Welt & Politik Antisemitismus: Antisemitismus verschwindet nicht durch Verbote

14:00  20 mai  2021
14:00  20 mai  2021 Quelle:   zeit.de

Simin Jawabreh: "Palästinenser*innen werden entmenschlichend dargestellt"

  Simin Jawabreh: Rechte Politiker*innen kritisieren derzeit "importierten" Antisemitismus. Viele Deutsch-Palästinenser*innen fühlen sich ungehört. Eine davon ist Simin Jawabreh. © Paul Gäbler Simin Jawabreh ist Deutsch-Palästinenserin. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, wie es ist, in Deutschland für die Rechte von Palästinenser*innen zu kämpfen. Seit Wochen finden weltweit Demonstrationen für Palästina statt. In Deutschland kam es auf einigen davon zu antisemitischen Ausschreitungen.

Unser Autor schwang als Schüler antisemitische Parolen, in der Schule erlebte er keinerlei Korrektiv. Heute ist er Lehrer und berichtet, wo er und seine Kollegen ansetzen

Pro-palästinensische Proteste in Berlin © Carsten Koall/​Getty Images Pro-palästinensische Proteste in Berlin

In den vergangenen Tagen ist der Nahostkonflikt wieder in den Schlagzeilen. Raketenbeschuss, das Recht auf Selbstverteidigung und antisemitische Demonstrationen in Deutschland sind Themen, die die Zeitungen beherrschen und auch meine Schülerinnen und Schüler beschäftigen. "Hass ist keine Lösung", sagt eine Schülerin angesichts des verbreiteten Antisemitismus auf vermeintlichen Pro-Palästina-Demonstrationen.

Boris Johnson verspricht Unterstützung von Juden inmitten von "beispiellosen" Anstieg des Antisemitismus

 Boris Johnson verspricht Unterstützung von Juden inmitten von Boris Johnson hat den Anti-Semitismus in den britischen Straßen "unerträglich", und die Botschaft, die nicht akzeptiert wird, "muss eindeutig angenommen werden Die Top-Rabbi des Landes geist den Aufstieg der Hassverbrechen als "beispiellos" an.

Pandemiebedingt ist es derzeit schwer, engagierte Klassengespräche von Angesicht zu Angesicht zu führen. In der Vergangenheit ergaben sich infolge von Eskalationen im Nahen Osten manchmal sehr emotionale Diskussionen im Unterricht. Also habe ich meine Schüler und Schülerinnen in der vergangenen Woche per Messenger und im Video-Unterricht gefragt, was sie über den Konflikt denken und wie sie sich fühlen, wenn sie die Bilder der teils gewaltsamen Demonstrationen in Deutschland sehen oder die hasserfüllten, antisemitischen Parolen von jungen Menschen in Gelsenkirchen oder Berlin hören.

Viele Schüler haben sich auf meinen Aufruf gemeldet – ihre Meinungen liegen nicht weit auseinander. Dabei äußert sich keine meiner Schülerinnen und Schüler zum Existenzrecht Israels oder zum Anspruch der Palästinenser auf einen eigenen Staat. Was sie viel mehr bewegt, ist der Umgang mit dem Konflikt hier in Deutschland. Alle sind geschockt von den Bildern aus Gelsenkirchen am Freitag. Meine Schüler halten besonders den Rassismus auf beiden Seiten für ein großes Übel: "Zu sagen, dass alle Juden schuld sind oder dass alle Muslime Terroristen sind, bringt nichts", schrieb ein Schüler. Insgesamt haben sie kein Verständnis für die antisemitischen und hasserfüllten Parolen, die zu hören waren.

Montreal-Areal-Bürgermeister fordert kommunale Führungskräfte zur Verurteile der jüngsten antisemitischen Apostelungen

 Montreal-Areal-Bürgermeister fordert kommunale Führungskräfte zur Verurteile der jüngsten antisemitischen Apostelungen Montreal-Polizei sagen, dass sie in mehreren Nachbarschaften mit großen jüdischen Bevölkerungen als "vorbeugende" Maßnahme nach mehreren antisemitischen Vorfällen gesteigert haben. ©, die von der kanadischen Presse zur Verfügung gestellt wird , Outhemont und Plateau-Mont-Royal, um sicherzustellen, dass die Menschen sicher fühlen.

Trotzdem fühlen sich die meisten meiner muslimischen Schülerinnen und Schüler den Palästinensern verbunden. Wenn Bilder toter palästinensischer Kinder in den Newsfeeds die Runde machen, wühlen diese natürlich emotional auf. Als Lehrer möchte ich dafür sorgen, dass sie den Konflikt nicht zu einseitig sehen und vor allem, dass sie nicht an antisemitische Narrative vom Juden als Kindermörder glauben, so wie ich es als damals tat. Dafür braucht es viel Einfühlungsvermögen.

Als Jugendlicher erlebte ich die israelisch-palästinensischen Konflikte im Gegensatz zu meinen Schülern ohne soziale Medien. Radikalisiert wurden wir durch junge Männer, Mitte zwanzig, die in den Moscheen für uns den Nahostkonflikt in ein antisemitisches Weltbild einordneten, Selbstmordattentäter als mutig anpriesen.

Ein großes Problem war damals das fehlende Korrektiv – zum Beispiel in der Schule. Über den Nahostkonflikt sprach man nicht, über die Hintergründe lernten wir nichts. Wenn wir als Jugendliche doch einmal im Unterricht über unsere antisemitischen Ansichten diskutieren wollten, wurden wir von den Lehrern entweder abgewürgt oder man gab uns mit einem geraunten "Über Israel dürfen wir Deutschen ja nichts Negatives sagen" indirekt recht.

Katharina Galor: "Man darf Israel-Kritik nicht mit Antisemitismus verwechseln"

  Katharina Galor: Die deutsch-israelische Historikerin Katharina Galor hat in Berlin lebende Israelis und Palästinenser zu ihren Erfahrungen befragt. Sie fühlen sich ungleich behandelt. © Carsten Koall/​dpa Gedenkveranstaltung am ZEIT ONLINE: Frau Galor, für ein Buchprojekt haben Sie 2018 gemeinsam mit dem palästinensischen Friedensforscher Sa'ed Atshan in Berlin lebende Israelis und Palästinenser, aber auch Deutsche interviewt.

Damals in der Oberstufe nahm ich an einer antiisraelischen Demonstration teil. Ähnlich wie in Gelsenkirchen vermischten sich damals antisemitische Rufe zu einem vulgären Chor. Unsere Wut reagierten wir auf der Demo ab, wir wollten etwas gegen die gefühlte Ungerechtigkeit tun. Es war ein Gefühl des Triumphs, für das ich mich heute schäme.

Es hat lange gedauert, bis ich so differenziert auf das Problem schauen konnte, wie es viele meiner Schülerinnen und Schüler heute tun. Eine Schülerin erzählte mir, wie enttäuscht sie von den Jugendlichen in Gelsenkirchen ist: "Sie nutzen den Konflikt, um Judenhass zu verbreiten." Tatsächlich machen meine Schülerinnen und Schüler einen großen Unterschied zwischen tatsächlich Betroffenen und Trittbrettfahrern. Ein Mädchen empört sich: "Was mich sehr aufregt, sind Menschen, die eigentlich gar nicht unter dem Konflikt leiden, aber sich trotzdem auf eine Seite schlagen." Wenig später postete ein Schüler eine Kachel mit einem Laschet-Zitat in unsere Chatgruppe. Laschet hatte auf Facebook gepostet, dass seine tiefe Solidarität den Menschen in Israel gilt. Das Zitat macht viele meiner Schüler wütend. Für sie gießt eine einseitige Solidaritätsbekundung Öl ins Feuer.

Antisemitismus: Laschet für Verbot der Hamas-Fahne

  Antisemitismus: Laschet für Verbot der Hamas-Fahne NRW-Ministerpräsident will Rechtsveränderung im Umgang mit der Terrororganisation.Die Hamas schwäche die palästinensische Autonomiebehörde. Sie mache die „vielen friedlich in Gaza lebenden Menschen zur Geisel für ihre terroristischen Aktivitäten“, so Laschet. Deshalb sei eine Rechtsveränderung erforderlich. „Wir haben die Fahne der PKK verboten, weil es eine terroristische Organisation ist. Die Hamas-Fahne ist bis heute nicht verboten.

"Ich habe dann das Gefühl, dass sich solche Politiker über den Konflikt freuen, statt dass sie sich ein Ende wünschen", sagte eine meiner Schülerinnen. Insgesamt empfinden viele Jugendliche an meiner Schule die Berichterstattung hierzulande als zu einseitig. Noch vor wenigen Jahren wurde solche Kritik im Klassenzimmer mit dem antisemitischen Narrativ des "alles beherrschenden Weltjudentums" unterfüttert. Meine heutigen Schüler sehen das nicht so, formulieren ihre Medienkritik viel sachlicher – und ohne dahinter eine Verschwörung zu wittern. Auch bemühen sich meine Schülerinnen und Schüler darum, die Perspektive zu wechseln – und auch die Israelis nicht als völlig homogene Gruppe wahrzunehmen: "Soweit ich weiß, gibt es auch viele Israelis, die ihre Regierung kritisieren und das Leid der Palästinenser schlimm finden", höre ich von ihnen. Und auch, dass sie sich eine diplomatische Lösung des Konfliktes wünschen.

Mein persönlicher Eindruck: Der Antisemitismus, der vor wenigen Jahren an unserer Schule noch zu hören war, ist in den vergangenen Jahren tendenziell einer viel empathischeren Sichtweise gewichen. Vielleicht liegt es daran, dass wir seit einigen Jahren gerade im islamischen Religionsunterricht das Thema Israel und jüdisches Leben ganz bewusst aufgreifen. Meine Kolleginnen und ich reden mit unseren Schülern über jüdisches Leben nicht nur im Zusammenhang mit dem Holocaust oder dem Nahostkonflikt. Stattdessen haben wir auch andere Schwerpunkte gesetzt, versuchen unseren Schülern jüdisches Alltagsleben näherzubringen, egal, ob in Deutschland, den USA oder auch Israel.

, als Hamas israelische Zivilisten angreift, bietet der Kader ein "All Lives Angelegenheit" -Read-Antisemitismus

, als Hamas israelische Zivilisten angreift, bietet der Kader ein im Jahr 2019, nach dem Repräsentanten Antisemitismus. Ich sage "versucht", weil dank ihrer Freunde an hohen Orten dank ihrer Freunde, die Entschließung wurde verwässert. Sie machten es zu einer decketen Verurteilung der Bigotterie, einschließlich der Art, die weniger modisch sind als der Antisemitismus in ultra-linken Kreisen. Letztendlich verurteilte die Resolution "weiße Supremazisten", die Bigotry gegen über ein Dutzend Minderheiten nutzen.

Wer Menschen einer bestimmten Religion nur im Zusammenhang mit Krieg und Tod kennenlernt, wird zu ihnen nur schwer ein gesundes Verhältnis aufbauen. Juden werden in der Schule oft nur als die stummen Opfer des Holocausts wahrgenommen oder tauchen vielleicht im Politikbuch auf einem kleinen Foto in Armee-Uniformen auf. Im privaten Leben lernen die meisten unserer Schüler nie jüdische Menschen kennen, auch ich musste dafür damals erst nach Japan reisen. Dort studierte ich während meines Auslandsstudiums gemeinsam mit Sivan, einem jüdischen Israeli, dessen Familie in der Nähe der israelischen Stadt Sderot wohnte. Sowohl Sivan als auch ich hatten uns nie mit "der Gegenseite" unterhalten, ich war der erste nicht-arabische Muslim, den Sivan kennenlernte, und er der erste Israeli, dem ich begegnete. Der Perspektivwechsel half uns Empathie zu entwickeln, die uns beiden in unserer Jugend abtrainiert worden war.

Und doch ertappe ich mich selbst auch manchmal dabei, wie mein altes Ich meine Emotionen bestimmt, wenn ich sehe, wie die israelische Polizei die Al-Aksa-Moschee stürmt, Tränengasgranaten und Gummigeschosse in den Gebetsraum auf die Betenden feuert. Die Videos erzählen natürlich nicht, was kurz vorher passiert ist: Warum die Polizei die Moschee stürmte, dass Jugendliche mit Steinen warfen und sich anschließend in der Moschee versteckten. Und genau das ist so schwierig wie wichtig: immer wieder genauer hinzuschauen, emotionalen Abstand aufzubauen, und zu versuchen, die Lage objektiv zu beurteilen. Die Schüler und Schülerinnen brauchen einen geschützten Raum, in dem sie mit ihren Emotionen nicht allein sind und wo sie trotzdem immer wieder auch für die Warte der anderen Seite sensibilisiert werden.

Politiker, die heute im Wahlkampfmodus nach den neusten antisemitischen Entgleisungen wieder reflexartig nach härteren Strafen rufen, werden wieder verstummen, sobald der Nahostkonflikt aus den Schlagzeilen verschwunden ist. Wer allerdings nachhaltig etwas verändern möchte, der muss in den Kernlehrplänen der gesellschafts- und geisteswissenschaftlichen Fächer verbindliche Lehrangebote zur Antisemitismusprävention machen. Diese Aspekte müssen in das Lehramtsstudium und in die sich daran anschließende Lehramtsausbildung einfließen, damit Lehrkräfte bei dem Thema nicht überfordert werden. Aber vor allem brauchen wir Lehrerinnen und Lehrer, die mit ihren Schülern offen und an einigen Stellen auch provokativ über das Thema sprechen – ohne von ihnen zu erwarten, dass sie stumm zu politisch korrekten Ansichten nicken. Denn Antisemitismus lässt sich verbieten, verschwindet deswegen aber nicht. Genau das müsste die deutsche Mehrheitsgesellschaft ja am besten wissen.

Demokraten schreien sich über Marjorie Taylor Greene, um von der Antisemitismus der Partei-Semitismus der Partei .
GOP GOP GOPLOR GEGRUNDE ablenken. Während Greene sofort von der GOP-Führung verurteilt wurde, warten wir weiterhin auf Demokraten, um mit ihren eigenen schlechten Schauspielern umzugehen. © von Washington Examiner Greene ist ein Aufmerksamkeitssucher, der wenig kümmert, dass sie ein Anker ist, der die republikanische Partei mit ihren Antiken hinunterzieht.

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