Welt & Politik Das neue, schreckliche Leben in Gaza und Israel

21:25  14 mai  2021
21:25  14 mai  2021 Quelle:   dw.com

Nahostkonflikt: Israel greift Hamas-Tunnelnetz im Gazastreifen an

  Nahostkonflikt: Israel greift Hamas-Tunnelnetz im Gazastreifen an "Viele Kilometer" des Netzes seien beschädigt worden, teilt das Militär mit. Bundesregierung will antisemitische Demonstrationen nicht dulden. Unbekannte versuchen, eine Israel-Flagge an einem Thüringer Rathaus zu verbrennen. • Die Lufthansa sagt Flüge nach Israel bis Montag ab.Israel greift Hamas-Tunnelnetz im Gazastreifen anDer Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern hat sich seit Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan Mitte April zugespitzt. Verfolgen Sie alle Entwicklungen im Newsblog.

Der Konflikt zwischen der Hamas und Israel eskalierte vor weniger als fünf Tagen. Und die überfallartigen Angriffe quälen Menschen auf beiden Seiten.

Ausgebombt in Gaza: Palästinensische Kinder versuchen ihre Habseligkeiten in Sicherheit zu bringen © Mohammed Salem/REUTERS Ausgebombt in Gaza: Palästinensische Kinder versuchen ihre Habseligkeiten in Sicherheit zu bringen

Am Montag herrschte noch festliche Stimmung in Gaza. Inmitten der Pandemie bereiteten sich die Einwohner so gut es ging auf das Ende des heiligen Fastenmonats Ramadan vor. "Wir haben unsere Häuser geputzt und den Kindern neue Kleider für das Fest gekauft. Aber jetzt ist alles anders", erzählt Mariam Sersawi aus Gaza am Vorabend des dreitägigen Fastenbrechens.

White House sagt, die Sicherheit von Journalisten ist "Paramount", nachdem das White House bombardiert wurde

 White House sagt, die Sicherheit von Journalisten ist © Getty White House sagt, dass die Sicherheit von Journalisten 'Paramount' nach Gaza-Gebäude bombardiert White House Press-Sekretär Jen Psaki getwittert nach dem Streik auf dem evakuierten Gebäude, das die Sicherheit von Journalisten "Paramount" ist. "Wir haben uns direkt an die Israelis mitgeteilt, die sicherstellen, dass die Sicherheit und Sicherheit von Journalisten und unabhängigen Medien eine vorrangige Verantwortung ist," Psaki hat geschrieben.

Sersawi ist 25 Jahre alt und Autorin. Sie lebt in Shejaieh, im Osten der Stadt Gaza. Weder sie noch die anderen hätten sich vorstellen können, wie schlimm es an diesem Tag noch kommen würde. Der neue, rasant eskalierende Konflikt erinnert sie an den Krieg, der 2014 ihr Viertel verwüstete. "Ich bin verzweifelt. Der Lärm der Bomben ist furchtbar", sagt sie und kämpft am Telefon mit den Tränen. "Ich bin erschöpft."

In den folgenden Tagen spitzte sich die Lage immer mehr zu, und die Einwohner beschreiben in den sozialen Medien, wie entsetzlich sich die heftigen Bombardierungen aus Israel anfühlen.

"Die Angriffe sind gefährlicher als 2014"

Allein in der Nacht auf Freitag griffen 160 israelische Kampfflugzeuge das Palästinensergebiet an. Den Menschen im Gaza-Streifen haben sich drei Kriege und mehrere kürzere militärische Konflikte ins Gedächtnis gebrannt. Jetzt müssen sie sich schnell wieder anpassen und zu Hause verstecken. Heraus trauen sie sich nur, um das Nötigste zu kaufen. Denn in Gaza gibt es keine Luftschutzkeller und auch keinen Fliegeralarm. Zwei Millionen Einwohner leben in dem von Israel blockierten Gebiet, das die militante Hamas kontrolliert.

Heavy Bombenangriffe in Gaza, da die israelische PM sagt, dass er auf der Hamas

 Heavy Bombenangriffe in Gaza, da die israelische PM sagt, dass er auf der Hamas -Bombenangriffe in den frühen Morgenstunden in Gaza fortgesetzt hat. © Reuters Israel hat eine frische Serie von Schwerluftstrecken auf Gaza -Explosionen von Gaza City für die 10. Minute am Montagmorgen entfesselt und dauerte länger und richtete einen größeren Bereich als die Luftangriffe, die 42 Palästinenser täglich töteten. Die gewalttätigen Angriffen haben sich für eine Woche angeblich mit Gebäuden in der ganzen Stadt und Kinder unter denen getötet.

Am Montag bereitete Abed Shokry, Dozent an der Islamischen Universität Gaza, im Homeoffice seine Vorlesung vor, als ihm klar wurde was passierte. "Was wollen die Israelis von uns?" fragt er sich. Inzwischen wechselt er zuhause ständig von einem Raum in den nächsten, um ein Gefühl von Sicherheit zu finden. Die Bombenangriffe haben auch sein Haus erschüttert. "Die Angriffe sind stärker, gefährlicher und gewaltiger als 2014", berichtet er am Telefon. "Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich fühle mich ohnmächtig, hilflos. Wir können nichts machen. Es gibt keinen sicheren Ort. Wir haben keinen Bunker."

Mehr als 10 Jahre lang lebte Shokry in Deutschland, bevor er 2007 nach Gaza zurückkehrte. Genau zu dieser Zeit verschärften Israel und teilweise auch Ägypten die Blockaden im Gaza-Streifen, nachdem die Hamas die Macht ergriffen hatte. Auf WhatsApp schreibt er am Freitag, das israelische Militär habe seine Nachbarn aufgefordert, das Hochhaus nebenan zu evakuieren. "Wenn sie es bombardieren und zerstören, sind auch wir davon betroffen. Ich kann nur versuchen, unsere Kinder zu beruhigen."

Acht Nächte der Gewalt zwischen Israel und Gaza, als Biden frische Anruf für den Waffenstillstand

 Acht Nächte der Gewalt zwischen Israel und Gaza, als Biden frische Anruf für den Waffenstillstand macht die Kämpfe zwischen Israel und Hamas zeigt nur wenige Anzeichen, dass Sie nach einer weiteren Nacht von Bombardements verlangsamt werden. © Reuters Rauch steigt über Gaza aus einem vermuteten israelischen Raketenstreik am Dienstagmorgen weitere Streiks auf Gaza wurden an diesem Morgen mit Schwierigkeiten mit Rauchraucher berichtet, die von vermuteten israelischen Raketenstreiks steigen.

Man habe ahnen können, sagt Shokry, wie sehr die Geschehnisse in Jerusalem auch den Gaza-Konflikt betreffen. Dennoch hat der Ausbruch der Kämpfe die meisten Menschen überrascht.

Israel hat 160 Kampfflugzeuge nach Gaza geschickt © Qusay Dawud/AFP/Getty Images Israel hat 160 Kampfflugzeuge nach Gaza geschickt

Zwangsräumungen und Proteste

Seit Wochen gab es Konfrontationen zwischen palästinensischen Einwohnern und israelischen Polizisten in dem Scheich Dscharrah-Viertel in Ost-Jerusalem. Als rechte israelische Politiker die Gegend besuchten, was als Provokation aufgefasst wurde, und schließlich auch rechtsextreme Israelis dort demonstrierten, wurden die Spannungen weiter angeheizt.

Vier Familien in dem palästinensischen Viertel wehrten sich gegen drohende Zwangsräumungen zugunsten von israelischen Siedlern. Auf dem Harem Al Sharif, den die Juden Tempelberg nennen, und in der Al-Aqsa-Moschee kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen zwischen israelischen Sicherheitskräften und Palästinensern. Hamas drohte mit einem Ultimatum: Israel müsse die Sicherheitskräfte von dem heiligen Gelände und aus dem Scheich Dscharrah zurückziehen. Um 18 Uhr Ortszeit schoss die Hamas schließlich mehrere Raketen nach Jerusalem.

Nahostkonflikt: USA verurteilen Erdoğan für "antisemitische" Äußerungen

  Nahostkonflikt: USA verurteilen Erdoğan für Beispiele nennt das US-Außenministerium nicht, fordert den türkischen Präsidenten aber auf, keine "aufwieglerischen Bemerkungen zu machen, die zu weiterer Gewalt führen könnten". Israel und die Hamas setzen ihre gegenseitigen Angriffe fort.• Die Kämpfe zwischen Israels Militär und der Hamas dauern weiter an.

Israel hat Berichten zufolge mehr als 600 Luftangriffe auf Gaza gestartet. Palästinensische Kämpfer haben nach israelischer Zählung insgesamt 1800 Raketen Richtung Südisrael und in die Landesmitte geschossen. Das ist der Stand am Freitag.

Im Ausland werden die intensiven Angriffe mit Sorge verfolgt. Aber ein Waffenstillstand erscheint zur Zeit unwahrscheinlich.

"Ich habe gesagt, dass die Hamas und die anderen Terrororganisationen einen sehr hohen Preis zahlen werden. Dafür sorgen wir gerade und wir werden die Angriffe mit großer Intensität fortsetzen", sagte Premierminister Benjamin Netanjahu am Donnerstagabend. "Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen und diese Operation wird so lange wie nötig weitergehen bis wieder Ruhe und Sicherheit in Israel herrscht."

Doch er betonte, dass Israel an "zwei Fronten" kämpfe. Damit meint er die inländischen Konflikte zwischen Juden und arabischen Israelis oder Palästinensern mit israelischer Staatsangehörigkeit. In vielen "gemischten" Städten in Israel kam es zu erheblichen Unruhen mit Sachschäden und Attacken auf Einzelpersonen. Die Gewaltausbrüche kamen ebenso von rechtsextremen Israelis wie von arabischen Israelis. In der Stadt Lod musste eine Ausgangssperre verhängt werden.

Israel billigt das Waffenstillstand, der wahrscheinlich 11-Tage-Konflikt mit dem Hamas

 Israel billigt das Waffenstillstand, der wahrscheinlich 11-Tage-Konflikt mit dem Hamas -Israel beendet wurde. © Fatima shbair / Getty Images Palästinenser inspizieren Schäden an Gebäuden in Gaza City am 20. Mai, 2021 in Gaza City, Gaza. Israel hat gerade ein einseitiges Waffenstillstand genehmigt, nachdem sie sich nach 11 Tagen nach dem Eskalieren von Gewalt mit Hamas im Gazastreifen erklatschen. Premierminister Benjamin Netanyahu 's Sicherheitskabinett gab dem Waffenstillstand ein grünes Licht, aber es wurde noch nicht klar gemacht, wenn er stattfinden wird.

In Gaza haben die Einwohner keine Bunker © Yehuda Perez/AFP/Getty Images In Gaza haben die Einwohner keine Bunker

Von ständigen Angriffen abgestumpft

Im südisraelischen Ashkelon heulen wieder einmal die Sirenen. Die Stadt nördlich des Gaza-Streifens hat in den vergangenen Tagen unzählige Raketen abbekommen. Routiniert eilen die Besucher eines Einkaufszentrums sowie Menschen aus der Nachbarschaft in die Tiefgarage. Kaum angekommen, hören sie laute Knallgeräusche. Es ist die sogenannte Eisenkuppel, der Iron Dome. Mit diesem Abwehrsystem fängt Israel die Raketen aus Gaza ab. Vor einem Tag traf dennoch ein Geschoss die Straße und beschädigte Häuser und Autos. "Es ist schon sehr stressig", sagt uns Shula Elimelech. "Aber wir halten uns an die Maßnahmen und vertrauen den israelischen Verteidigungsstreitkräften. So Gott will, wird es gut ausgehen."

Oben bereitet Bäcker Shmaayah Sassporta trotz allem das traditionelle Challah-Brot für den Shabbat vor. "Das passiert schon seit vielen Jahren. Und ich glaube nicht, dass es bald aufhört", sagt Sassporta. Er zuckt mit den Schultern, denn die ständige Gefahr eines Angriffs hat ihn schon abgestumpft.

Weiter südlich, in einem kleinen Moshav in der Nähe des Grenzzauns zwischen Gaza und Israel, spricht Yoga-Lehrerin Anat Partoush aus einem Panikraum per Videoanruf mit uns. Gerade habe sie sich daran gewöhnt, nach der Pandemie wieder arbeiten zu gehen. Nun müsse sie erneut zu Hause bleiben. Wenn der Fliegeralarm losgehe, habe man nur wenige Sekunden um Schutz zu finden. "Ich habe keine große Angst, ich bin nur frustriert. Wir haben Bunker und der Iron Dome gibt mir ein sicheres Gefühl. Es ist nicht schön, all diese Raketen zu hören, aber ich weiß, das ist nur vorübergehend so."

Joe Bidingen sagt, dass die zwei-staatliche Lösung nur den Weg zu Frieden wie Israel-Hamas CaseFire Holds

 Joe Bidingen sagt, dass die zwei-staatliche Lösung nur den Weg zu Frieden wie Israel-Hamas CaseFire Holds US-Präsident Joe Bidingen hat, sagte, eine Zwei-Staat-Lösung ist die einzige Antwort, um den Konflikt zwischen Israel und den palästinensischen Leuten zu lösen. © Assoction Presse Personen in Gaza bewerten den Schaden nach dem Waffenstillstand. PIC: AP spricht auf einer weißen Haus-News-Konferenz, Mr. Bide sagte, dass er betete, dass der derzeitige Waffenstillstand zwischen Israel und Hamas halten würde.

Der Iron Dome, Israels Abwehrsystem, fängt Raketen ab © Jack Guez/AFP/Getty Images Der Iron Dome, Israels Abwehrsystem, fängt Raketen ab

Noch ein langer Weg zum Frieden

Partoush unterstützt Netanjahus Likud-Partei und freut sich, dass der Premier immer noch an der Macht ist. "Wir haben schließlich keinen Zauberstab. Viele geben Netanjahu die Schuld und alle fühlen sich so schlau. Dabei ist es kompliziert und ich bin froh, dass Bibi Netanjahu darüber noch nicht verrückt geworden ist."

Der amtierende Premier hat es nach der Wahl nicht rechtzeitig geschafft, eine neue Koalition zu formen. Seine Rivalen, Yair Lapid von der Yesh Atid-Partei und Naftali Bennett von der Yamina-Allianz, haben sich an einem breiteren politischen Bündnis versucht. Doch am Donnerstag berichteten israelische Medien, so eine Regierung käme für Bennett doch nicht mehr in Frage. Er wolle nun wieder mit Netanjahu eine rechte, nationalistische und religiös orientierte Regierung bilden.

Yoga-Lehrerin Partoush setzt auf arabische Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate oder Bahrain, mit denen Israel seine Beziehungen kürzlich wieder normalisiert hat, um eine langfristige Lösung für den Konflikt mit den Palästinensern zu finden. Aber solange Gaza von der Hamas kontrolliert werde, da ist sie sich sicher, könne es keine politische Lösung geben. Und von daher ist es noch ein langer Weg zum Frieden.

Autor: Tania Krämer

-Gaza-Bücherhandhabers, die unter dem Trümmern .
Die Träume des seit Jahrzehnten begraben wurden, war es der richtige Ort, um Bücher im blockierten Gazastreifen, von Schultexten bis zum Koran bis hin zu arabischen Übersetzungen europäischer Literaturklassiker. © Emmanuel Dunand Palästinenser gehen an den Ruinen des Al-Nahda-Briefpapiers und der Buchhop vorbei.

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