Welt & Politik Deutschland feiert 1700 Jahre jüdisches Leben

02:15  21 februar  2021
02:15  21 februar  2021 Quelle:   dw.com

Täglich mindestens sechs Angriffe von Judenhassern: Höchststand antisemitischer Kriminalität seit 20 Jahren

  Täglich mindestens sechs Angriffe von Judenhassern: Höchststand antisemitischer Kriminalität seit 20 Jahren Vergangenes Jahr gab es 2275 antisemitische Straftaten - soviel wie seit 2001 nicht. Der Zentralrat der Juden sieht Corona-Leugner-Demos als Treiber. © Foto: Dorothee Barth/dpa Rosen liegen mit einem Zettel, mit der Aufschrift "#weremeber" am Holocaust-Mahnmal. Die Polizei hat 2020 so viele judenfeindliche Angriffe festgestellt wie nie zuvor seit 2001. Für das vergangene Jahr seien "bisher insgesamt 2275 Straftaten mit antisemitischem Hintergrund gemeldet" worden, berichtet die Bundesregierung in der Antwort auf eine Kleine Anfrage von Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke) und ihrer Fraktion.

Über 90 Prozent der jüdischen Flüchtlinge, die nach Deutschland kamen, verließen das Land innerhalb der nächsten drei bis vier Jahre , überwiegend gingen sie in die USA oder in das neugegründete Israel. Nur etwa 15.000 blieben in Deutschland . Viele der osteuropäischen Juden, die blieben, erhielten schließlich die deutsche Staatsbürgerschaft. Sie waren neu im Land und stützten sich auf ihre Gemeinschaft, was ihre religiösen, kulturellen und sozialen Bedürfnisse betraf. "Sie führten ein sehr zurückgezogenes Leben ", sagt Kauders.

Jüdisches Leben sichtbar und erlebbar machen, dem erstarkenden Antisemitismus entgegen treten, gemeinsam zusammenstehen – trotz der Corona-Pandemie. Das sind die Ziele des Festjahres #2021JLID – Jüdisches Leben in Deutschland . Bundesweit werden rund tausend (vor allem Was im Festjahr genau gefeiert wird und wie wir nicht nur im Jubiläumsjahr gegen Antisemitismus vorgehen können, berichten in unserem Doppelinterview Sylvia Löhrmann, Generalsekretärin des Vereins „ 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland “ sowie ehemalige stellvertretende Ministerpräsidentin in

Nach dem Holocaust schien es eigentlich undenkbar, dass noch einmal Juden in Deutschland leben würden. Zum Auftakt des Jubiläumsjahres blickt die DW auf die wichtigsten Entwicklungen der Nachkriegszeit.

Provided by Deutsche Welle © picture-alliance/dpa/F. Rumpenhorst Provided by Deutsche Welle

Mehr als 200.000 Menschen zählt die jüdische Gemeinde in Deutschland heutzutage und ist gleichzeitig die einzige wachsende jüdische Gemeinschaft in Europa - eine fast unglaubliche Erfolgsgeschichte, angesichts der Ermordung fast aller deutschen Juden und Jüdinnen. Die steigenden Gemeindezahlen sind auch deshalb bemerkenswert, weil es 1945 für die allermeisten Juden undenkbar schien, in dem Land, von dem der Genozid an sechs Millionen europäischen Juden ausging, die verlorenen Gemeinden wieder aufzubauen.

"Goodbye Deutschland"-Star Matthias Bück: Was für ein Glück: Er hat einen neuen Job

  "Goodbye Deutschland"-Star Matthias Bück hatte es eigentlich schon geschafft. 2008 zog er nach Thailand und eröffnete auf Ko Samui seine "Bamboo Bar". Das Geschäft brummte, Matthias schien, trotz zahlreicher Rückschläge wie einer gescheiterten Ehe, einer aufgelösten Verlobung und Überschwemmungen in seiner Bar letztlich erfolgreich zu sein. Doch dann kam Corona und die Gäste blieben aus. Zuletzt überlegte der verzweifelte Gastronom, der nun im Hinterzimmer seiner Bar lebt, sogar, nach Deutschland zurückzukehren. Doch nun bietet ihm die thailändischen Hauptstadt Bangkok offenbar eine zweite Chance.

1700 Jahre jüdische Geschichte in Deutschland . Aber wie sieht jüdisches Leben in Deutschland heute aus? Zwei Frauen, die eine Rabbinerin, die andere auf dem Weg dorthin, leben ihre Religion auf ihre jeweils eigene Weise.

Überall in Deutschland werden in diesem Jahr über tausend Veranstaltungen stattfinden. Überall, wo Juden in Deutschland gelebt haben, wo sie unser Land , seine Kultur, seine Wissenschaft mitgestaltet haben, wo aber auch Menschen ermordet und erniedrigt wurden, wollen wir an das Gute und das Wir wollen feiern , damit vor allem junge Menschen lernen können, was jüdisches Leben ist. Heute leben rund 100.000 Juden in Deutschland . Es ist nicht selbstverständlich, dass man in der Nachbarschaft, in der Schule, den Hochschulen, in der Zivilgesellschaft einen jüdischen Menschen kennenlernt.

Die Alliierten befreiten mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs etwa 15.000 deutsche Juden und Jüdinnen. Die meisten hatten in Verstecken, andere die Konzentrationslager überlebt. Viele, die sich entschieden, in Deutschland zu bleiben, hatten nicht-jüdische Ehepartner oder Eltern.

Der deutsch-jüdische Journalist Karl Marx - nicht zu verwechseln mit dem berühmten Philosophen und Ökonomen - gehörte zu den ersten deutschen Juden, die ins Land zurückkehrten. Den Krieg hatte Marx im Exil verbracht. Doch seine Entscheidung zur Rückkehr lastete auf ihm. Später erinnerte er sich, wie er 1946 die Grenze zur britischen-besetzten Zone überquerte und sich selbst fragte: "Wie kann ich nur, nach allem was passiert ist, als Jude in Deutschland leben?"

Wilder Ritt in Hamburg! St. Pauli feiert Burgstaller

  Wilder Ritt in Hamburg! St. Pauli feiert Burgstaller Auch dank seines Goalgetters Guido Burgstaller feiert St. Pauli gegen Darmstadt den vierten Sieg in Folge. Paderborn und Heidenheim jubeln ebenfalls. © Bereitgestellt von sport1.de Wilder Ritt in Hamburg! St. Pauli feiert Burgstaller Auch dank zweier weiterer Treffer von Guido Burgstaller hat der FC St. Pauli seine Aufholjagd in der 2. Bundesliga fortgesetzt.Die Hamburger bezwangen Darmstadt 98 3:2 (1:0) und feierten ihren vierten Sieg nacheinander. Der Österreicher Burgstaller (26., 82.) war gar im siebten Spiel nacheinander als Torschütze erfolgreich.

Magdeburg (dpa/sa) - Tagungen, Theaterstücke, Konzerte, Ausstellungen und Bildungsprojekte: Sachsen-Anhalt beteiligt sich am Festjahr " 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland ", das an diesem Sonntag mit einem Festakt in Köln beginnt. Eine Reihe von Vereinen, Verbänden, Gemeinden, Initiativen und öffentlichen Einrichtungen sei im Festjahr aktiv dabei, teilte die Staatskanzlei am Das Festjahr "321-2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland " wird den Angaben zufolge am Sonntag mit einem Festakt in Köln gestartet, der pandemiebedingt als TV-Ereignis durchgeführt werde.

Seit mindestens 1700 Jahren leben Jüdinnen und Juden auf dem Gebiet des heutigen Deutschland – nachweislich seit dem 11. Dezember 321, als ein Edikt Kaiser Konstantins die Berufung von Juden in Ämter der Stadtverwaltung von Köln gestattete. Einer Geschichte mit tiefen Zäsuren und Brüchen. Aber auch einer Geschichte der Vielfalt und der Bereicherung in allen Lebensbereichen – in Politik und Gesellschaft, Wissenschaft, Kultur und Sport. Das Jubiläum der Ersterwähnung jüdischen Lebens hierzulande ist Anlass für ein bundesweites deutsch - jüdisches Festjahr.

Eine Chanukka-Feier nach dem Krieg in einem Auffanglager nahe des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen-Belsen © Ndr/Wiener Library/dpa/picture-alliance Eine Chanukka-Feier nach dem Krieg in einem Auffanglager nahe des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen-Belsen

"Nie wieder auf dem blutbefleckten Boden Deutschlands niederlassen"

Die Entscheidung Marxs und einiger tausend anderer Idealisten wurde sowohl innerhalb wie auch außerhalb der jüdischen Gemeinde von vielen in Frage gestellt. Der Jüdische Weltkongress trat im Juli 1948 erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg zusammen und gab eine deutliche Resolution heraus, in der er sprach von der "Entschlossenheit des jüdischen Volkes, sich nie wieder auf dem blutbefleckten Boden Deutschlands niederzulassen".

Die Gründe, warum sich trotz der Ablehnung der internationalen jüdischen Gemeinschaft, einige in Deutschland niederließen, waren vielfältig, sagt Anthony Kauders, Historiker an der britischen Keele Universität: "Manche hatten mit der Hilfe anderer Deutscher überlebt, und sie weigerten sich, alle Deutschen als gleichwertig schuldig anzusehen. Andere waren zu alt oder zu gebrechlich, um zu emigrieren."

"Goodbye Deutschland"-Star Daniela Büchner: Fetter Klunker! Ennestos Geschenk macht jede Elster neidisch

  Ihre Liebe gleicht einer wilden Achterbahnfahrt – zwischen Daniela Büchner (43) und Ennesto Monté (45) scheint es seit dem Beginn ihrer Beziehung, die sie im November 2020 öffentlich machten, immer wieder zu kriseln. Auch von einer Trennung war bereits die Rede – doch am heutigen Tag (22. Februar) soll alles ganz harmonisch sein. "Goodbye Deutschland"-Star Danni feiert seinen 43. Geburtstag und bekommt zahlreiche Glückwünsche. Auf ihrem Instagram-Kanal teilt die Fünffach-Mama zahlreiche Fotos von Gratulanten und auch Schnappschüsse von ihren Geschenken.

Im Jahr 1688 lebten bereits 40 und ab 1700 schon 117 jüdische Familien in Berlin. Seit 1989 wird alljährlich der Heinz-Galinski-Preis zur Förderung der deutsch - jüdischen Verständigung vergeben. ↑ Jüdisches Leben in Berlin. Israelis gehen nach Berlin, nicht nach Deutschland . In: goethe.de.

«321: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland », der laut Satzung «das Wachhalten der Erinnerung an die jüdische Kultur und Geschichte in Deutschland und Europa» zum Zweck hat. geschichte Zudem will der Verein ein deutliches und sichtbares Zeichen gegen den wachsenden Antisemitismus setzen. Die Realität sieht aktuell vielfach anders aus. Die Unwissenheit scheint sehr groß. Deshalb will der Verein dazu beitragen, dass gerade im Jubiläumsjahr in vielen Veranstaltungen jüdische Geschichte und jüdisches Leben in Deutschland thematisiert werden.

Wiederaufbau deutschen Judentums gegen alle Widerstände

Die Bemühungen, jüdische Gemeinden wiederaufzubauen, begannen unmittelbar nach Kriegsende. Bis 1948 gab es wieder mehr als 100 jüdische Gemeinden über ganz Deutschland verteilt. Sie bestanden aus zwei sehr unterschiedlichen Gruppen: Einerseits gab es die deutschen Juden und Jüdinnen, die meisten von ihnen vor dem Krieg hochgradig assimiliert und eingebunden in ihre deutsche Umgebung. Die andere Gruppe: Tausende vertriebene jüdische Flüchtlinge aus osteuropäischen Ländern, die sich unfreiwillig in Deutschland wiederfanden. Sie hatten große Schwierigkeiten, ihren Lebensunterhalt zu sichern, da sie der deutschen Sprache kaum mächtig waren.

1947: Diese Juden wurden zurück nach Lübeck geschickt, nachdem die Häfen im Mandatsgebiet Palästina geschlossen wurden © Courtesy Everett Collection/picture alliance 1947: Diese Juden wurden zurück nach Lübeck geschickt, nachdem die Häfen im Mandatsgebiet Palästina geschlossen wurden

Über 90 Prozent der jüdischen Flüchtlinge, die nach Deutschland kamen, verließen das Land innerhalb der nächsten drei bis vier Jahre, überwiegend gingen sie in die USA oder in das neugegründete Israel. Nur etwa 15.000 blieben in Deutschland.

Ist die groß geworden! Prinzessin Estelle feiert 9. Geburtstag

  Ist die groß geworden! Prinzessin Estelle feiert 9. Geburtstag Prinzessin Estelle von Schweden feiert ihren 9. Geburtstag. Ihr zu Ehren veröffentlichte der Königspalast neue Fotos, auf denen sie schon richtig groß aussieht. View this post on Instagram

Viele der osteuropäischen Juden, die blieben, erhielten schließlich die deutsche Staatsbürgerschaft. Sie waren neu im Land und stützten sich auf ihre Gemeinschaft, was ihre religiösen, kulturellen und sozialen Bedürfnisse betraf. "Sie führten ein sehr zurückgezogenes Leben", sagt Kauders. "In den 1950er und 60er Jahren kannte man als jüdisches Mitglied einer Gemeinde nur andere Juden, man kam nicht wirklich mit anderen zusammen."

Gründung des Zentralrats der Juden

Im Juli 1950 schlossen sich die verschiedenen Gemeinden zusammen und gründeten einen Dachverband, der sie vertrat: den Zentralrat der Juden in Deutschland.

Die Beharrlichkeit der deutsch-jüdischen Gemeinschaft führte zu einer pragmatischen Kooperation mit internationalen jüdischen Institutionen und schließlich dazu, dass der deutsche Zentralrat Vollmitglied des Jüdischen Weltkongresses wurde.

Heinz Galinski war der erste Vorsitzende des Zentralrats der Juden und hatte mehrere Konzentrationslager überlebt © picture-alliance / ZB Heinz Galinski war der erste Vorsitzende des Zentralrats der Juden und hatte mehrere Konzentrationslager überlebt

Unterdessen blieb der Antisemitismus in Deutschland ein Problem. Ein Bericht von 1946, der von der US-Armee in Umlauf gebracht wurde, fand heraus, dass 18 Prozent der Deutschen noch immer "radikale Antisemiten" waren, 21 Prozent Antisemiten und weitere 22 Prozent "moderate Rassisten". Eine Erhebung aus dem Jahr 1947 stellte fest, dass mehr als ein Drittel der Deutschen es befürworten würde, wenn es keine Juden in Deutschland gäbe.

Geschützte Corona-Grenzen

  Geschützte Corona-Grenzen Die EU-Kommission verlangt im Streit um die verschärften Einreiseregeln für Tschechien und Tirol "weniger restriktive Maßnahmen". Ein erster Testfall für alternative Konzepte könnte nun die französische Grenze werden. © BeckerBredel/picture alliance Provided by Deutsche Welle Kein Land in der Europäischen Union hat so viele Nachbarländer wie Deutschland. Doch seit Deutschland wegen der Verbreitung der besonders ansteckenden Corona-Mutationen massive Kontrollen an den Grenzen zu Tschechien und Tirol eingeführt hat, liegen die Nerven bei den Partnern blank.

Diese Atmosphäre veränderte sich, als die westdeutsche Regierung sich klar gegen Antisemitismus positionierte, sagt Historiker Kauders: "Zur Abwechslung kämpfte die Regierung offiziell dagegen und das macht natürlich den Unterschied. Das ist etwas, was [die Juden] in Deutschland oder den osteuropäischen Ländern, aus denen sie stammten, vorher nicht erlebt hatten. Das gab Juden in Deutschland ein Gefühl der Sicherheit."

Die beiden deutschen Staaten

Zwei deutsche Staaten waren aus den Trümmern des Dritten Reiches hervorgegangen: Die Deutsche Demokratische Republik (DDR), Teil des sowjetischen Ostblocks, und die westlich orientierte Bundesrepublik Deutschland (BRD).

Viele der politisch idealistischen und deutschstämmigen Juden zog es zu Beginn in den Osten des Landes, wo die bekannteren Juden in den Jahren nach dem Krieg lebten, wie die berühmte Schriftstellerin, Jüdin und Kommunistin Anna Seghers. "Niemand kam nach Ostdeutschland, um als Jude dort zu leben - sie wollten dort als Kommunisten leben", sagt die Soziologin und Autorin Irene Runge, die selbst 1949 als junges Mädchen mit ihren Eltern aus den USA nach Deutschland zog: "Sie unterdrückten alles Jüdische in sich."

Runge sagt, das sei bei vielen Juden in der ehemaligen DDR der Fall gewesen: "Ich denke, es war die einzige Art und Weise, dort zu leben. Man musste sich auf das politische Ziel fokussieren. Die Haltung war: 'Wir werden es nicht zulassen, dass die Deutschen alleine in diesem Land bleiben, wir werden es zu einem besseren Staat machen als je zuvor.'"

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  Darüber spricht die Liga: Juwel, Top-Spiel und Aufholjagd In der Bundesliga ist am Samstag die Partie von Bayern-Verfolger RB Leipzig gegen Borussia Mönchengladbach das Top-Spiel. Schafft Gladbachs Trainer Marco Rose endlich die Wende?Musiala und seine Teamkollegen wollen am Samstag gegen den 1. FC Köln ihr kleines Erstliga-Tief überwinden. Die Gladbacher bestreiten das Top-Spiel des 23. Spieltages bei Bayerns ärgstem Rivalen RB Leipzig.

Auf dem Papier existierte so gut wie kein jüdisches Leben in der DDR. In den 1950er Jahren gab es nur 1500 registrierte Gemeindemitglieder.

Israel als Überlebensgarantie

Für die BRD markierte die Aufnahme der offiziellen diplomatischen Beziehungen mit Israel im Jahr 1965 einen wichtigen Schritt vorwärts. Die deutsch-jüdischen Gemeinschaften machten es sich zur Aufgabe, den Austausch der Menschen in beiden Staaten zu fördern. "Für deutsche Juden, mehr als für andere Juden, wurde Israel wegen des Holocausts sehr wichtig. Es gab immer die Idee des 'Lebens auf gepackten Koffern', was bedeutete: Wenn die Dinge zu schlimm werden, gehen wir weg", erläutert Kauders.

Inzwischen war eine zweite und dritte Generation herangewachsen. Einige verließen Deutschland in Richtung Israel und anderer Länder, viele aber blieben. "In den 1980er Jahren bildet sich dann eine junge Generation heraus, die genug von der Mentalität der Älteren hatte, Deutschland nur als eine Übergangslösung anzusehen", sagt Kauders: "Diese jüngere Generation ist viel lauter und daran interessiert, offen und nicht hinter verschlossenen Türen für jüdische Rechte zu kämpfen."

Kontingentflüchtlinge brachten die Wendung

Zu dieser Nach-Holocaust-Generation gesellten sich neue Einwanderer aus Polen, der Tschechoslowakei, Israel und dem Iran. Synagogen wurden gebaut und neue Schulen eröffnet. Es entwickelte sich ein religiöser Pluralismus, Gemeinden bildeten und erweiterten sich. Dennoch überstieg die Zahl der registrierten Mitglieder der jüdischen Synagogen und Religionsgemeinschaften vorerst nie die Zahl von 30.000.

Die bedeutendste Veränderung trat mit der Auflösung der Sowjetunion Ende 1991 ein. Nach der Öffnung der Grenzen zwischen Ost und West wanderten fast 220.000 Juden aus der ehemaligen Sowjetunion als sogenannte Kontingentflüchtlinge in das wiedervereinigte Deutschland ein. Fast über Nacht bildeten sich neue Gemeinden, alte vervielfachten sich. Überall entstanden Gemeindezentren, Schulen und Synagogen.

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  Corona-Mutanten sorgen für dritte Welle: Tschechien – das Land mit der höchsten Inzidenz weltweit Zuletzt meldete das Land eine Sieben-Tage-Inzidenz von 765. Das Gesundheitssystem ist stark überlastet. Die Gründe dafür reichen bis zum Sommer zurück. © Foto: Imago Überlastet. Tschechische Krankenhäuser könnten bald auf deutsche Hilfe angewiesen sein. Vor einem halben Jahr, Ende August, rühmte der tschechische Ministerpräsident Andrej Babis sein Land als eines „der besten im Umgang mit Covid“. Die Regierung hatte die Grenzen in der Corona-Pandemie schnell geschlossen, einen nationalen Lockdown verhängt und sogar eine Maskenpflicht in der Öffentlichkeit beschlossen.

Der Zustrom der "russischen Juden" belebte stagnierende Gemeinden und bewahrte sie vor dem demografischen Kollaps. Aber ihre Integration stellte auch eine große Herausforderung dar, da die meisten der Neuankömmlinge viel säkularer waren, als die lokalen traditionellen Gemeinden. "Ihre Ankunft veränderte alles", erinnert sich die Soziologin Runge. "Sie wurden zum jüdischen Leben in Deutschland."

Mit der Einwanderung sowjetischer Juden gab es eine Wiederbelebung der Gemeinden wie hier in Leipzig © Jan-Peter Kasper/ZB/picture-alliance Mit der Einwanderung sowjetischer Juden gab es eine Wiederbelebung der Gemeinden wie hier in Leipzig

Heute bilden die aus der Sowjetunion stammenden Juden und ihre Nachkommen die überwältigende Mehrheit der deutschen Juden - nach manchen Schätzungen bis zu 90 Prozent der Gemeindemitglieder. "Die Ironie ist, dass sie sich nie für die Debatten interessierten, die die hiesige Gemeinde beschäftigten, für die das jüdische Leben in Deutschland immer komplex und problematisch gewesen war. Sie waren eher pragmatisch und sicherlich weniger Schuld-getrieben, als jene, die nach der Shoah das jüdische Leben wieder aufgebaut hatten", sagt Historiker Kauders.

Eine neue Generation

Heute scheinen ähnliche Motive Israelis und Juden aus westlichen Ländern wie den USA, Kanada, Argentinien und Großbritannien dazu zu bewegen, sich in Deutschland - und insbesondere in Berlin - niederzulassen.

Schätzungsweise 15.000 bis 20.000 junge, hochgebildete, säkulare, politisch links-gerichtete Israelis sind in den letzten zwei Jahrzehnten nach Deutschland gekommen. Viele von ihnen sind mit Holocaust-Überlebenden verwandt. Einige haben über ihre Eltern und Großeltern die Staatsbürgerschaft eines EU-Staates, was ihnen das Ankommen in Deutschland erleichtert.

Doch der Schatten des Antisemitismus ist noch längst nicht verschwunden. Kurz vor den in dieser Woche geplanten Veranstaltungen zum 1700-jährigen Bestehen jüdischen Lebens in Deutschland, hat ein neuer Polizeibericht einen sprunghaften Anstieg antisemitischer Hasskriminalität aufgedeckt, mit über 2275 Vorfällen im Jahr 2020.

Dass es heute Juden gibt, die nach Deutschland ziehen, deren eigene Großeltern den Holocaust überlebt haben und geflohen sind, sei dennoch ein vollkommener historischer Umschwung, sagt Historiker Anthony Kauders.

"Die Tatsache, dass es für Israelis heute cool ist, in Berlin zu sein, ohne sich schuldig zu fühlen, zeigt, wie pluralistisch die israelische und auch die deutsche Gesellschaft geworden ist. In diesem Sinne ist die Nachkriegszeit beendet."

Autor: Shani Rozanes

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