coronavirus in Deutschland: Ost-Beauftragter: Hohe Infektionszahlen in AfD-Hochburgen kein Zufall Laut Marco Wanderwitz behindert die Rebellion gegen die Infektionsschutzpolitik die Virusabwehr. Die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz hält erste Schulöffnungen Anfang Februar für möglich. • Das Robert-Koch-Institut meldet zu Wochenbeginn 6729 neue Infektionen und 217 Todesfälle.• Covid-19-Ausbruch in Hamburger Airbus-Werk.• Hochansteckende Corona-Variante in Flensburg bestätigt.• Die aktuellen Meldungen zum Coronavirus weltweit.

Parlament wacht über Auslandseinatz

Schon am Sonntag hatte ein Bundeswehr-Sprecher verkündet, dass es sowohl personelle als auch materielle Hilfe geben soll; über den genauen Umfang konnte er noch keine Angaben machen. Am Montag ergänzte die Sprecherin des Verteidigungsministeriums, Christina Routsi, in Berlin, die Regierung habe am Morgen über mögliche Hilfen beraten und werde die Ergebnisse dem Bundestag zuleiten. Am Abend noch werde sich die Regierung offiziell äußern. Routsi ergänzte aber: "Die Bundeswehr hat ja in der Vergangenheit in der Corona-Hilfe während der ersten Welle andere Länder unterstützt, das kann ich Ihnen grundsätzlich sagen." Dass Deutschland Portugal gar nicht hilft, scheint also ausgeschlossen. Aber Einsätze der Bundeswehr im Ausland sind Sache des Parlaments. Und das wacht auch dann mit Argusaugen über seine Zuständigkeit, wenn es um Hilfseinsätze geht - so wie bei dem jetzt angedachten.

Portugal steht kurz vor dem Auslaufen der Betten auf der Intensivstation für COVID-Fälle

 Portugal steht kurz vor dem Auslaufen der Betten auf der Intensivstation für COVID-Fälle Portugal hat angegeben, dass nur noch sieben freie Betten auf Intensivstationen (Intensivstationen) für COVID-19-Fälle auf dem Festland eingerichtet wurden, da die Behörden aufgrund einer Zunahme von Infektionen dazu veranlasst wurden einige kritische Patienten auf portugiesische Inseln zu schicken. © Portugal hat bisher insgesamt 12.179 COVID-19-Todesfälle und 711.018 Fälle gemeldet [Duarte Sa / Reuters] Portugal hat bisher insgesamt 12.179 COVID-19-Todesfälle und 711.018 Fälle gemeldet [Duart

Im März flog die Bundeswehr Corona-Patienten aus Italien zur Behandlung nach Deutschland © Reuters/Luftwaffe/K. Schrief Im März flog die Bundeswehr Corona-Patienten aus Italien zur Behandlung nach Deutschland

Steiler Anstieg der Fälle - und der Todeszahlen

Bei den Neu-Infektionen zählt Portugal mittlerweile zu den am stärksten betroffenen Ländern weltweit. Während in Deutschland die Zahl der neuen Ansteckungen innerhalb von sieben Tagen bei 100 000 Einwohnern unter 100 sank - auch als Folge der harten Beschränkungen, kletterte der gleiche Wert in Portugal auf über 800. Besonders die neuen, offenbar weitaus ansteckenderen Virus-Mutationen treten dort immer häufiger auf. Die Folge: Allein im Januar ist in Portugal die Hälfte aller Menschen gestorben, die insgesamt seit dem Ausbruch der Pandemie durch das Virus ums Leben gekommen sind.

Am Freitag hatte die deutsche Bundesregierung deshalb für Bürger aus Portugal, aber auch aus den ebenfalls stark von den Corona-Mutationen betroffenen Ländern Irland, Großbritannien, Südafrika und Brasilien weitgehende Einreisestopps verhängt. Die sollen zunächst bis zum 17. Februar gelten.

Katastrophale Corona-Lage: Hochrisikogebiet Portugal riegelt sich ab

  Katastrophale Corona-Lage: Hochrisikogebiet Portugal riegelt sich ab Die Bundeswehr prüft, wie und in welchem Umfang sie in Portugal helfen kann.Ausnahmen gelten unter anderem für Menschen, die zur Arbeit fahren, an ihren Hauptwohnsitz zurückkehren oder beruflich unterwegs sind, für den Warentransport sowie für medizinische Notfälle oder humanitäre Hilfe.

Ärzte, Sanitäter, Feldbetten, Atemgeräte

Nach Medienberichten ist jetzt geplant, dass die Bundeswehr schon zu Wochenbeginn 27 Ärzte und Sanitäter in das südeuropäische Land schicken wird. Die Helfer sollen drei Wochen dort bleiben. An Material wollen die Deutschen vor allem Feldbetten und Beatmungsgeräte entsenden. Offenbar zunächst nicht geplant ist es, schwerkranke Patienten aus Portugal auszufliegen. Das wiederum will Österreich tun. Kanzler Sebastian Kurz hatte am Sonntag gesagt: "Es ist ein Gebot der europäischen Solidarität, rasch und unbürokratisch zu helfen, um Menschenleben zu retten."

Die Bundeswehr ist seit Beginn der Pandemie im In-und Ausland stark bei der Corona-Bekämpfung engagiert. Zuletzt halfen allein in Baden-Württemberg rund 900 Soldaten in den Gesundheitsämtern bei der Kontaktnachverfolgung von Infizierten. Deshalb sagte die Wehrbeauftragte des Bundestages, Eva Högl (SPD), jetzt in einem Interview in der „Neuen Osnabrücker Zeitung": "Wenn irgendetwas gut läuft seit fast einem Jahr, dann ist das die Corona-Hilfe durch die Bundeswehr."

Bundeswehr mobilisiert weitere 5000 Soldaten zur Corona-Hilfe

  Bundeswehr mobilisiert weitere 5000 Soldaten zur Corona-Hilfe Die Bundeswehr bereitet sich nach SPIEGEL-Informationen auf eine Beschleunigung der Impfkampagne vor. Die zusätzlichen Soldaten sollen unter anderem den Impfzentren längere Öffnungszeiten ermöglichen. © Jochen Eckel / imago images/Jochen Eckel Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) wird in den kommenden Tagen wohl weitere 5000 Soldatinnen und Soldaten für die Corona-Hilfe mobilisieren und die Truppe für den Kampf gegen die Pandemie damit auf insgesamt 25.000 aufstocken. Entsprechende Pläne trugen Militärs der Ministerin bereits vor und baten um grünes Licht.

An er Heimatfront im Anti-Corona-Kampf: Ein Soldat bei der Kontaktnachverfolgung © Rolf Vennenbernd/dpa/picture alliance An er Heimatfront im Anti-Corona-Kampf: Ein Soldat bei der Kontaktnachverfolgung

Ende März vergangenen Jahres, auf dem Höhepunkt der Pandemie in Italien, hatte ein Rettungsflieger der deutschen Luftwaffe sechs schwerkranke Corona-Patienten aus Italien nach Deutschland gebracht. Insgesamt unterstützen im Inland rund 10 000 Soldaten die Bekämpfung der Pandemie, zuletzt zum Beispiel beim Aufbau und Betrieb der rund 400 Impfzentren. In den Alten- und Pflegeheimen helfen bundesweit zurzeit rund 3100 Soldaten bei der Impfung vor allem alter Menschen, wie die Regierung am Montag mitteilte. Theoretisch könnten bis zu 20.000 Soldaten zur Pandemie-Bekämpfung abkommandiert werden – ein Potenzial, das noch lange nicht ausgeschöpft ist.

Autor: Jens Thurau

Neues Positionspapier: Bundeswehr offenbart neue Schwachstellen .
Die Streitkräfte seien auch „unterfinanziert“.Veränderungen der Sicherheitslage und rasanter ökonomischer und technologischer Wandel stießen auf Streitkräfte, die „unterfinanziert“, „nicht ausreichend vorbereitet“ und „einseitig auf Auslandseinsätze ausgerichtet“ seien. Als strategischen Konkurrenten nennt das Positionspapier Russland, das seine „militärischen und politischen Drohungen in jüngster Zeit verschärft“ habe.

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