Wissen & Technik Coronavirus: Was macht Sars-CoV-2 so ansteckend?

20:20  11 märz  2020
20:20  11 märz  2020 Quelle:   spiegel.de

Wird das Coronavirus auch über Kot übertragen?

  Wird das Coronavirus auch über Kot übertragen? Mediziner befürchten, dass es neben einer Tröpfchen-Infektion einen zusätzlichen Übertragungsweg über den Verdauungstrakt gibt. Auch bei der SARS-Epidemie war das so. Bislang wurde angenommen, dass das neuartige Coronavirus 2019-nCoV hauptsächlich durch eine Tröpfchen-Infektion von Mensch zu Mensch übertragen wird. Forscher des Shi Zhengli-Labors am Wuhan-Institut für Virologie haben jetzt allerdings genetische Spuren des Coronavirus in Stuhlproben von infizierten Patienten gefunden, was möglicherweise auf einen zusätzlichen Übertragungsweg hinweist.

Sars-CoV-2 ist aggressiver als verwandte Viren. Was Forscher bisher über den Erreger wissen und welche Medikamente wirksam sein könnten.

  Coronavirus: Was macht Sars-CoV-2 so ansteckend? © NIAID- RML/NATIONAL INSTITUTES OF HEALTH HANDOUT/EPA-EFE/REX

Jedes noch so gefährliche Virus ist nichts ohne seine Wirtszelle. Ohne die kann es sich nicht vermehren und geht zugrunde. Das gilt auch für Sars-Cov-2 - das neuartige Coronavirus, das erst seit einigen Monaten bekannt ist.

Forscher auf der ganzen Welt versuchen nun herauszufinden, wie der Erreger in den menschlichen Körper einfällt und welche Bedingungen er sich dort zunutze macht. Denn wenn dieser Mechanismus bekannt ist, könnten Medikamente entwickelt werden, die ihn blockieren.

Entschuldigung, Verschwörungstheoretiker. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass COVID-19 'kein Laborkonstrukt' ist.

 Entschuldigung, Verschwörungstheoretiker. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass COVID-19 'kein Laborkonstrukt' ist. © Handout / Nationale Gesundheitsinstitute / AFP über GettY Images Dieses mit einem Rasterelektronenmikroskop aufgenommene Handout zeigt SARS-CoV-2 (gelb), auch bekannt als 2019- nCoV, das Virus, das COVID-19isolated verursacht, das von der Oberfläche der im Labor kultivierten Zellen (blau / rosa) austritt. -Verschwörungstheorien, denen zufolge COVID-19 im Rahmen eines biologischen Angriffs auf die USA in einem Labor entwickelt wurde, haben in den letzten Wochen online an Bedeutung gewonnen.

Wegen der aktuellen Situation veröffentlichen Forschungsteams ihre Ergebnisse zum neuen Virus deutlich schneller als normalerweise üblich. Der Vorteil: Forschungsergebnisse werden schnell geteilt und können bei der Bekämpfung des Virus berücksichtigt werden. So zeigen aktuelle Analysen, dass die gewählte Quarantänezeit von etwa 14 Tagen ausreichend sein dürfte, um Fälle von Covid-19 zu erkennen - so der Name der Krankheit, die das neuartige Coronavirus auslösen kann. Demnach treten die Symptome bei 99 Prozent der Erkrankten innerhalb von zwei Wochen auf.

Die bisherigen Studien basieren jedoch nur auf Stichproben und werden vor Veröffentlichung nicht immer von anderen Experten überprüft. Zudem bleibt häufig unklar, ob sich die Ergebnisse reproduzieren lassen. Also, ob unter denselben Testbedingungen vergleichbare Ergebnisse erzielt werden können. Die Forschungsergebnisse sind deshalb nur mit Einschränkungen gültig.

Delta Air Lines Passagier hatte Coronavirus und war ansteckend, sagten Beamte

 Delta Air Lines Passagier hatte Coronavirus und war ansteckend, sagten Beamte Ein Passagier, der über das Wochenende vom internationalen Flughafen John F. Kennedy nach Rochester, New York, flog, hatte Coronavirus und war ansteckend, twitterte das Monroe County Health Department Mittwoch Nacht. © Pablo Monsalv / Presse anzeigen / Corbis News / Getty Images NEW YORK, NY - 13. MÄRZ: Flugzeuge von Delta Airlines werden am 13. März 2020 auf dem John F. Kennedy-Flughafen in New York in New York City geparkt.

Trotz aller Unsicherheiten: Noch nie war schon kurz nach dem Ausbruch so viel über einen neuartigen Erreger bekannt wie bei Sars-CoV-2

Mitte Februar gelang US-Forschern ein wichtiger Durchbruch: Sie konnten das Schlüsselprotein des neuartigen Coronavirus dreidimensional abbilden, bis auf das Atom genau. Auf dieses Protein kommt es an, denn es ist das Instrument, mit dem das Virus in die Wirtszelle eindringt. Genetische Analysen zeigen, dass dieses Protein beim aktuellen Coronavirus etwas anders aufgebaut ist als bei seinen Verwandten.

Denn um aktiviert zu werden, braucht es ein Enzym namens Furin - und das kommt beim Menschen etwa in den Lungen, der Leber und im Dünndarm vor. Das neuartige Coronavirus könnte deshalb nicht nur die Lunge befallen, sondern auch andere Organe, vermutet der Biologe Li Hua aus dem chinesischen Wuhan, wo das Virus zuerst ausgebrochen war. Das könnte auch Symptome wie Leberversagen erklären, die bei einigen Covid-19 Patienten auftraten. Andere Coronaviren werden laut Li nicht durch Furin aktiviert.

Frydenberg verspricht "fiskalisch verantwortliche" Coronavirus-Reaktion

 Frydenberg verspricht Ihr Browser unterstützt dieses Video nicht Schatzmeister Josh Frydenberg hat bestätigt, dass das Coronavirus einen größeren Einfluss auf das Endergebnis des Haushalts haben wird als frühere globale Epidemien SARS und MERS. Weltweit hat die Zahl der Menschen, die sich mit der Krankheit infiziert haben, 90.000 überschritten, wobei 3.000 Menschen starben. Über 90 Prozent der Todesfälle wurden in China verzeichnet, da die Regierung von Xi Schwierigkeiten hat, das Virus einzudämmen.

Das Forschungsteam um Li sucht nun nach Molekülen, die das Enzym blockieren und durch diesen Mechanismus als mögliches Medikament in Frage kommen könnten. Denn ein blockiertes Furin-Enzym bedeutet, dass das Schlüsselprotein von Sars-Cov-2 inaktiv bleibt: Das Virus kann sich also im Körper nicht vermehren.

Die Arbeit daran ist beschwerlich. Li ist wegen der aktuellen Epidemie das einzige Mitglied aus dem Forschungsteam, das Zugang zum Labor hat, berichtet "Nature News" - die Nachrichtenseite des renommierten Fachblatts.

Die Forscher, die die Struktur des Schlüsselenzyms von Sars-2-CoV entschlüsselten, haben eine weitere Eigenschaft des Erregers ausgemacht, die erklären könnte, warum er so leicht in menschliche Zellen eindringen kann.

In ihren Experimenten verband sich das Schlüsselprotein des neuartigen Coronavirus zehnmal stärker mit einem menschlichen Enzym, das normalerweise den Blutdruck reguliert, als das Schlüsselprotein des eng verwandten Coronavirus, das das Schwere Akute Atemwegssyndrom verursacht, besser bekannt in der Kurzform Sars.

Alberta hat den ersten mutmaßlichen Fall von Coronavirus

 Alberta hat den ersten mutmaßlichen Fall von Coronavirus © DIE KANADISCHE PRESSE / AP-NIAID-RML über AP Dieses undatierte Elektronenmikroskopbild, das von den US National Institutes of Health im Februar 2020 zur Verfügung gestellt wurde, zeigt das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2, gelb , blau / rosa aus der Oberfläche von Zellen austretend, im Labor kultiviert. Das Virus, auch als 2019-nCoV bekannt, verursacht COVID-19.

Sars war erstmals im Jahr 2002 in Südchina ausgebrochen. Etwa tausend Menschen starben während der Pandemie in den Jahren 2002 und 2003. Bei Covid-19 gibt es bisher mehr als 4000 nachweisbare Todesfälle. Die Betroffenen sterben meist an Lungenentzündungen, Atemnot oder Sepsis, auch bekannt als Blutvergiftung.

Unklar ist noch, ob Menschen, die mit Sars infiziert und Antikörper gebildet haben, besser vor dem neuartigen Coronavirus geschützt sind. Mäuse, die gegen Sars Antikörper gebildet hatten, waren in Labortests auch gegen das neuartige Coronavirus immun. In anderen Untersuchungen reagierte Sars-CoV-2 jedoch nicht auf Antikörper gegen Sars oder Mers.

Forscher fordern deshalb, die Suche nach möglichen Medikamenten möglichst breit auszustellen. In Wuhan laufen bereits Versuche mit Präparaten gegen HIV. Außerdem wird das Anti-Viren-Mittel Remdesivir getestet. Bis es ein wirksames Präparat gibt, bleibt Ärzten nur, die Symptome zu behandeln. Falls es gelingt, eine Impfung zu entwickeln könnte diese frühestens in sechs bis zwölf Monaten auf den Markt kommen.

Schnelltest soll Infektion innerhalb von Minuten entdecken

Schon in absehbarer Zeit sollen Schnelltests verfügbar sein, die das Schlüsselprotein von Sars-CoV-2 innerhalb von Minuten erkennen sollen. Ein Abstrich aus dem Rachenraum würde genügen.

Ein zweiter Fall des Wuhan-Coronavirus in den USA wurde gerade in Chicago bestätigt.

 Ein zweiter Fall des Wuhan-Coronavirus in den USA wurde gerade in Chicago bestätigt. Chicago, Illinois. Bei einer Frau in den Sechzigern wurde in Chicago das Wuhan-Coronavirus diagnostiziert. Dies wurde am Freitag von den US-amerikanischen Zentren für die Kontrolle und Prävention von Krankheiten bestätigt. Es ist der zweite bestätigte Fall in den USA. Der erste Fall wurde am Dienstag im Bundesstaat Washington gemeldet. Die Frau reiste Ende Dezember nach Wuhan, China, und kehrte am 13. Januar in die USA zurück.

Solche Tests könnten helfen, bisher unerkannte Erkrankungen aufzudecken. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verursacht das neuartige Coronavirus in vier von fünf Fällen keine oder nur leichte bis moderate Symptome, zu denen jedoch auch Lungenentzündungen gezählt werden. Zu den ernsthaften Symptomen, die nur jeden fünften Patienten betreffen, gehören laut WHO beispielsweise Atemnot oder ein Abfall der Sauerstoffsättigung.

Wahrscheinlich wird erst nach dem Ausbruch klar sein, wie viel infiziert waren

Weil eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus in so vielen Fällen harmlos verläuft, ist nicht klar, wie viele Menschen das Virus möglicherweise in sich tragen, ohne es zu bemerken. Erste Untersuchungen aus Deutschland deuten bisher nicht auf einen unerkannten Ausbruch im großen Stil hin. Aus freiwilligen Angaben von Laboren lässt sich schließen, dass nur 25 von 1000 Tests auf das Coronavirus positiv ausfallen. Das entspricht 2,5 Prozent. Die Daten sind jedoch nicht repräsentativ. Außerdem gibt es keine Pflicht, negative Tests zu melden.

Laut dem Virologen Christian Drosten von der Berliner Charité sind Tests, die lediglich das Virus aufspüren, ohnehin wenig aussagekräftig, da es sich nur über kurze Zeit hinweg aufspüren lässt.

Ob jemand infiziert war oder nicht, lässt sich zuverlässiger mit Antikörpertests nachweisen, die das menschliche Immunsystem als Reaktion auf die Infektion bildet und speichert. Wie viele Menschen sich in Deutschland tatsächlich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert haben, könnten eines Tages Daten aus Blutbanken zeigen, wenn die Spenden in einer repräsentativen Stichprobe auf Antikörper getestet würden. Womöglich wird es jedoch erst nach der aktuellen Epidemie so weit sein.

-Erklärung: Die rasche Ausbreitung des chinesischen Coronavirus löst globalen Alarm aus

-Erklärung: Die rasche Ausbreitung des chinesischen Coronavirus löst globalen Alarm aus © Reuters / Kamil Krzaczynski Ein Mann trägt in Chinatown nach dem Ausbruch eines neuen Coronavirus eine Maske. Von Deena Beasley und Kate Kelland (Reuters) - Internationaler Alarm vorbei Das Coronavirus, das im Dezember in Wuhan, China, aufgetreten ist, ist auf seine rasche Ausbreitung und die Tatsache zurückzuführen, dass Experten für Infektionskrankheiten noch nicht wissen können, wie tödlich oder ansteckend es ist. Innerhalb weniger Wochen hat das Virus in China fast 8.000 Menschen infizier

Mehr auf MSN

60 Hühnerbratpfannenrezepte Perfekt für geschäftige Wochenabende .
© Cnsphoto / Reuters Ein -Coronavirus mit Ursprung in Wuhan, China, hat seit Dezember mindestens 170 Menschen getötet und mehr als 8.100 infiziert. Die Gesamtzahl der Coronavirus-Fälle weltweit hat die der gesamten SARS-Pandemie übertroffen. Zwischen November 2002 und Juli 2003 tötete SARS 774 Menschen und infizierte 8.096. Coronaviren sind zoonotische Krankheiten, dh sie gehen von Tieren auf Menschen über.

—   Teilen Sie Neuigkeiten in der SOC. Netzwerke

Aktuelle videos:

usr: 3
Das ist interessant!