Wissen & Technik Wolfgang Amadeus Mozart: "Das Tourette-Syndrom hatte er ganz bestimmt nicht"

09:45  14 februar  2020
09:45  14 februar  2020 Quelle:   zeit.de

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Wolfgang Amadeus Mozart ist als Wortferkel bekannt. Das Mozarteum in Salzburg hat einen Brief erworben, der die Fäkalsprache des Komponisten ins Man kann aber nicht einfach per Ferndiagnose sagen, dass er psychisch krank war. Das Tourette - Syndrom hatte er ganz bestimmt nicht .

Wolfgang Amadeus Mozart ist als Wortferkel bekannt. Das Mozarteum in Salzburg hat einen Brief erworben, der die Wenn man aber sieht, dass auch ein Mozart ganz alltägliche Dinge tat, wenn er gerade nicht am Komponieren oder Muszieren war, erscheint er uns sympathisch und viel "normaler".

Wolfgang Amadeus Mozart ist als Wortferkel bekannt. Das Mozarteum in Salzburg hat einen Brief erworben, der die Fäkalsprache des Komponisten ins rechte Licht rückt.

Fein in der Musik, grob in der Sprache: die Familie Mozart auf einem Gemälde von Johann Nepomuk della Croce um 1780 © Wikimedia Commons Fein in der Musik, grob in der Sprache: die Familie Mozart auf einem Gemälde von Johann Nepomuk della Croce um 1780

Das Mozarteum in Salzburg hat kürzlich den Umschlag eines Briefes von Wolfgang Amadeus Mozart angekauft, auf dessen Innenseite der Komponist ein umfangreiches Postskriptum hinterließ. Darin beschrieb der Künstler sehr genau, wie er sich die Zielscheiben für einen anstehenden Luftgewehrwettbewerb vorstellte. Besonders interessant daran ist die Fäkalsprache, die Mozart hier verwendet. Der Musikwissenschaftler Ulrich Leisinger leitet das Mozarteum und kann die historische Bedeutung dieses Fundstücks einordnen.

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ZEIT ONLINE: Herr Leisinger, die Familie Mozart liebte das sogenannte Bölzlschießen. Wolfgang Amadeus hatte offenbar sehr genaue Vorstellungen, wie eine angemessene Zielscheibe aussehen sollte. Können Sie die kurz beschreiben?

Ulrich Leisinger: Ich zitiere aus dem Brief: "Ein kleiner Mensch mit lichten Haaren steht gebückt da, und zeigt den bloßen Arsch her. Aus seinen Mund gehen die Wort: Guten Appetit zum Schmaus. Der andere wird gemacht, in Stiefl und Sporn, ein rots Kleid, eine schöne Perücke nach der Mode; er muss von mittlerer Größe sein. Er wird in der Positur vorgestellt, wie er den andern just im Arsch leckt. Aus seinen Mund gehen die Worte: Ach, da geht man drüber N'aus."

ZEIT ONLINE: Mozart ist für seine zotige Sprache und überschäumende Fantasie bekannt. Es gibt zahlreiche Post-mortem-Diagnosen, die ihm unter anderem ADHS, Depressionen, manisch-depressives Verhalten oder das Tourette-Syndrom unterstellen. Was ist da dran?

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Leisinger: Zu Mozarts frühem Tod mit 35 Jahren werden 114 verschiedene Ursachen diskutiert. An einer davon wird er schon gestorben sein. Er war ein sehr lebenslustiger Mensch, der aber auch frustriert sein konnte. Manchmal ist er regelrecht überdreht gewesen, dann wieder niedergeschlagen. Man kann aber nicht einfach per Ferndiagnose sagen, dass er psychisch krank war. Das Tourette-Syndrom hatte er ganz bestimmt nicht.

ZEIT ONLINE: Warum sind Sie da so sicher?

Leisinger: Ein Tourette-Syndrom äußert sich in bestimmten Tics wie beständigem Fluchen oder obszöner Sprache, die ein Erkrankter nicht kontrollieren kann. Die Diagnosen angeblicher Psychosen und Tics beruhen auf ganz wenigen Dokumenten Mozarts, meistens auf Briefen, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren. So verwendet Mozart Fäkalsprache überhaupt nur in einem einzigen Brief, der nicht für den Familienkreis bestimmt war. Und selbst der war an einen engen Freund gerichtet.

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ZEIT ONLINE: Fäkalsprache war normal für das späte 18. Jahrhundert. Sind die Mozarts ein Musterbeispiel dafür?

Leisinger: So zu reden war weder für die Zeit noch die Familie des Komponisten etwas Außergewöhnliches. Auch Mozarts Mutter verwendete derlei Wörter. Leopold Mozart wollte eine Scheibe für ein Bölzlschießen, zu dem immerhin ein Graf eingeladen hatte, so gestaltet haben, dass eine Bekannte abgebildet wird, wie sie stolpert und dabei "den nacketen Arsch herzeigt". Ein anderes Mal "beichtete" Wolfgang Amadé seinem Vater, er habe kürzlich "lauter Sauereien gereimet, nämlich vom Dreck scheißen und Arsch lecken". Der Sohn betonte, er hätte sich nicht so "gottlos" aufgeführt, wenn ihn nicht eine Begleiterin "gar so sehr animieret und aufgehetzt hätte". Das heißt also, auch im Freundeskreis war eine derbe Sprache gang und gäbe. 

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ZEIT ONLINE: Mit Joseph Haydn war Mozart befreundet, sie verband eine enge kollegiale Beziehung. Von Haydn sind allerdings keine "Scheiß"-Ausdrücke bekannt.

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Leisinger: Dafür gibt es, glaube ich, zwei Gründe: Haydn gehörte der alten Schule an. Er schrieb noch im formalen und steifen Stil des Hochbarocks. Außerdem besitzen wir von Haydn so gut wie keine Familienkorrespondenz.

ZEIT ONLINE: Einen zotigen und überdrehten Reim vertonte Mozart sogar als kurzes Werk für Chor, das immerhin in sein Werksverzeichnis als Nummer 561 Eingang fand. Was können Sie uns darüber sagen?

Leisinger: Der Kanon Bona nox! endet mit dem Wunsch: "Gute Nacht, gute Nacht, scheiß ins Bett, dass’ kracht – gute Nacht, schlaf fei g’sund und reck’ den Arsch zum Mund." Diese Aufforderung, die übrigens schon anatomisch gar nicht realisierbar ist, scheint ein stehender Begriff in der Familie Mozarts gewesen zu sein; sie taucht schon in einem Brief der Mutter auf. In den Schreiben der Familie von Felix Mendelssohn Bartholdy, in der jeder Brief ein wahres Kunstwerk ist und ein Kunstwerk sein soll, wird man so etwas nicht finden.

ZEIT ONLINE: Berühmt sind Mozarts Briefe an seine Cousine. Auch in einem von diesen heißt es: "Jetzt wünsch ich eine gute Nacht, scheißen sie ins Bett, dass es kracht."

Leisinger: Schreiber und Empfänger mussten davon ausgehen, dass solche Briefe in der gesamten Familie zur Kenntnis genommen wurden. Es war also ganz offenbar kein Tabu, sich so auszudrücken. Die Cousine gab die Korrespondenz später der Witwe Mozarts zurück, die keine Hemmungen hatte, "die freilich geschmacklosen, aber doch sehr witzigen Briefe" für eine Biografie ihres Mannes aus der Hand zu geben. Sie hätte sie ja auch verbrennen können. Außerdem bedeutete damals ins Bett "scheißen" nur "kräftig einen fahren lassen". Alles halb so wild.

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ZEIT ONLINE: Seit Miloš Formans Amadeus, der 1984 in die Kinos kam, ist Mozarts Lust an verbaler Frivolität einem breiten Publikum bekannt. War der Film vielleicht auch ein Versuch, den Komponisten nicht nur als Genie, sondern als Menschen zu zeigen?

Leisinger: Bis weit in die Mitte des 20. Jahrhunderts wurde Mozart nur als künstlerischer Übermensch dargestellt, dem alles leicht von der Hand ging. Schon vor Amadeus hatte die Kunstwelt aber damit begonnen, ihn als Genie von einmaliger Größe vom Sockel zu stoßen und das Bild eines normalen und manchmal aberwitzigen Menschen zu zeichnen. Man denke nur an Wolfgang Hildesheimers Mozart-Buch von 1977. Diesen Gedanken hat Peter Shaffer, der das Drehbuch zu Amadeus schrieb, weitergesponnen. Noch bis in die Achtzigerjahre hinein waren viele Leute sauer, dass ihr großer Mozart hier als Kindskopf mit derber Sprache dargestellt wird. Das hat sich inzwischen geändert.

ZEIT ONLINE: Inwiefern?

Leisinger: Mozarts Werke werfen doch immer wieder die Frage auf: Wie kann ein menschliches Wesen nur so großartige Musik schaffen? Wenn man aber sieht, dass auch ein Mozart ganz alltägliche Dinge tat, wenn er gerade nicht am Komponieren oder Muszieren war, erscheint er uns sympathisch und viel "normaler". Dann kommt er einem nicht mehr ganz so überragend vor, was eine Annäherung an seine Person und damit auch an seine Musik leichter macht.

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