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Wissen & Technik Tierversuche: Geheuchelte Empörung

10:20  21 oktober  2019
10:20  21 oktober  2019 Quelle:   dw.com

Kommentar: Empörung über Bolsonaro - und dann?

Kommentar: Empörung über Bolsonaro - und dann? Im Amazonas brennt es lichterloh. Bolsonaro ist schuld! empört sich die Welt. Aber das ist zu kurz gegriffen. Wir werden - weltweit - alle zahlen müssen, soll dieser Wald noch gerettet werden, meint Vanessa Fischer. © picture-alliance/dpa/ICMBio/Christian Niel Berlinck Provided by Deutsche Welle Der Amazonas ist die Lunge der Welt, die ein Fünftel des globalen Sauerstoffs produziert. Diese Lunge brennt in Dimensionen, wie man sie seit Jahren nicht kannte.

Tierversuche : Geheuchelte Empörung . Panische Affen, blutende Hunde – die Bilder aus dem Tierversuchslabor LPT sind schrecklich, die Entrüstung groß. DW-Autorin Julia Vergin findet die

Tierversuche sind wissenschaftliche Experimente an oder mit lebenden Tieren. Man spricht auch von Versuchstieren. Ziele von Tierversuchen sind Erkenntnisgewinn in der Grundlagenforschung sowie die Entwicklung und Erprobung neuer medizinischer Therapiemöglichkeiten.

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Kommentar von Julia Vergin

Panische Affen, blutende Hunde – die Bilder aus dem Tierversuchslabor LPT sind schrecklich, die Entrüstung groß. DW-Autorin Julia Vergin findet die Aufregung zwar verständlich, vor allem aber auch scheinheilig.

Ich bin überzeugt: Würden im Laboratory of Pharmacology and Toxicology (LPT) bei Hamburg nicht Hunde, Katzen und Affen gequält, sondern Ratten, Mäuse und Fische, hätte mich niemand beauftragt, diesen Text zu schreiben.

Doch die heimlich gemachten Aufnahmen der Beagles in ihren blutverschmierten Zwingern und der am Hals fixierten, panischen Affen in ihren viel zu kleinen Käfigen, scheint an keinem Redakteur spurlos vorbeizugehen. Darüber müssen wir berichten. Also schaue ich mir das Material an – und heule erst mal.

Zusammenarbeit mit AfD: Empörung über parteilosen Grünen-Gemeinderat

Zusammenarbeit mit AfD: Empörung über parteilosen Grünen-Gemeinderat Ein parteiloser Grünen-Gemeinderat in einer Fraktion mit CDU- und AfD-Kandidaten: Der zuständige Kreisverband distanziert sich. Die Grünen in Sachsen sind über die Kooperation eines ihrer Kommunalpolitiker mit der AfD empört. Der parteilose Grünen-Gemeinderat Uwe Börner aus der Gemeinde Gohrisch (Sächsische Schweiz) hatte mit zwei Gemeinderäten von CDU und AfD eine Fraktion gebildet, wie die „Sächsische Zeitung“ berichtete. „Wir distanzieren uns ausdrücklich von dieser Zusammenarbeit mit der AfD“, erklärte daraufhin Ines Kummer, Sprecherin des zuständigen Grünen-Kreisverbandes.

Tierversuche : Geheuchelte Empörung 18.10.2019. Panische Affen, blutende Hunde – die Bilder aus dem Tierversuchslabor LPT sind schrecklich, die Entrüstung groß.

ARD Monitor - Überwachungsstaat - Die geheuchelte Empörung der Bundesregierung - 7.11.,2013.

Gleichzeitig werde ich wütend. Nicht nur auf diejenigen, die im LPT sogar auf die Mindeststandards der Lebensbedingungen für Labortiere pfeifen. Auch auf die, die sich nach gebührender Empörung über so viel Unmenschlichkeit die Nürnberger Rostbratwürstchen mit Sauerkraut und Speck für 3,30 Euro in der Kantine genehmigen.

Wer leidet denn hier?

Obwohl sich das Leid der Kühe, Schweine und Hühner in Massentierställen höchstens marginal von dem der LPT-Tiere unterscheiden dürfte. Aber: Wie sehr uns Tierquälerei empört, hängt zuallererst davon ab, welche Tiere gequält werden.

2017 wurden mindestens 1,5 Millionen Mäuse und Ratten für Tierversuche eingesetzt. Das ist den aktuellsten Zahlen zu Tierversuchen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zu entnehmen. Damit machen die kleinen Nager den Großteil der Versuchstiere aus. Interessiert das jemanden?

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Wissenschaftliche Erfolge durch Tierversuche . Cochlea-Implantate sind ein Beispiel für medizinische Erfolge, die auf Tierversuchen basieren. Foto: Christian Kiel.

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Während Hund und Katze im Laufe der Menschheitsgeschichte zu Familienmitgliedern befördert wurden, haben es Kühe und Schweine nicht über ihr Dasein als wandelnde Mahlzeit hinaus geschafft. Ratten und Mäuse wiederum haben ihre Bestimmung als Labortiere gefunden. Wir unterscheiden zwischen niedlich, lecker und nützlich. Speziesismus nennt sich das.

Johann Ach, Leiter des Zentrums für Bioethik an der Universität Münster, teilt meinen Eindruck, dass wir bestimmten Tierarten generell mehr Mitgefühl zukommen lassen als anderen. "Das ist natürlich in keiner Weise berechtigt, denn im einen wie im anderen Fall handelt es sich um empfindungs-, schmerz- und leidfähige Kreaturen", sagt Ach.

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  Empörung über Schikane gegen Gladbach-Fans Der SC Freiburg empfängt am Samstag Vizemeister Borussia Dortmund. Für Freiburg-Trainer Christian Streich sind die Borussen trotz der Diskussion um ihre Qualität und Mentalität "eine absolute Topmannschaft".

Damit zählen sie zu den ersten Säugetieren, die für Tierversuche eingesetzt wurden. Die Erforschung der Diphtherie im Tierversuch war somit der Ausgangspunkt für eine der größten

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Homo sapiens first!

Als Philosoph und Bioethiker beschäftigt sich Ach mit einer ganz grundsätzlichen Frage: Dürfen wir Tiere für unsere Zwecke nutzen? Und wie weit dürfen dabei gehen?

Das müsste doch im Tierschutzgesetz geregelt sein. Hofft man. Tatsächlich steht in dem Gesetz: Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leid oder Schäden zufügen. Fragt sich nur, was ein "vernünftiger Grund" sein soll?

Das weiß niemand so genau. "Es handelt sich dabei um einen sogenannten unbestimmten Rechtsbegriff, der auslegungsbedürftig und auslegungsfähig ist", sagt Ach. Das heißt, was im Einzelfall ein vernünftiger Grund und damit eine Rechtfertigung für Gewalt am Tier ist, entscheiden Juristen immer wieder neu.

Tierethiker fordern eine grundsätzliche Reform des Tierschutzgesetzes. Eine, die das Tier tatsächlich schützt. © picture-alliance/dpa/M. Murat Tierethiker fordern eine grundsätzliche Reform des Tierschutzgesetzes. Eine, die das Tier tatsächlich schützt.

Ach bezeichnet die Formulierung des Tierschutzgesetzes als Einfallstor für eine Behandlung von Tieren, die mit ethischen Grundsätzen nicht vereinbar ist. "Die gegenwärtige Auslegung des 'vernünftigen Grundes' läuft darauf hinaus, dass so gut wie jedes ökonomische Interesse als Rechtfertigung ausreicht."

Verletzung ist schlimmer als gedacht: David Alaba fällt vorerst aus

  Verletzung ist schlimmer als gedacht: David Alaba fällt vorerst aus ​Beim ​FC Bayern München ging man zunächst davon aus, dass David Alaba sich beim Champions-League-Spiel gegen Tottenham Hotspur lediglich eine Rippenprellung zugezogen hat. Weitere Untersuchungen ergaben jedoch eine etwas ungemütlichere Diagnose. Nach Angaben des Vereins hat sich der österreichische Nationalspieler einen Haarriss in der Rippe zugezogen, der ihn für unbestimmte Zeit außer Gefecht setzen wird. Zumindest kann man davon ausgehen, dass Alaba in naher Zukunft seiner Mannschaft nicht zur Verfügung stehen wird.

Studieren ohne Tierversuche . Tierversuche sind grausam und wissenschaftlich ungenau. Tierversuche verschwenden immense Summen öffentlicher Gelder, verzögern medizinischen

Die Allianz der Wissenschaftsorganisationen klärt sachlich über Tierversuche auf und sucht den Dialog zwischen Wissenschaft Testen Sie Ihr Wissen mit unserem neuen „ Tierversuche verstehen“-Quiz.

An der Formulierung unseres Tierschutzgesetzes zeigt sich eine weitere Form des Speziesismus: Der Mensch steht grundsätzlich über dem Tier. Mag es noch so niedlich sein. Und im Zweifel hat das Tier dem Mensch zu dienen – ob als Leckerbissen oder als Testobjekt zu wissenschaftlichen Zwecken. Nun sind wir mittendrin in der tierethischen Debatte, sagt Ach.

Vollkommen sinnloses Leid?

Gerade wenn es um die hehren Ziele der Wissenschaft geht, um die Erforschung der komplexen Funktionsweise von Gehirn- und Kreislauffunktionen oder Entwicklung wichtiger Medikamente, zweifeln nur wenige an der Notwendigkeit von Tierversuchen. Und wenn es super wichtig ist, dann müssen eben auch Hunde und Affen ran. Es geht schließlich um das Wohl des Menschen!

Johann Ach ist Vertreter einer egalitären tierethischen Position: Die Interessen von menschlichen und nicht-menschlichen Lebewesen sollten dabei gleichermaßen berücksichtigt werden. Was bedeutet das? "Wir müssten bei jedem Tierversuch schauen, ob er speziesistisch motiviert ist, indem wir uns fragen, ob wir denselben Versuch auch mit einem Mensch machen und für gerechtfertigt halten würden."

  Tierversuche: Geheuchelte Empörung © imago/Westend61

Für die Tiere bedeuten Tierversuche immer Leid, sagt Tierärztin Gaby Neumann, die auch Pressesprecherin des Vereins "Ärzte gegen Tierversuche" ist. Selbst dann, wenn sie nicht – wie im LPT – zusätzlich gequält werden. Dabei leidet der Hund nicht mehr als der kleine Nager, an dem in Deutschland am allerliebsten herumexperimentiert wird. "Gerade Mäuse sind Fluchttiere, die schon Stress haben, wenn sie einfach nur gehalten werden."

AfD-Funktionär verärgert Parteifreunde mit Wiesn-Selfie

  AfD-Funktionär verärgert Parteifreunde mit Wiesn-Selfie Peter Junker aus Erding hat bei einem Wiesnbesuch ein Gruppenbild mit vier Schwarzen gemacht. Viele AfD-Freunde im Netz reagierten mit allem, was das Wutrepertoire hergibt. Das Oktoberfest ist zu Ende gegangen, die Gäste aus Bayerns Weiten brachten meist nur kleinere Blessuren mit nach Hause: Wiesngrippe, vielleicht Schrammen vom Autoscooter oder manchen Knutschfleck, womöglich miese Laune im Freundeskreis, weil sich einer aus der Gruppe daneben benommen hat. Peter Junker aus dem Landkreis Erding hat nach einem Wiesnbesuch mehrere Freunde eingebüßt - digitale Freunde.

In Deutschland werden Tierversuche in erster Linie in der Grundlagenforschung sowie der Medizin und Tiermedizin durchgeführt. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, neue Wirkstoffe in Tierversuchen auf

Fraktionswechsel und geheuchelte Empörung . Politikverdrossenheit: Das moralinsaure Spektakel in Niedersachsen vernebelt den Blick auf politische Prozesse und verhindert die Auseinandersetzung

Gemäß dem Grundsatz "Homo sapiens first" sind Tierversuche trotzdem fester Bestandteil der wissenschaftlichen Forschung. Die Initiative "Tierversuche verstehen" versucht zu erklären, warum die Versuche in bestimmten Bereichen unentbehrlich sind.

Menschen sind keine Mäuse

Neumann hält dagegen: "Viele Studien belegen, dass die Übertragbarkeit der Ergebnisse vom Tier auf den Menschen sehr schlecht ist", sagt die Veterinärmedizinerin und nennt beispielhaft die verschiedener Alzheimermedikamente. Diese zeigten sich in Tierversuchen zwar wirkungsvoll, die klinischen Tests an alzheimererkrankten Menschen mussten jedoch aufgrund mangelnder Wirksamkeit abgebrochen werden. Eines der Mittel beschleunigte den Krankheitsverlauf sogar.

Der Verein "Ärzte gegen Tierversuche" hat die wissenschaftlichen Argumente gegen Tierexperimente gesammelt und stellt alternative Testmethoden vor, mit denen bereits viele wichtige biomedizinische Erkenntnisse gewonnen werden konnten, erzählt Neumann. Das Problem sei, wie so oft, das Geld. Davon bekommt die Forschung mit Tierversuchen viel, in die neuen, tierversuchsfreien Alternativen wird hingegen wenig investiert.

Selbst für diejenigen, die die Privilegierung des Menschen für ein Gott gegebenes Recht halten und sich wenig bis gar nicht um das Wohl von Tieren scheren, gibt es laut Neumann keine guten Gründe, an Tierversuchen festzuhalten. "Wir sind einfach keine 70 Kilogramm schwere Maus."

Ob aus wissenschaftlicher oder ethischer Sicht: "Ich verstehe nicht, warum weiterhin an einer Methode festgehalten wird, die dem vorletzten Jahrhundert entspringt." Neumann klingt ehrlich empört.

Nach bundesweiter Empörung: NPD-Politiker als Ortsvorsteher in Hessen wieder abgewählt

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26. Oktober 2019Ausstellung Tierversuche und Vorträge in der VHS Münster. 27. Oktober 2019Mahnwache gegen Tierversuchstransporte durch Air France in Bremen.

Autor: Julia Vergin

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