Wissen & Technik Landwirtschaft vom Klimakiller zum Klimaretter: Wie geht das?

17:30  09 oktober  2020
17:30  09 oktober  2020 Quelle:   dw.com

5 Kilometer Vollgas mit den Pace Pack Runners - On SquadRace in Hagen

  5 Kilometer Vollgas mit den Pace Pack Runners - On SquadRace in Hagen Auf der Suche nach der schnellsten Laufcrew des Landes veranstaltet On eine virtuelle Rennserie. In Hagen gab es aber ganz reale Rennaction.Auf einer Strecke von fünf Kilometern treten die Squads gegeneinander an. Dies bedeutet, dass kein einzelner Läufer das Rennen gewinnt, sondern das schnellste Team. Das Team, welches die geringste Durchschnittszeit für das Rennen benötigt hat, ist die schnellste Crew Deutschlands. Beim SquadRace laufen die Teams in entgegengesetzter Richtung. Start und Ziel befinden sich in der Mitte der Strecke. An dieser Stelle bilden die anderen Läufer, welche nicht mitlaufen, die Cheeringzone.

Die Landwirtschaft stößt weltweit viele Treibhausgase aus. Doch bessere Anbaumethoden können den CO2 Ausstoß verminden, sichern die Ernährung und vermehren die Fruchtbarkeit der Böden.

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Der Erdboden ist besonders wichtig für den Klimaschutz, denn er bindet besonders viel Kohlenstoff (C). Entweicht der, entsteht in Verbindung mit Sauerstoff daraus das Treibhausgas CO2. Die Humus-Schicht in den Böden spielt dabei eine Schlüsselrolle: Humus speichert weltweit vier Mal mehr Kohlenstoff als in Form von CO2 in der Atmosphäre vorhanden ist.

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  5 Tipps, um eure Videoproduktion nachhaltiger zu gestalten Ihr dreht Videos und wollt diesen Prozess gern nachhaltiger gestalten? Das ist kein Hexenwerk! Mit ein paar einfachen Tipps und Tricks könnt ihr schon viel erreichen. © SKphotographer / shutterstock Videoproduktion geht auch nachhaltig. Wer guten Video-Content erstellen will, braucht eine Idee, eine sauber geplante Umsetzung und eine ordentliche Post-Produktion. In Zeiten des Klimawandels solltet ihr bei der Produktion – sei es für Brand-Content, Social-Media-Kampagnen oder Werbefilme – aber eine weitere Dimension mitdenken: Nachhaltigkeit. Denn noch immer gilt die Filmbranche als Klimakiller.

Der nährstoffreiche Humus - eine lockere, meist etwas dunklere obere Erdschicht - entsteht natürlich aus abgestorbenen Pflanzenteilen, zersetzt von Bodenorganismen wie Bakterien, Pilzen und Würmern. Humus ist wertvoll für das Pflanzenwachstum und durch den hohen Anteil an Kohlenstoff wichtig für den Klimaschutz.

Dabei sind weltweit natürliches Grasland und Waldgebiete humusreicher als Ackerland, und besonders hoch ist der Anteil inFeuchtgebieten und Mooren.

Doch durch die landwirtschaftliche Praxis mit viel Monokulturen geht seit Jahren immer mehr Humus in den Böden verloren - und so entweicht zusätzlich CO2. Der Grund: industrielle Anbaumethoden laugen die Böden aus und verhinden die Neubildung von Humus. Chemische Dünger sichern zwar die Ernten und sparen Arbeitsaufwand, doch der Humusgehalt des Bodens nimmt immer mehr ab.

"Das wäre doch der geniale Kontrapunkt zur WM in Katar"

  Was Nachhaltigkeit und Ökologie anbelangt, hat der Fußball noch viel Luft nach oben. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, wandte sich mit konkreten Vorschlägen an die Vereine und den DFB. Einen Seitenhieb gab es dabei für die WM in Katar im Jahr 2022. © imago images Gigantische Klimaanlagen sollen bei der WM 2022 in den Stadien für Kühlung sorgen. Am Dienstagmorgen bat die Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima und die Initiative "Sports for Future" zu einem digitalen Pressetermin.

Dabei können Landwirte den Humus mit Fruchtfolgen und Einarbeitung von Pflanzenresten erhalten und die natürliche Bodenfruchtbarkeit steigern. Vor dem Beginn der Agrararindustrie hatten Bauern keine Alternativen und nutzten solche natürlichen Techniken: Sie waren zur Sicherung der Ernten auf Erhalt von Humus angewiesen.

Ein anderer Faktor für den weltweiten Verlust von Humus ist die globale Zunahme an Ackerflächen. Immer mehr zusätzliches Ackerland wird für den Anbau von Tierfutter für die wachsende Fleischproduktion gebraucht. Humusreiche Feuchtgebiete und Moore werden dafür trockengelegt, Grünland in Ackerland umgewandelt und immer mehr Wälder durch Brandrodung urbar gemacht. Der in Bäumen und Pflanzen gebundene Kohlenstoff geht verloren und entweicht als CO2. Und der Humusanteil im Boden nimmt in den Folgejahren durch industrielle Anbaumethoden immer weiter ab.

Globale Erwärmung: "Schwindelerregende" 28 Billionen Tonnen Eis gingen seit 1994 verloren, so britische Wissenschaftler

  Globale Erwärmung: Erstmals haben Forscher berechnet, wie viel Eis zwischen 1994 und 2017 geschmolzen ist. Die Ergebnisse seien "schwindelerregend", heißt es.Sie analysierten Satellitenbilder von Gletschern, Bergen und Eisschilden der Jahre 1994 bis 2017, um den Einfluss der globalen Erwärmung ausmachen zu können. Ihre Ergebnisse wurden im Fachmagazin "Cryosphere Discussions" veröffentlicht.

Anteil der Ernährungswirtschaft Treibhausgasen: 31 Prozent

Der Verlust von Humus und fruchtbaren Böden ist laut den Vereinten Nationen auch eine große Gefahr für die Welternährung.

Nach Angaben des Weltklimarats werden durch den Verlust von Humus und Wäldern pro Jahr rund 5800 Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre abgeben - das sind rund 11 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen.

Weitere Treibhausgase entstehen in der Landwirtschaft durch Viehhaltung, Düngung, die energieintensive Produktion von Kunstdünger, durch Pestizide, Lebensmittelverarbeitung, Verpackungsherstellung und den Transport.

Insgesamt entstehen bei der Produktion von Nahrungsmitteln rund 31 Prozent der gesamten globalen CO2 Emissionen.

Wie wird Landwirtschaft zum Klimaretter?

Für den Stopp der Erderhitzung muss auch die Landwirtschaft klimaneutral werden. Das ist möglich - sie kann sogar zusätzliches CO2 aus der Atmosphäre durch Pflanzenwachstum binden, wie wissenschaftliche Berechnungen zeigen.

Der Sonderbericht des Weltklimarats (IPCC) zur Landnutzung und Ernährungssicherheit empfiehlt, Weideflächen und Ackerland weltweit zu reduzieren. Ausserdem sollten Wälder weltweit wieder aufgeforstet und der Humusanteil in den Böden erhöht werden.

Meinung: EU und Umwelt - Das muss schneller gehen!

  Meinung: EU und Umwelt - Das muss schneller gehen! Klimaschutz, Landwirtschaft, Artenerhalt: Bei vielen überlebenswichtigen Themen läuft der EU die Zeit davon. Weil sie zu schwerfällig ist, meint Bernd Riegert. © picture alliance/dpa/J. Stratenschulte Bienen werden seltener: Bestäubung durch Insekten ist Voraussetzung für jegliche Nahrungsproduktion Die steigenden Corona-Zahlen in Europa verdrängen andere wichtige, ja überlebenswichtige Themen aus den Schlagzeilen und aus den Köpfen. Die Europäische Union hat in dieser Woche sowohl den Klimaschutz als auch mehr nachhaltige Landwirtschaft und den Erhalt der Artenvielfalt auf der Tagesordnung gehabt.

Laut Experten ließen sich mit Aufforstung von Wäldern während der Wachstumsphase pro Jahr 3,6 Milliarden Tonnen CO2 binden. Bei einem weltweiten Humusaufbau könnten weitere zwei bis fünf Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr gebunden werden, das zeigt eine aktuelle Studie der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP).

Eine weitere Möglichkeit zur CO2-Bindung ist Pflanzenkohle: Organisches Material wie Holz und Pflanzenreste werden mit Hilfe von Wärme, Druck und Ausschluss von Sauerstoff verkohlt und dann in die Böden eingebracht. Der dabei gebundene Kohlenstoff kann über Jahrhunderte im Boden bleiben und in Verbindung mit Humus und Bakterien die Bodenfruchtbarkeit deutlich erhöhen.

Laut SWP-Studie könnten bei einer globalen Anwendung mit dieser Technik pro Jahr zwischen 0,5 und zwei Milliarden Tonnen CO2 zusätzlich gebunden werden.

Humus: Aus Pflanzenresten wurde mit Hilfe von Bakterien, Pilzen und Würmern fruchtbare Erde mit viel Kohlenstoff. © picture alliance/WILDLIFE/D. Harms Humus: Aus Pflanzenresten wurde mit Hilfe von Bakterien, Pilzen und Würmern fruchtbare Erde mit viel Kohlenstoff.

Ökolandbau: Vorbild für zukunftsfähige Landwirtschaft

Nicht nur wegen der CO2 Bilanz, auch als Hauptverursacher des weltweiten Artensterbens steht die industrielle Landwirtschaft inzwischen zunehmend in der Kritik.

Initiativen für besser Anbaumethoden gibt es in vielen Bereichen, darunter die sogenannte Farm to Fork Strategie der EU.

Meinung: EU drückt sich um echte Agrarreform

  Meinung: EU drückt sich um echte Agrarreform In der EU-Agrarpolitik soll Umweltschutz künftig eine größere Rolle spielen. Das ist ein guter Vorsatz. Doch von einer ökologischen Wende ist Brüssel trotz Agrarreform noch weit entfernt, meint Max Zander. © Jochen Tack/picture-alliance Provided by Deutsche Welle Spät, aber hoffentlich nicht zu spät, hat die EU erkannt, dass Landwirtschaft und Umweltschutz zwei Seiten einer Medaille sind. In Zukunft soll deshalb die gemeinsame Agrarpolitik einen größeren Teil dazu beitragen, dass Natur und Klima vor den schädlichen Auswirkungen der Landwirtschaft geschützt werden.

"Die Biodiversitätsstrategie und die Strategie 'vom Hof auf den Tisch' bilden den Kern des 'Grünen Deals' und stehen für ein neues, harmonischeres Zusammenspiel von Natur, Lebensmittelerzeugung und biologischer Vielfalt. Es geht schließlich um die Gesundheit und das Wohlergehen der Menschen", erklärt der EU Kommissar für Klimaschutz Frans Timmermans auf der Webseite der EU.

Das deutsche Umweltministerium will für den Klimaschutz auch Futtermittelimporte, etwa von Soja, verringern. "Regionalität der produzierten landwirtschaftlichen Güter sollten wieder eine wesentlich höhere Bedeutung erhalten, um so auf eine entsprechende Reduktion der Abholzung von Regenwald für den Sojaanbau hinzuwirken," so eine Sprecherin des Ministeriums gegenüber der DW,

Vorbild für Klima- und Artenschutz ist die ökologische Landwirtschaft. Sie setzt auf Humusaufbau, verzichtet auf synthetische Dünger und Pestizide und vermeidet Importe von Tierfutter aus Übersee.

Wenig Abfall hilft Klimaschutz

Ein weiter Schlüssel zur Emissionsminderung ist der Stopp von Lebensmittelverschwendung. Schätzungen zufolge "landet ein Drittel aller weltweit produzierten Lebensmittel auf dem Müll." sagt Rosa Rolle, Projektleiterin des Food Loss and Food Waste Programms der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO).

Insgesamt werden rund 1,3 Milliarden Tonnen Nahrungsmittel produziert, die nicht verzehrt werden. Dabei entstehen laut Schätzungen der FAO rund 3600 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr.

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 Englische Familienbauern sind im Rahmen der Reformen nach dem Brexit einem „Vollgasangriff“ ausgesetzt Hunderte Familienbetriebe in England werden durch einen „Vollgasangriff“ gefährdet, der in den Reformen der Regierung nach dem Brexit zur Unterstützung der Landwirtschaft enthalten ist habe gewarnt.

Gesundheit für Mensch und Erde mit weniger Fleisch und Milch

In den letzen 50 Jahren wurde die weltweite Fleischproduktion vervierfacht - enstprechend rasant steigt der Bedarf an Ackerflächen für den Anbau von Viehfutter wie Soja, Mais und Weizen.

Laut Umweltbundesamt werden inzwischen rund 71 Prozent der weltweiten Ackerflächen für Viehfutter verwendet und nur 18 Prozent für den Anbau von Nahrungsmitteln für Menschen. Um künftig die wachsende Weltbevölkerung gut zu ernähren und zugleich genügend Flächen für Aufforstungen zu haben, fordern Experten auch hier ein Umdenken.

"Wir können mehr gesundes Gemüse essen und weniger Fleisch", sagt Johan Rockström, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und Ko-Vorsitzender der EAT-Lancet-Kommission. Im Report für Gesundes Leben auf einem gesunden Planeten zeigt die Kommission wie eine gesunde und klimafreundliche Ernährung weltweit aussehen kann.

Würden die Empfehlungen umgesetzt, dann läge der durchschnittliche Konsum von Fleisch pro Person bei etwa 300 Gramm pro Woche (16 kg/Jahr); der Konsum von Milchprodukten bei 630 Gramm pro Woche (33 kg/Jahr). Bisher wird in Nord- und Südamerika, Europa und China wird bis zu sieben Mal mehr Fleisch konsumiert. Bei Milchprodukten ist der Konsum vor allem in Europa und USA fast acht Mal höher als empfohlen.

"Interessanterweise kann bereits der bloße Wechsel zu einer stärker pflanzlichen 'flexitarischen' Ernährung die Treibhausgasemissionen aus der landwirtschaftlichen Produktion ungefähr halbieren", so Rockström. Die Ernährungsumstellung "könne dazu beitragen, alle gesund zu halten: den Planeten, und die Menschen."

Autor: Gero Rueter

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