Wissen & Technik: E-Scooter: Früher hieß das Sperrmüll - PressFrom - Deutschland

Wissen & TechnikE-Scooter: Früher hieß das Sperrmüll

22:15  11 september  2019
22:15  11 september  2019 Quelle:   zeit.de

Hochgiftige Akkus: Taucher fischen zahlreiche E-Scooter aus Hafenbecken

Hochgiftige Akkus: Taucher fischen zahlreiche E-Scooter aus Hafenbecken Zuletzt fand eine große Aktion statt. Taucher holten die Scooter aus dem Wasser.

Der öffentliche Raum wird ohnehin weniger, seit Wochen stellen dort auch noch private Unternehmen ihr E-Gerümpel ab. Muss der Bürgersteig zum Weltkulturerbe werden?

E-Scooter: Früher hieß das Sperrmüll © Oliver Berg/​dpa 14.08.2019, Nordrhein-Westfalen, Köln: Elektrische Tretroller stehen beim E-Scooter Verleiher Tier zum Aufladen in einer Halle. (zu dpa KORR E-Scooter-Sammler) Foto: Oliver Berg/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit

Kommentar von Mely Kiyak

In Berlin auf die Straße zu treten, ist wie eine mittelschwere Wanderung. Man steigt über Schrotthaufen voller Metallgerümpel. Zum Briefkasten zu gehen, bedeutet Laufen durch eine unabwechslungsreiche Landschaft aus E-Scootern, die sich über Leihfahrrädern stapeln. Die nicht so schlimmen Tage sind nur deshalb nicht so schlimme Tage, weil auf der Straße die zeltartigen Fahrradanhänger den Rollern und Rädern den Platz als Erstes wegnahmen. Es ist deutlich leichter, zwei hangargroße Fahrradanhänger zu umgehen als fünfzig kreuz und quer über die Straße verstreute E-Dinger.

Regenmantel für Rollerfahrer - Proof Scooter bei Louis

Regenmantel für Rollerfahrer - Proof Scooter bei Louis Louis bringt einen Regenmantel für Rollerfahrer. Die werden sich freuen, sind sie doch mit ihren motorisierten Zweirädern meist zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter unterwegs. © Detlev Louis Motorrad-Vertriebsgesellschaft mbH Wenn sich jemand mit Mistwetter auskennt, dann die Hamburger. Und genau von da kommt das neue Kleidungsstück, der Proof Scooter Regenmantel für die Scooter-Fraktion. Und die kennen sich mit unfreundlichem Wetter wahrscheinlich ähnlich gut aus wie die Hamburger – zumindest besser als so mancher Motorradfahrer.

Man geht also raus und bewegt sich nur noch millimeterweise mit dem Rücken an der Wand vorwärts, und abends in der Dämmerung macht man sich langsam auf den Nachhauseweg. Und da passiert neuerdings Folgendes: In dunklen Gassen fährt im Affenzahn ein Auto an einem vorbei, das unerwartet mit quietschenden Reifen abrupt neben einem stehen bleibt. Die Tür wird aufgerissen, und mehrere Männer mit Handschuhen springen raus und laufen auf einen zu. Man kramt voller Panik nach Pfefferspray oder Regenschirm, um sich für den Überfall zu wappnen, und schreit wie verrückt um Hilfe. Anschließend, man ist erneut drauf reingefallen, weil man sich an die neue Straßenkultur noch nicht gewöhnt hat, klemmt man sich voller Scham hinter einen Laternenpfahl, weil: Die wollten einen gar nicht entführen.

Die Konkurrenz wird’s freuen

Die Konkurrenz wird’s freuen Mönchengladbach. Eigentlich sollten E-Scooter ab Juli auch in Mönchengladbach fahren – doch die NEW und ihre Partner haben Probleme mit der Software. Die hätte das Unternehmen eigentlich vor Monaten sehen müssen. © Martin Gerten E-Scooter wird es in den kommenden Wochen in Mönchengladbach nicht geben. (Symbolbild) Smart, digital, zukunftsweisend – so sieht sich die NEW gerne selbst. Die Mitarbeiter reichen die Krankmeldung per App ein und auf der Hindenburgstraße möchte das Unternehmen autonome Busse fahren lassen.

Die Top-Themen der MSN-Leser:

Kennenlernen: Anhand dieser zwei Fragen werden Sie bewertet

Weltuntergang: Diese Spezies wird überleben

Bill Gates: Zehn bahnbrechende Technologien

Die Arbeitsbedingungen der Männer scheinen so schlecht zu sein, dass zum ordentlichen Halten und Parken keine Zeit ist, weshalb sie aus fahrenden Lieferwagen herausspringen und losrennen, um E-Scooter einzusammeln. Der Elektrokram muss ja über Nacht wieder aufgeladen werden. Fix und fertig kommt man also in seiner Zuhausestraße an und bleibt mit einem Pumps in einem ausrangierten Laserdrucker hängen. Immer steht oder liegt irgendetwas herum.

Zum Beispiel Stehleuchten mit Halogenstrahlern in trichterförmigen Lampenschirmen an zwei schwenkbaren Armen. Dinge, die sich die Leute mal anschafften, die sie nicht mehr wollen und aus Doofköpfigkeit einfach draußen ablegen, obwohl sich das nicht gehört. Genauso wenig wie es sich gehört, ein Gefährt, das man gegen eine geringe Gebühr benutzte, genau dort abzustellen, wo man abgestiegen ist. Also mitten auf dem Gehweg. Wer so etwas tut, hat sicher auch die seltsame Angewohnheit, nach Betreten der privaten Räumlichkeiten die Socken im Laufen abzustreifen und tagelang genau dort liegen zu lassen.

NRW-Verkehrsminister lehnt Null-Promille-Grenze für E-Scooter ab

NRW-Verkehrsminister lehnt Null-Promille-Grenze für E-Scooter ab Düsseldorf. In der Debatte um sicheres Fahren mit E-Tretrollern lehnt Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Hendrik Wüst eine strikte Null-Promille-Grenze ab. © Sebastian Kahnert E-Scooter sind umstritten. „Man muss nicht gleich mit Verboten kommen. Die Anbieter sind in der Pflicht, die Nutzer von E-Scootern vor Vertragsabschluss zu verpflichten, die bestehenden Regeln im Straßenverkehr einzuhalten“, sagte Wüst der „Bild“-Zeitung. Es müsse klar vermittelt werden, dass E-Tretroller nicht auf Gehwegen und nicht zu zweit gefahren werden dürfen und dieselbe Promillegrenze wie beim Auto gilt.

Die Ehre des Gehwegs

Um es kurz zu machen: Es geht darum, die Ehre des durch alle Epochen und Kulturen gemeinsames, öffentliches Kulturgut "Gehweg" wiederherzustellen. Der Gehweg ist eine für Fußgänger reservierte Straße. "Zu Fuß gehen" ist eine alte Kulturtechnik. Sie benötigt wichtige Voraussetzungen. Auf einem Gehweg dürfen nur eine Straßenlaterne, ein Papierkorb, ein Baum und eine Sitzbank stehen. Muss der Bürgersteig, das Trottoir, der Gehweg wirklich erst Unesco-Weltkulturerbe werden, damit man aufhört, dieses öffentliche Gut zu schänden? Wer sich einfach nur mit bloßer Muskelkraft ein paar Minuten am Stück ungestört, ohne Hindernisse und ohne Gefahr vorwärts bewegen will, wird sich demnächst wohl in eine Art Gehweg-Freizeitpark begeben müssen.

Der öffentliche Raum wird immer weniger. Von Jahr zu Jahr teilt man sich den Gehweg mit mehr und mehr abgestelltem Kram. Früher riefen die Nachbarn die Polizei, wenn sich jemand ausnahmsweise erlaubte, drei Wochen vor dem Sperrmülltermin sein altes Sofa auf die Straße zu stellen. Jetzt steht seit dem 15. Juni Elektrozeug im Quartier herum. Nicht nur ein, zwei oder dreißig Teile, sondern alle paar Zentimeter eins. Während in Berlin die Gastwirte die 1,50-Meter-Gehweg-Formel aufgebrummt bekamen, nach der ein Wirt seine Stühle und Tische nur so weit herausstellen kann, dass der Gehweg nicht behindert wird, dürfen eine Handvoll Firmen ihre Akkudinger zu Tausenden auf der Straße abstellen lassen.

Vor der ersten Fahrt mit dem E-Scooter üben

Vor der ersten Fahrt mit dem E-Scooter üben Einfach am Hebel Gas geben und sofort losbrausen - die Benutzung der neuen E-Tretroller sieht ganz einfach aus. Doch der TÜV Rheinland bremst die Euphorie ein wenig und rät: Erst mal üben, ehe man sich ins Getümmel stürzt. © Foto: Uwe Anspach Unter technischen Gesichtspunkten sind die in Deutschland bisher zugelassenen Modelle sicher. Unfälle passieren nahezu ausschließlich durch Fehler des E-Roller-Fahrers oder anderer Verkehrsteilnehmer. «Man sollte sich nicht sofort in den öffentlichen Verkehr begeben, sondern zunächst auf einem geschützten Platz üben», sagte Thomas Rohr, , am Donnerstag in Köln.

Völlig abgesehen davon, dass die für die Allgemeinheit reservierte Fläche, zum In-die-Luft-Gucken oder einfach nur Dastehen und Vor-sich-Hinträumen, sich stetig reduziert, verbreiten die in der Gegend herumliegenden Dinge eine unsinnliche Atmosphäre. Bislang waren das Drinnen, die Großraumbüros, die Fabriken, die Lager, funktional, rational und alles in allem schönheitsfeindlich gestaltet. Nun aber gerät auch das Draußen zu einer hässlich beleuchteten und vollgestellten Rumpelkammer. Es ist, als lebe man im E-Rokoko. Batteriebüsten aus Plastikprunk und Akkuramsch, wohin das Auge schaut. Hört das auf? Hört das je wieder auf?

Mehr auf MSN

Kein ungebremster Spaß.
Berlin. Die Straßenzulassung für E-Scooter wurde mit großen Erwartungen erteilt. Mittlerweile ist die Ernüchterung groß. Es gibt mehr Konflikte auf den Straßen und die Öko-Bilanz der kleinen Flitzer ist auch zweifelhaft. © Andreas Arnold Ein E-Scooter macht noch keine Verkehrswende. Die kleinen Flitzer machen Spaß, was ihre Öko-Bilanz betrifft sind sie nicht überzeugend. E-Scooter-Fahren macht Spaß. Die Autorin dieser Zeilen hat es in Berlin-Mitte ausgiebig ausprobiert und fand es großartig. Man schwebt und schlängelt mit Leichtigkeit durch die Stadt. Kein Wunder, dass die kleinen Flitzer ein großes Geschäft sind.

—   Teilen Sie Neuigkeiten in der SOC. Netzwerke

Aktuelle videos:

usr: 1
Das ist interessant!