Welt & Politik Afghanistan: Die Taliban sind nicht der wahre Feind

01:56  09 august  2021
01:56  09 august  2021 Quelle:   zeit.de

China erwartet, dass Taliban "wichtige" Rolle im afghanischen Frieden

 China erwartet, dass Taliban China mit dem Taliban als Spannungsbereiter über die Zukunft von Afghanistan folgt, nachdem der US--Militär--Entzug aus dem Land des US--Militärs mit dem US-amerikanischen Afghanistan angesprochen wurde. Eine Taliban-Delegation besuchte China diese Woche, holte die Gespräche am Mittwoch, um den Wiederaufbau von Afghanistan und die Rolle zu diskutieren, und die Rolle spielt die Taliban.

Der Siegeszug der Taliban zeigt, dass der Afghanistan-Krieg Deutschland wieder einholen wird, auch wenn die Soldaten abzogen. Der Konflikt darf Kabul nicht erreichen.

Menschen inspizieren die Trümmer von Geschäften, die bei Kämpfen zwischen den Taliban und afghanischen Sicherheitskräften in Kundus zerstört wurden. © [M]Abdullah Sahil/​dpa Menschen inspizieren die Trümmer von Geschäften, die bei Kämpfen zwischen den Taliban und afghanischen Sicherheitskräften in Kundus zerstört wurden.

Ein Moment der Erleichterung. Endlich!, dachten die meisten Deutschen, als sie im Fernsehen die Bilder der abziehenden internationalen Truppen in Afghanistan sahen. Die letzte Transportmaschine der Bundeswehr, die vom Flughafen in Mazar-il-Sharif abhebt. Endlich. Unsere Jungs in Sicherheit.

Taliban ergreift Kunduz, Erste große afghanische Stadt, um im Vakuum zu fallen. Der US-Truppenabzug

 Taliban ergreift Kunduz, Erste große afghanische Stadt, um im Vakuum zu fallen. Der US-Truppenabzug Die Taliban hat die Kontrolle von Kunduz in Nord Afghanistan ergriffen, lokale Beamte erzählten CNN am Sonntag CNN. Es ist die erste große Stadt, die in die Aufständische Gruppe fällt, seit sie im Mai ihre Offensive begonnen haben, und markiert einen großen Schlag an die afghanische Regierung.

Dieses fast schon kollektive Aufatmen über das Ende des Afghanistan-Einsatzes beweist einmal mehr, wie losgelöst die Stimmungslage der deutschen Öffentlichkeit mittlerweile von großen Teilen des Weltgeschehens ist. Es gibt keinen Grund, aufzuatmen. Im Gegenteil. Es gibt jetzt sehr viele Gründe, es mit der Angst zu bekommen, nicht nur in Kabul und Kandahar, sondern auch in Berlin und Brüssel.

Der dramatische Siegeszug der Taliban, der sich in diesen Tagen ereignet, könnte Geschichte machen. Die meisten Dörfer und ländlichen Bezirke haben sie bereits in den vergangenen Monaten erobert: 219 Bezirke kontrollieren die Taliban mittlerweile, 78 "kontrolliert" die Regierung. Wie ein Ballon, aus dem plötzlich die Luft gelassen wird, schrumpelt die vom Westen unterstützte Islamische Republik Afghanistan ein. Jetzt treten die Taliban den Sturm auf die Städte an.

Taliban Capture Dritter Afghanistan Kapital in bis zu vielen Tagen

 Taliban Capture Dritter Afghanistan Kapital in bis zu vielen Tagen Der Taliban hat in Afghanistan in Afghanistan in Afghanistan ergriffen, da der Konzern weiter aggressive und bedeutende Gewinne infolge des Rückzugs . Taliban-Aufständische beschlagnahmte am Sonntag die Stadt Kunduz in Nord Afghanistan. Kunduz ist das dritte Provinzkapital, das in drei Tagen in die Taliban fällt, aber es ist die erste große Stadt, seit der Taliban im Mai eine aggressive Militäroffensive begann.

Binnen Stunden gelang es ihnen, vier Provinzhauptstädte einzunehmen. Sarandsch im Westen, Scheberghan im Norden und, seit wenigen Stunden, die knapp 400.000-Einwohner-Stadt Kundus, in dem lange die Bundeswehr stationiert war. Oft habe ich als Reporter diese Stadt besucht, ich habe viele Freunde dort. Die meisten von ihnen antworten nicht mehr. Ich bange, dass es ihnen mit ihren Familien noch gelingt, aus der Stadt zu kommen. Schließlich fiel noch Talokan, wo die Deutschen erst neulich ein Krankenhaus errichteten.

Er war so absehbar gewesen

Viele weitere Orte sind kurz vor dem Fall. Asadabad in Kunar, auch Faizabad, ebenfalls ein früherer Bundeswehr-Standort. 20 Jahre lang war es dort ruhig, jetzt wird auch dort gekämpft. Sämtliche Grenzübergänge zum Iran sind mittlerweile in den Händen der Taliban, auch ein Dutzend weiterer, die nach Zentralasien und nach Pakistan führen. Die Zolleinnahmen von dort waren bislang eine der wichtigsten Finanzquellen der Regierung – jetzt finanzieren sie die Taliban.

'Sie sitzen jetzt im selben Raum ": US TOUTS Friedensgespräche als Taliban-Offensive Fortsetzung

 'Sie sitzen jetzt im selben Raum Eine Reihe von -signifikanten Siegen von Taliban-Truppen sollte den Wert der Friedensgespräche zwischen der militanten Gruppe und der mit der afghanischen Regierung nicht verdecken nach dem Sekretär des Staates Antony Blinkens Team. © von Washington Examiner "Diese Diplomatie ist seit weniger als einem Jahr in Betrieb, sagte der REPOKSMAN NED-Preis der Staatsabteilung, sagte der Reporter. "Vor einem Jahr ... Die Regierung von Afghanistan und der Taliban sprachen nicht miteinander.


Video: Afghanische Milizen wollen gegen die Taliban in den Kampf ziehen (AFP)

Selbst die Biden-Regierung, die diesen überstürzten Abzug zu verantworten hat, wird angesichts der von ihr in Gang gesetzten Dynamik nervös. Die USA versuchen nun mit Luftschlägen, den Vormarsch zu verlangsamen und einige der stattlichen Arsenale an westlicher Ausrüstung, die die Taliban erbeutet haben, zu zerstören.

Ein Triumphzug der Taliban. Er war so absehbar gewesen. Viele hatten vor ihm gewarnt. Aber wir, die Mitglieder der internationalen Allianz, besonders wir Deutsche, hatten genug, waren afghanistanmüde. Alles was wir noch wollten, nach 20 Jahren Afghanistan, war: Sicherheit für "unsere Jungs". Dass wir mit dem Rückzug zwar das Leben der Bundeswehr sicherer gemacht haben, aber nicht das Leben auf unserem Kontinent, den sich Europa mit Asien teilt, wollten und wollen die meisten nicht wahrhaben.

Zum ersten Mal seit dem Aufstieg des "Islamischen Staates", der 2014 große Teile Syrien und des Iraks eroberte, drohen wieder radikale Islamisten, ein ganzes Land unter ihre Kontrolle zu bringen. Ihr Siegeszug wird weit über die Grenzen Afghanistans hinweg ausstrahlen. Ihr Triumph wird in der islamischen Welt eine ganze Generation Unzufriedener inspirieren. Immer noch kooperieren die Taliban mit Al Kaida und diversen anderen Gruppierungen.

Taliban: Afghanistan ist unser Vietnam

  Taliban: Afghanistan ist unser Vietnam Nach dem Fall Saigons folgte überall ein Vormarsch der Illiberalen. Wenn der Westen heute nicht bereit ist, die Freiheit in der Welt zu verteidigen, wird er unterliegen. © Paula Bronstein/​Getty Images Eine vor den Taliban nach Kabul geflüchtete afghanische Familie Im April 1975 gehörte ich zu den Tausenden, die auf dem John-F.-Kennedy-Platz in Berlin den Fall Saigons feierten: "Eins-zwei-drei: Vietnam ist frei!" Mein Vater sah abends die Bilder im Fernsehen und gratulierte mir: "Das habt ihr gut gemacht.

Es ist zu befürchten, dass der im Land bereits aktive Ableger des "Islamischen Staates" nach einem Sieg der Taliban an Bedeutung gewinnen wird. Die Taliban und der IS bekämpfen einander aufs heftigste. So werden einige Anrainerstaaten der Versuchung nicht widerstehen können, den IS gegen die Taliban in Stellung zu bringen – um in der Logik der regionalen Kräftebalance, die Taliban in Schach zu halten. Die Mechanik der Macht am Hindukusch seit Jahrhunderten. Die Asche Afghanistans droht ein islamisch-faschistisches Monster zu gebären, so wie es schon die Asche des Iraks und Syriens getan hat.

Wir können uns aus Afghanistan zurückziehen, aber wir können Afghanistan nicht entfliehen. Wir werden es nicht los. Wir können es nicht abstreifen. Der neue Krieg wird zusätzlich Millionen Menschen im Land entwurzeln. Die Taliban haben viele Unterstützer, aber genauso so viele fürchten sie. Die Regierung wird für längere Zeit Kabul und einige Zentren halten können, sich aber ihrerseits radikalisieren, sich der Menschenrechte und Freiheitsrechte entledigen, um den Krieg noch brutaler führen zu können. Wir haben die Menschen in Afghanistan mit wenigen Skrupeln den darwinschen Gesetzen überlassen. Wer stirbt, der stirbt, das Gesetz der Natur.

Wir werden die Schockwellen dieses Überlebenskampfes zu spüren bekommen. Große Teile der Bevölkerung, niemand kann abschätzen, wie viele, werden über die Grenzen fliehen, erst nach Pakistan, in den Iran, dann in die Türkei, wo sich schon jetzt an der Grenze dramatische Szenen abspielen.

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  Oskar Niedermayer: Politologe: „Afghanistan-Desaster wird AfD lang ersehntes Wahlkampfthema liefern“ Oskar Niedermayer: Politologe: „Afghanistan-Desaster wird AfD lang ersehntes Wahlkampfthema liefern“Für den Berliner Politikwissenschaftler Oskar Niedermayer ist die Sache klar: Das Afghanistan-Desaster werde als dritter „externer Schock“ nach der Corona-Pandemie und der Flutkatastrophe den Bundestagswahlkampf und das Wahlergebnis mitbestimmen.

Vermutlich werden die Regierungen Europas, ganz zuvorderst die deutsche, dem türkischen Präsidenten noch mehr Geld zahlen, um die neue Flüchtlingsgeneration daran zu hindern, nach Europa zu gelangen. Der Rest, der den Türken durch die Radare geht, werden wir ersaufen lassen im Mittelmeer. Der Tod der Afghanen dort kümmert schon langem keinen mehr.

Partner der afghanischen Regierung müssen umdenken

Der Militäreinsatz der internationalen Gemeinschaft war geprägt von grundfalschen Annahmen, gravierenden Fehlern, Menschenrechtsverbrechen, die zum Himmel schrien. Die zivilen Aufbaubemühungen, das Nation Building, die kulturelle Hybris, mit der wir uns anmaßten, eine zutiefst konservative Gesellschaft in eine westliche Demokratie umzubauen, war beschämend, hat das Land korrumpiert, manchmal mehr geschadet als genutzt. Aber. Die letzten 20 Jahren haben eine Generation an jungen Afghanen hervorgebracht, für die diese Werte zu Leitbildern wurden. Sie leben vorwiegend in den Städten, den Orten, die jetzt zum Schauplatz der Kämpfe zu drohen werden.

In Kabul, das zum Schlachthaus zu werden droht, wie schon einmal in den Neunziger Jahren, das erst aus den Ruinen auferstanden war, drängen sich geschätzt zwölf Millionen Menschen, ein Drittel der afghanischen Bevölkerung.

Noch wäre es nicht zu spät, das Schlimmste zu vermeiden. Dringend sollten die westlichen Partner der afghanischen Regierung ihre Strategien jetzt umdenken. Um eine humanitäre Katastrophe ungeheuren Ausmaßes zu vermeiden, darf der Krieg die Stadtgrenzen von Kabul nicht erreichen. Auch dort gibt bereits jeden Tag Bombenanschläge, Attacken, Mordanschläge, jedoch noch keine Straßenkämpfe. Die Folgen wären grauenhaft. Die UN sagt in diesem Fall eine der größten Katastrophen der jüngeren Gegenwart voraus. Aber nur neue militärische Hilfe, und ja, auch die erneute Entsendung internationalen Militärs, können die Stadt vor einer Tragödie bewahren.

Um Missverständnissen vorzubeugen: die Taliban – so sehr sie jetzt wieder Millionen Frauen unterjochen, sie zum Tragen der Burka zwingen, unverheiratete oder verwitwete junge Frauen in den von ihnen eroberten Bezirken zwangsheiraten, sie von höherer Bildung ausschließen – sie, die Taliban, sind nicht der Feind. Der wahre Feind in diesem Krieg ist die Überzeugung, ihn mit Gewalt gewinnen zu können.

Doch wir werden nicht helfen, nur mit Geld. Mit dürren Beileidsbekundungen unserer Außenminister. Mit Verhandlungen, die lediglich Handeln vortäuschen sollen. Wie Pontius Pilatus nach Jesu Todesurteil waschen wir unsere Hände in Unschuld. Es klebt kein Blut an ihnen und doch baden wir in ihm. Ist dieser Satz zu hart? Ich hoffe es. Zur Stunde sieht es nicht danach aus.

Aktivistin Hekmat: "Die Taliban bedeuten den Tod für Frauen" .
Die afghanische Aktivistin Zakira Hekmat hat die Taliban in ihrer Kindheit erlebt. Sie ist sich sicher: Die dunklen Tage vieler Frauen werden unter den Taliban zurückkehren. © privat Hekmat Sie erlebte als Mädchen die Taliban Zakira Hekmat ist Gründerin des Flüchtlingshilfswerks Afghan Refugees Solidarity Association (ARSA). Sie arbeitet vor allem mit aus Afghanistan geflohenen Frauen zusammen. Vor 13 Jahren verließ sie Afghanistan. Zurzeit lebt sie in der zentralanatolischen Stadt Kayseri. Als Kind hat sie die Taliban selbst erlebt.

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