Welt & Politik Afghanistan-Einsatz: Geordneter Abzug

22:20  14 april  2021
22:20  14 april  2021 Quelle:   sueddeutsche.de

cross-partisan-Gruppen, die nach dem 1. Mai nach dem 1. Mai .

 cross-partisan-Gruppen, die nach dem 1. Mai nach dem 1. Mai . © Getty Cross-Partisan-Gruppen Drang Bidingen, um mit dem Afghanistan-Abzug von Afghanistan in einem Brief an Biden am Dienstag zu bleiben Amerikas längste jemals Krieg.

Auf dem Abflug: US-Truppen über Dschalalabad. © Allison Dinner/imago images/ZUMA Wire Auf dem Abflug: US-Truppen über Dschalalabad.

Geordneter Abzug

Die Entscheidung von Joe Biden, die in Afghanistan stationierten US-Soldaten bis Mitte September nach Hause zu holen, hat Folgen für Nato und Bundeswehr: Der gemeinsame Einsatz steht vor dem Ende.

Es ist erst drei Wochen her, dass Antony Blinken als neuer US-Außenminister die Nato in Brüssel besucht hat. Damals war die Freude im Verteidigungsbündnis so groß, das Ende der vier schwierigen Jahre mit Donald Trump einleiten zu können, dass fast unterging, dass Blinken eine wichtige Frage nicht beantworten konnte: Wann wird US-Präsident Joe Biden seine Soldaten aus Afghanistan zurückholen?

Biden will US-Truppenabzug aus Afghanistan bis September

  Biden will US-Truppenabzug aus Afghanistan bis September US-Präsident Joe Biden hat eine brisante Entscheidung gefällt. Die US-Soldaten sollen bis zum 11. September vom Hindukusch abziehen. Es ist der 20. Jahrestag der Terroranschläge von New York und Washington. © Brian Harris/Planet Pix/ZUMA/picture alliance US-Soldaten verlassen im Mai 2017 die afghanische Stadt Kundus mit Hubschaubern Ein hochrangiger US-Regierungsvertreter sagte, der geordnete Abzug der Truppen aus Afghanistan solle noch vor dem 1. Mai beginnen und spätestens bis zum 11. September abgeschlossen sein. Unter Bidens Vorgänger Donald Trump hatte die US-Regierung mit den Taliban einen Abzug bis zum 1.

Seine Entscheidung hat Biden am Dienstagabend über die Washington Post der Welt mitgeteilt: Spätestens am 11. September 2021, also zwanzig Jahre nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon sollen die letzten US-Soldaten Afghanistan verlassen haben - und zwar unabhängig von Bedingungen. Eine solche Verknüpfung hält Biden Beratern zufolge "für ein Rezept, um für immer in Afghanistan zu bleiben", und dazu ist er nicht bereit. Blinken hat nun die Aufgabe, den Verbündeten die Folgen von Bidens Entschluss in einer Videokonferenz der Außen- und Verteidigungsminister zu erklären.

An der Seite von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sprach er "von einem wichtigen Moment für unsere Allianz" und erinnerte daran, warum man 2001 diesen Krieg begonnen hatte: "Wir wollten sicherstellen, dass Afghanistan nicht zu einem Rückzugsort für jene werden kann, die einen von uns angreifen könnten." Dieses Ziel habe man erreicht, sagte Blinken vor einer für den Abend angekündigten Rede Bidens.

Biden zieht Soldaten aus Afghanistan ab: Amerika beendet seinen längsten Krieg

  Biden zieht Soldaten aus Afghanistan ab: Amerika beendet seinen längsten Krieg US-Präsident Biden zieht das Militär aus Afghanistan ab. Er will sich stärker strategischen Rivalen wie Russland oder China widmen. Oder dem Klimawandel. © Foto: Massoud Hossaini/AP/dpa Bis zum 11.September 2011 sollen die letzten US-Soldaten Afghanistan verlassen haben. Einen symbolischeren Tag hätte Joe Biden nicht wählen können. Ausgerechnet zum 20. Jahrestag von 9/11, am 11. September 2021, soll der letzte US-Soldat aus Afghanistan abgezogen sein. Der US-Präsident wollte diesen neuen Abzugstermin und die damit verbundenen Erwartungen am Mittwochnachmittag offiziell verkünden.

Auch für die Bundesregierung kam die Entscheidung wenig überraschend, auch wenn Außenminister Heiko Maas (SPD) bis zuletzt dafür plädiert hatte, das Ende des Nato-Einsatzes vom Erfolg der Friedensverhandlungen zwischen Taliban und Regierung in Kabul abhängig zu machen. Im März hatte der Bundestag beschlossen, das entsprechende Mandat für bis zu 1300 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr bis Ende Januar 2022 zu verlängern. Da war allerdings schon klar gewesen, dass die Frist vermutlich nicht ausgeschöpft werden würde.

Warnungen vor unvorhersehbaren Folgen für Afghanistan

"Wir haben immer gesagt: Wir gehen gemeinsam rein, wir gehen gemeinsam raus", sagt Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) am Mittwochmorgen in der ARD. "Ich stehe für einen geordneten Abzug. Und deswegen gehe ich davon aus, dass wir das heute so beschließen werden", betonte sie vor der Videokonferenz. Logistisch werden für den Abzug der Bundeswehr, dem zweitgrößten Truppensteller der Nato-Mission Resolute Support, etwa zehn Wochen veranschlagt.

Biden läutet Ende des Afghanistan-Einsatzes ein

  Biden läutet Ende des Afghanistan-Einsatzes ein Nach fast 20 Jahren will US-Präsident Joe Biden den Militäreinsatz in Afghanistan beenden und alle Truppen bis zum 11. September nach Hause holen. © Evan Vucci/AP Photo/picture alliance Entscheidung mit weitreichenden Folgen: US-Präsident Joe Biden "Es ist Zeit, Amerikas längsten Krieg zu beenden", sagte US-Präsident Joe Biden in einer Rede im Weißen Haus in Washington. "Es ist Zeit, dass die amerikanischen Soldaten nach Hause zurückkehren.

Maas nahm in Brüssel an einem Treffen der Rahmennationen von Resolute Support teil: Neben Deutschland und den USA sind dies Italien und die Türkei. Die Nato-Experten werden nun alles vorbereiten, damit der Abzug von Soldaten und Material möglichst abgestimmt erfolgt. Biden hatte nach seinem Wahlsieg die Pläne seines Vorgängers Trump prüfen lassen, der ohne hinreichende Konsultationen der Nato-Partner mit den radikalislamistischen Taliban einen Abzug bis zum 1. Mai vereinbart hatte. Dabei waren zuletzt die Amerikaner bei der Nato-Mission bereits in der Minderheit. Seit Monaten hatte Stoltenberg von einer "harten und schwierigen Entscheidung" gesprochen und damit die Sorge zum Ausdruck gebracht, dass ein übereiltes Ende des Einsatzes unvorhersehbare Folgen haben könnte. Zu Jahresbeginn warnten die Fachleute der vom US-Kongress eingesetzten "Afghanistan Study Group", dass ein unüberlegter Abzug zum "Kollaps" in Afghanistan führen und auch die Sicherheit der USA gefährden könnte. Dieses Risiko hält die Biden-Regierung offenbar für beherrschbar.

NATO beschließt Ende des Afghanistan-Einsatzes

  NATO beschließt Ende des Afghanistan-Einsatzes Es war der längste und verlustreichste Einsatz der NATO-Partner. Der Abzug der US-Truppen im September bedeutet jetzt den Rückzug aller internationalen Kontingente. Ungewiss bleibt die politische Zukunft des Landes. © Johanna Geron/AFP/Getty Images Pressekonferenz mit NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg (M.), US-Außenminister Antony Blinken (l.) und Verteidigungsminister Lloyd Austin (r.) "Das ist nicht das Ende, das ist der Anfang eines neuen Kapitels", sagte NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg zum Beschluss über den gemeinsamen Abzug aus Afghanistan.

Gleichzeitig war Diplomaten und Militärplanern klar, dass die Gefahr von Anschlägen auf Ausländer durch die Taliban steigen dürfte, wenn der Trump-Termin 1. Mai nicht eingehalten wird. Die Warnung aus Kabul kam noch vor Bidens Rede: Man strebe den Abzug aller ausländischen Streitkräfte zum per "USA-Taliban-Abkommen" festgelegten Datum an, schrieb ein Taliban-Sprecher auf Twitter. Die Probleme würden sich "verschärfen", falls die Vereinbarung gebrochen werde, drohte er.

Trotz allem glaubt der außenpolitische Sprecher der SPD im Bundestag, Nils Schmid, dass der Einsatz in geordneten Bahnen beendet werden kann. "Das ist alles für uns handhabbar", sagte er der Süddeutschen Zeitung. Zugleich betonte Schmid: "Abzug heißt nicht abwenden." Zwar gehe von Afghanistan für Europa keine Terrorgefahr mehr aus, dennoch gebe es viel zu verlieren. Das Erreichte, etwa Frauenrechte und der Schulbesuch von Mädchen, müsse bewahrt werden. "Hebel" gebe es dafür: Zum einen seien die Taliban an der Aufhebung von Sanktionen interessiert, zum anderen insbesondere die Europäer als Geber unentbehrlich. "Das muss man klug einsetzen", forderte Schmid.

Zahl getöteter und verwundeter Zivilisten steigt

Der Truppenabzug dürfe nicht bedeuten, "dass das Land gänzlich seinem Schicksal überlassen wird", betonte der FDP-Außenpolitiker Bijan Djir-Sarai. Vielmehr müsse die Bundesregierung mit den internationalen Partnern ein Konzept für eine politische Perspektive nach dem Abzug erarbeiten und Afghanistan in seinem Friedensprozess weiter unterstützen. Bidens Entscheidung sei der "Müdigkeit der US-Öffentlichkeit" geschuldet und habe wenig mit der Lage in Afghanistan zu tun, urteilte Omid Nouripour von den Grünen.

Der Staatsekretär Blinken macht Überraschung nach Afghanistan

 Der Staatsekretär Blinken macht Überraschung nach Afghanistan Washington - Staatlichterministerium Antony Blinken machte am Donnerstag eine unangemessene Reise nach Afghanistan, um das Engagement der Vereinigten Staaten in das Land nach dem Präsidenten Bidingen zu demonstrieren, sagte die amerikanische Truppen. Bis zum 11.

Mit Katar ist Deutschland Moderator einer innerafghanischen Dialogkonferenz, die die Voraussetzung für einen Friedensprozess schaffen soll. Dieses Engagement könne nicht ersetzt werden durch die von der Türkei angekündigten Friedensgespräche für Afghanistan, die vom 24. April bis 4. Mai in Istanbul stattfinden sollen, betonte der SPD-Außenpolitiker Schmid. Dass die Taliban die Istanbuler Konferenz ablehnen, beunruhigt Thomas Ruttig vom Thinktank Afghanistan Analysts Network. Durch ihre Absage geben die Islamisten zu verstehen, "dass Frieden und eine Teilung der Macht nur zu ihren Bedingungen und nach ihrem Zeitplan kommen werden", sagte er dem Evangelischen Pressedienst. Laut einem Bericht der in Afghanistan ansässigen UN-Mission (Unama) ist die Zahl von getöteten und verwundeten Zivilisten im ersten Quartal 2021 um fast 30 Prozent gestiegen. Demnach starben von Januar bis März mehr als 570 Zivilisten, weitere mehr als 1210 wurden verwundet. Der Anstieg sei hauptsächlich auf Bodeneinsätze, improvisierte Sprengkörper und gezielte Tötungen zurückzuführen.

Trump Backs Afghanistan Rücktritt, Bruch mit GOP-Verbündeten .
Washington - ehemaliger Präsident Donald Trump am Sonntag äußerte Unterstützung, um US-Militärkräfte aus Afghanistan herauszureißen, einen Rückzug "wundervolles und positives", aber auf dem neuesten Stand von Präsidenten (11. September 11. September) anzurufen zum Verlassen des Landes. © David Guttenfelder / AP Afghanistan 20 Jahre Fotogalerie Mr. Trump sagte in einer Erklärung, sagte er, er glaubt, dass die USA Afghanistan früher verlassen sollten, als wenn Mr.

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