Welt & Politik Pandemie: Corona-Impfstoff für alle: Priorisierung könnte laut Spahn im Juni fallen

19:30  22 april  2021
19:30  22 april  2021 Quelle:   handelsblatt.com

Mitarbeiter verrät, warum AstraZeneca „nicht in einer Million Jahren“ noch mal einen Impfstoff entwickeln würde

  Mitarbeiter verrät, warum AstraZeneca „nicht in einer Million Jahren“ noch mal einen Impfstoff entwickeln würde Die Geschichte von AstraZenecas Corona-Impfstoff ist gezeichnet von Kommunikationsfehlern, Impfstopps und ständigen Lieferengpässen.Aktuelle Berichte über Hirnvenenthrombosen nach AstraZeneca-Impfungen bei unter 60-Jährigen sorgen besonders in Europa für Unsicherheit. Bis zum 22. März meldete die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) bei 25 Millionen Impfungen 86 Fälle von Hirnvenenthrombosen in Europa, von denen 18 tödlich verliefen — in Deutschland wurden Stand 10. April 42 Fälle dokumentiert, acht Patienten starben. Ein Zusammenhang zwischen dem Impfstoff und den Gerinnseln ist denkbar, dennoch überwiegen laut der WHO die Vorteile der Impfung die Risiken.

Bundesgesundheitsminister Spahn rechnet damit, dass im Sommer die Impfreihenfolge fällt. Einigen Bundesländern ist das zu spät – und sie preschen vor.

Die Länderkammer hat über die Neuregelung des Infektionsschutzgesetzes beraten. © dpa Die Länderkammer hat über die Neuregelung des Infektionsschutzgesetzes beraten.

Nach der „Corona-Notbremse“ nimmt sich der Bund die Impfkampagne vor: Wenn am Montag die Ministerpräsidenten der Länder zusammenkommen, stehen gleich eine Reihe von Maßnahmen zur Debatte, die das Impftempo beschleunigen sollen – und gleichzeitig Geimpften und Genesenen mehr Freiheiten erlauben sollen.

Konkret steht unter anderem die Impfpriorisierung auf der Agenda. Laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn könnte wohl im Juni keine offiziell festgelegte Reihenfolge mehr notwendig sein. Wenn es früher sein sollte, wäre er froh, sagte der CDU-Politiker im Bundesrat am Donnerstag.

Mitarbeiter sagt, warum AstraZeneca „nicht in einer Million Jahren“ noch mal einen Impfstoff entwickeln würde

  Mitarbeiter sagt, warum AstraZeneca „nicht in einer Million Jahren“ noch mal einen Impfstoff entwickeln würde Die Geschichte von AstraZenecas Corona-Impfstoff ist gezeichnet von Kommunikationsfehlern, Impfstopps und ständigen Lieferengpässen.Aktuelle Berichte über Hirnvenenthrombosen nach AstraZeneca-Impfungen bei unter 60-Jährigen sorgen besonders in Europa für Unsicherheit. Bis zum 22. März meldete die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) bei 25 Millionen Impfungen 86 Fälle von Hirnvenenthrombosen in Europa, von denen 18 tödlich verliefen — in Deutschland wurden Stand 10. April 42 Fälle dokumentiert, acht Patienten starben. Ein Zusammenhang zwischen dem Impfstoff und den Gerinnseln ist denkbar, dennoch überwiegen laut der WHO die Vorteile der Impfung die Risiken.

Er gehe Stand heute aber davon aus, dass die Priorisierung im Juni aufgehoben werden könne. Dann hätten alle Menschen der vierten und fünften Risikogruppe eine Erstimpfung erhalten, was ungefähr der Hälfte der Bevölkerung entspricht.

Einigen Bundesländern geht das jedoch nicht schnell genug. Sie wollen den Impfstoff von Astra-Zeneca wesentlich breiter einsetzen als bisher. Nachdem Berlin und Nordrhein-Westfalen bereits vor Wochen die Impfpriorisierung für Personen im Alter von 60 und älter aufgehoben hatten, folgten nun Bayern, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern.

Man gebe den Impfstoff von Astra-Zeneca ab sofort „für alle Altersklassen unabhängig von der Priorität“ frei, teilte der mecklenburg-vorpommerische Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) mit. Die Freigabe sei „ein Angebot, dass diejenigen, die keine oder wenige Vorbehalte gegen den Impfstoff haben, die Möglichkeit nutzen können, sich gegen das Coronavirus auch impfen zu lassen“. Ziel sei es, dass kein Impfstoff liegen bleibe.

Jens Spahn: »Man muss nicht auf dieses Bundesgesetz warten«

  Jens Spahn: »Man muss nicht auf dieses Bundesgesetz warten« Die Infektionszahlen steigen, die Intensivmedizin warnt. Jetzt hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn an die Länder appelliert, härtere Regeln zu erlassen – noch bevor die Bundesnotbremse kommt. © POOL / REUTERS Nach einem Rückgang der Meldungen über die Osterfeiertage ist die Sieben-Tage-Inzidenz an Coronafällen bundesweit nun auf 160,1 gestiegen. Intensivmediziner fordern schnelles Handeln. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat bei seiner wöchentlichen Pressekonferenz mit dem Chef des Robert Koch-Instituts Lothar Wieler gefordert, die Warnungen der Intensivmediziner und Pflegekräfte ernst zu nehmen.

Länder weichen Priorisierung auf

Sachsen hatte einen ähnlichen Weg mit Vorbehalten gegen Astra-Zeneca begründet. Wegen der hohen Mengen an erwartetem Biontech-Impfstoff gebe es Impfberechtigte, die lieber auf das Präparat des Mainzer Unternehmens warten wollten, obwohl sie bereits Anrecht auf eine Astra-Zeneca-Impfung hätten.

Auch das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI) empfiehlt, die Impfpriorisierung aufzuheben. Bereits Anfang Mai seien ein Drittel der Bevölkerung mindestens einmal geimpft, sagte ZI-Chef Dominik Stillfried dem Handelsblatt. Mehr als die Hälfte der über 60-Jährigen würden dann mindestens eine Erstimpfung erhalten haben.

„Angesichts der pandemischen Lage zählt jetzt jede Impfung“, so Stillfried. „Daher sollte bereits ab Anfang Mai grundsätzlich jeder, der geimpft werden will, eine Erstimpfung erhalten können. “

Wie alt müssen Sie sein, um den AstraZeneca Covid-19-Impfstoff in jeder Provinz zu erhalten?

 Wie alt müssen Sie sein, um den AstraZeneca Covid-19-Impfstoff in jeder Provinz zu erhalten? © Yves Herman / Reuters A Medical Worker bereitet eine Dosis des AstraZeneca-Oxford Covid-19-Impfstoffs in einem Impfzentrum in Antwerpen, Belgien, 18. März, 2021 vor. Viele kanadische Provinzen lassen nun die Geborenen 1981 oder früher, um das zu bekommen Impfstoff. Viele Provinzen senken das Alter der Berechtigungszeiten für den Astrazeneca-Oxford-Impfstoff auf bis zu 40. Hier finden Sie die Regeln, Empfehlungen, und Altersabstände im ganzen Land.

Andere Bundesländer verweisen hingegen darauf, dass die Impfpriorisierung erst dann fallen sollte, wenn genügend Impfstoff zur Verfügung stehe. Ähnlich äußerte sich Thomas Mertens, Chef der Ständigen Impfkommission (Stiko). Es müssten mit den begrenzten Impfstoffmengen weiter möglichst Menschen mit hohem Risiko vor einem schweren Krankheitsverlauf geschützt werden, sagte er.

Auch der Vorstand der Stiftung Patientenschutz hält nichts von einer vorgezogenen Aufhebung der Priorisierung. „Erst wenn die Fakten auf dem Tisch liegen und genügend Impfstoff da ist, kann über eine noch weitere Öffnung der ethischen Reihenfolge gesprochen werden”, sagte Eugen Brysch dem Handelsblatt. Das Bundesgesundheitsministerium gab sich in der Frage bislang zurückhaltend. „Es gibt eine Empfehlung der Stiko, auf deren Grundlage wir eine Impf-Verordnung formuliert haben“, heißt es.

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