Wissen & Technik Historiker zum Coronavirus: „Ökonomische Schäden höher als bei Spanischer Grippe“

20:00  01 märz  2020
20:00  01 märz  2020 Quelle:   wiwo.de

Coronavirus: Was unterscheidet Covid-19 von Grippe?

  Coronavirus: Was unterscheidet Covid-19 von Grippe? Warum müssen wegen des neuartigen Corona-Virus Millionen Menschen in Quarantäne und bei der Grippe nicht, obwohl daran jedes Jahr Tausende Menschen in Europa sterben? Der Überblick. Angesichts geschlossener Schulen, abgeriegelter Regionen und Wirtschaftseinbußen fragen sich viele, ob die Maßnahmen zur Eindämmung des neuartigen Coronavirus übertrieben sind. Während der Grippesaison gibt es solche Reaktionen schließlich nicht, obwohl daran allein in der aktuellen Saison mehr als 200 Menschen in Deutschland gestorben sind, während es bisher keinen nachgewiesenen Covid-19-Todesfall hierzulande gibt.

Aber unsere Wirtschaft wird das Coronavirus gut wegstecken – und bald wieder vergessen. Es flickt schwerste Schäden , es macht den Menschen reicher, sogar wenn dieser in seiner Blödheit wieder einmal alles zertrümmert. Das pessimistische Szenario zum Coronavirus . Mehr hier.

Der Präsident des Instituts sprach am Donnerstag über das Coronavirus . Bayern habe die Krankheit erfolgreich eingedämmt. Es könne aber dennoch sein, dass man die Lage in Deutschland irgendwann nicht mehr unter Kontrolle habe. (Quelle: Reuters).

Coronavirus © dpa Coronavirus

Historiker Eckard Michels erklärt, was wir aus der Spanischen Grippe von 1918 für den Umgang mit dem Coronavirus lernen können – und warum SARS-CoV-2 die Wirtschaft stärker schädigt, obwohl es medizinisch harmloser ist.

Eckard Michels, 57, ist Neuzeithistoriker und lehrt am Birkbeck College der University of London.

WirtschaftsWoche: Professor Michels, Sie haben sich als Historiker intensiv mit der Spanischen Grippe von 1918 auseinandergesetzt, der vermutlich größten neuzeitlichen Pandemie. Können wir beim aktuellen Kampf gegen das Coronavirus etwas aus der Vergangenheit lernen?

Rekordzahl von 865 Corona-Toten innerhalb eines Tages in den USA

  Rekordzahl von 865 Corona-Toten innerhalb eines Tages in den USA Rekordzahl von 865 Corona-Toten innerhalb eines Tages in den USADie Koordinatorin der US-Regierung für den Anti-Corona-Kampf, Deborah Birx, zeigte am Dienstag im Weißen Haus und in Anwesenheit von Präsident Donald Trump eine Grafik, wonach die Zahl der Corona-Todesopfer in den USA letztlich zwischen 100.000 und 240.000 liegen könnte. Noch zwei Tage zuvor hatte der Seuchenexperte und Trump-Berater Anthony Fauci ein Szenario vorgestellt, in dem von bis zu 200.000 Toten ausgegangen worden war.

Coronavirus - Deutscher Patient ist außer Lebensgefahr Der Mann steckte sich bei einer chinesischen Kollegin an. Grippe ist bereits fest etabliert, da kennt man sich aus, auch in nichtmedizinischen Bereichen. Die Auswirkungen der Coronaviridae müssen erst noch erforscht werden.

Newsblog: Coronavirus laut Robert-Koch-Institut tödlicher als Grippe . Wie viel höher die Sterberate ausfalle, werde man nach dem Ende der Epidemie sehen Wegen eines Coronavirus -Verdachtsfalls dürfen auf der spanischen Ferieninsel Teneriffa hunderte Gäste vorerst ihr Hotel nicht verlassen.

Eckard Michels: Ja: Stoizismus und den Verzicht auf Hysterie. Die aktuelle Debatte erscheint mir arg überzeichnet. Es gibt eine große Diskrepanz zwischen der wahnsinnigen Aufregung in den Medien und der tatsächlichen Gefährlichkeit des Virus. Die Epidemie läuft nun seit gut zwei Monaten und ist, wie ich finde, noch nicht sehr weit gekommen. Die Schweinegrippe 2009 etwa war nach zwei Monaten wesentlich weiter verbreitet.

Wir sollen uns keine Sorgen machen über ein hochansteckendes Virus, das immer näher kommt? Die Börsen sehen das gerade anders...

Natürlich darf man nichts schönreden. Fakt ist aber doch, dass das Coronavirus medizinisch viel harmloser ist als die aggressive Grippe von 1918. Die Todesfallrate ist sehr viel geringer. Davon trennen muss man allerdings die Folgen für die Wirtschaft. Die ökonomischen Schäden des Coronavirus werden höher sein als bei der Spanischen Grippe, weil die Wirtschaft und ihre Lieferketten viel globalisierter sind als damals. Zwar hatte die Globalisierung vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs eine erste Blütezeit erlebt, im Jahr 1918 aber hatten wir es mit vor allem national orientierten Kriegswirtschaften zu tun.

Das Grippe-Medikament Avigan aus Japan scheint in Studien bei Covid-19 zu helfen. Jetzt deckt sich Deutschland damit ein

  Das Grippe-Medikament Avigan aus Japan scheint in Studien bei Covid-19 zu helfen. Jetzt deckt sich Deutschland damit ein Das Gesundheitsministerium hat in Japan eine Million Packungen des Grippemittels bestellt, das einer der Hoffnungsträger im Kampf gegen Covid-19 ist.Derzeit sei die Grippetablette Avigan des japanischen Unternehmens Fujifilm Holding ein Hoffnungsträger. Sie verhindert, dass sich Grippeviren im Körper replizieren und bietet sich deshalb auch als Therapiemöglichkeit für Covid-19-Patienten an.

Im Kampf gegen die Coronavirus -Epidemie hat Südkorea die höchste Krisenalarm-Stufe ausgerufen. 15.39 Uhr: Virologe: Covid-19 bleibt wohl wie Influenza dauerhaft. Deutschland wird Experten zufolge mit dem neuen Coronavirus dauerhaft wie mit der normalen Grippe leben müssen.

Berlin (dpa) - Das neuartige Coronavirus ist nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) tödlicher als die Grippe . Nach den bisher bekannten Zahlen liegt die Rate beim Virus Sars-CoV-2 fast zehnmal so hoch - bei ein bis zwei Prozent.

Welche wirtschaftlichen Folgen hatte die Spanische Grippe für Deutschland?

Dazu gibt es leider kaum Zahlen. Ein großes Problem für die Wirtschaft war, dass die Grippe überproportional jüngere Leute zwischen 20 und 40 Jahren traf – und damit in der Regel die arbeitende Bevölkerung. Der deutschen Industrie kam allerdings zugute, dass die drei Seuchenwellen im Frühjahr und Herbst 1918 und Anfang 1919 allesamt in nur zwei bis vier Wochen durchgezogen waren. Es gab daher keine längerfristigen Produktionsstopps. Das war anders als heute mit dem Coronavirus.

Wie ging die deutsche Gesellschaft damals mit der Seuche um?

Angesichts der tödlichen Gefahr erstaunlich gelassen. Massenhaftes Sterben durch Infektionskrankheiten war damals noch Normalität, die Leute hatten ein dickes Fell gegenüber Krankheitsrisiken. Die Grippe war im kollektiven Bewusstsein der Deutschen nicht als elementare Gefahr abgespeichert, sondern galt als banale Krankheit. Man war überdies in Kriegszeiten und wollte sich daher keine emotionale, womöglich unpatriotisch gedeutete Blöße geben. Im medizinischen Bereich stand ohnehin anderes im Vordergrund der staatlichen Prävention, etwa der Kampf gegen die Tuberkulose oder die klassischen Kriegsseuchen wie Ruhr, Typhus und Fleckfieber.

RBA senkt Zinssätze auf Rekordtief 0,25 Prozent

 RBA senkt Zinssätze auf Rekordtief 0,25 Prozent Ihr Browser unterstützt dieses Video nicht Die Reserve Bank of Australia bereitet sich darauf vor, die Zinssätze diese Woche auf ein Rekordtief von 0,25 Prozent zu senken, um die Zinsen zu senken wirtschaftliche Auswirkungen des Coronavirus. Am -Montag wurden 167 Milliarden US-Dollar vom australischen Aktienmarkt abgewischt - der schlimmste Tag seit dem Crash von 1987. Der ASX 200 verlor 9,7 Prozent.

Das Coronavirus breitet sich weiter aus. "Die Infektionsrate an Bord des Schiffes war rund vier Mal höher als was wir an Land in den am schlimmsten infizierten Generell könne man aber gesichert sagen: "Die Raten der Verstorbenen sind aktuell beim Coronavirus höher als bei der Grippe ."

Experten halten das neue Coronavirus für tödlicher als die Grippe . Diese Menschen gelten inzwischen alle als virusfrei. Sterbewahrscheinlichkeit zehnmal höher als bei Grippe . RKI-Präsident Lothar Wieler sagte, die Wahrscheinlichkeit, an einer Grippe zu sterben, liege bei 0,1 bis 0,2 Prozent.

Die Spanische Grippe wird bisweilen als Krankheit bezeichnet, die die Welt nachhaltig verändert habe...

Diese Sicht teile ich nicht. Langfristige gesellschaftliche Veränderungen gab es partiell allenfalls im religiösen Bereich. In einigen Regionen Afrikas etwa lösten sich die Menschen von ihren Naturreligionen, die sie nicht hatten schützen können, andere wendeten sich wieder vom Christentum ab, das die Kolonialherren importiert hatten.

Schätzungen gehen davon aus, dass die Spanische Grippe weltweit über 500 Millionen Menschen traf und es rund 50 Millionen Tote gab. Welche Länder waren am stärksten betroffen?

Asien, Afrika und einige pazifische Inseln, Europa weniger. In den weiter entwickelten Ländern mit ihren moderneren medizinischen Systemen, überregionalen Versorgungssystemen und Aufklärungsmöglichkeiten durch Zeitungen und jahrhundertelanger Konfrontation mit Grippeviren waren die Todesraten deutlich geringer. Es gab im Deutschen Reich etwa 350.000 Tote durch die Grippe oder dadurch ausgelöste Komplikationen wie Lungenentzündungen, Herzversagen und Gehirnhautentzündungen. Ähnlich – bezogen auf die Gesamtbevölkerung – waren die Zahlen in Frankreich und Großbritannien.

RNC, Ronna McDaniel, ist in Quarantäne, während sie auf die Ergebnisse des Coronavirus-Tests wartet .

 RNC, Ronna McDaniel, ist in Quarantäne, während sie auf die Ergebnisse des Coronavirus-Tests wartet . Die Vorsitzende des RNC-Kommunikationsdirektor Michael Ahrens twitterte , dass McDaniels Arzt aufgrund ihrer Symptome festgestellt habe, dass der Test notwendig sei. Sie wurde auf Coronavirus getestet, nachdem sie in ihr örtliches Krankenhaus in Michigan gegangen war, wo sie negativ auf Grippe und Strep getestet wurde. Während McDaniel auf die Ergebnisse des Coronavirus-Tests wartet, werden sich Ahrens und ihre Familie auf Anraten der Ärzte selbst unter Quarantäne stellen.

Wo kam das Virus damals her?

Zumindest nicht aus Spanien! Dass die Krankheit Spanien im Namen trägt, liegt daran, dass die damals im neutralen Spanien nicht zensierten Zeitungen als erste über den Ausbruch des Virus berichteten. Nach überwiegender Meinung der Wissenschaft kam das Virus aus einem Rekrutenlager in Kansas in den USA, übertragen wahrscheinlich von Hausschweinen. Es gibt allerdings auch Forscher, die vermuten, dass das Virus sich unter den britischen oder amerikanischen Truppen in Frankreich entwickelt habe. Oder sogar, wie beim Coronavirus, in China.

Die Welt war in der Kriegswirtschaft 1918 viel geringer vernetzt als heute. Wie kam die Grippe so schnell nach Europa?

Eine gängige These ist: durch das Militär. Patient Null war angeblich ein amerikanischer Soldat, und 1917 und 1918 kamen zwei Millionen US-Soldaten zum Einsatz an der Westfront nach Frankreich. Diese These ist zumindest quellenmäßig besser belegbar als andere. Es könnte ebenso sein, dass die Grippe woanders entstand, nur dass wir dazu keine Beweise haben, weil die Soldaten der US-Army schlichtweg besser medizinisch überwacht wurden und so viele Quellen überliefert sind. Auf einen solchen Fundus können Historiker für andere Regionen und Bevölkerungsgruppen der damaligen Zeit nicht zurückgreifen.

Warriors sagen, Curry hat Grippe, keine Coronavirus-Risikofaktoren

 Warriors sagen, Curry hat Grippe, keine Coronavirus-Risikofaktoren Stephen Curry wird am Samstag nicht spielen, wenn die Golden State Warriors aufgrund einer Krankheit die Philadelphia 76ers beherbergen. © Noah Graham / Nationaler Basketballverband / Getty Im Zeichen der Zeit gab das Team bekannt, dass der Superstar kein Risiko für Coronaviren zu haben scheint. "(Curry) hat keine spezifischen Risikofaktoren für COVID-19", heißt es in einer Erklärung des Warriors-Teamarztes Robert Nied laut Nick Friedell von ESPN. "Er hat die saisonale Grippe.

Hat die Grippe den Ausgang des Ersten Weltkriegs beeinflusst?

Nein. Denn alle kriegsführenden Parteien waren gleichermaßen betroffen - und die militärischen Würfel in Europa und im Nahen Osten waren bereits gefallen, als die Grippe die Welt erfasste.

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Ihr Browser unterstützt dieses Video nicht "Ich sah auf sie herab und ihre Augen waren in ihrem Hinterkopf", sagte Jades Mutter Amanda Phillips gegenüber NBC News. Die Vierjährige verbrachte mehr als zwei Wochen im Krankenhaus, sagte ihre Mutter, und entwickelte eine Krankheit namens Enzephalopathie, eine Schwellung des Gehirns, die dazu führte, dass sie ihr Sehvermögen verlor. -Ärzte sagten Phillips, sie würden nicht wissen, ob der Sehverlust ihrer Tochter sechs Monate lang dauerhaft ist.

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