Wissen & Technik WHO-Entwarnung: Neue COVID-Variante nicht besorgniserregend

16:54  06 januar  2022
16:54  06 januar  2022 Quelle:   dw.com

Das wissen wir über die neue Corona-Variante aus Afrika

  Das wissen wir über die neue Corona-Variante aus Afrika Wo B.1.1.529 bereits aufgetaucht ist, was die Variante so gefährlich macht, wie sie entstanden sein könnte und wie man sie eindämmen kann - hier einige Antworten. © Denis Farrell/AP Photo/picture alliance Vor allem im Großraum Gauteng rund um Johannesburg und Pretoria sind die Fallzahlen kräftig gestiegen Wo ist die neue Variante bereits aufgetaucht? Erstmals wurde die neue Variante B.1.1.529 am 11. November 2021 in Botswana, also nördlich von Südafrika registriert. Inzwischen wurde die neue Variante auch in Südafrika nachgewiesen.

Trotz der vielen Mutationen bereitet die in Frankreich entdeckte B.1.640.2-Variante den Experten wenig Sorgen. Hinter dem falschen Alarm steckt ein zweifelhafter Mediziner aus Frankreich.

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Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt die in Frankreich entdeckte neue Variante B.1.640.2 im Moment wenig Anlass zur Sorge.

Der zuständige WHO-Mediziner Abdi Mahmud bestätigte in Genf, dass die WHO die Variante seit November beobachtet. Sie habe sich aber seitdem offenbar nicht weit verbreitet. "Dieses Virus hatte viele Gelegenheiten, sich zu verbreiten", sagt Mahmud, aber bislang wurden nur etwa 20 Proben sequenziert und nur eine davon seit Anfang Dezember.

NU B.1.1.529 COVID-Variante möglicherweise 500 Prozent ansteckender als Delta

 NU B.1.1.529 COVID-Variante möglicherweise 500 Prozent ansteckender als Delta Die neue B.1.1.529-Variante von COVID-19 kann etwa 500 Prozent ansteckender sein als die Delta-Variante, ein führender Epidemiologe hat gesagt. © Jens Schlueter / Getty Ärzte und Krankenschwestern neigen an einem Patienten auf dem Universitätsklinikum der Covid-19-Intensivstation am Universitätsklinikum Leipzig am 18. November 2021 in Leipzig, Deutschland. Die neue B.1.1.529-Variante von Covid-19 kann sein Rund 500 Prozent ansteckender als die Delta-Variante, weist neue Daten an.

Im Gegensatz dazu hat die Omikron-Variante, die erstmals am 23. November auf der Datenbank für Krankheitsvarianten Gisaid hochgeladen wurde, mehr als 120.000 Sequenzen in der Datenbank.

Corona-Variante hat sich kaum verbreitet

Erstmals war die neue Variante im Oktober im Südosten Frankreichs bei einem geimpften Reiserückkehrer aus Kamerun festgestellt worden. Die Forschenden fanden insgesamt 12 Fälle in der Region und nannten die Variante "I.H.U.", nach dem Forschungsinstitut in Marseille, das bei der Identifizierung der Variante geholfen hat. Am 4. November 2021 wurde die neue Variante mit der Bezeichnung B.1.640.2 in Gisaid hochgeladen.

Die Forschungsarbeit zu der neuen Variante, die Ende Dezember auf einem Preprint-Server veröffentlicht, aber noch nicht von Fachkollegen überprüft wurde, alarmierte die Forschenden zunächst, denn die Variante B.1.640.2 enthält 46 Mutationen. Und die sich jetzt rasch ausbreitende Omikron-Variante weist ebenfalls eine hohe Zahl von Mutationen auf, wodurch sie wesentlich schneller übertragbar wird.

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  Was wir wissen zu Omikron, der neuen Virusvariante: Q&A Eine neue Variante des Coronavirus wurde in Südafrika und Botswana identifiziert und hat dort für einen steilen Anstieg der Inzidenzen gesorgt. Die Variante B.1.1.529 erhielt den Namen Omikron und wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als besorgniserregend (“variant of concern”) eingestuft. Regierungen auf der ganzen Welt haben inzwischen Einreiseverbote für Reisende aus Südafrika und benachbarten Ländern verhängt aus Furcht, dass Omikron den Impfschutz unterlaufen und zu einer neuen Welle von Erkrankungen führen und damit die Öffnung der Wirtschaft hintertreiben könnte.

Vorsichtige Entwarnung auch von Experten

Die Entwarnung der WHO deckt sich mit der Einschätzung von Jörg Timm, Professor und Leiter des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Düsseldorf. "Die Variante ist schon vor einiger Zeit erstmalig beschrieben worden und hat sich bisher zumindest in den Bereichen, wo jetzt häufiger auf sequenziert wird, nicht weiter durchgesetzt. Das ist schon ein sehr starker Indikator dafür, dass sie keinen großen Selektionsvorteil im Vergleich beispielsweise zu Omikron hat, wo wir mit den ersten Daten eigentlich schon relativ schnell Klarheit darüber hatten, dass es zu einer raschen Verbreitung kommt. Das ist bei dieser B.1640-Variante erstmal nicht so zu sehen, sodass eigentlich niemand wirklich erwartet, dass die uns ganz große Probleme machen wird."

Auch der Virologe Dr. Tom Peacock vom Imperial College London gibt auf Twitter Entwarnung, es lohne sich nicht, besorgt zu sein:

BioNTech- und Pfizer-Aktien gefragt: Impfstoff schützt offenbar nur teilweise gegen Omikron - Bei drei Dosen immer noch effektiv

  BioNTech- und Pfizer-Aktien gefragt: Impfstoff schützt offenbar nur teilweise gegen Omikron - Bei drei Dosen immer noch effektiv Der COVID-19-Impfstoff von BioNTech/Pfizer bietet Studien zufolge offenbar lediglich einen teilweisen Schutz gegen die neue Omikron-Variante. © Bereitgestellt von Finanzen.net Ralph Orlowski/Getty Images Sie deuten darauf hin, dass Booster-Impfungen dringend nötig sind. Die Neutralisierung der Omikron-Variante habe im Vergleich zu einem früheren COVID-Stamm "sehr stark abgenommen", erklärte Alex Sigal, Professor am Africa Health Research Institut in Südafrika, auf Basis vorläufiger Ergebnisse.

Trotz der ersten Entwarnungen und der vergleichsweise niedrigen Fallzahlen wollen die kameruneschen Gesundheitsbehörden die Begleitumstände sorgfältig untersuchen, sagte der kamerunischen Epidemiologe Prof. Yap Buom: "Wir verfolgen das genau und machen weiter, um lokale Sequenzen zu bekommen, damit wir vergleichen können und sehen, ob diese Variante bei uns zirkuliert", erläuterte er im Interview mit der Deutschen Welle.

Auch in Frankreich gibt es sehr viele Impfskeptiker und Proteste gegen die Corona-Maßnahmen © Sameer Al-Doumy/AFP Auch in Frankreich gibt es sehr viele Impfskeptiker und Proteste gegen die Corona-Maßnahmen

Zweifelhafter Forscher steckt hinter falschem Alarm

Nach der rasanten Ausbreitung der neuen Omikron-Variante verwundert es nicht, dass bei der Meldung über eine neu entdeckte Variante mit vielen Mutationen nicht nur bei Forschenden zunächst die Alarmglocken schrillten.

Sorge vor neue Corona-Variante mit vielen Mutationen

  Sorge vor neue Corona-Variante mit vielen Mutationen Die erstmals in Botswana registrierte B.1.1.529 Variante hat 32 Mutationen im Spike-Protein, wodurch sie von unseren Immunzellen schwerer bekämpft werden kann. © DW Schnellen in Südafrika die Infektionszahlen wegen der neuen Variante derzeit kräftig nach oben? Über den Sommer haben wir vergleichsweise wenig über neue Varianten des SARS CoV-2 Virus gehört, weil sich in vielen Teilen der Welt vor allem die hochansteckende Delta-Variante oder ihre Untervariante AY.4.2 (auch Delta Plus genannt) durchgesetzt und andere Mutanten weitgehend ausgeschaltet hat.

In Gang gesetzt wurde dieser Prozess durch ein noch nicht geprüftes Preprint, an dem auch ein umstrittener französischer Forschers mitgewirkt hat, berichtet das Faktenfinder-Team der Tagesschau.

Der Mediziner und Infektiologe Didier Raoult ist in Frankreich hoch umstritten, u.a. weil er COVID-Patienten mit dem Malaria-Medikament Hydroxychloroquin behandelt. Raoult sei laut Tagesschau erst Anfang Dezember dafür von der französischen Ärztekammer offiziell gerügt worden.

Zudem sei an dem von ihm gegründeten Institut für Infektionskrankheiten der Universitätsklinik Marseille (IHU Méditerranée Infection) bei der COVID-Forschung gegen die Regeln klinischer Studien verstoßen worden. Laut Tagesschau habe er seinen Posten als Institutsdirektor bereits aufgeben müssen, die Marseiller Staatsanwaltschaft ermittle.

Falsche Prognosen und wirre Thesen

Unter Corona-Skeptikern genieße der Infektiologe Didier Raoult dagegen "Kultstatus", selbst wenn seine Prognosen sich schon mehrfach als falsch erwiesen hätten. So hatte er etwa ein rasches Ende der Pandemie vorausgesagt.

Der Mediziner selber wolle sich nicht gegen SARS CoV2 impfen lassen, weil die Krankheit nicht tödlich sei, schreibt die Tagesschau. Stattdessen warnt er vor unbekannten Impfnebenwirkungen wie bei der Schweinegrippe-Impfung.

Autor: Alexander Freund

Omicron Covid-Variante mit besorgniserregenden Mutationen, in denen in diesen Ländern erkannt wurde .
die Weltgesundheitsorganisation ( WHO ) Die Covid-Variante B.1.1.529 Eine Variante der Sorge, die den Namen "Omicron" am 26. November ergibt. © James D. Morgan / Getty Ein Passagier am Flughafen Sydney wird getestet. In verschiedenen Ländern wurde eine neue Belastung von Covid identifiziert, die zu Reisebeschränkungen führen.

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