Wissen & Technik Wie wird die Welt nach der Corona-Krise aussehen? Ein Zukunftsforscher schildert seine Vision — und sie macht Hoffnung

07:05  24 märz  2020
07:05  24 märz  2020 Quelle:   businessinsider.de

Für Familien, aber nicht für uns - Skoda Vision IN auf der Neu-Delhi Auto Expo 2020

  Für Familien, aber nicht für uns - Skoda Vision IN auf der Neu-Delhi Auto Expo 2020 Mit dem Vision IN gibt Skoda einen Ausblick auf einen neuen Familien-SUV speziell für den indischen Markt. Das Modell ist kürzer als ein Karoq, soll aber dennoch reichlich Platz und Variabilität bieten. © Skoda Mit dem Vision IN gibt Skoda einen Ausblick auf einen neuen Familien-SUV speziell für den Indischen Markt. Nach China kommt Indien – der Subkontinent mit einer Bevölkerungszahl von rund anderthalb Milliarden ist für die Pkw-Industrie aktuell der wichtigste Wachstumsmarkt. Bis zum Jahr 2025 strebt der VW-Konzern einen Marktanteil von fünf Prozent an, federführend für die Modelloffensive ist Skoda.

Wie wird die Welt nach der Corona - Krise aussehen ? Ein Zukunftsforscher schildert seine Vision — und sie macht Hoffnung . Erstaunlicherweise machen viele in der Corona - Krise genau diese Erfahrung. Aus einem massiven Kontrollverlust wird plötzlich ein regelrechter Rausch des Positiven.

Matthias Horx ist ein deutscher Publizist, der sich seit einigen Jahren auch »Trend- und Zukunftsforscher « nennt. Er malt uns eine hoffnungsvolle Zukunft nach der großen Krise , eine veränderte Welt , die lebenswerter als vorher erscheint.

  Wie wird die Welt nach der Corona-Krise aussehen? Ein Zukunftsforscher schildert seine Vision — und sie macht Hoffnung © Bereitgestellt von Business Insider Deutschland

Schluss mit höher, schneller, weiter? Der Autor Matthias Horx glaubt, dass die Corona-Krise für unser Leben auch positive Veränderungen mit sich bringen kann.

Ich werde derzeit oft gefragt, wann Corona denn "vorbei sein wird" und alles wieder zur Normalität zurückkehrt. Meine Antwort: Niemals. Es gibt historische Momente, in denen die Zukunft ihre Richtung ändert. Wir nennen sie Bifurkationen. Oder Tiefenkrisen. Diese Zeiten sind jetzt.

Die Welt as we know it löst sich gerade auf. Aber dahinter fügt sich eine neue Welt zusammen, deren Formung wir zumindest erahnen können. Dafür möchte ich Ihnen eine Übung anbieten, mit der wir in Visionsprozessen bei Unternehmen gute Erfahrungen gemacht haben. Wir nennen sie die RE-Gnose. Im Gegensatz zur PRO-Gnose schauen wir mit dieser Technik nicht "in die Zukunft". Sondern von der Zukunft aus ZURÜCK ins Heute. Klingt verrückt? Versuchen wir es einmal:

Skoda Enyaq: Name des neuen Elektro-SUVs ist raus

  Skoda Enyaq: Name des neuen Elektro-SUVs ist raus Der neue Mazda CX-30 erreicht trotz strengerer Crashtest-Bewertungen der Euro NCAP die Höchstwertung von fünf Sternen. Wie auch der Mazda6 im vergangenen Jahr und der neue Mazda3 zu Beginn dieses Jahres ist der Mazda CX-30 der dritte Mazda, der von der Euro NCAP, einer Gesellschaft europäischer Verkehrsministerien, Automobilclubs und Versicherungsverbände, als eines der sichersten Fahrzeuge im Markt ausgezeichnet wird. Der Mazda CX-30 lieferte in allen vier Euro NCAP-Testkategorien beeindruckende Ergebnisse und punktete in den Kategorien Schutz erwachsener Insassen, Kindersicherheit, Schutz ungeschützter Verkehrsteilnehmer und Assistenzsysteme. Überzeugen konnte der Mazda CX-30 dabei vor allem durch die neue Skyactiv Vehicle Architecture mit hochfester, energieabsorbierender und dennoch leichter Karosserie, einer erweiterten Palette fortschrittlicher i-Activsense Sicherheitssystemen sowie hohem Fußgängerschutz. Mit einem herausragenden Wert von 99 Prozent in der Kategorie Schutz erwachsener Insassen erreichte der Mazda CX-30 die maximale Punktzahl für den frontalen Aufprall in voller Breite, beim Seitenaufprall und beim Pfahlaufpralltest. Michiel van Ratingen, Generalsekretär des Euro NCAP, sagte zu diesem Ergebnis: „Herzlichen Glückwunsch an Mazda für eine fast perfekte Bewertung der Sicherheit der erwachsenen Insassen. Es gibt noch mehrere Fahrzeuge, die 2019 getestet werden müssen, aber es ist unwahrscheinlich, dass wir für diesen Teil der Bewertung ein besseres Ergebnis sehen werden.“ Der Notbremsassistent (SBS) mit Fußgänger- und Radfahrererkennung verhinderte darüber hinaus erfolgreich Kollisionen in allen Szenarien mit geringen Geschwindigkeiten und wurde entsprechend mit der maximalen Punktzahl ausgezeichnet.

Zeit, um darüber nachzudenken, wie die Welt in Zukunft – nach Corona – aussehen wird. Lesen Sie mit BILDplus das Interview mit Zukunftsforscher Prof. Dr. Thomas Druyen, Direktor des Instituts für Zukunftspsychologie und Zukunftsmanagement: Über seine Vision von Rente, Digital- und

In der Corona - Krise wächst bei Unternehmern und Mitarbeitern die Furcht vor Pleiten und Arbeitslosigkeit. Und wenn der Nachbar mit seinem Autokauf ein Superschnäppchen gemacht hat, dann WELT -Chefökonomin Dorothea Siems: Die große Koalition nutzt die Corona - Krise dazu, den

Die Re-Gnose: Unsere Welt im Herbst 2020

Stellen wir uns eine Situation im Herbst vor, sagen wir im September 2020. Wir sitzen in einem Straßencafé in einer Großstadt. Es ist warm, und auf der Straße bewegen sich wieder Menschen.

Bewegen sie sich anders? Ist alles so wie früher? Schmeckt der Wein, der Cocktail, der Kaffee, wieder wie früher? Wie damals vor Corona?

Oder sogar besser?

Worüber werden wir uns rückblickend wundern?

Wir werden uns wundern, dass die sozialen Verzichte, die wir leisten mussten, selten zu Vereinsamung führten. Im Gegenteil. Nach einer ersten Schockstarre führten viele von sich sogar erleichtert, dass das viele Rennen, Reden, Kommunizieren auf Multikanälen plötzlich zu einem Halt kam. Verzichte müssen nicht unbedingt Verlust bedeuten, sondern können sogar neue Möglichkeitsräume eröffnen. Das hat schon mancher erlebt, der zum Beispiel Intervallfasten probierte – und dem plötzlich das Essen wieder schmeckte. Paradoxerweise erzeugte die körperliche Distanz, die der Virus erzwang, gleichzeitig neue Nähe. Wir haben Menschen kennengelernt, die wir sonst nie kennengelernt hätten. Wir haben alte Freunde wieder häufiger kontaktiert, Bindungen verstärkt, die lose und locker geworden waren. Familien, Nachbarn, Freunde, sind näher gerückt und haben bisweilen sogar verborgene Konflikte gelöst.

Skoda Enyaq (2021): Erlkönig zeigt serienmäßigen Innenraum

  Skoda Enyaq (2021): Erlkönig zeigt serienmäßigen Innenraum Obwohl die Geneva International Motor Show in diesem Jahr aufgrund der Gefahr des momentan grassierenden Corona Virus abgesagt wurde, haben es sich die Hersteller nicht nehmen lassen Ihre Premieren vorzustellen. Statt auf der Bühne aber nun in einem Livestream.

Für viele Bereiche wie Schulen ist der 4. Mai der neue Stichtag. Manche Geschäfte dürfen ab Montag öffnen. So soll es weitergehen. In einem Spitzengespräch haben die Kanzlerin und die Landeschefs über Lockerungen der Corona -Auflagen entschieden.

Für viele ist Corona der tiefste Einschnitt in ihrem bisherigen Leben. Diese Erfahrung könnte uns nachhaltig prägen. Jeder einzelne macht den Unterschied. Jeder schützt sich selbst, und jedem ist klar, dass er damit anderen hilft, so wie alle ihm. Lesen Sie auch. Corona - Krise .

Die Verbindlichkeit kehrt zurück

Die gesellschaftliche Höflichkeit, die wir vorher zunehmend vermissten, stieg an.

Jetzt im Herbst 2020 herrscht bei Fußballspielen eine ganz andere Stimmung als im Frühjahr, als es jede Menge Massen-Wut-Pöbeleien gab. Wir wundern uns, warum das so ist.

Wir werden uns wundern, wie schnell sich plötzlich Kulturtechniken des Digitalen in der Praxis bewährten. Tele- und Videokonferenzen, gegen die sich die meisten Kollegen immer gewehrt hatten (der Business-Flieger war besser) stellten sich als durchaus praktikabel und produktiv heraus. Lehrer lernten eine Menge über Internet-Teaching. Das Homeoffice wurde für Viele zu einer Selbstverständlichkeit – einschließlich des Improvisierens und Zeit-Jonglierens, das damit verbunden ist.

Lest auch: Alltagshelden: So warmherzig und kreativ helfen sich Menschen in Zeiten der Coronakrise

Bei langer Bundesliga-Pause: DFL-Vize zeichnet düsteres Bild

  Bei langer Bundesliga-Pause: DFL-Vize zeichnet düsteres Bild Bei langer Bundesliga-Pause: DFL-Vize zeichnet düsteres BildDie Frage, wann der Ball in der Bundesliga wieder rollen wird, kann aktuell niemand verlässlich beantworten.

Aber wie hoch werden die Opfer sein? Wie viele geliebte Menschen werden wir verlieren? Diese Situation ist ernst und sie ist offen. Das heißt: Es wird nicht nur, aber auch davon abhängen, wie diszipliniert jeder und jede die Regeln befolgt und umsetzt.

Das sagt der Zukunftsforscher Sven Gabor Janszky voraus. Für sie heißt Freiheit, Dinge nutzen zu können, aber sie nicht bei einem Umzug transportieren zu müssen. Quelle: Die Welt . Das System weiß, wo mein Wagen steht, macht den Kofferraum auf und stellt die Tüte rein.

Gleichzeitig erlebten scheinbar veraltete Kulturtechniken eine Renaissance. Plötzlich erwischte man nicht nur den Anrufbeantworter, wenn man anrief, sondern real vorhandene Menschen. Das Virus brachte eine neue Kultur des Langtelefonierens ohne Second Screen hervor. Auch die "messages" selbst bekamen plötzlich eine neue Bedeutung. Man kommunizierte wieder wirklich. Man ließ niemanden mehr zappeln. Man hielt niemanden mehr hin. So entstand eine neue Kultur der Erreichbarkeit. Der Verbindlichkeit.

"Bücher lesen wurde plötzlich zum Kult"

Menschen, die vor lauter Hektik nie zur Ruhe kamen, auch junge

Menschen, machten plötzlich ausgiebige Spaziergänge (ein Wort, das

vorher eher ein Fremdwort war). Bücher lesen wurde plötzlich zum Kult.

Reality Shows wirkten plötzlich grottenpeinlich. Der ganze Trivia-Trash, der unendliche Seelenmüll, der durch alle Kanäle strömte. Nein, er verschwand nicht völlig. Aber er verlor rasend an Wert.

Kann sich jemand noch an den Political-Correctness-Streit erinnern? Die unendlich vielen Kulturkriege um … ja um was ging da eigentlich?

Stephan Rammler: "Wir hätten besser vorbereitet sein müssen"

  Stephan Rammler: Auf die Corona-Pandemie werden weitere Krisen folgen, warnt der Zukunftsforscher Stephan Rammler. Er fordert: Unsere Gesellschaft muss widerstandsfähiger werden. © Ina Fassbender/​AFP/​Getty Images Ein Bett auf einer Intensivstation in Essen wird gemacht. Bringt das Coronavirus unser Gesundheitssystem an seine Grenzen? Das Coronavirus hat weltweit große Teile der Gesellschaft und Wirtschaft zum Erliegen gebracht. Mit strengen Maßnahmen versuchen Regierungen, das Virus einzudämmen, damit die Gesundheitssysteme die hohe Zahl der Infizierten bewältigen können.

#kjgathome Wie sieht die Welt nach Corona aus? Diese Frage stellen sich gerade sehr viele Menschen. Wir natürlich auch. Zu Beginn der Corona - Krise - bereits Mitte März - hat sich der Zukunftsforscher Matthias Horx Gedanken darüber gemacht und einen Ausblick auf die Zeit danach

Wie wird sich das Leben bis dahin verändert haben? Oder wie es die Studienautoren ausdrücken: „Heute kann ein Amateur mithilfe einer Kamera und frei verfügbarer Software einen relativ guten Film machen .“ Die Corona - Krise ist die Sternstunde unserer Demokratie.

Krisen wirken vor allem dadurch, dass sie alte Phänomene auflösen, über-flüssig machen…

Zynismus, diese lässige Art, sich die Welt durch Abwertung vom Leibe zu halten, war plötzlich reichlich out. Die Übertreibungs-Angst-Hysterie in den Medien hielt sich, nach einem kurzen ersten Ausbruch, in Grenzen.

Nebenbei erreichte auch die unendliche Flut grausamster Krimi-Serien ihren Tipping Point.

"Der große Technik-Hype ist vorbei"

Wir werden uns wundern, dass schließlich doch schon im Sommer Medikamente gefunden wurden, die die Überlebensrate erhöhten. Dadurch wurden die Todesraten gesenkt und Corona wurde zu einem Virus, mit dem wir eben umgehen müssen – ähnlich wie die Grippe und die vielen anderen Krankheiten. Medizinischer Fortschritt half. Aber wir haben auch erfahren: Nicht so sehr die Technik, sondern die Veränderung sozialer Verhaltensformen war das Entscheidende. Dass Menschen trotz radikaler Einschränkungen solidarisch und konstruktiv bleiben konnten, gab den Ausschlag. Die human-soziale Intelligenz hat geholfen. Die vielgepriesene Künstliche Intelligenz, die ja bekanntlich alles lösen kann, hat dagegen in Sachen Corona nur begrenzt gewirkt.

Damit hat sich das Verhältnis zwischen Technologie und Kultur verschoben. Vor der Krise schien Technologie das Allheilmittel, Träger aller Utopien. Kein Mensch – oder nur noch wenige Hartgesottene – glauben heute noch an die große digitale Erlösung. Der große Technik-Hype ist vorbei. Wir richten unsere Aufmerksamkeiten wieder mehr auf die humanen Fragen: Was ist der Mensch? Was sind wir füreinander?

Warum Doncic Nowitzki den Rang ablaufen kann

  Warum Doncic Nowitzki den Rang ablaufen kann Ein Experte rechnet damit, dass Luka Doncic besser wird als Dirk Nowitzki. Auch Mavs-Boss Cuban glaubt daran. Doch was fehlt Doncic noch? SPORT1 macht den Check.Er gehört wohl zu den 20 besten Spielern aller Zeiten. Er ist den Dallas Mavericks über 21 Jahre treu geblieben, hat der Stadt 2011 einen Titel geschenkt und wurde 2006 MVP.

Wir staunen rückwärts, wieviel Humor und Mitmenschlichkeit in den Tagen des Virus tatsächlich entstanden ist.

Wir werden uns wundern, wie weit die Ökonomie schrumpfen konnte, ohne dass so etwas wie "Zusammenbruch" tatsächlich passierte, der vorher bei jeder noch so kleinen Steuererhöhung und jedem staatlichen Eingriff beschworen wurde. Obwohl es einen "schwarzen April" gab, einen tiefen Konjunktureinbruch und einen Börseneinbruch von 50 Prozent, obwohl viele Unternehmen pleitegingen, schrumpften oder in etwas völlig anderes mutierten, kam es nie zum Nullpunkt. Als wäre Wirtschaft ein atmendes Wesen, das auch dösen oder schlafen und sogar träumen kann.

"In der neuen Welt spielt Vermögen plötzlich nicht mehr die entscheidende Rolle"

Heute im Herbst, gibt es wieder eine Weltwirtschaft. Aber die Globale Just-in-Time-Produktion, mit riesigen verzweigten Wertschöpfungsketten, bei denen Millionen Einzelteile über den Planeten gekarrt werden, hat sich überlebt. Sie wird gerade demontiert und neu konfiguriert. Überall in den Produktionen und Service-Einrichtungen wachsen wieder Zwischenlager, Depots, Reserven. Ortsnahe Produktionen boomen, Netzwerke werden lokalisiert, das Handwerk erlebt eine Renaissance. Das Global-System driftet in Richtung GloKALisierung: Lokalisierung des Globalen.

Wir werden uns wundern, dass sogar die Vermögensverluste durch den Börseneinbruch nicht so schmerzen, wie es sich am Anfang anfühlte. In der neuen Welt spielt Vermögen plötzlich nicht mehr die entscheidende Rolle. Wichtiger sind gute Nachbarn und ein blühender Gemüsegarten.

Das will Rummenigge nach der Krise ändern

  Das will Rummenigge nach der Krise ändern Der Fußball müsse Lehren aus der Coronakrise ziehen, fordert Karl-Heinz Rummenigge. Der Bayern-Boss setzt sich für eine einheitliche Lösung in Europa ein.Auf einem Weg zu mehr Vernunft bekräftigte der Vorstandsvorsitzende des Rekordmeisters FC Bayern München einen kontinentalen Ansatz.

Könnte es sein, dass das Virus unser Leben in eine Richtung geändert hat, in die es sich sowieso verändern wollte?

RE-Gnose: Gegenwartsbewältigung durch Zukunfts-Sprung

Warum wirkt diese Art der »Von-Vorne-Szenarios« so irritierend anders als eine klassische Prognose? Das hängt mit den spezifischen Eigenschaften unseres Zukunfts-Sinns zusammen. Wenn wir "in die Zukunft" schauen, sehen wir ja meistens nur die Gefahren und Probleme "auf uns zukommen", die sich zu unüberwindbaren Barrieren türmen. Wie eine Lokomotive aus dem Tunnel, die uns überfährt. Diese Angst-Barriere trennt uns von der Zukunft. Deshalb sind Horror-Zukünfte immer am Einfachsten darzustellen.

Re-Gnosen bilden hingegen eine Erkenntnis-Schleife, in der wir uns selbst, unseren inneren Wandel, in die Zukunftsrechnung einbeziehen. Wir setzen uns innerlich mit der Zukunft in Verbindung, und dadurch entsteht eine Brücke zwischen Heute und Morgen. Es entsteht ein "Future Mind" – Zukunfts-Bewusstheit.

"Wir verlassen die Angststarre und geraten wieder in die Lebendigkeit, die zu jeder wahren Zukunft gehört"

Wenn man das richtig macht, entsteht so etwas wie Zukunfts-Intelligenz. Wir sind in der Lage, nicht nur die äußeren "Events", sondern auch die inneren Adaptionen, mit denen wir auf eine veränderte Welt reagieren, zu antizipieren.

Das fühlt sich schon ganz anders an als eine Prognose, die in ihrem apodiktischen Charakter immer etwas Totes, Steriles hat. Wir verlassen die Angststarre und geraten wieder in die Lebendigkeit, die zu jeder wahren Zukunft gehört.

Wir alle kennen das Gefühl der geglückten Angstüberwindung. Wenn wir für eine Behandlung zum Zahnarzt gehen, sind wir schon lange vorher besorgt. Wir verlieren auf dem Zahnarztstuhl die Kontrolle und das schmerzt, bevor es überhaupt wehtut. In der Antizipation dieses Gefühls steigern wir uns in Ängste hinein, die uns völlig überwältigen können. Wenn wir dann allerdings die Prozedur überstanden haben, kommt es zum Coping-Gefühl: Die Welt wirkt wieder jung und frisch und wir sind plötzlich voller Tatendrang.

Der große SPORT1-Report: Ist Kalou ein Einzelfall?

  Der große SPORT1-Report: Ist Kalou ein Einzelfall? Salomon Kalous Video wirft die Frage auf, ob andere Klubs mit den Hygiene-Vorschriften ähnlich unvernünftig umgehen. Der SPORT1-Report zeigt eine klare Tendenz.Der fast einhellige Vorwurf lautet, dass es in nahezu jedem der 36 Klubs der Bundesliga und 2. Bundesliga derart zugeht, wie im kurzen Ausschnitt von Kalous längst gelöschtem Facebook-Video: Mit vollen Kabinen und Spielern, welche die peniblen Hygiene-Vorschriften nicht einhalten und Corona-Tests (im Hertha-Fall im Mundraum des Spielers), deren vorschriftsmäßige Durchführung zumindest angezweifelt werden darf.

Coping heißt: bewältigen. Neurobiologisch wird dabei das Angst-Adrenalin durch Dopamin ersetzt, eine Art körpereigener Zukunfts-Droge. Während uns Adrenalin zu Flucht oder Kampf anleitet (was auf dem Zahnarztstuhl nicht so richtig produktiv ist, ebenso wenig wie beim Kampf gegen Corona), öffnet Dopamin unsere Hirnsynapsen: Wir sind gespannt auf das Kommende, neugierig, vorausschauend. Wenn wir einen gesunden Dopamin-Spiegel haben, schmieden wir Pläne, haben Visionen, die uns in die vorausschauende Handlung bringen.

"Das ist keine Apokalypse, sondern ein Neuanfang"

Erstaunlicherweise machen viele in der Corona-Krise genau diese Erfahrung. Aus einem massiven Kontrollverlust wird plötzlich ein regelrechter Rausch des Positiven. Nach einer Zeit der Fassungslosigkeit und Angst entsteht eine innere Kraft. Die Welt "endet", aber in der Erfahrung, dass wir immer noch da sind, entsteht eine Art Neu-Sein im Inneren.

Mitten im Shut-Down der Zivilisation laufen wir durch Wälder oder Parks, oder über fast leere Plätze. Aber das ist keine Apokalypse, sondern ein Neuanfang.

So erweist sich: Wandel beginnt als verändertes Muster von Erwartungen, von Wahr-Nehmungen und Welt-Verbindungen. Dabei ist es manchmal gerade der Bruch mit den Routinen, dem Gewohnten, der unseren Zukunfts-Sinn wieder freisetzt. Die Vorstellung und Gewissheit, dass alles ganz anders sein könnte – auch im Besseren.

Vielleicht werden wir uns sogar wundern, dass Trump im November abgewählt wird. Die AfD zeigt ernsthafte Zerfransens-Erscheinungen, weil eine bösartige, spaltende Politik nicht zu einer Corona-Welt passt. In der Corona-Krise wurde deutlich, dass diejenigen, die Menschen gegeneinander aufhetzen wollen, zu echten Zukunftsfragen nichts beizutragen haben. Wenn es ernst wird, wird das Destruktive deutlich, das im Populismus wohnt.

"Fake News verloren rapide an Marktwert"

Politik in ihrem Ur-Sinne als Formung gesellschaftlicher Verantwortlichkeiten bekam dieser Krise eine neue Glaubwürdigkeit, eine neue Legitimität. Gerade weil sie "autoritär" handeln musste, schuf Politik Vertrauen ins Gesellschaftliche. Auch die Wissenschaft hat in der Bewährungskrise eine erstaunliche Renaissance erlebt. Virologen und Epidemiologen wurden zu Medienstars, aber auch "futuristische" Philosophen, Soziologen, Psychologen, Anthropologen, die vorher eher am Rande der polarisierten Debatten standen, bekamen wieder Stimme und Gewicht.

Fake News hingegen verloren rapide an Marktwert. Auch Verschwörungstheorien wirkten plötzlich wie Ladenhüter, obwohl sie wie saures Bier angeboten wurden.

Ein Virus als Evolutionsbeschleuniger

Tiefe Krisen weisen obendrein auf ein weiteres Grundprinzip des Wandels hin: Die Trend-Gegentrend-Synthese.

Die neue Welt nach Corona – oder besser mit Corona – entsteht aus der Disruption des Megatrends Konnektivität. Politisch-ökonomisch wird dieses Phänomen auch "Globalisierung" genannt. Die Unterbrechung der Konnektivität – durch Grenzschließungen, Separationen, Abschottungen, Quarantänen – führt aber nicht zu einem Abschaffen der Verbindungen. Sondern zu einer Neuorganisation der Konnektome, die unsere Welt zusammenhalten und in die Zukunft tragen. Es kommt zu einem Phasensprung der sozio-ökonomischen Systeme.

Lest auch: Corona-Sofort-Hilfe: Leon Goretzka und Joshua Kimmich spenden 1 Million Euro für soziale und karitative Einrichtungen

Die kommende Welt wird Distanz wieder schätzen – und gerade dadurch Verbundenheit qualitativer gestalten. Autonomie und Abhängigkeit, Öffnung und Schließung, werden neu ausbalanciert. Dadurch kann die Welt komplexer, zugleich aber auch stabiler werden. Diese Umformung ist weitgehend ein blinder evolutionärer Prozess – weil das eine scheitert, setzt sich das Neue, überlebensfähig, durch. Das macht einen zunächst schwindelig, aber dann erweist es seinen inneren Sinn: Zukunftsfähig ist das, was die Paradoxien auf einer neuen Ebene verbindet.

"Jede Tiefenkrise hinterlässt eine Story"

Dieser Prozess der Komplexierung – nicht zu verwechseln mit

Komplizierung – kann aber auch von Menschen bewusst gestaltet werden.

Diejenigen, die das können, die die Sprache der kommenden Komplexität

sprechen, werden die Führer von Morgen sein. Die werdenden

Hoffnungsträger. Die kommenden Gretas.

„Wir werden durch Corona unsere gesamte Einstellung gegenüber dem

Leben anpassen – im Sinne unserer Existenz als Lebewesen inmitten

anderer Lebensformen.”

Slavo Zizek im Höhepunkt der Coronakrise Mitte März

Jede Tiefenkrise hinterlässt eine Stor, ein Narrativ, das weit in die Zukunft weist. Eine der stärksten Visionen, die das Coronavirus hinterlässt, sind die musizierenden Italiener auf den Balkonen. Die zweite Vision senden uns die Satellitenbilder, die plötzlich die Industriegebiete Chinas und Italiens frei von Smog zeigen. 2020 wird der CO2-Ausstoß der Menschheit zum ersten Mal fallen. Diese Tatsache wird etwas mit uns machen.

Wenn das Virus so etwas kann – können wir das womöglich auch? Vielleicht war der Virus nur ein Sendbote aus der Zukunft. Seine drastische Botschaft lautet: Die menschliche Zivilisation ist zu dicht, zu schnell, zu überhitzt geworden. Sie rast zu sehr in eine bestimmte Richtung, in der es keine Zukunft gibt.

Aber sie kann sich neu erfinden.

System reset.

Cool down!

Musik auf den Balkonen!

So geht Zukunft.

Matthias Horx (www.horx.com) beschäftigt sich als freier Autor und Unternehmensberater seit rund drei Jahrzehnten mit Trend- und Zukunftsthemen. 1998 gründete er das Zukunftsinstitut (www.zukunftsinstitut.de).

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