Wissen & Technik Vitesco-Aktie: Anstrengender Weg zur E-Mobilität - Wie die ehemalige Conti-Sparte die neue Zukunft plant

17:05  02 oktober  2021
17:05  02 oktober  2021 Quelle:   boerse-online.de

Reifen retten Conti den Gewinn - Chipmangel drückt Geschäft

  Reifen retten Conti den Gewinn - Chipmangel drückt Geschäft Etwas Entspannung gibt es schon, Erleichterung sähe anders aus: Continental scheint die Corona-Flaute im Wesentlichen überwunden zu haben. Doch die fehlenden Mikrochips halten die Unsicherheit hoch.Der Kernbereich für zugelieferte Autotechnik bekam dagegen die Knappheit an Computerchips zu spüren - und das Problem dürfte die Branche noch länger unter Druck halten.

  Vitesco-Aktie: Anstrengender Weg zur E-Mobilität - Wie die ehemalige Conti-Sparte die neue Zukunft plant © Vitesco/Continental

Nur kurz währte die DAX-Mitgliedschaft von Vitesco. Nach einem Tag war sie am vorvergangenen Donnerstag direkt nach Börsenschluss wieder vorbei und dürfte sich für Continentals ausgegliederte Antriebssparte auch nicht so schnell wiederholen. Laut Unternehmenschef Andreas Wolf soll Vitesco jedoch Teil der DAX-Familie werden und "perspektivisch in den MDAX aufsteigen".

Der Börsenstart aber ist gelungen - wenn auch erst im dritten Anlauf. Ursprünglich sollte Vitesco 2019 über ein klassisches IPO, also das direkte Anbieten der Aktien, an die Börse kommen. Dies scheiterte am schwachen Börsenumfeld und einer zu geringen Nachfrage. 2020 wurde der zweite Versuch wegen der Pandemie verschoben.

Vitesco-Chef: Auf gutem Weg zur Gewinnschwelle mit Elektrokomponenten

  Vitesco-Chef: Auf gutem Weg zur Gewinnschwelle mit Elektrokomponenten Der kurz vor der Börsennotierung stehende Autozulieferer Vitesco sieht sich in der Spur, mit Teilen für Elektroautos in wenigen Jahren auch Geld zu verdienen. © Bereitgestellt von Finanzen.net DANIEL ROLAND/AFP/Getty Images "Wir sind auf einem guten Weg", sagte Vorstandschef Andreas Wolf am Mittwoch in einem Pressegespräch. Vitesco ist das Geschäft mit Antriebskomponenten des DAX-Konzerns Continental, der die Sparte in einem reinen Spin-Off an der Börse an seine eigenen Aktionäre abgibt. Vitesco hat seinen Hauptsitz in Regensburg.

Vergangene Woche erfolge der Börsengang nun mit knapp zwei Jahren Verspätung. Die Ausgliederung fand nicht wie ursprünglich geplant über ein klassisches IPO statt, sondern im sogenannten Spin-off-Verfahren. Dabei gliedert ein Unternehmen einen Teilbereich seines Geschäfts aus. Dieses handelt danach als eigenständiges Unternehmen. Als Ausgleich erhalten Altaktionäre Anteile des neu an der Börse gelisteten Werts. Continental-Aktionäre erhielten für fünf ihrer Anteile je eine Vitesco-Aktie. Der erste Kurs lag bei 59,80 Euro. Dies entspricht einem Börsenwert von 2,4 Milliarden Euro. Gleichzeitig verlor Continental etwa 3,6 Milliarden Euro an Marktkapitalisierung. Insgesamt hat sich die Abspaltung für Anleger also noch nicht gelohnt.

Börsengänge von Lilium und Vitesco: Noch nicht abgehoben

  Börsengänge von Lilium und Vitesco: Noch nicht abgehoben Zwei prominente Börsengänge aus Deutschland verliefen in dieser Woche äußerst verhalten. Dennoch stehen sie gleich für mehrere Trends. © picture alliance/dpa Senkrechtstarter. Das Elektro-Flugtaxi des Herstellers Lilium beim morgendlichen Flug über Inseln. Dass der Aktienmarkt gut läuft, merkt man verlässlich immer auch daran, dass die Zahl der Börsengänge steigt. So ist die Zahl der Initial Public Offerings, der sogenannten IPOs schon im Vorjahr kräftig angestiegen. Im laufenden Jahr deutet sich ein neuer Rekord an. Zwei deutsche Firmen sind allein in dieser Woche aufs Parkett gegangen.

  Vitesco-Aktie: Anstrengender Weg zur E-Mobilität - Wie die ehemalige Conti-Sparte die neue Zukunft plant © Vitesco/Continental

Verkaufsdruck durch ETFs

Das durchwachsene Börsendebüt lässt sich indes erklären. Börsengehandelte Indexfonds (ETFs) etwa, die den DAX nachbilden, müssen die Aktie verkaufen. Der so ausgelöste Verkaufsdruck sollte aber nachlassen. Vorstandschef Wolf will Anlegern künftig auch fundamentale Gründe zum Kaufen liefern. Noch stammen etwa 90 Prozent der Erlöse aus dem Geschäft mit Antriebsteilen für Benzin- und Dieselfahrzeuge. In Zukunft will Vitesco vermehrt auf die Elektromobilität setzen. Wolf erwartet, dass das Geschäft mit der E-Mobilität erstmals im Jahr 2024 profitabel sein wird. Bis dahin sind Investitionen und Zukäufe notwendig, um mit Konkurrenten wie Bosch beim Wachstumsthema mithalten zu können. Finanzchef Werner Volz kündigte bereits Investitionen im hohen dreistelligen Millionenbereich an.

Im ersten Halbjahr fiel die Bilanz des Unternehmen noch durchwachsen aus. Der Umsatz konnte zwar im Vergleich zum Vorjahr um etwa 30 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro gesteigert werden. Der Gewinn lag jedoch nur bei 40 Millionen Euro, die Gewinnmarge bei lediglich 0,9 Prozent. Das liegt auch daran, dass Vitesco mit der vollständigen Abspaltung auch auf der Risikoseite selbstständig ist - ein Großteil der Rechtsrisiken rund um den Dieselskandal liegt nun bei Vitesco. Das Unternehmen musste nach Aussage des Vorstands bereits einen Betrag im "niedrigen zweistelligen Millionenbereich" für Rechtsberatung und Anwaltskosten aufwenden.

Vorherige Abspaltungen, wie die von Siemens Energy im Herbst 2020, zeigten, dass in vermeintlichen Problemsparten einiges an Kurspotenzial schlummern kann. Gelingt dem Management von Vitesco der Wandel hin zur Elektromobilität, dürfte dies für Kursfantasie sorgen. Noch aber gibt es viele Fragezeichen: So ist etwa nicht bekannt, wo sich Chef Wolf verstärken will, auch Analysten halten sich mit Schätzungen zurück.

Vorsicht: Die Datenlage ist sehr dünn, Schätzungen sind Mangelware. Wir raten Anlegern, bei der Aktie erst einmal abzuwarten.

Empfehlung: Kaufen

Kursziel: 68,00 Euro

Stoppkurs: 55,00 Euro

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