Welt & Politik Angela Merkel gibt Versäumnisse beim Klimaschutz zu

14:55  22 juli  2021
14:55  22 juli  2021 Quelle:   spiegel.de

Merkel räumt Versäumnisse beim Klimaschutz ein und appelliert bei Corona an die Impfbereitschaft

  Merkel räumt Versäumnisse beim Klimaschutz ein und appelliert bei Corona an die Impfbereitschaft Berlin . Hochwasser, Klimaschutz, Corona – auch der letzte Auftritt der Bundeskanzlerin vor der Hauptstadtpresse ist geprägt von Krisen und viel Arbeit. Beim Klimaschutz räumt Angela Merkel Versäumnisse ein – und sie kritisiert auch das Unionswahlprogramm. © Wolfgang Kumm Angela Merkel (CDU) bei ihrer voraussichtlichen letzten Pressekonferenz vor der Hauptstadtpresse. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Versäumnisse beim Klimaschutz eingeräumt und das Unionswahlprogramm beim Klimaschutz in Teilen kritisiert.

Angela Merkel drängt darauf, das Tempo beim Klimaschutz anzuziehen. Auf ihrer letzten Sommerpressekonferenz gab die Kanzlerin aber auch zu, dass es in ihrer Amtszeit Enttäuschungen über ihre Politik dazu gegeben habe.

  Angela Merkel gibt Versäumnisse beim Klimaschutz zu © Wolfgang Kumm / dpa

Kanzlerin Angela Merkel hat bei der letzten Sommer-Pressekonferenz Versäumnisse und Enttäuschungen in der Klimaschutz-Politik eingeräumt. Gemessen an dem Ziel, den weltweiten Klimaanstieg bis auf zwei Grad zu begrenzen, sei während ihrer Kanzlerschaft »nicht ausreichend viel passiert«, sagte sie. »Deshalb muss das Tempo angezogen werden.«

Merkel betonte zugleich ihren persönlichen Einsatz für den Kampf gegen die Erderwärmung. »Ich bin der Meinung, dass ich sehr viel Kraft für den Klimaschutz aufgewandt habe«, sagte sie. »Und trotzdem bin ich ja mit wissenschaftlichem Verstand ausreichend ausgerüstet, um zu sehen, dass die objektiven Gegebenheiten erfordern, dass man in dem Tempo nicht weiter machen kann, sondern schneller werden muss.«

Kein schönes Vermächtnis der vermeintlichen Klima-Kanzlerin

  Kein schönes Vermächtnis der vermeintlichen Klima-Kanzlerin Berlin . Einst wurde Angela Merkel als „Klima-Kanzlerin“ international gefeiert. Die scheidende Bundeskanzlerin war nie froh über diesen Titel – ahnte sie, dass sie ihm nicht gerecht werden würde? Wenn es einen Makel ihrer Kanzlerschaft gibt, dann diesen. © WOLFGANG RATTAY Bundeskanzlerin Angela Merkel und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (beide CDU) an diesem Dienstag bei ihrem Besuch in Bad Münstereifel, das von der Flut stark betroffen ist. Die Ära Merkel war eine Ära des Wohlstands.

Die Kanzlerin verwies zugleich darauf hin, dass es weltweit großen Widerstand gegen einen effizienten Klimaschutz gebe – etwa bei der Umsetzung des Kyoto-Protokolls von 1997. »Ich habe viele Enttäuschungen erlebt damals«, sagte Merkel. Sie habe »sehr, sehr viel Kraft in meinem politischen Leben dafür eingesetzt, Mehrheiten dafür zu finden, dass wir wenigstens diesen Weg gehen konnten«. Dies habe »eigentlich meine gesamte politische Arbeit geprägt«.

»Je mehr geimpft sind, umso freier werden wir wieder sein«

Merkel rief die Bevölkerung angesichts steigender Infektionszahlen zu verstärkten Impfbemühungen auf. »Je mehr geimpft sind, umso freier werden wir wieder sein«, sagte die Kanzlerin. Nur gemeinsam könne die Pandemie überwunden werden. Deswegen sollten Menschen auch im privaten Umfeld und der Arbeitswelt aktiv für Impfungen werben.

Auch diejenigen, die noch zögerten, sollten bedenken: »Jede Impfung ist ein kleiner Schritt zu mehr Schutz für alle«, sagte Merkel weiter. Daher sollten auch alle, die bereits überzeugt und geimpft sind, in Familien- und Freundeskreis oder am Arbeitsplatz für mehr Impfschutz werben. »Wir wollen alle unsere Normalität zurück, aber die erhalten wir nur als Gemeinschaft zurück«, sagte die Kanzlerin.

Klimaschutz und Klimaschäden: Besser jetzt zahlen als später .
Nicht nur die aktuelle Flutkatastrophe in Deutschland zeigt: Unterlassener Klimaschutz zieht hohe Kosten nach sich. © Foto: Boris Roessler/dpa Ein zerstörtes Haus am Ortseingang von Altenahr in Rheinland-Pfalz. Es war die „kopernikanische Wende in der Geschichte der Klimapolitik“. So jedenfalls bewertete der angesehene Klimaexperte Ottmar Edenhofer einen 2006 erschienenen Bericht zur Ökonomie des Klimawandels. Darin hatte der britische Regierungsberater Nicholas Stern erstmals umfassend berechnet, wie teuer es wäre, nichts gegen den Klimawandel zu unternehmen.

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