Wissen & Technik Impfung für alle ab Mitte kommenden Jahres: Soweit sind Biontech, Curevac und IDT bei der Entwicklung eines deutschen Wirkstoffes

18:30  08 oktober  2020
18:30  08 oktober  2020 Quelle:   businessinsider.de

Covid-Impfstoffentwickler: Curevac strebt Bewertung von mehr als zwei Milliarden an

  Covid-Impfstoffentwickler: Curevac strebt Bewertung von mehr als zwei Milliarden an Covid-Impfstoffentwickler: Curevac strebt Bewertung von mehr als zwei Milliarden an

Es ist die Frage, die derzeit alle beschäftigt: Wann gibt es einen sicheren und wirksamen Impfstoff gegen Covid-19? Weltweit suchen Forscher unter Hochdruck nach einem wirksamen Serum — auch hierzulande. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt dazu drei Unternehmen mit insgesamt 750 Millionen Euro bei der Impfstoffentwicklung: Neben Curevac und Biontech fördert der Bund auch IDT Biologika.

"Mit unserer Förderung versetzen wir die drei Unternehmen in die Lage, ihre Projekte breiter aufzustellen und schneller voranzukommen", sagte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek am Donnerstag auf einer Pressekonferenz. Sie gehe davon aus, dass Mitte kommenden Jahres "breite Teile der Bevölkerung geimpft werden können". Sie halte es sogar für möglich, dass ein Impfstoff bereits früher gefunden wird. "Sollte es schneller gehen, wäre es natürlich toll", sagte sie.

CureVac glückt Börsengang: CureVac-Aktie mit fulminanter Erstnotiz

  CureVac glückt Börsengang: CureVac-Aktie mit fulminanter Erstnotiz Das deutsche Biotechunternehmen CureVac hat am Freitag den Sprung an die Börse gewagt. © Bereitgestellt von Finanzen.net DANIEL ROLAND/AFP/Getty Images CureVac ist an diesem Freitag an die US-Technologiebörse NASDAQ gegangen.Der Erstkurs belief sich auf 44 US-Dollar und damit 175 Prozent über dem Ausgabepreis von 16 US-Dollar. Die Spanne war zuvor auf 14 bis 16 US-Dollar je CureVac-Aktie festgesetzt worden. Im weiteren Handel geht es für die Aktie bislang bis auf 48,88 US-Dollar nach oben. Curevac erlöste bei der Aktienplatzierung mehr als 200 Millionen US-Dollar.

Sie verwies allerdings auch darauf, dass noch einige Fragen offen seien: zum Beispiel, wie lange die Immunität nach einer Impfung anhält oder wie häufig man geimpft werden muss, bevor ein Schutz besteht. Zudem habe Sicherheit die absolute Priorität: "Ein Impfstoff kann nur zur Anwendung kommen, wenn der erwiesene Nutzen deutlich größer ist als mögliche Risiken", sagte sie.

Zulassungsprozess für den Kandidaten von Biontech gestartet

Am weitesten fortgeschritten ist der Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech, den es gemeinsam mit seinem US-Partner Pfizer produziert. Der Wirkstoff gehört in die Gruppe der genbasierten Impfstoffe und ist ein sogenannter RNA-Impfstoff. Derzeit befindet er sich in der globalen Phase III mit insgesamt 44.000 Probanden — 37.000 sind bereits geimpft.

Corona-Impfstoff: Biontech baut Kapazität aus

  Corona-Impfstoff: Biontech baut Kapazität aus Noch gibt es keinen Impfstoff gegen Corona. Doch wenn er einmal ist, soll er auch massenhaft produziert werden können. Dafür kauft die Pharmafirma Biontech jetzt ein Werk mit großer und langer Tradition. © picture alliance/dpa Provided by Deutsche Welle Für die Herstellung eines möglichen Corona-Impfstoffs will das Mainzer Unternehmen Biontech von dem Schweizer Pharmakonzern Novartis dessen Produktionsstätte in Marburg übernehmen. Das Geschäft soll noch vor Jahresende abgeschlossen werden und die Impfstoffproduktion in wenigen Wochen starten, wie das Unternehmen in einer Pressekonferenz mitteilte.

"Wir nähern uns dem Ende", sagte Sierk Poetting von Biontech. Frühere Studien hätten bereits gezeigt, dass das Mittel nur leichte bis mittlere Nebenwirkungen verursache und damit von allen Altersgruppen gut vertragen werde. Die Probanden hätten Antikörper gebildet und andere erwünschte Immunreaktionen gezeigt.

Bereits in dieser Woche startet mit dem sonst eher ungewöhnlichen sogenannten "Rolling Review" der Zulassungsprozess bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA. Damit ist Biontech das erste deutsche Unternehmen und das zweite europäische neben AstraZeneca, dass für diesen Prozess zugelassen wurde.

Die Daten zu Wirksamkeit und Sicherheit werden dabei nicht erst nach Abschluss der klinischen Studien begutachtet wie normalerweise, sondern parallel zu den laufenden Studien. Zu einer Aussage, wann der Impfstoff verfügbar sein wird, wollte sich Poetting nicht hinreißen lassen. Das hänge von den Behörden und den finalen Daten der klinischen Studie ab.

Corona-Countdown: Der Biontech-Impfstoff liegt international vorn — diese 3 Hürden muss er noch nehmen

  Corona-Countdown: Der Biontech-Impfstoff liegt international vorn — diese 3 Hürden muss er noch nehmen Die Biotech-Firma von CEO Ugur Sahin ist zusammen mit ihrem US-Partner Pfizer am weitesten fortgeschritten mit einem Corona-Impfstoff.Nun ist es ein Wettlauf gegen die Zeit: Wer wird schneller sein, der lange Winter oder die Forscher mit ihren heilsbringenden Corona-Impfstoffen? Die Mitarbeiter von Biontech befinden sich jetzt auf der Zielgeraden, wenige Wochen vor einer möglichen Zulassung des weltweit ersten Impfstoffs gegen Covid-19 — wenn man von der frühzeitigen Zulassung des russischen Impfstoffs "Sputnik" absieht, der international sehr kritisch gesehen wird.

Die Förderung vom BMBF in Höhe von 375 Millionen Euro will Biontech unter anderem für den Ausbau der Produktionskapazitäten verwenden. Jährlich sollen 750 Millionen Impfdosen hergestellt werden können. Das Unternehmen hatte die Übernahme eines Werks für die Impfstoffproduktion in Marburg angekündigt, das jetzt dafür umgerüstet wird.

Curevac rechnet mit Wirkstoff Mitte kommenden Jahres

Curevac erhält eine Förderung über 252 Millionen Euro. Der Wirkstoff des Tübinger Unternehmens befindet sich gerade in Phase I. Im Juni hatte Curevac die Genehmigung für eine klinische Prüfung bekommen. Inzwischen wird der Impfstoff zusätzlich auch in einer klinischen Phase-IIa-Studie in Peru und Panama getestet.

Curevac rechnet damit, Ende dieses Jahres mit der kombinierten II/III-Phase beginnen zu können und diese dann Mitte kommenden Jahres beendet zu haben, sodass eine reguläre Zulassung beantragt werden kann. Wie groß der Umfang der jährlichen Produktion sein wird, hänge von der finalen Dosis des Impfstoffes ab. "Wir gehen aber davon aus, dass es mehrere 100 Millionen Dosen sein werden", sagte Mariola Fotin-Mleczek,  Chief Technology Officer bei Curevac.

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IDT Biologika impft erste Probanden

IDT Boilogika entwickelt in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) einen sogenannten vektorbasierten Impfstoff. Die Impfstofftechnologie wurde an der Ludwig-Maximilians-Universität in München entwickelt. Mit derselben Technologie entwickeln das DZIF und IDT Biologika bereits einen Impfstoff gegen das MERS-Coronavirus.

Das Paul-Ehrlich-Institut hatte erste klinische Tests vergangene Woche genehmigt. Am Freitag wolle man anfangen die ersten Probanden zu impfen, sagte Andreas Neubert von IDT Biologika. Ende 2021 soll dann die Zulassung beantragt werden. Vom Bund erhielt das Unternehmen eine Fördersumme von 114 Millionen Euro.

  Impfung für alle ab Mitte kommenden Jahres: Soweit sind Biontech, Curevac und IDT bei der Entwicklung eines deutschen Wirkstoffes © Bereitgestellt von Business Insider Deutschland
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Plötzlich berühmt: Deutsche Biotechs im Rampenlicht .
Gleich zwei deutsche Unternehmen mischen im globalen Wettrennen um einen COVID-Impfstoff ganz vorne mit. Doch die Potenziale deutscher Spitzenforschung könnten noch viel effektiver genutzt werden. © Fotolia/Gernot Krautberger Provided by Deutsche Welle Deutschlands Biotech-Branche steht aktuell im Zentrum der Weltöffentlichkeit. Das Unternehmen Biontech aus Mainz ist mit seinem US-Partner Pfizer kurz vor der Zulassung seines Impfstoffs gegen COVID-19 und Curevac aus Tübingen stellt für die kommenden Monate zwar nicht das "schnellste, aber beste" Vakzin gegen Corona in Aussicht.

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