Wissen & Technik Israel startet vierte Corona-Impfung: Müssen wir jetzt auch immer wieder boostern?

14:21  03 januar  2022
14:21  03 januar  2022 Quelle:   dw.com

Corona-Impfung: 78 Prozent der Geimpften sind bereit für einen Booster

  Corona-Impfung: 78 Prozent der Geimpften sind bereit für einen Booster Laut einer Umfrage sind 78 Prozent bereit für einen Booster. Menschen, die mit J&J geimpft wurden, zeigen jedoch weniger Bereitschaft.Die hohe Bereitschaft der Deutschen für eine Booster-Impfung geht aus der repräsentativen Befragung European Covid Survey (ECOS) hervor, die von dem Hamburg Centre for Health Economics (HCHE) der Universität Hamburg im September durchgeführt wurde. Laut der Pressemitteilung wurden seit April 2020 alle zwei Monate in Deutschland, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden und Portugal und jüngst auch Spanien jeweils 1000 Menschen zu ihren Einstellungen und Meinungen zu dem Thema Impfung befragt.

Die Antikörper gehen nach der Grundimmunisierung zurück. So braucht es immer wieder eine Auffrischungsimpfung. Israel empfiehlt nun schon Menschen über 60 die vierte Impfung. Ist bald a ein Ende in Sicht?

Provided by Deutsche Welle © Jens Schlueter/Getty Images Provided by Deutsche Welle

Booster-Impfungen sind nötig, weil mit der Zeit die Anzahl der Antikörper in unserem Blut zurückgeht. Bei mRNA-Impfstoffen galt bis Ende November 2021 die Regel: Etwa sechs Monate nach der COVID-19-Grundimmunisierung kommt die dritte Impfung.

Doch durch das Aufkommen der Omikron-Variante zeigte sich, dass es sinnvoll ist, schon früher zu boostern. Deutsche Mediziner und Gesundheitspolitiker empfehlen seit dem die dritte Booster-Impfung bereits nach drei Monaten.

Corona-Impfmeister Bremen: „Wir werden boostern wie die Teufel!“

  Corona-Impfmeister Bremen: „Wir werden boostern wie die Teufel!“ Corona-Impfmeister Bremen: „Wir werden boostern wie die Teufel!“Andreas Bovenschulte hat gute Laune. Bremen ist deutscher Meister beim Corona-Impfen. Das wurde möglich, weil sich Bovenschultes rot-grün-rote Landesregierung mit Unternehmern und Hilfsorganisationen aus der Hansestadt verbündete. Endlich kann der Bürgermeister mal über einen Erfolg des Stadtstaates sprechen – in anderen Ranglisten zu Themen wie Schulden oder Bildung liegt Bremen schon mal hinten.

Und Anfang Januar 2021 überraschte der israelische Premierminister Naftali Bennett mit seinem Aufruf an alle Bürger über 60 Jahre, sich sogar zum vierten Mal impfen zu lassen.

Und auch in Deutschland gibt es bereits Einige, die schon eine vierte Corona-Impfung erhalten haben. In der Regel sind dies Menschen die durch Vorerkrankungen stark gefährdet sind, etwa Diabetiker oder Patienten die Medikamente erhalten, welche das Immunsystem unterdrücken (Immunsupprimierte). In diesen bisher noch seltenen Fällen verantwortet der behandelnde Arzt die vierte Impfung.

Wie lange noch bosstern?

Doch soll das ewig so weitergehen? Müssen wir uns darauf einrichten, dass wir in der Zukunft alle sechs Monate oder immer im Herbst eine Auffrischungsimpfung brauchen, ähnlich wie bei der Grippe?

Maas: In Deutschland keine allgemeine Impfpflicht

  Maas: In Deutschland keine allgemeine Impfpflicht Der deutsche Außenminister Heiko Maas reagiert auf die Entwicklung in Österreich, wo ab Februar jeder zur Impfung muss. RKI-Chef Lothar Wieler und weitere Experten erwarten eine fünfte Corona-Welle. © JENS SCHLUETER/AFP/Getty Images Außenminister Maas: Verfassungsrechtliche Bedenken (Archivbild) Nach der Ankündigung einer allgemeinen Corona-Impfpflicht im Nachbarland Österreich schließen deutsche Politiker einer möglichen künftigen Ampel-Koalition eine solche Regelung für Deutschland aus. "Die wird es nicht geben", sagte der SPD-Politiker und Bundesaußenminister Heiko Maas dem Sender "Bild Live".

Die Antwort auf diese Frage kennen die Mediziner bisher nicht, weil es uns an entsprechender Erfahrung fehlt.

Verschiedene Aspekte spielen dabei eine Rolle: Wahrscheinlich ist, dass Corona-Impfungen in der Zukunft an neue Virenvarianten angepasst werden müssen – ähnlich wie schon heute die saisonalen Grippeimpfstoffe. Schon jetzt sind zahlreiche neue Corona-Impfstoffe in der Entwicklungspipeline, die etwa bestimmte Mutationen der Delta- oder Omikron-Varianten berücksichtigen.

Wird SARS-CoV-2 endemisch?

Daneben spielt der weitere Pandemieverlauf eine entscheidende Rolle. Es ist nicht klar, ob sich die Pandemie nach der vierten oder einer fünften Welle totlaufen wird, oder ob COVID-19 mit seinen Varianten doch endemisch wird, also in bestimmten Regionen regelmäßig auftritt und uns für Jahrzehnte erhalten bleibt.

Eng damit verbunden ist die Frage der Herdenimmunität. Werden wir sie bald erreichen? Kommt sie durch Impfungen zustande oder vielleicht durch eine unbeabsichtigte Durchseuchung, wie sie sich etwa in großen Teilen von Afrika schon jetzt abzeichnet? So etwas könnte angesichts der derzeitigen Inzidenzraten auch noch in Europa passieren.

Coronavirus: Protein-Impfstoffe als globale Hoffnungsträger

  Coronavirus: Protein-Impfstoffe als globale Hoffnungsträger In der globalen Impfkampagne werden die bald erhältlichen Proteinimpfstoffe viel bewirken. Aber auch für Impfskeptiker oder zum Boostern ist die bewährte Impftechnik eine echte Alternative. © DW Auch wenn viele reiche Länder sehr mit sich beschäftigt sind, bleiben sie der globalen Pandemiebekämpfung verpflichtet. Einige Ungeimpfte haben sich bisher nicht impfen lassen, weil sie den wirksamen, aber neuartigen mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna oder den Vektorimpfstoffen von AstraZeneca und Johnson & Johnson misstrauen.

Neben den Antikörpern bitte die T-Zellen nicht vergessen!

Aber nicht nur die Antikörper dürfen wir bei der Frage nach unserer Immunität im Blick haben. Darauf deutet eine noch nicht begutachtete Studie hin, die von einem großen Forscherteam aus Großbritannien und Singapur am 10. November in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht wurde.

Die Forschenden hatten Beschäftigte des Gesundheitssystems gefunden, die zwar ein hohes SARS-CoV-2 Expositionsrisiko hatten, aber in all den Monaten weder erkennbar an COVID-19 erkrankt waren, noch einen positiven PCR-Test-Nachweis hatten. Auch in einem serologischen Antikörpertest waren die 58 Beschäftigten unauffällig geblieben.

Immunität ohne nachweisbaren Antikörper-Titer

Dabei stellten die Forschenden fest, dass die identifizierten sogenannten "seronegativen Beschäftigten des Gesundheitssystems (SN-HCW)" mehr sogenannte multispezifische Gedächtnis-T-Zellen hatten als eine Vergleichsgruppe, die unter einem deutlich geringeren Expositionsrisiko arbeitete.

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 Israel strafft Reisebeschränkungen über die neue Covid-Variante Jerusalem (AP) - Israel am Sonntag genehmigter Barring-Einstieg an ausländische Staatsangehörige und die Verwendung von kontroversen Technologien für die Kontaktverfolgung als Teil seiner Bemühungen, auf einer neuen Coronavirus-Variante zu klemmen. © zur Verfügung gestellt von assozided Press Reisende, die schützende Gesichtsmasken tragen als Teil seiner Bemühungen, auf einer neuen Coronavirus-Variante zu klemmen.

Einige Pflegekräfte mit hohem Ansteckungsrisiko haben eine ungewöhlich starke T-Zellen-Immunität gezeigt © Jan Woitas/dpa/picture alliance Einige Pflegekräfte mit hohem Ansteckungsrisiko haben eine ungewöhlich starke T-Zellen-Immunität gezeigt

Diese T-Zellen richteten sich insbesondere gegen den sogenannten Replikations-Transkriptions-Komplex (RTC), der letztlich für die Virus-Vermehrung verantwortlich ist.

Gleichzeitig wurde bei den 58 Personen eine erhöhte Menge des Proteins IFI27 gefunden, das als Hinweis auf eine sehr frühe SARS-CoV-2 Infektion gilt. Daraus schließen die Forschenden, dass alle betroffenen SN-HCW eine abgebrochene bzw. "abortive" Corona-Infektion hinter sich hatten.

Möglicherweise hatten also hier die T-Zellen schon früh die Coronavirus-Infektion unterbrochen. Unklar bleibt, woher die 58 SN-HCW ihre ungewöhnlich starke T-Zellen-Immunität hatten: Möglicherweise war sie durch eine frühere Infektion durch ein anderes Coronavirus entstanden, etwa durch ein Erkältungsvirus.

Kommt die Herdenimmunität?

Eine mögliche Konsequenz daraus: Die wiederholte Exposition gegenüber Coronaviren, etwa wenn SARS-CoV-2 tatsächlich endemisch werden sollte und wir immer wieder mit wenigen Erregern in Kontakt geraten, könnte dies dazu führen, dass sich unser Immunsystem dagegen besser in Stellung bringt: Sei es nun mit Antikörpern oder auch mit T-Zellen. Damit wären wir einer Herdenimmunität auf jeden Fall schon ein Stück näher.

Die Forscher raten indes dringend davor ab, aufgrund der Entdeckung unvorsichtig zu werden. Niemand sollte sich in Sicherheit wiegen oder davon ausgehen, gegen SARS-CoV-2 immun zu sein. Denn das Risiko, dass man nicht immun ist, dürfte allemal sehr hoch sein.

Bleibt die Frage, ob wir im nächsten Herbst dann wieder unseren Impfschutz auffrischen müssen. Das werden wir wohl erst dann sehen, wenn es so weit ist!

Dieser Artikel wurde am 3. Januar 2022 aktualisiert.

Autor: Fabian Schmidt

Meinung: Corona-Pandemie - Impf Dich Reich! .
Während das Pflegepersonal auf den Corona-Stationen schier Übermenschliches leistet und dafür nur mäßig entlohnt wird, verdienen viele niedergelassene Ärzte mit Impfungen erstaunlich viel, meint Marco Müller. © MiS/imago images Die Corona-Impfung als Geschäftsmodell - in manchen Arztpraxen wird wie am Fließband geimpft Die Corona-Pandemie kostet den Staat - und damit alle Bürger - Geld. Sehr viel Geld. Wenn das medizinisch, ökonomisch oder sozial notwendig ist, spricht auch nichts dagegen. Aber wenn einzelnen Berufsgruppen Geschenke auf Kosten der Allgemeinheit gemacht werden, endet jedes Verständnis.

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